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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 13-Sep-2018
Autor: Daniel ZAPFL

Definition: Was ist ein LEAD User?

 

Zahlreiche Innovationen scheitern. Gründe dafür gibt es viele. Sie sind aber leider immer erst dann bekannt, wenn schon sehr viel Arbeit, Geld und Mühe in die Erfindung geflossen sind. Wenn allerdings LEAD User am Entwicklungsprozess mitwirken, vermindert das die Gefahr des Scheiterns enorm. Das zeigen Studien, die Praxis und auch viele erfolgreiche Erfindungen, die Nutzer miterdacht und realisiert haben. Doch was ist ein LEAD User eigentlich?

 

LEAD User handeln aus Eigennutz

LEAD User sind fortschrittliche Nutzer oder Anwender, die sich selbst in einem bestimmten Bereich sehr intensiv mit einem Problem auseinandersetzen. Den Begriff hat der Ökonom und Professor an der MIT Sloan School of Management, Eric von Hippel, Ende der 80er-Jahre prägt. Hippel entdeckte damals, dass nicht die Hersteller selbst, sondern die Nutzer für wichtige Innovationen sorgten. Laut Eric von Hippel hat jeder LEAD User folgende zwei Eigenschaften: 

  • LEAD User haben bereits Bedürfnisse oder Anforderungen, die andere Marktteilnehmer, wie etwa der Early Adopter erst einige Zeit später haben werden
  • LEAD User ziehen aus einer Innovation großen Nutzen für sich. Teilweise tüfteln sie selbst schon daran.

LEAD User können sowohl Privatpersonen, Experten aber auch Firmen oder Organisationen sein. Verwechseln Sie aber LEAD User nicht mit Pilotkunden oder Beta-Usern. Diese nehmen bereits existierende Entwicklungen genauer unter die Lupe, um das Endergebnis zu verbessern. LEAD User hingegen kommen schon viel früher im Innovationsprozess zum Einsatz, und leisten einen viel wichtigeren Beitrag: Sie entwerfen die Innovation gemeinsam mit einem Hersteller oder teilweise überhaupt autonom.

Handbuch LEAD User Methode

 

Lackieren statt nochmal tippen

Ein gutes Beispiel dafür gibt Bette Nesmith Graham ab. Sie arbeitete in den 50er-Jahren nach ihrer Scheidung für „Texas Bank and Trust“ als Sekretärin, um sich und ihren Sohn Michael durchzubringen. Damals kamen die ersten elektrischen Schreibmaschinen auf den Markt, und Mrs. Nesmith Graham hatte damit ihre Probleme. Weil der Tastenschlag viel leichtgängiger als bei den mechanischen Apparaten war, fabrizierte sie sehr viele Tippfehler. Wegradieren funktionierte ohne hässliche Spuren am Papier leider auch nicht. Bette Nesmith mischte deshalb selbständig einen papierfarbenen Lack zusammen und trug diesen immer dann auf, wenn ihr wieder ein Tippfehler unterlaufen war. Über die getrocknete Flüssigkeit konnte sie dann das Richtige tippen, anstatt das gesamte Schriftstück noch einmal komplett zu schreiben. Bette Nesmith Graham nannte ihre Erfindung „Mistake Out“ und wollte sie an IBM verkaufen. Doch das Unternehmen zeigt kein Interesse. Immerhin konnte sie sich dank ihrer inzwischen unter dem Namen „Liquid Paper“ patentierte Innovation über Wasser halten, nachdem sie die Bank 1958 gekündigt hatte. 1979 kaufte Gillette Corporation die Liquid Paper Corporation für knapp 48 Millionen Dollar.

 

Tüfteln ist ein Volkssport

Frau Nesmith Graham mag mit ihrem geschäftlichen Erfolg ein Einzelfall sein. Das Tüfteln, um Geräte zu verbessern, ist jedoch eine Massenerscheinung. Eric von Hippel hat dies in einer Studie belegt, die er im Jahr 2010 unter knapp 1200 britischen Konsumenten durchgeführt hat. Derzufolge investieren über sechs Prozent der Verbraucher Zeit und Geld, um existierende Geräte zu verbessern. Diese Ausgaben zusammengerechnet ergeben eine Summe, die fast eineinhalb mal so groß ist, wie die gesamten Investitionen, die die britische Wirtschaft jährlich für Innovationen ausgibt. Die Lust am Erfinden ist also ein Volkssport.

 

Von Nutzern erfunden: Mountainbike, WorldWideWeb und Gatorade

Bei näherer Betrachtung entpuppen sich äußerst viele Innovationen als Erfindungen, die von Nutzern, und nicht aus den Entwicklungsabteilungen von Unternehmen stammen. Hier einige prominente Beispiele:

 

  1. Das Mountainbike erfand eine Gruppe von jungen Hippies, die im sonnigen Kalifornien bei berüchtigten Repack-Rennen Kopf und Kragen für ein wenig Ruhm riskierten. Aus den zum Dahinrollen konzipierten Sportfahrrädern aus den 30er-Jahren mit ihren schweren Stahlrahmen, dicken Reifen und wenig wirkungsvollen Trommelbremsen entwickelte eine Clique um Gary Fisher, Charles Kelly, Joe Breeze und Tom Ritchey die ersten Mountainbikes, die ihren Namen auch verdienten. 1981 schließlich begann Specialized als erster Hersteller mit der Serienproduktion (Modell Stumpjumper)
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  3. Das World Wide Web ist ebenfalls die Entwicklung eines Nutzers: Tim Berners Lee behob damit ein Problem seines Arbeitgebers, der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN): Ein Teil der Laboratorien befindet sich auf französischem, ein anderer Teil auf schweizerischem Gebiet mit jeweils unterschiedlichen Netzwerkinfrastrukturen. Das erschwerte den Austausch von Informationen enorm. Berners Lee entwickelte daraufhin die Seitenbeschreibungssprache HTML, das Transferprotokoll HTTP, die URL und den ersten Web-Browser und Webserver. Dieses Paket erlaubt den weltweiten Austausch von Informationen zwischen Wissenschaften. Die Kommunikationsprobleme zwischen den CERN-Laboratorien waren damit behoben - und der Grundstein für das Word Wide Web gelegt.
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  5. Das Sportlergetränk Gatorade ist übrigens auch eine Erfindung von Anwendern. Mitte der 60-Jahre litt die Fitness einiger Spieler des amerikanischen Football-Teams der Florida University, den Florida Gators, so stark unter der Hitze, dass der Co-Trainer einige Mediziner der Uni um Hilfe bat. Die fanden heraus, dass Elektrolyte und Kohlenhydrate, die die Sportler durchs Schwitzen verloren hatten, nur in ungenügendem Maße wieder ersetzt wurden. Die Wissenschafter mischten daraufhin ein Getränk namens Gatorade, das genau diesen Mangel ausgleichen sollte - und siehe da: Die Florida Gators gewannen 1969 sogar die Super Bowl.

 

Fazit - Was ist ein LEAD User? 

Viele Unternehmen gehen noch immer davon aus, dass nur sie alleine die besten Innovationen ganz alleine entwickeln und zur Marktreife bringen. Die Marktforscher identifizieren Bedürfnisse und die Ingenieure entwickeln Produkte, die diesen Bedarf stillen. Wie Eric von Hippel mit einem Interview mit dem deutschen Wirtschaftsmagazin „brand eins“ betont, enden drei Viertel der Erfindungen, die auf diese traditionelle Art und Weise entstanden sind, als Flop. Wörtlich meint der Wissenschafter: „Die Hersteller mögen hervorragende technische Kompetenzen haben, die Lead User haben dagegen aus der Masse hervorstechende Bedürfnisse, die sie motivieren, nach passenden Lösungen zu suchen.“ Die zugrunde liegende Methode nennt sich LEAD User Methode. LEAD User können also auch für Ihr Business äußerst wertvoll sein. Warum genau, das lesen Sie in diesem Blogbeitrag. 

Die 4 Phasen der LEAD User Methode

Daniel ZAPFL

Born in Graz, Austria. After positions as project manager & head of innovation of the project management at LEAD Innovation, Daniel Zapfl has been responsible for the success of the innovation projects of our innovation partners since January 2018.

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