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Innovative Garne: 5 Trends, die Sie kennen sollten

Textilien sind immer nur so gut, wie das Garn, aus dem sie gestrickt sind. Innovative Garne bilden also die Basis für die Stoffe der Zukunft. Und bitte denken Sie dabei nicht nur an Bekleidung. Damit Sie den Faden nicht verlieren, informiert Sie dieser Blogbeitrag über die fünf wichtigsten Trends bei Garnen – samt überraschenden Beispielen.

 

Bionische Garne: Spinnen als Vorbild

Bionik ist die Wissenschaft, die versucht, Phänomene aus der Natur in die Welt der Technik zu übertragen und damit reproduzierbar zu machen. Ein simples Beispiel ist der Klettverschluss. Den haben sich die Techniker:innen von den Kletten abgeschaut. Die Natur beherbergt auch in Sachen Garne so einiges, was sich die Technik abschauen, und die Wirtschaft nutzen könnte.

Spinnweben zum Beispiel. Die Fasern, aus denen sie gesponnen sind, sind die belastbarsten, die es derzeit auf Erden gibt. Der Faden ist elastischer als Gummi, um ein vielfaches belastbarer als Stahl und dabei dünner als ein Haar. Zudem hemmen Spinnweben Entzündungen, sind antibakteriell und lösen keine Allergien aus. Biologisch abbaubar sind sie sowieso.

Mit diesen Eigenschaften ist ein solches Garn gleich für mehrere Bereiche überaus interessant. Das Problem dabei – wie lässt sich ein solches Garn industriell herstellen? Denn das Produkt auf Spinnenfarmen herzustellen, hat sich als nicht wirtschaftlich herausgestellt.


 

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Die Münchner Firma Amsilk hat eine Lösung dafür gefunden. Sie nennt ihr Produkt „Biosteel“. Zur Marktreife haben es die industriell hergestellten Spinnweben bis dato in die Kosmetik gebracht. Die dort verwendeten Mikropartikel sind einfacher herzustellen als komplexere Fäden. Die Spinnenseide sorgt für optimale Feuchteregulierung sowie eine seidige, weiche Haut. Amsilk arbeitet aber schon an anderen Anwendungen: Etwa Bezüge für Implantate, die aus künstlicher Spinnenseide hergestellt werden. Das Unternehmen Bold Threads wiederum, will bereits heuer Bekleidung aus künstlich hergestellter Spinnenseide anbieten.

2. Naturfaser: Ersatz für ressourcenintensive Baumwolle

Baumwolle ist zwar eine Naturfaser. Ihr Einsatz benötigt aber viele Ressourcen und ist deshalb alles andere als nachhaltig. Alternativen aus der Natur gibt es einige. Eine davon hat die Lenzing AG entwickelt. Die Faser wird aus Holz gewonnen und lässt sich besonders umweltfreundlich herstellen.

Laut Lenzing AG ist Tencel® – so der registrierte Markenname des Materials – saugfähiger als Baumwolle, sanfter als Seide und kühlender als Leinen. Garne aus dieser Faser dienen zur Herstellung von Matratzen, Bettwäsche, Heimtextlilien aber auch Feuchttüchern, Babywindeln und Sportbekleidung. Der österreichische Sportbekleidungshersteller Löffler nutzt Tencel® etwa, um nachhaltig produzierte Funktions-Sportbekleidung herzustellen.

3. Recyclingmaterial: Der Rohstoff, der auf dem Meer schwimmt

Das was wir teils achtlos als Müll wegwerfen, ist oft ein wertvoller Rohstoff für Neues. Direkt aus Altkleidern lassen sich neue Garne gewinnen. Diese Möglichkeit findet schon seit einigen Jahren Anwendung und auch der Moderiese H&M ist auf diesen Zug öffentlichkeitswirksam aufgesprungen.

Eine andere Art von Müllberg will Adidas nun als Rohstofflieferant nutzen: Den Plastikmüll, der auf unseren Ozeanen schwimmt und immer mehr zum Problem wird. Der Sportartikelhersteller entwickelte gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation Parley for the Oceans Sportschuhe, deren Obermaterial zu 100 Prozent aus Plastikrückständen aus dem Meer gefertigt wird. Die Rohstoffe dafür sind Garne und Fasern, die aus recycelten und aufbereiteten Abfällen und (illegalen) Hochsee-Netzen gewonnen werden.

4. Intelligente Garne: Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine

Die Sportbekleidung zählt die Schritte von Läufern, Bettwäsche informiert über den Zustand eines pflegebedürftigen Patient:innen und Unterhemden liefern Medizinern ein Langzeit-EKG ihres Trägers bzw. ihrer Trägerin. Allzulange werden wir auf solche Textilien dank intelligenter Garne nicht mehr warten müssen. Teilweise gibt es solche Produkte auch schon. Bereits letztes Jahr haben der japanische Telefonanbieter NTT DoCoMo und die japanische Chemiefirma Toray Industries ein intelligentes T-Shirt namens Hitoe vorgestellt, das die Herzfrequenz seines Trägers misst.

Eine mögliche Basis für weitere Entwicklungen von Wearables bietet ein zwischen dem Bayrischen Allgäu und dem Bodensee beheimatetes Unternehmen schon länger an. Die Zimmermann AG hat mit Novonic® ein leitfähiges, elastisches Garn entwickelt, das sich ins textile Gewebe oder auch in einzelne Fäden integrieren lässt. Das Garn kann Daten übertragen und ist auch imstande, Wärme zu leiten und Strahlung abzuschirmen. 

Anwendung findet der schlaue Stoff etwa bei der Handytasche Handycapp. Diese blockiert die Funkwellen von Handys mithilfe des Novonic®-Gewebes. Allerdings nur auf der Körperseite des Trägers, damit der Mobilfunkempfang gewährleistet bleibt. Für Novonic® gäbe es noch tausend andere Anwendungsmöglichkeiten. Bisher ist das Interesse der Industrie aber noch gering. Möglicherweise wird sich das im anbrechenden Zeitalter von Wearables bald ändern.

5. Nutzung neuer Materialien: Kluge Bakterien im Stoff

Für die Herstellung innovativer Garne suchen Forscher:innen immer neue Materialien – oder entdecken alte wieder neu. Ein doch sehr ungewöhnliches Material nutzen indes Entwicklern des Media Labs am MIT, um funktionelles Gewebe herzustellen. Mittels Bio-3D-Drucker bringen die Forscher:innen so genannte Bacillus Subtilis Bakterien auf den Stoff. Diese erkennen, wenn Wärme und Feuchtigkeit auf der Haut entstehen. Als Reaktion darauf ziehen sie sich zusammen. Diese Reaktion haben sich die Entwickler:innen zunutze gemacht. Das Kleidungsstück ist mit Löchern versehen, die sich öffnen und schließen. Je nachdem, ob sich die Bakterien zusammenziehen oder nicht. Sobald also die Trägerin bzw. der Träger dieser intelligenten Sportkleidung ins Schwitzen kommt, sorgen die Bakterien für eine besser Belüftung.

Fazit: Innovative Garne und welche Trends die Branche bewegen

Mit innovativen Garnen lassen sich völlig unterschiedliche Bereiche miteinander verbinden. Daraus entstehen unglaublich vielfältige neue Möglichkeiten. Wearables etwa, deren Entwicklung wohl erst ganz am Anfang steht. Das Nutzen von Müll als Rohstoff für neue Fasern, Garne und Textilien ist ein anderes Anwendungsgebiet, das noch viel Entwicklungspotenzial aufweist. Neue Ideen für Garn und Zwirn offerieren der europäischen Textilindustrie auch neue wirtschaftliche Perspektiven. Denn kluge Köpfe können sich gegen Billigkonkurrenz mit all ihren negativen Folgen für Gesellschaft und Umwelt immer durchsetzen.

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Anna Kirchmair

Bei Anna laufen die Fäden zusammen: Als technikaffine Community Managerin und detailverliebter Trend Scout ist sie das zentrale Bindeglied zwischen unserem Expert:innen Netzwerk und unseren Kund:innen. Sie findet für Ihre Herausforderungen schnell die richtigen Ansprechpartner:innen und deckt professionell und leidenschaftlich Potenziale in neuen Märkten auf.
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