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LEAD Innovation Blog

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Datum: 12-Sep.-2018

Warum Kleidung aus Plastikmüll nicht für saubere Meere sorgen kann

 

Plastikabfall aus den Ozeanen, sind für ganz große Brands wie Adidas, aber auch kleine, österreichische Labels wie "Margaret and Hermione" Rohstoff für ihre Kollektionen. Diese Initiativen sind gut für die Umwelt, die Marke und die Bewusstseinsbildung für ein dringliches Problem. Allerdings: Kleidung aus Plastikmüll wird das riesige Müllproblem mit PVC und Co. nicht lösen können. Warum das so ist und wie sich der Kunststoffunrat nachhaltig reduzieren lässt, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Der ganzer Kontinent besteht aus Plastikabfällen

Wie groß das Problem mit im Meereswasser treibenden Kunststoffmüll ist, illustrieren die folgenden Fakten:

  • Etwa 300 Millionen Tonnen Kunststoff stellt die Industrie heute pro Jahr her. Davon landen bis zu 13 Millionen Tonnen als Plastikabfall im Meer.
  • Dort sollen sich Studien zufolge bereits zwischen 80 und 100 Millionen Tonnen an Abfall angesammelt haben.
  • Der an der Meeresoberfläche treibende Unrat bildet bereits Inseln mit mehreren 100 Kilometern Durchmesser. Der im Nordpazifik auftretende „Great Pacific Garbage Patch“ wird schon als eigener Kontinent bezeichnet.
  • Auch an den Küsten hinterlässt das weggeworfene PVC seine Spuren. Bei ungünstiger Wetterlage verfügt Hawai über mehr mit Kunststoffmüll verschmutze Meeresufer als Sandstrände. Einige davon tragen wenig schmeichelhafte Namen wie „Plastic Beach“.
  • Das an der Oberfläche sichtbare Plastik ist allerdings nur der kleinere Teil des Problems. Bis zu 99 Prozent des Abfalls befindet sich nämlich nicht auf der Oberfläche, sondern im Wasser - schwebend oder am Meeresufer abgesunken.
  • Für die Tierwelt ist Kunststoffmüll lebensbedrohlich. Wenn sie sich etwa in weggeworfenen Fischernetzen verheddern und strangulieren. Dieser Gefahr sind mindestens 243 verschiedene Arten von marinen Lebewesen ausgesetzt. 59 Prozent aller Wal- und Delfinarten, 40 Prozent aller Seevögel, 100 Prozent der Meeresschildkröten und 36 Prozent der Robben können Müll verschlucken, mit entsprechend verheerenden Folgen für deren Gesundheit
  • Viele Fische, Weichtiere und Krebse nehmen den Plastikmüll auf. Wenn Sie also einen Teller voller Meeresfrüchte verspeisen, essen Sie mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit auch Kunststoffmüll mit: eine Mahlzeit Muscheln enthält geschätzt 90 Partikel Mikroplastik. Welche gesundheitlichen Folgen diese Zutat für uns Menschen hat, ist noch nicht bekannt.

 

Trendsammlung Textil

Es ist also höchste Zeit, dem Wachsen der Abfallberge von PVC und Co. in den Ozeanen Einhalt zu gebieten. Einige Brands haben dieses Thema für sich entdeckt und nutzen den Unrat als Rohstoff für ihre Produkte.

 

Adidas fertigt Hochleistungsschuhe aus Müll

Adidas hat 2016 gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Parley for the Oceans einen Schuh herausgebracht, dessen Obermaterial vollständig aus Plastikabfällen besteht. Das Recyclingmaterial ist dabei auch für Hochleistungs-Equipment geeignet: Anlässlich der diesjährigen Leichtathletik-Weltmeisterschaften in London präsentiert der internationale Sportartikelhersteller mit Hauptsitz im deutschen Herzogenaurach  den „Prime SP Parley“. Diese Spikes wählte etwa der Sprintstar Wayde van Niekerk, um in London zu reüssieren. Das Parley-Sortiment von Adidas umfasst mittlerweile schon Schwimmbekleidung, Fußballdressen und Freizeitleibchen.

 

G-Star kooperiert mit Musik-Star Pharrell Williams

Die niederländische Jeansmarke G-Star hat ebenfalls mit Parley und dem Künstler Pharrell Williams Kleidung aus Plastikabfällen entwickelt. Das von Williams gefördertes BioTech-Startup  Bionic Yarn schafft den Plastikmüll aus dem Meer, der wiederum als Rohstoff für die Raw for the Oceans-Kollektion dient. Die Kooperation war derart erfolgreich, dass Pharrell Williams mittlerweile Miteigentümer von G-Star geworden ist.

 

Aus alten Fischernetzen werden Bademode oder Strümpfe

Nicht nur große, bekannte Labels nutzen Plastikabfälle, um neue Kleidung herzustellen. Auch ganz junge und kleine Marken upcyclen Müll aus dem Meer. Die 2015 von Barbara Gölles and Andrea Kollar gegründete Bademodenbrand Margaret and Hermione nutzt Fischernetze, die im Meer treiben und dort Schaden anrichten, als Ausgangsstoff für ihre Kollektion. Die Netze werden zunächst zu Garn und weiter zu Bademodestoffen verarbeitet.

Kunert, Strumpfspezialist aus Immenstadt im Allgäu, bietet seit Januar 2017 Feinstrumpfhosen an, die zu 100 Prozent aus alten Fischernetzen gemacht sind. Rohstoff für die Textilien ist dabei die Garnneuheit Econyl. Diese Nylon Garn, das aus Plastikabfällen aus dem Meer gewonnen wird, hat einen weiteren Vorteil: Es kann unendlich oft recycelt werden, wie der italienische Hersteller Aquafil verspricht.

 

Ein Lebenszyklus ohne Ende

Genau diese Eigenschaft des Garns wird in Zukunft für alle Rohstoffe eine wichtige Rolle spielen müssen: ein Produkt kann künftig nicht mehr einen Lebenszyklus mit einem Ende haben. Das Müllproblem lässt sich nachhaltig nämlich nur lösen, wenn dieses Ende gleichzeitig der Anfang für ein neues, genauso hochwertiges Produkt ist. Anders gesagt: Wenn aus Pet-Flaschen T-Shirts hergestellt werden und diese T-Shirts am Ende auch wieder Restmüll sind, dann löst dieser Weg das Abfallproblem nicht.

Diese Tatsache betonte etwa auch Andreas Röhrich, Leiter der Entwicklungsabteilung des internationalen Wäscheherstellers Wolford, in einem Interview mit LEAD Innovation.  Wolford arbeitet gemeinsam mit 11 anderen Firmen an einem kompostierbaren BH. Dieses Produkt, dem 2019 eine ganze Wäschelinie folgen soll, wird aber nicht nur nach seinem Lebenszyklus zu wertvollem Kompost. Retourniert der Kunde die Textilien, dann kann ein Garnhersteller, mit dem Wolford kooperiert, das Produkt depolymerisieren. Aus den im Wäschestück verwendeten Polymer wird ein Monomer. Daraus lässt sich dann wieder ein Polymer machen, das als Rohstoff für ein neues Textilteil dient.

 

Von der Wiege zurück zur Wiege

Cradle-to-Cradle nennt sich dieser Ansatz. Dieses Konzept ist nichts geringeres als die Vision einer völlig abfallfreien Wirtschaft, in der gesundheits- oder umweltschädigende Stoffe keine Verwendung mehr finden. Alle Materialien sollen sich entweder in den natürlichen Kreislauf reintegrieren lassen (so wie bei der Kompostierung von Unterwäsche). Oder aber, Rohstoffe wie Metall oder eben Kunststoff, lassen sich unendlich oft für den gleichen Zweck verwenden.

Der deutsche Chemieprofessor und Verfahrenstechniker Michael Braungart hat dieses Konzept gemeinsam mit dem US-Architekt William McDonough entwickelt. Braungart gründet auch die Environmental Protection Encouragement Agency - kurz EPEC. Dieses Forschungs- und Beratungsinstitut will Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bei der Einführung von zirkulären Prozessen unterstützen, die dem Cradle-to-Cradle-Ansatz genügen.

 

Fazit: Warum Kleidung aus Plastikmüll nicht für saubere Meere sorgen kann

Anders als Glas oder Metall war Plastik von Anfang an als Rohstoff für den Einweg-Gebrauch gedacht. Seit der Erfindung des vielseitig verwendbaren Materials haben sich jedoch imposante Müllberge angesammelt, von denen ein großer Teil auf und im Meer schwimmt. Diesen Müll wieder zu verwerten, ist ein löblicher Ansatz. Selbiger hilft allerdings nur dann weiter, wenn aus einer Wiederverwertung eine Immerwiederverwertung wird. Die Kunststoffindustrie wird sich also möglichst bald zu einer Kreislaufwirtschaft wandeln. Dass dies machbar ist, zeigen bereits erste Erfolge, wie der kompostierbare BH von Wolford oder auch die Faser Econyl.

Trendsammlung Textil

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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