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LEAD Innovation Blog

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Datum: 08-Nov-2018

Wie Virtual Reality den Handel verändert

 

Virtual Reality hat das Potenzial, den Handel grundlegend zu transformieren. Insbesondere für den stationären Handel bringt die VR-Technologie neue Chancen, um sich gegen Onlinehändler wie Amazon zu behaupten. Das einzigartige VR-Erlebnis könnte in Zukunft ein wichtiger Touchpoint sein, der Kunden animiert nicht nur im Geschäft, sondern auch in den jeweiligen Onlineshops einzukaufen. Wie Kunden zu Virtual Reality Anwendungen stehen, welches Potenzial mit der innovativen Technologie verbunden ist sowie einige aktuelle Beispiele lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Studie: Kunden stehen VR positiv gegenüber

In einer interessanten Studie von elaboratum New Commerce Consulting wurden 1.000 Endnutzer dazu befragt, wie und warum sie die Vorteile eines virtuell aufgewerteten Einkaufserlebnisses in Anspruch nehmen. Das Ergebnis der Umfrage zeigt eine sehr positive Wahrnehmung der Kunden hinsichtlich VR.

  • 54 Prozent sind der Meinung, dass sie sich durch VR ihr gewünschtes Produkt besser vorstellen können.
  • 50 Prozent geben an, dass ihnen dadurch auch wichtige Entscheidungen zum Produkt leichter fallen würden.
  • 36 Prozent würden einen Händler bevorzugen, der eine VR-Anwendung anbietet. Kunden, die schon mindestens einmal VR genutzt haben, würden sogar zu 52 Prozent einen Händler mit VR-Anwendung bevorzugen
  • 39 Prozent sind der Meinung, die Nutzung der VR-Anwendungen hätte auch direkten Einfluss auf ihre Kaufentscheidung. Dem stimmten 53 Prozent der Kunden zu, die bereits mit der Technologie in Berührung gekommen sind.
  • Umso jünger die Zielgruppe, umso größer der Wunsch nach VR: Bei Betrachtung der Altersstruktur konnte insbesondere die Zielgruppe der „Digital Natives“ als sehr aufgeschlossen gegenüber dem Einsatz von VR identifiziert werden.

Der Ort der Nutzung spielt bei den Befragten zwar keine große Rolle, die Rahmenbedingungen für die Nutzung in den eigenen vier Wänden sind momentan allerdings noch problematisch. Neben der geringen Verbreitung und rückläufigen Verkaufszahlen von VR-Brillen ist auch die Bereitschaft, sich die entsprechende App herunterzuladen, mit 28 Prozent noch sehr gering.

 

Das Potenzial von Virtual Reality im Handel

Die Chancen, die sich bei einem Einsatz von VR für Händler ergeben, gehen weit über die Unterstützung beim Kauf an sich hinaus. VR kann Händlern helfen, sowohl Neukunden zu gewinnen als auch den Absatz zu steigern. Gerade in der noch frühen Phase der Technologie können sich Händler dadurch von der Konkurrenz abheben:

  • Steigerung der Kundeninteraktion und Kundenbindung über sämtliche Customer Touchpoints und in jeder Phase des Kundenlebenszyklus – sei es im Kauf, in der Beratung oder im Servicefall.
  • Reduzierung von Kaufunsicherheiten aufgrund immersiver Visualisierung komplexer Produkte
  • Gewinnung neuer Zielgruppen und Märkte mittels kanalübergreifender Customer Journeys
  • Stärkung der Marke/Branding
  • Möglichkeit eines höheren Return on Investment

Wird Virtual Reality mit dem Kunden im Mittelpunkt stehend eingesetzt, kann VR langfristig gesehen sehr lukrativ für Unternehmen sein und die Kunden der Zukunft auf sich aufmerksam machen.

 

Wichtige Faktoren für die Akzeptanz von Virtual Reality

Der Einsatz der VR-Technologie muss jedoch durchdacht und zielgruppenspezifisch erfolgen. Zahlreiche VR-Projekte scheitern, weil wichtige Faktoren vor dem Einsatz von VR nicht ausreichend beachtet werden.

Oftmals sind Anwendungen zu technisch angelegt und gehen zu wenig auf die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer ein. Die Zielgruppe muss also im Mittelpunkt stehen und nicht die Technologie.

Händler sollten daher im Vorfeld die Komplexität des Produktes und den damit zusammenhängenden Beratungsbedarf und den Zusatznutzen, den der Einsatz einer VR-Anwendung mit sich bringen würde, analysieren:

  • Welchen konkreten Zusatznutzen bringt VR am POS aus Sicht des Kunden?
  • Ist dieser Zusatznutzen verständlich?
  • Ist die Anwendung der Technologie für den Kunden tatsächlich intuitiv?

Die Anwendung im Store sollte den Kunden nicht überfordern. Einfachheit in der Bedienung und Spaß bei der Nutzung sind neben einem klaren Mehrwert wichtige Faktoren für die Akzeptanz der VR-Technologie.

elaboratum

© elaboratum New Commerce Consulting, Studie „Virtual Reality im (Online)Handel

 

Beispiele für VR im Handel

Vor allem erklärungsbedürftige und emotional besetzte Produkte wie Einrichtung, Auto oder Lifestyleprodukte sind für VR-Anwendungen prädestiniert, um das Einkaufserlebnis für den Kunden zu verbessern.

 

VR im Möbelhandel

Fast 80 Prozent des Umsatzes der Möbelbranche wird immer noch direkt im Geschäft erzielt. Der stationäre Verkauf von Möbeln ist aus Sicht der Branche allerdings auch die Variante mit den höchsten Kosten. Wer dem Kunden eine attraktive Auswahl bieten will, braucht große Ausstellungsflächen. Es verwundert daher nicht, dass gerade die Möbelbranche sehr offen für innovative Technologien ist. Während Augmented Reality im Möbelhandel bereits länger im Einsatz ist, beginnen nun einige Möbel- und Küchenausstatter auch verstärkt AR-Anwendungen zu implementieren.

Wie lukrativ der Einsatz von VR im Möbelsektor sein kann, zeigt der US-Möbelriese Macy´s. Nach einer ersten Planung am Tablet können Kunden den Raum mit einer Datenbrille in VR virtuell betreten. Der Konzern verzeichnete in Pilotprojekten bei jenen Kunden, die ein VR-Headset für ihren Einkauf verwendeten, ein um 60 Prozent höheres Bestellvolumen sowie eine um 2 Prozent geringere Rücklaufquote. In insgesamt 69 Stores hat das Unternehmen die VR-Headsets nun in die Verkaufsstrategie implementiert.



Auf Virtual Reality setzt auch der Badkeramik-Hersteller Villeroy & Boch. Das Unternehmen kombiniert seinen Online-Auftritt mit der AR-Technologie. Der Kunde gestaltet sich zuhause am Computer sein Traumbad mit dem angebotenen Planungswerkzeug. Danach kann er sein VR-Cardboard anfordern. Dabei handelt es sich um einen Kartonbausatz mit zwei Linsen, der mithilfe der App und einem Smartphone eine dreidimensionale Ansicht der Planung erlaubt.

Auch im Segment der Küchenplanung gibt es erste Beispiele für einen sinnvollen Einsatz von VR. Noch bevor ein einziges Modul bestellt wird, kann der Kunde seine neue Küche begehen und so überprüfen, ob auch alles sinnvoll angeordnet wurde. So hat etwa Publicis Pixelpark bereits 2015 einen ersten Virtual Reality Küchen-Konfigurator mit Gestenerkennung entwickelt und erfolgreich erprobt. Media-Saturn bietet ebenfalls schon seit einiger Zeit VR-Küchenplanung an, erste Experiment laufen aktuell bei IKEA.

Für hochwertige Deko-Artikel hat Swarovski in Kooperation mit Mastercard ein VR-Konzept entwickelt, das Kunden ermöglicht, mit einer Shopping-App in einem virtuellen Haus schicke Dekorationsartikel zu kaufen. Der Bezahlvorgang erfolgt direkt aus der VR-App über Masterpass, dem Bezahlsystem von Mastercard.

 

Saturn als Pionier im Elektroniksektor

Saturn bietet seinen Kunden als einer der ersten Händler die Möglichkeit, eine Virtual-Reality-Einkaufserfahrung zu erleben. Mit der Shopping-App „Virtual Saturn“ können Saturn-Kunden von zuhause mit Hilfe einer VR-Brille zahlreiche Produkte in zwei verschiedenen virtuellen Umgebungen erleben und alle Artikel anschließend kaufen. Der Kaufabschluss ist allerdings in VR bisher noch nicht möglich und muss mittels Computer erfolgen. Saturn hat somit in Kombination mit der VR-Küchenplanung, dem Service-Roboter Paul und der Augmented Reality Holo-Tour mit Shopping-Assistentin Paula eine komplette Virtual Reality Einkaufswelt geschaffen.

saturn

© Saturn

 

Virtual Reality Travel

Einer der vielversprechendsten Bereiche für VR-Anwendungen ist das Thema Reisen. Schon heute gibt es einige Contentlieferanten, die sich auf das Umfeld von Travel Virtual Reality spezialisiert haben. Mit Virtual Reality kann man sich als Kunde bereits im Reisebüro am Urlaubsort umschauen, Hotelzimmer virtuell inspizieren oder Rundgänge durch Kreuzfahrtschiffe machen. Der Reisekonzern Thomas Cook hat zum Beispiel bereits rund 900 Reisebüros mit VR-Brillen ausgerüstet und bietet 200 Filme zu verschiedenen Urlaubsdestinationen. Die virtuellen Touren dauern zwischen zweieinhalb und vier Minuten. Aktuell testet das Unternehmen 360° Hotelaufnahmen mit Drohnen, um Kunden eine noch genauere Vorstellung von ihrer Reise zu verschaffen.

VR Brille im Reisebüro Cook

© Thomas Cook

 

Audi VR experience

Von der VR-Technologie profitiert auch die Automobilbranche. So hat etwa Audi 2018 die vollfunktionale VR-Anwendung „Audi VR experience“ für die Kundenberatung erfolgreich in die ersten Autohäuser gebracht. Autokäufer können damit schon während des Beratungsgesprächs das nach ihren Wünschen konfigurierte Fahrzeugmodell in 3D erleben. Anstatt das Auto nur im Autohaus zu sehen, nimmt der Kunde virtuell Platz und erlebt die Fahrt inklusive Licht- und Soundeffekten. Sowohl Kunden als auch Anbieter bringt die Anwendung entscheidende Vorteile. Zum einen können die Händler das gesamte Portfolio präsentieren – unabhängig davon, wie groß das Autohaus ist. Kunden wiederum können die Testfahrt sofort und unmittelbar erleben - mit allen gewünschten Extras und Anpassungen.

Audi AG

© AUDI AG

 

VR in der Modebranche zum Markenaufbau

Augmented Reality Anwendungen wie z.B. der Cisco StyleMe Virtual Fashion Mirror sind in der Modebranche mittlerweile schon recht verbreitet, VR Anwendungen sind jedoch noch relativ rar gesät. Ein Unternehmen, das sich VR zunutze macht ist der Outdoor-Bekleidungshersteller The North Face. Das Unternehmen nutzt VR, um eine stärkere Markenbindung aufzubauen. Im Jahr 2015 wurde erstmals ein 360-Grad-Video auf den Markt, um Kunden im Shop eine Virtual Reality-Erfahrung zu ermöglichen, zahlreiche 3D-Filme folgten seither. Die Videos werden von Sportlern gedreht, die North Face Produkte auf Expeditionen testen. Kunden können nun Hundeschlittenrennen, Expeditionen im Nationalpark, in der Wüste oder im Nepal-Hochgebirge miterleben.

 

Fazit: Virtual Reality als Chance für den Handel

Aktuell werden Virtual Reality Anwendungen im stationären Handel besser angenommen, da VR-Brillen derzeit in den Wohnzimmern der Kunden noch nicht weit verbreitet sind. VR-Technologien bieten stationären Händlern somit eine Möglichkeit, Kunden auf sich aufmerksam zu machen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Langfristig ist Virtual Reality aber auch für Onlinehändler interessant, sofern die Nutzung von VR-Brillen in den eigenen vier Wänden steigt. Wie verschiedene Beispiele gezeigt haben, lässt sich das Einkaufserlebnis am heimischen Computer mit Virtual Reality deutlich aufwerten – ob Kunden diese Option bei derzeit sinkenden Verkaufszahlen von VR-Brillen annehmen werden, bleibt abzuwarten.

Innovationen der Dienstleistungsbranche

Julian Eberling

Born in Vienna. Since 2018 "Certified Service Design Thinker" he has been pursuing his passion as Innovation Manager at LEAD Innovation.

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