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LEAD Innovation Blog

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Datum: 11-Sep-2018

Abschied vom U-Wert: Lüftung ist der neue Megatrend der Fensterbranche

 

Einen Trend, der vierzig Jahre lang eine ganze Branche regiert, nennt man Megatrend. Für die Entwickler innovativer Fenster steht seit dem "Energiesparfenster" der 1970er Jahre fest, dass Fenster immer besser isolieren müssen. Der "U-Wert" war der Richtwert jeder Fensterinnovation. Doch dann kam der Schimmel, langsam, wie es seine Art ist. Noch viel langsamer sickerte er in die Köpfe ein, schließlich widersprach er dem Denk- und Wertesystem. Heute befindet sich dieses im Übergang zu seinem Gegenteil: Das neue Dichten heißt Lüften. Innovative Lösungen für die Lüftung von Gebäuden zu finden ist der neue Megatrend U-Wert-Lüftung der Fensterbranche.                      

Hausbesitzer lieben Altbauten. Vor allem, wenn diese mit alten hölzernen Kastenfenstern ausgestattet sind. Zugluft und fehlende Isolierung sind dem Hausherrn egal. Die hohen Heizkosten zahlt schließlich der Mieter.

Gar nicht egal ist dem Eigentümer einer Immobilie das Thema Schimmelbefall. Auch Schimmel verursacht hohe Kosten. Mit dem Unterschied, dass diese Kosten nicht der Mieter, sondern der Vermieter zu tragen hat.

In diesem Interessenkonflikt sitzt der Mieter eines Gebäudes mit modernen, dichten Fenstern am längeren Hebel. Begeistert von der isolierenden und damit Geld sparenden Wirkung seiner Fenster lässt er sich dazu hinreißen, das Energiesparen zu optimieren, indem er möglichst wenig lüftet. Gemäß dem alten Sprichwort:

"Erfroren sind schon viele, erstunken ist noch keiner..."

Gestank lässt sich weglüften, Schimmel bleibt hartnäckig. Er relativiert die große Erfolgsgeschichte des Dämmens und zeigt, dass sie bis jetzt sehr einseitig betrachtet wurde. Das führte zu Extremen, die über das Ziel hinaus geschossen sind.

Trendsammlung Fenster & Türen

 

Wurde der U-Wert zur heiligen Kuh?

Bis vor Kurzem war das Fenster der Schwachpunkt der Gebäudeisolierung. Man besserte und besserte. Von der doppelten bis zur fünffachen Verglasung. Von der Luft zum Edelgas. In den Fensterrahmen wuchs die Zahl der Kammern (ähnlich der werbewirksamen Steigerung des Einwegrasierers zum 5-Klingen-System).

Am Ende standen Fenster, die besser isolierten als die Mauern des Gebäudes. An diesem Punkt verliert jede weitere Steigerung des Dämmens nicht nur ihren Sinn, sondern kehrt sogar ihre Funktion um, sobald sich der Taupunkt in das Mauerwerk verlagert.

Megatrend-Wende der Fensterinnovation

Als endlich klar wurde, dass die neuen Fenster zu dicht waren, wurde die Innovationsrichtung erstmals gebrochen. Ist doch ganz einfach: man schneidet in die dichten Rahmen Schlitze, damit sie wieder schön undicht sind. Eine zwar logische Innovation, die aber dennoch dem Kunden ein hohes Maß an Paradoxie-Resistenz abverlangt.

Bald kamen komplexere Lösungen des Problems in Form von Lüftungsgeräten auf den Markt. Sie wurden den Fenstern aufgesetzt, was den Nachteil hat, dass sie die Glasfläche verkleinern und damit den Lichteinfall mindern. Wärmetauscher benötigen nun mal eine gewisse Fläche.

Lüften ist das neue Dichten

Auch das Passivhaus hat nicht selten Schimmelprobleme. Der einzig konsequente Ausweg aus dem Dilemma Dämmen oder Lüften scheint darin zu liegen, dass man dem Fenster seine althergebrachte Funktion des Lüftens gänzlich entzieht. Damit wäre die Fensterbranche das Thema Lüften endgültig los.

Doch der Mensch will nicht nur nicht ersticken, er will auch das Gefühl haben, nicht zu ersticken. Das ist ein Unterschied. Instinktiv will er über sein Atmen die Kontrolle haben. Häuser, deren Fenster sich nicht öffnen lassen, verlangen ihren Bewohnern viel Verzicht und Selbstdisziplin ab. Sie müssen dagegen ankämpfen, sich wie in einem Sarg zu fühlen. Deshalb bleibt das „Grifflose Fenster“ eine Angstfantasie der Beschlaghersteller. Atmen will man im Griff haben.

Wie Lüften zum Energiesparen beitragen kann

Lüften und Energiesparen müssen nicht immer Gegensätze sein. Frische Luft kann sogar dazu beitragen, den Energieverbrauch zu senken. Abgestandene Luft ist nämlich schwerer zu erwärmen als frische.

Man kann sich diesen Effekt am besten vorstellen beim Vergleich mit dem Feuer. Wenn man ins Feuer hineinbläst, wird die Flamme größer. Das kommt daher, dass Frischluft mit einem höheren Sauerstoffanteil angereichert ist. Sauerstoff nährt die Flamme und damit die Erwärmung.

Ähnlich verhält es sich mit dem Lüften. Wird ein überheizter Raum mit Frischluft angereichert, erwärmt sich die Luft besser, da der Sauerstoffanteil wieder steigt.

Fazit: Die Fensterbranche muss ihre Innovationsstrategie überdenken

Glücklich über voll automatisierte Lüftungssysteme ist vor allem der Hausbesitzer. Diese beschützen ihn vor luftscheuen Schimmelzüchtern als Mieter und geben ihm die Kontrolle. Auch die Kostenkontrolle, denn Energie und Belüftungsbetrieb zahlen schließlich die Mieter.

Freilich wird der U-Wert weiter eine Rolle spielen. Der sorgsame Umgang mit Energie und Umwelt ist schließlich im Interesse aller Menschen. Nur die Alleinherrschaft ist ihm abhanden gekommen. Dämmung und Lüftung dürfen in Zukunft keine Alternativen sein. Sie geschickt zu kombinieren ist die neue Herausforderung – der neue Megatrend der Fensterbranche.

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Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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