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LEAD Innovation Blog

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Datum: 16-Mai-2019
Autor: Daniel ZAPFL
Thema: Logistik

Diese 9 Trends wirbeln die Logistik durcheinander

 

Neue Technologien, gehobene Kundenbedürfnisse und der Druck, mit Ressourcen sparsamer umzugehen, prägen die Logistikbranche. Der  Überwindung der letzten Meile kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, welche Trends die Logistik in Gegenwart und naher Zukunft bestimmen.

 

Die Logistiker gehört zweifelsohne zu den Globalisierungsgewinnern. Denn der Anstieg der globalen Güterströme lässt die Auftragsbücher der Logistikbranche immer dicker werden. Das beweist ein Blick auf die Umsatzentwicklung, die die Branche in Deutschland zwischen den Jahren 1995 und 2019 verzeichnen konnte. In diesen Jahren stiegen die Umsätze von 123 Milliarden Euro auf 279 Milliarden mehr oder weniger kontinuierlich an. Nur wirklich tiefe Einschnitte, wie etwa die 2008 von der Lehman-Pleite ausgelöste Finanzkrise, störten diese Aufwärtsbewegung temporär - aber nicht nachhaltig.

Es ist aus heutiger Sicht sehr wahrscheinlich, dass die internationale Arbeitsteilung weiter steigt, denn die Mehrheit profitiert davon durch niedrigere Preise und eine größere Auswahl. Der Bedarf an Transportleistungen scheint also auch in Zukunft zu wachsen. Trotz dieser guten Perspektive steht die Logistikbranche vor einem herausfordernden Umbruch. Die vier zentralen Faktoren benennt Branchengröße DHL in seinem aktuellen Logistics Trend Radar:

 

1) Kundenorientierung

Der Online-Handel wird weiter wachsen und die Logistiker müssen effizientere Wege finden, um die letzte Meile zu überwinden. Darüberhinaus versucht der Handel, den gestiegenen Kundenansprüchen gerecht zu werden und seine Waren über eine wachsende Vielfalt an Absatzkanälen (Omnichanneling) zu verkaufen.

 

2) Nachhaltigkeit:

Ohne Logistikbranche wird es nicht möglich sein, die gesetzten Klimaziele zu erreichen. Der Spagat zwischen einer höheren Transportleistung und niedrigeren Emissionen ist einerseits notwendig, aber andererseits schwer zu schaffen.

 

3) Neue Technologien

Die Digitalisierung mit Schlüsseltechnologien wie Internet der Dinge, Blockchain oder auch künstliche Intelligenz eröffnet den Logistikern ungeahnte Möglichkeiten, den Transport sicherer, effizienter und damit nachhaltiger zu gestalten.

 

4) Der Mensch

Trotz zunehmender Digitalisierung und Automatisierung wird dem Trend Logistic Radar zufolge der Mensch auch in Zukunft das Herzstück in der Logistik bleiben. Seine Aufgaben werden sich jedoch stark wandeln und körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten werden zunehmend von Maschinen erledigt werden.

 

Innovations-Check

Diese vier Faktoren bedingen eine Vielzahl von Trends, mit denen sich die Logistikbranche bereits heute auseinandersetzen muss. Die 9 wichtigsten davon sind:

 

1) Erfolglose Zustellversuche minimieren

Klappt der erste Zustellversuch nicht, ist der Empfänger enttäuscht und dem Logistiker entsteht weiterer Aufwand. Er ist deshalb ständig am Tüfteln, um die Zustellrate weiter zu erhöhen. Die Zustellung in den Kofferraum des Empfängers ist eine Variante, um das Paket abzuliefern, auch wenn niemand anzutreffen ist. Amazon liefert seit 2018 in den Kofferraum von Kundenautos aus. Im Jahr 2019 will VW gemeinsam mit DHL  diese Zustellmöglichkeit anbieten. Mit mobilen Paketbriefkästen können die Boten ebenso ihre Sendung abliefern, ohne dass der Empfänger zuhause sein muss. Die österreichische Post AG offeriert mit Flexibox eine solche Lösung. Smarte Türschlösser wie Amazon Key wiederum gewähren dem Zusteller Zugang zum Haus oder zur Garage. Damit der Empfänger den Zusteller bei seiner Tätigkeit überwachen kann, offeriert Amazon auch die so genannte Cloud Cam an.

 

2) Maschinen überwinden die letzte Meile

Autonome Fahrzeuge können den Logistikern dabei helfen, ihre Kosten zu senken: Statt menschlicher Zusteller kommen Maschinen zum Einsatz: Die österreichische Post AG testete mit einem speziellen E-Fahrzeug in der Grazer Innenstadt die autonome Paketzustellung. Beim Projekt "Heidi" nutzt die Post Drohnen, um Lieferungen an entlegene Orten zu transportieren. Einen kommerziellen Betrieb von Zustelldrohnen gibt es bis dato übrigens nur in Australien. Nein - nicht von Amazon, sondern von Googles Schwesterunternehmen Wing.

 

3) Vermessung der Kunden vermeidet Retouren

Einer Umfrage des deutschen Branchenverbandes Bitkom zufolge wird jeder achte Online-Verkauf rückabgewickelt. Einzelne Händler wie etwa Zalando leiden unter eine Retourenquote von 50 Prozent. Online-Kunden senden so viele Bekleidungsstücke oder Schuhe auch deshalb zurück, weil schlichtweg die Größe nicht passt. Dieses Problem sollen 3D-Scanner beheben: Der Kunde vermisst sich selbst und bekommt im Online-Shop Hinweise, welche Stücke ihm auch tatsächlich passen.

 

4) Alternative Antriebe für LKWs reduzieren den CO2-Fußabdruck

Während PKWs und kleinere Lieferwägen mit alternativen Antrieben schon auf den Straßen anzutreffen sind, werden schwerere LKWs in der Regel noch von Diesel befeuert. Doch bei den Fahrzeugherstellern setzt schön langsam ein Umdenken ein: Einerseits fürchten Logistiker und Händler, dass in urbanen Gebieten bald Fahrverbote herkömmlich betriebene Lieferwägen aussperren könnten, und verlangen daher nach nachhaltigen Alternativen. Andererseits nehmen sich neue Marktteilnehmer wie etwa Tesla auch des Themas Elektro-LKWs an. Die etablierten Marktplayer wie Daimler, MAN oder Volvo wollen deshalb schon in den nächsten Jahren serienreife E-Trucks auf die Straßen bringen.

 

5) Logistikbörsen und Frachtmakler nutzen Ressourcen besser aus

Leerfahrten sind sowohl ökonomisch als auch ökologisch sinnlos. Logistikbörsen und Frachtmakler helfen dabei, die Auslastung von Fahrzeugen jeglicher Art zu optimieren: Transportiert ein Fahrzeug eines Herstellers beispielsweise Tiroler Speck nach Wien, kann es statt leer mit einer Ladung Sachertorten zurückzukehren. Die Börsen, an denen freie Transportkapazitäten gehandelt werden, wie etwa Timocom oder auch ClickaPoint, das auch Mitfahrgelegenheiten vermittelt, gibt es seit mehreren Jahren. Neu ist, dass in diesem globalen Vermittlungsgeschäft nun auch Amazon mitmischen will. Das Frachtnetzwerk des Konzerns besteht vor allem aus Drittanbietern. Mithilfe der Vermittlungsbörse freigth.amazon.com will der US-Konzern dieses Netz nun zweitverwerten.

 

6) Autonome Transportfahrzeuge beherrschen die Intralogistik

So richtig auf der Straße angekommen ist das autonome Fahren zwar noch nicht. In den Lagerhallen gehören fahrerlose Transportsysteme (FTS) hingegen schon fast zum Alltag. Bereits vor 50 Jahren wurden solche Systeme bereits in den USA eingesetzt. FTS sind überall dort wertvoll, wo es um die Ein- und Auslagerung von Stückgut geht. Amazon will mithilfe von FTS die Effektivität der eigenen Mitarbeiter um den Faktor vier verbessern: Roboter bringen die Waren und die passende Verpackung vom Lager zum zuständigen Mitarbeiter, der dann die Bestellung für den Versand fertig macht. Der Trend in diesem Bereich geht weg vom programmierten, hin zum trainierten FTS. Durch Deep Learning und KI können sich FTS dann nicht nur in abgeschotteten Bereichen wie bisher, sondern auch in nicht überwachten Zonen und fremdem Gelände bewegen.

 

7) Bessere Ergonomie und digitale Helfer für Lagerarbeiter

Laut einer Studie gehört das Lagern und Transportieren in der Intralogistik noch immer zu einer der unfallträchtigsten Arbeiten. Der globale Wettbewerb erhöht gleichzeitig den Leistungsdruck, die menschliche Leistungsfähigkeit ist hingegen limitiert. Freilich sind die physisch anstrengenden Tätigkeiten im Lager immer mehr die Sache von Maschinen (siehe Punkt 6). Doch auch in Zukunft werden Menschen nicht aus den Lagerhallen verschwinden. Ziel ist es vielmehr, ihre Arbeitskraft zu multiplizieren. Eine Technologie, die Lagermitarbeiter effektiver arbeiten lässt, ist Augmented Reality. Eine mögliche Anwendung ist Pick-by-Vision. Dabei bekommt ein Kommissionierer über eine Datenbrille kontextbezogene Informationen über einen bestimmen Artikel eingespielt: Das System informiert den Mitarbeiter etwa über den Standort des gesuchten Stücks und den kürzesten Weg dorthin.

 

8) 3D-Druck ordnet die Lieferketten neu

Der 3D-Druck erlaubt es, Teile selbst zu produzieren, statt sich diese liefern zu lassen. Erforderlich dafür ist lediglich ein Bauplan. Die neue Technologie erhöht die Geschwindigkeit der Lieferkette enorm, senkt die Lagerhaltungskosten und bietet noch viele weitere Vorteile. So kann etwa ein Produkt auch während der Zustellung direkt im Transportfahrzeug hergestellt werden. Der Logistikdienstleister DB Schenker bietet bereits umfangreiche 3D-Druck-Services an: Über ein Online-Portal können Kunden 3D-Vorlage hochladen, Material und Farbe aussuchen, Preise aufrufen, den Druck bestellen und ausliefern lassen. Derzeit können Geräte aus Edelstahl, Robotergreiffinger aus Kunststoff oder individuelles Verpackungsmaterial gedruckt werden.

 

9) Big Data ebnet den Weg zu Anticipatory Logistics

Mithilfe der Auswertung großer Datenmengen (Big Data) ist es möglich, das Eintreffen von Ereignissen mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit vorauszusagen. Die Zukunft zu kennen ist natürlich ein Wettbewerbsvorteil und diesen machen sich auch die Logistiker zunutze. Sie analysieren das Kundenverhalten der Vergangenheit und liefern auf Basis dieser Erkenntnisse Waren an Auslieferungslager, die die Kunden dieser Region noch gar nicht bestellt haben. Dank dieser "vorwegnehmenden" Logistik (Anticipatory Logistics) ist die Ware noch schneller beim Empfänger. Amazon hat bereits 2014 ein Patent auf Anticipatory Shipping  angemeldet.

 

Fazit: Diese 9 Trends wirbeln die Logistikbranche durcheinander

Der Bedarf an Transportleistungen wird auch in Zukunft weiter wachsen. Nur eine wirtschaftliche Zäsur könnte diese Entwicklung aufhalten. Die Logistiker werden aber in Zukunft nicht nur noch mehr zu tun haben - sie werden ihre Leistung auch anders abliefern müssen. Denn gestiegene Kundenerwartungen und der Druck, mit Ressourcen generell sparsamer umzugehen, stellt viele eingespielte Prozesse in Frage. Die Digitalisierung mit ihren vielen neuen Werkzeugen kann der Branche dabei helfen, diese beiden Herausforderungen zu meistern. Vor allem werden die technologischen Möglichkeiten die Rolle des Menschen in der Logistik verändern.

Innovations-Check

Daniel ZAPFL

Born in Graz, Austria. After positions as project manager & head of innovation of the project management at LEAD Innovation, Daniel Zapfl has been responsible for the success of the innovation projects of our innovation partners since January 2018.

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