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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 05-Sep-2019

Wie Robotik die Arbeitswelt der Zukunft verändert

Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und andere Formen der Automatisierung schreiten rasant voran und bringen Unternehmen große Vorteile in Hinblick auf Effizienz und Produktivität. Für fortgeschrittene Volkswirtschaften wie die USA, die EU und Japan könnte die Automatisierung der Schlüssel zur Umkehrung des seit der globalen Finanzkrise verzeichneten Einbruchs des Produktivitätswachstums darstellen. Wie sich die Robotik auf die Beschäftigung in den einzelnen Branchen auswirken wird, lesen Sie in diesem Beitrag. 

Welche Jobs sind wie stark von der Automatisierung gefährdet?

Unsere Art zu arbeiten wird sich im Rahmen der digitalen Transformation massiv ändern und in Zukunft ganz anders sein als bisher. Besonders gefährdet sind Berufe, die ein hohes Substituierungspotential aufweisen - also Berufe mit einem hohen Anteil an wiederkehrenden Standardprozessen und -aufgaben, die von Robotern leicht erlernt und umgesetzt werden können. Bei Berufen mit einem niedrigen Substituierbarkeitspotential sind hingegen Kreativität und Flexibilität gefragt. Die kommenden Jahre werden somit von vier beruflichen Sphären geprägt sein:

  • Jobs, die gänzlich automatisiert werden können und daher nicht mehr benötigt werden (z.B. Produktionsmitarbeiter, Bergleute, Regalbetreuer, Erntehelfer, Lkw-Fahrer, Bürojobs, Buchhaltung).
  • Jobs, deren Inhalte sich digital wandeln und/oder redefinieren (z.B. Einzelhandelskaufmann hin zur E-Commerce-Fachkraft, feinwerktechnische Berufe)
  • Jobs, die neu entstehen (Datenanalysten und Wissenschaftler, Software- und Anwendungsentwickler, Marketingexperten, Drohnenführer)
  • Jobs, die engen Kontakt mit Menschen erfordern und daher nur ein geringes Substituierbarkeitspotenzial haben (z.B. soziale Berufe, Gesundheitsberufe, Lehrer, Künstler und Musiker)

Es werden demnach vor allem Jobs im Niedriglohnsektor von der Automatisierung betroffen sein, für deren Ausübung weder besondere Qualifikationen noch ein besonders guter Umgang mit Menschen erforderlich ist. Menschen, die nur über eine geringe Ausbildung verfügen und wenig Geld verdienen, laufen somit Gefahr, ihre Stelle zu verlieren. Anders stellt sich die Situation für Menschen dar, die überdurchschnittlich gut verdienen. So zeigen Untersuchungen in den USA, dass Angestellte mit einem Stundenlohn von 30 Dollar oder darüber kaum von der Automatisierung betroffen sind.

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Roboterrevolution schafft enormen Weiterbildungsbedarf

Die Auswirkungen der Robotik sind folglich immer Vorteil und Nachteil zugleich. Zum einen bringt die Technologie Produktivitätsvorteile, zum anderen bedeutet sie aber auch eine Gefahr für Arbeitsplätze. Noch arbeitet der Mensch mit 71 Prozent der Arbeitsstunden deutlich mehr als Maschinen. Doch schon 2025 sollen nach Angaben des Weltwirtschaftsforums Roboter den Menschen überholen. Dann arbeiten sie erstmals länger als Menschen (52 zu 48 Prozent).

Die neue industrielle Revolution könnte bis 2022 75 Millionen Menschen den Arbeitsplatz kosten. Zu diesem Schluss kommt das Weltwirtschaftsforum (WEF) in seiner Studie „Die Zukunft der Arbeitsplätze 2018“. Gleichzeitig schätzt das WEF, dass im selben Zeitraum 133 Millionen Stellen entstehen. Auf Politik und Wirtschaft wartet daher nach Angaben des Weltwirtschaftsforums – insbesondere auch in Hinblick auf den Fachkräftemangel – viel Bildungs- und Weiterbildungsarbeit. Bis 2022 müsse jeder mit im Schnitt 101 zusätzlichen Lerntagen rechnen.

 

Advanced Robotics in Produktion und Logistik

Advanced Robotics gilt als Schlüsseltechnologie für die automatisierte Fabrik der Zukunft. Schätzungen zufolge wird der Markt bis 2021 um insgesamt 46 Prozent wachsen und auf ein Volumen von 3,7 Milliarden US-Dollar allein für Produktionsaufgaben steigen.

Vom Industrieroboter zum autonom agierenden Roboter

Im Vergleich zu normalen Industrierobotern reagieren die fortschrittlichen Roboter auf ihre Umwelt und handeln autonom. Sie können daher Aufgaben übernehmen, die von Menschen ausgeführt wurden. Ein Beispiel hierfür sind etwa Roboter, die den kompletten Kommissioniervorgang erledigen. Sie erhalten über WLAN ihre Aufträge, navigieren autonom zum entsprechenden Regal, erkennen über ihre Kameras und Sensoren das richtige Objekt, greifen es und transportieren es zur weiteren Verarbeitung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Industrierobotern ist ihr Weg und das Handling nicht vorherbestimmt, sondern passt sich selbständig an die jeweilige Situation an.

Auswirkungen von Advanced Robotics auf Arbeitsplätze

Wie sich diese fortgeschrittene Robotertechnologie auf die Arbeitswelt auswirken wird, hat die Boston Consulting Group in der aktuellen Studie „Advanced Robotics in the Factory of the Future“ erhoben. Befragt wurden Führungskräfte sowie Produktions- und Technologiemanager von weltweit mehr als 1.300 Großkonzernen und mittelständischen Unternehmen verschiedener Industrien.

Die Ergebnisse zeigen, dass Industrieunternehmen, insbesondere in den EU-Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Österreich, vor allem die Chancen der neuen Technologie sehen und insgesamt von einem geringeren Stellenabbau ausgehen als weniger entwickelte Länder wie etwa China oder Polen.

So glauben etwa 20 Prozent der Befragten in China und Polen, dass durch den Einsatz von Robotern mehr als 20 Prozent der Arbeitsplätze in der Produktion eingespart werden können. In Österreich liegt dieser Wert bei fünf Prozent, in Deutschland bei zwei Prozent. 31 bzw. 32 Prozent in Deutschland und Österreich erwarten nur einen moderaten Abbau von 5 bis 10 Prozent der Arbeitsplätze bis 2025. Dies dürfte vor allem am hohen Automatisierungsgrad in Deutschland oder Österreich liegen, während in China und in Polen noch viele standardisierbare Tätigkeiten durch Automation ersetzt werden können.

Produktivitätsgewinne und neue Jobprofile

Routineaufgaben werden in Zukunft automatisiert, gleichzeitig entstehen aber auch neue Tätigkeitsprofile, die neue Fähigkeiten erfordern:

  • Aufträge, bei denen in erster Linie manuelle Routinearbeiten ausgeführt werden (z. B. Be- und Entladen von Maschinen), werden in Zukunft am wahrscheinlichsten vollständig automatisiert.
  • Bei Aufträgen, die sowohl Routineaufgaben als auch Entwicklungsarbeit umfassen, steigt der Anteil der Entwicklungsarbeit (z. B. Wartung und Fertigungssteuerung).
  • Wenn sich die manuelle Arbeit auf nicht routinemäßige Aufgaben verlagert, müssen die Arbeitnehmer fortgeschrittenere Fähigkeiten erwerben.
  • Neue Berufsgruppen werden entstehen, wenn die technologische Übernahme neue Bedürfnisse mit sich bringt.
  • Die Rolle des Menschen wird sich auf Aufgaben verlagern, die technische Fähigkeiten und Soft Skills erfordern (z. B. die Fähigkeit, Initiative zu ergreifen). Beispielsweise werden Techniker in erster Linie mit Fehlern befasst, die automatisierte Systeme nicht handhaben können.

Factory of the Future

Auswirkungen der Robotik in anderen Branchen

Wie bereits kurz angemerkt, sind es im Unterschied zur ersten industriellen Revolution nicht alleine die Arbeitsplätze von Arbeitern, die gefährdet sind. Schon bald werden auch im Angestelltenbereich Roboter immer mehr Aufgaben übernehmen.

Auf Basis eines von der OECD zusammengestellten Datensatzes, der die mit der Beschäftigung von über 200.000 Arbeitnehmern in 29 Ländern verbundenen Aufgaben im Detail untersucht, hat PwC im Rahmen der Studie „Will robots really steal our jobs?“ den Anteil vorhandener Arbeitsplätze geschätzt, bei denen bis 2030 ein hohes Automatisierungsrisiko bestehen könnte. PwC identifiziert darin nicht nur signifikante Unterschiede im potenziellen Automatisierungsgrad zwischen den Branchen, sondern auch hohe Automatisierungspotentiale in Sektoren wie Administration, Finanzdienstleistung, Handel und Wissenschaft. Dabei geht PwC von einer Entwicklung über den Zeitraum bis in die 2030er Jahre in drei überlappenden Wellen aus:

  1. Algorithmuswelle: konzentriert sich auf die Automatisierung einfacher Rechenaufgaben und die Analyse strukturierter Daten in Bereichen wie Finanzen, Information und Kommunikation - dies ist bereits in vollem Gange.
  2. Augmentationwelle: Automatisierung wiederholbarer Aufgaben wie das Ausfüllen von Formularen, das Kommunizieren und Austauschen von Informationen durch dynamische technologische Unterstützung sowie die statistische Analyse unstrukturierter Daten in halbkontrollierten Umgebungen wie Drohnen und Robotern in Lagern - dies ist ebenfalls im Gange, dürfte aber in den 2020er Jahren zur vollen Reife kommen.
  3. Autonomiewelle: diese Technologien konzentrieren sich auf die Automatisierung der körperlichen Arbeit und der manuellen Geschicklichkeit sowie auf die Problemlösung in dynamischen Situationen der realen Welt, in denen reaktionsschnelle Maßnahmen erforderlich sind, z. B. in der Fertigung und im Transportwesen (z. B. fahrerlose Fahrzeuge) – diese Welle dürfte erst in den 2030er Jahren im gesamtwirtschaftlichen Maßstab zur vollen Reife kommen.

Potential Rates of Job Automation by Industry across waves

In der Studie wurden auch die Automatisierungspotentiale der einzelnen Wellen in Bezug zur jeweiligen Arbeitnehmergruppe nach Bildungsniveau, Alter und Geschlecht untersucht.

Die größten Unterschiede zeigen sich in Hinblick auf das Bildungsniveau. Demnach sind deutlich geringere potenzielle Automatisierungsraten für hochqualifizierte Arbeitnehmer mit einem Hochschulabschluss zu erwarten als für Arbeitnehmer mit niedrigem bis mittlerem Bildungsniveau. Als Gründe dafür werden die größere Anpassungsfähigkeit besser ausgebildeter Arbeitnehmer an technologische Veränderungen und die Tatsache angeführt, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit Führungspositionen innehaben, die für die Anwendung menschlicher Urteile sowie für die Konzeption und Überwachung von KI-basierten Systemen weiterhin erforderlich sind.

Die Unterschiede nach Altersgruppen sind weniger ausgeprägt, obwohl es für ältere Arbeitnehmer schwieriger sein könnte, sich anzupassen und neu auszubilden als für jüngere Kohorten. Das gilt insbesondere für weniger gut ausgebildete Männer, da die Bereiche Transport und Produktion, in denen derzeit ein relativ hoher Anteil männlicher Arbeitnehmer beschäftigt ist, in die dritte Welle der autonomen Automatisierung einsteigen. In den frühen Wellen der Automatisierung, die zum Beispiel für Büroangestellte gelten, könnten Frauen jedoch verhältnismäßig stärker betroffen sein.

Potential Job Automation Rates by type of worker across waves

Fazit: Robotik wandelt den Arbeitsmarkt und vernichtet ihn nicht

Die Automatisierung durch Roboter wird den Arbeitsmarkt voraussichtlich nicht vernichten – zumindest in Bezug auf die Nettozahl an Jobs. Die Arbeitsplätze unterliegen allerdings einer massiven Veränderung. Insbesondere für Menschen im Niedriglohnsektor mit geringer Ausbildung, deren Stellen von der Automatisierung am stärksten betroffen sind, wird die Robotik durchaus eine Bedrohung darstellen. Unternehmen müssen sich daher rasch auf diese Veränderungen einstellen und ihre Mitarbeiter (um)schulen und ausbilden, um auch in einigen Jahren noch wettbewerbsfähig zu sein.

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in unseren Blogbeitrag:

Nehmen uns Roboter die Arbeit weg oder bloß ab“.

Etablierung von ganzheitlichem Innovationsmanagement

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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