<img height="1" width="1" style="display:none;" alt="" src="https://dc.ads.linkedin.com/collect/?pid=1007900&amp;fmt=gif">
de | en
Search:

LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 08-Aug.-2019

Nehmen uns Roboter die Arbeit wirklich weg oder bloß ab?

 

Die Weiterentwicklung von Künstliche Intelligenz und Robotern hat die chinesische Regierung zum Staatsziel erkoren. Erste Erfolge, wie etwa beim autonomen Fahren, sind bereits zu verbuchen. So wie im Reich der Mitte stellen sich alle Arbeitnehmer die Frage: Killen Roboter und KI meinen Job? Studien und Experten sind sich uneins darüber, ob die neuen Technologien die Arbeit vernichten oder neue und sogar mehr schaffen. 

Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) gelten als Allheilmittel - zumindest für die chinesische Regierung: Einerseits lässt sich dadurch die Wirtschaft effizienter und zukunftsfähiger machen. Andererseits helfen beide Technologien, das autoritäre politische System aufrecht zu erhalten. Bereits 2017 hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping angekündigt, China zur KI-Supermacht zu machen.

Innovations-Check

Das Reich der Mitte hat dabei einen wesentlichen Startvorteil gegenüber den USA und ganz besonders gegenüber Europa: Der Schutz der Privatsphäre ist in China nicht sehr ausgeprägt. Regelungen, wie die seit Mai 2018 in der EU geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) , wären dort undenkbar. Die Staatsführung plant indes, bis zum Jahr 2020 alle größeren Plätze des Landes mit Kameras zur Gesichtserkennung auszustatten. Diese spielen bei der für 2020 geplanten Einführung des Sozialkreditsystems im Reich der Mitte eine Schlüsselrolle. Dieses erfasst das Verhalten der Bürger und vergibt dafür Punkte. Personen mit einem schlechten Ranking haben keinen Zugang zu bestimmten Dienstleistungen wie Flugreisen, Krediten oder auch guten Schulen für ihre Kinder. Laut einer Umfrage befürwortet eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung das Sozialkreditsystem und die damit einhergehende totale Überwachung.

 

Daten sind der Treibstoff für Künstliche Intelligenz

Der Wirtschaft und auch der Politik stehen daher riesige Mengen von Daten zur Verfügung. Diese sind der Treibstoff, um Künstliche Intelligenz weiter zu entwickeln. In manchen Feldern gilt das Reich der Mitte bereits heute als Vorreiter: “Die Chinesen werden den Rest der Welt beim autonomen Fahren abhängen”, meinte etwa der deutsche Wirtschaftsprofessor Ferdinand Dudenhöffer gegenüber der Deutschen Presse-Agentur schon im April 2018. Er behielt recht. In Peking dreht der weltweit erste autonom fahrende Level 4 Minibus seine Runden. Zum Hintergrund: Der Weg zum autonomen Fahren wird in 5 Stufen eingeteilt: Bei Stufe vier führt das System alle Fahraufgaben selbstständig durch. Allzu weit scheint China vom Roboterauto also nicht mehr entfernt zu sein. Fahrzeuge sind freilich nicht der einzige Use-Case von KI und Robotik, mit dem China weltweites Aufsehen auf sich zieht.

So setzt die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua zwei Avatare ein, die Meldungen in verschiedenen Sprachen präsentieren. Das vom chinesischen Suchmaschinenbetreiber Sogou entwickelte System nutzt KI und Machine Learning, um die Stimme, Gestik, Mimik und Lippenbewegungen möglichst menschlich erscheinen zu lassen.

 

Studien: Roboter vernichten die Hälfte aller Jobs

Die bange Frage, um die sich aber nicht nur die Werktätigen in China, sondern alle Arbeitnehmer auf der ganzen Welt Sorgen machen, lautet: Wird mein Arbeitsplatz bald von einem Roboter ersetzt werden? Im Jahr 2013 publizierten die beiden Oxford-Wissenschaftler Carl Benedikt Frey und Michael Osborn dazu ein 72 Seiten starkes Thesenpapier, das es in sich hatte: 47 Prozent der Amerikaner wären demnach einem hohen Risiko ausgesetzt, ihren Arbeitsplatz an einen Roboter oder Algorithmus zu verlieren. Obwohl die Methodik der Untersuchung bei näherer Betrachtung mehr als zweifelhaft ist, machte das Papier die Runde. Spätestens seit dieser Studie avancierte der Roboter zum Dämon, der den Arbeitenden Jobs und damit auch Einkommen raubt. Diese These nährte viele andere Untersuchungen und Prognosen. Im Jahr 2018 präsentierte etwa der deutsche IT-Verband Bitkom eine nicht weniger Angst einflößende Schätzung: Innerhalb von fünf Jahren würde die Digitalisierung in Deutschland 3,4 Millionen Arbeitsplätze vernichten. Das entspricht etwas mehr als 10 Prozent. Diese Erkenntnis fußt auf einer Befragung von 500 Unternehmen quer durch alle Branchen. 

 

Maschinen übernehmen schon viele Arbeiten und scheitern dabei oft

Führt man sich vor Augen, welche Berufe von KI und Robotern bereits heute erledigt werden, dann mögen die Oxford-Studie sowie die vielen anderen Prognosen mit ähnlichen Ergebnissen durchaus plausibel erscheinen - zumindest theoretisch. Denn beide Technologien sind bereits an vielen teils überraschenden Orten anzutreffen:

  • In China erkennt die Verkehrsüberwachung Delikte und schickt dem Übeltäter den Strafzettel auch gleich aufs Smartphone. Perfekt ist das System freilich nicht. Denn das System wollte einen Autofahrer, der sich am Kopf kratzte, wegen unerlaubter Benutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt gleich abstrafen.
  • Die Deutsche Bahn testete im Juni 2019 am Berliner Hauptbahnhof einen Roboter-Kopf namens “SEMMI”. Er soll den Reisenden ein besseres Kundenservice bieten. Bei der Präsentation konnte er allerdings nicht ganz überzeugen, wie dieses Video der deutschen Bild beweist.
  • Im Jahr 2015 machte das Hotel Henn-na als erstes roboterbetriebenes Hotel der Welt Schlagzeilen. Dort sollten teils als Dinos verkleidete Maschinen die menschlichen Angestellten unterstützen. Diese verursachten allerdings mehr Arbeit, als sie einsparten. Der deutsche Spiegel berichtete etwa von einem persönlichen Assistenten, der einen Gast mitten in der Nacht mehrmals mit der Frage “Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden. Können Sie die Frage wiederholen?” geweckt hat. Offenbar hat der Roboter die lauten Schnarchgeräusche des Hotelgastes als Frage interpretiert. Das Hotelmanagement feuerte deshalb mehr als die Hälfte der 243 Roboter.

 

Roboter bringen Produktionsbetriebe in Hochlohnländer zurück

Diese und viele anderen Pannen zeigen, dass die Technologie vielerorts vielleicht doch nicht so ausgereift ist, wie sie für den täglichen Praxiseinsatz sein müsste. Oft hegen die Nutzer und Medien auch völlig falsche Erwartungen in KI und Co. “Roboter werden in ihrem Können absolut überschätzt”, meint etwa Michael Hofbaur, Direktor der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH  in Graz gegenüber dem Fachmagazin Factory. Er führt einen anderen Aspekt ins Treffen: Durch den Einsatz der Roboter ist es möglich, produzierende Betriebe in Österreich zu halten oder sogar anzusiedeln. Denn das Beschäftigen von Robotern würde auf der ganzen Welt in etwa gleich viel kosten.

 

Maschinen könnten den Menschen Zeit für kreative und anspruchsvolle Aufgaben bescheren

Dass Roboter und KI sich also als die ganz großen Jobkiller erweisen, ist indes noch keine ausgemachte Sache. Es gibt sowohl Studien und Experten, die sogar glauben, dass intelligente Maschinen mehr Arbeitsplätze schaffen, als sie vernichten. In einigen Bereichen, wie etwa der Pflege von Kranken und älteren Menschen, unterstützen Roboter menschliche Pflegefachkräfte. Weil die Maschinen als Spielgefährten dienen bzw. einfache oder körperlich anstrengende Tätigkeiten übernehmen, hat das Pflegepersonal mehr Ressourcen über, um sich um den Patienten zu kümmern. Roboter und KI sind also insgesamt auch eine Chance für uns Menschen, uns vor lästigen, eintönigen und schweren Arbeiten zu drücken, um mehr Zeit für komplexe, kreative und soziale Tätigkeiten zu haben. 

 

Fazit: Nehmen uns Roboter die Arbeit wirklich weg oder bloß ab?

Technologischer Fortschritt hat in der Vergangenheit immer für Angst um die bestehenden Jobs geführt. Diese war meistens unbegründet: Denn die Innovationen schafften neue Berufe bisher ist der Gesellschaft die Arbeit noch nie ausgegangen. Künstliche Intelligenz und Roboter sind aber Technologien, die den Menschen in seinem Denken, Tun und Handeln stark imitieren. Vielleicht ist die Angst um den Job deshalb besonders groß?

Innovations-Check

Bildquelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/robonaut-maschinen-geschickten-600982/

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

Sie möchten mit uns zusammenarbeiten?

Gerne beraten wir Sie über eine mögliche Zusammenarbeit, um Ihr Innovationsmanagement zukunftssicher zu gestalten.

Contact us