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LEAD Innovation Blog

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Recycling-Baustoffe: Was passiert mit abgetragenen Baustoffen?

 

Wir bauen heute größer, höher und in Ressourcen aufwändiger als jemals zuvor. Eine Alternative zu immer knapper werdenden Primärressourcen stellen Recycling-Baustoffe dar. Wir zeigen Ihnen in einem kurzen Überblick, wo Recycling-Baustoffe zum Einsatz kommen, wie der Markt diesbezüglich einzuschätzen ist und welche Herausforderungen aktuell bestehen.

Österreich und Deutschland im Spitzenfeld des Baustoff-Recyclings

In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union werden je Kopf der Bevölkerung jährlich rund 4 Tonnen Abfall erzeugt. Der größte Anteil des Abfallaufkommens ist mineralischen Abfällen zuzurechnen, die durch Bau- und Abrisstätigkeiten entstehen:

Nach Angaben des Europäischen Statistikamtes eurostat entfallen in den EU-15-Staaten sowie in den Staaten der EFTA-Zone rund zwei Drittel des Abfallaufkommens auf die Bereiche Bau, Abbruch, Bergbau sowie Gewinnung von Steinen und Erden. Bei einem jährlichen Gesamtabfallaufkommens von 1.750 bis 1.900 Mio. Tonnen sind dies 900 Mio. Tonnen mineralische Abfälle jährlich.

Da eine umweltgerechte Deponierung dieser enormen Menge kaum noch möglich ist, soll laut EU Vorgaben die Recycling-Quote für mineralische Bauabfälle bis 2020 mindestens 70 Prozent betragen. In Öster­reich, Dänemark, Deutschland und den Niederlanden beträgt sie bereits über 70 Prozent. Spanien, Portugal, Italien und die Länder in Zentral- und Osteuropa hingegen werden das Ziel nicht erreichen.

 

Recycling-Baustoffe als alternatives Baumaterial

Recycling-Baustoffe sind aus Abfällen hergestellte natürliche, industriell hergestellte oder rezyklierte Gesteinskörnungen, die gemäß EU-Bauprodukte-Verordnung als Baustoff verwendet werden dürfen.

Die Einsatzgebiete für Recycling-Baustoffe sind breit gefächert. Bislang werden sie überwiegend im Straßen-, Erd- und Deponiebau eingesetzt. Zunehmend finden sie auch als Zuschlagstoff in der Beton-, Asphalt- und Steinherstellung Verwendung:

  • Straßen-, Wege- und Verkehrsflächenbau sowie Erdbau: Baustoffe als Frostschutzschichten, Schüttmaterial, Deckschichten, Bankettmaterial, Dammschüttungen, Baustraßen, Rampen, Lärm- und Sichtschutzwälle, etc.
  • Hoch- und Tiefbau: Baustoffe als Verfüllmaterial im Rohrleitungsbau, Bettungsmaterial, Hinterfüllmaterialien, Bodenaustausch, Bauwerksüberschüttungen etc.
  • Garten- und Landschaftsbau
  • Deponiebau: als Deponieersatzbaustoffe
  • Bauprodukte: als Zuschlagstoffe für die Herstellung neuer Bauprodukte, z.B. RC-Beton, Pflastersteine, Asphalt, etc.

 

Ziegel, Putz und Mörtel können problemlos zu Recycling-Baustoffen weiterverarbeitet werden. Die Materialien werden granuliert, also gebrochen, und im Anschluss als Zuschlagstoffe in Leichtbeton verwendet. Betonwände finden hingegen meist als Straßenbaumaterial Verwendung. In Österreich liegt die Recyclingquote für Beton bereits bei über neunzig Prozent. Die Zukunft von Recycling-Baustoffen liegt laut Experten im Einsatz als Betonzuschlagstoff im Hochbau.

 

Der Markt für Recycling-Baustoffe

Eine Mitgliederumfrage des österreichischen Baustoff-Recycling Verbandes zur Marktsituation zeigt, dass derzeit der Markt von der Privatwirtschaft dominiert wird. Rund zwei Drittel aller Recycling-Baustoffe werden dorthin verkauft. Weiters stellen etwa 28 Prozent der Mitglieder eine Verbesserung und 30 Prozent eine Verschlechterung des Marktes fest.

Insgesamt wurden 2017 in Österreich rund 7,1 Millionen Tonnen Baurestmassen aufbereitet, für 2018 wird eine Steigerung auf 7,3 Mio. Tonnen erwartet (+2,2 Prozent). Der mengenmäßige Umsatz war in den Jahren 2015 und 2016 aufgrund der Recycling-Baustoffverordnung stark rückläufig. Durch die Novelle der Recycling-Baustoffverordnung im Herbst 2016 konnte im Jahre 2017 eine Steigerung der Produktion von +12,2 Prozent verzeichnet werden, wobei die Prognosen für 2018 bei +21 Prozent liegen.

Sehr gute Steigerungen von 2016 auf 2017 verzeichnen Betongranulate (+13 Prozent) und Hochbau-Restmassen (+ 12 Prozent). Sehr deutlich fällt auch die Steigerung bei Asphalt aus: Über 60 Prozent an zusätzlichem Asphalt wurden 2017 über Anlagen aufbereitet.

Baustoff-Recycling

Pilotprojekt zur Akzeptanz-Förderung von Recycling-Baustoffen

Trotz Zertifizierung hochwertiger Recycling-Baustoffe und steigender Beschaffungskosten für Primärbaustoffe werden Recycling-Baustoffe in Österreich immer noch zu wenig akzeptiert und nachgefragt. In Deutschland ist die Situation ähnlich. So werden beispielsweise in Bayern von jährlich zehn Millionen Tonnen Bauschutt zwar 90 Prozent dem Recycling zugeführt, aber nur 20 bis 30 Prozent als Recyclingbaustoffe im Straßen- und Erdbau sowie zum Teil in der Betonherstellung verwendet. Der Rest wird gelagert, verfüllt oder auf einer Deponie beseitigt.

Um Vorbehalte in Bezug auf die Materialeigenschaften von Recycling Baustoffen auszuräumen, initiierte der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR)  ein Pilotprojekt am Nürnberger Hafen. Ziel war es, eigene Erfahrungen beim Einsatz von Recyclingbaustoffen im Straßenbau zu machen. Als Resultat konnte der Nachweis darüber erbracht werden, dass eine gleichwertige bauphysikalische Eignung der Recycling-Baustoffe im Vergleich zu Primärmaterialien besteht. Zukünftig sollen nun Recycling-Baustoffe in Nürnberg durch neutrale Ausschreibungsvorgaben entsprechend zugelassen werden.

 

Innovatives Bauprojekt zur konsequenten Wiederverwertung

In Österreich und Deutschland ist das klassische Baustoff Recycling gut entwickelt. Neue Baustoffe und Konstruktionen stellen die Branche jedoch vor große wirtschaftliche Herausforderungen beim Rückbau von Gebäuden. So sind beispielsweise Materialverbunde, die vermehrt bei Niedrigenergie- und Passivhäusern sowie in der thermischen Sanierung zum Einsatz kommen, schwierig zu recyclen. Auch die Zunahme an verklebten Verbindungen und der steigende Gipsverbrauch stellen Hindernisse beim Rückbau dar. Letztlich ist der sortenreine Rückbau der Schlüssel zur Recyclingfähigkeit von Bauwerken. Ist dies nicht möglich, erschweren sich die Verwertungsmöglichkeiten erheblich.

Einen Lösungsansatz für dieses Problem zeigt das Projekt „Urban Mining & Recycling“. Im NEST, dem modularen Forschungs- und Innovationsgebäude von Empa und Eawag in Dübend, hat man sich nicht nur Gedanken über die Mehrfachnutzung und Rezyklierbarkeit von Materialien, sondern auch über alternative Konstruktionsmethoden gemacht. Entstanden ist daraus ein Wohnmodul, das sortenrein aus wiederverwendbaren, wiederverwertbaren oder kompostierbaren Materialien konstruiert ist.

NEST I Empa

NEST I Empa, Unit Urban Mining & Recycling, © Zooey Braun, Stuttgart

Zum Einsatz kommen verschiedenste, seriell verarbeitete Bauelemente, deren unterschiedliche Materialien sortenrein und rückstandsfrei in ihre jeweiligen Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können. Unter anderem werden neuartige Dämmplatten aus Pilz-Myzelium, innovative Recyclingsteine, wiederverwertete Isolationsmaterialien sowie geleaste Teppichböden verwendet. Außerdem können sämtliche Verbindungen einfach rückgängig gemacht werden, da die Materialien nicht verklebt, sondern gesteckt, verschränkt oder verschraubt sind. Die Einfassung der Fassade besteht aus wiederverwendeten Kupferplatten, bzw. aus Platten, die aus eingeschmolzenem, wiederverwertetem Kupfer gefertigt wurden.

„Mit der Umsetzung und der Demonstration des konsequenten Kreislaufkonzepts in einem realen und bewohnten Bauprojekt, erhoffen wir uns natürlich, dass wir ein Umdenken im Bauwesen anstoßen können.“

Enrico Marchesi, verantwortlicher Innovation Manager im NEST

 

Fazit: Recycling-Baustoffe und Kreislaufgedanke

Derzeit werden Baustoffe für Baumaßnahmen überwiegend aus Rohstoffen, die der Natur entnommen werden, hergestellt. Durch den Einsatz von Recycling-Baustoffen kann nicht nur ein entscheidender Beitrag zur Abfallvermeidung, sondern auch zur Ressourcenschonung und zum Landschaftsschutz geleistet werden. Eine zentrale Rolle auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Bauwirtschaft spielt auch der Kreislaufgedanke. Ein rascher Umbau der europäischen Wirtschaft im Sinne einer Kreislaufwirtschaft ist daher erklärtes Ziel der Europäischen Union.

Innovationen der Baustoffindustrie

Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As Head of Innovation, he is responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

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