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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 01-Aug.-2019
Thema: Energie

Warum die Produktion der Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist

2050 soll Europas Wirtschaft klimaneutral produzieren. Das Beispiel Autoindustrie zeigt: Der Anteil der gesamten Schadstoffmenge in der Produktion selbst ist gering. Allerdings befinden sich genau dort die Schrauben, mit deren Hilfe sich der Kohlendioxyd-Ausstoß substantiell reduzieren lässt.

Ursula von der Leyen, designierte Präsidentin der EU-Kommission, ließ mit ambitionierten Zielen aufhorchen: 2050 soll die europäische Wirtschaft klimaneutral arbeiten. Schon im Jahr 2030 soll der Ausstoß an Treibhausgasen, gemessen an denen von 1990, halbiert werden. Bisher konnten sich die EU-Länder nicht auf das verbindliche Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 einigen. Und: Bis 2030 peilte die EU eine Reduktion von 40 Prozent an.

Innovations-Check

 

Energiesektor verursacht die meisten Treibhausgasemissionen

Innerhalb der EU verursacht dabei der Energiesektor den mit Abstand größten Teil der Treibhausgasemissionen. Den Daten des United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) aus dem Jahr 2015 zufolge ist dieser Sektor für 78 Prozent der Emissionen verantwortlich. Die Landwirtschaft stößt etwas mehr als ein Zehntel der EU-weiten Treibhausgasemissionen aus. Die industrielle Produktion und das Verwenden von Produkten verursacht weitere 8,7 Prozent und die Abfallwirtschaft 3,2 Prozent davon. Auf den ersten Blick erscheint es also gar nicht so wirksam, bei den Produktionsbetrieben anzusetzen, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren.

 

Autoherstellern kommt Schlüsselrolle beim Kampf gegen den Klimawandel zu

Warum aber genau dort mitunter die Hebel am längsten sind, zeigt die Autoindustrie. Ihr kommt im Kampf gegen den Klimawandel eine Schlüsselrolle zu: Denn sie kann nicht nur anfallende Treibhausgase bei der Produktion der Fahrzeuge reduzieren. Ihre Fertigprodukte und Services sind es letztendlich, die der Gesellschaft die Chance geben, den durch die Mobilität verursachten Schadstoffausstoß zu reduzieren. Diese Schlüsselrolle wird anhand einer Erfindung aus Deutschland deutlich:

 

Münchner Startup entwickelt CO2-neutrales Auto

Das junge Unternehmen Sono Motors aus München zeigt mit dem Sion, dass die klimaneutrale Produktion von Automobilen prinzipiell möglich ist. Dies ist allerdings nur durch die Kompensation von jenen CO2-Emissionen möglich, die bei der Produktion entstehen. Dabei investiert das Unternehmen in Klimaschutzprojekte, die die CO2-Emissionen in dem Ausmaß der verursachten Emissionen reduzieren. Diese Kosten sind beim Sion schon im Kaufpreis (ab ca. 26.000 Euro) bereits eingerechnet. Die Produktion des Fahrzeuges soll 2020 in Schweden beginnen.

 

Klimafreundlichkeit hängt vom Land ab, in dem das E-Auto fährt

Wie klimaneutral der Sion dann im Betrieb tatsächlich ist, hängt dann allerdings stark vom Nutzer ab: Die Energie für bis zu 30 Kilometer sollen die eingebauten Solarzellen liefern. Alles was darüber hinaus geht, muss aus der Steckdose kommen. Und wie "grün" diese Energie tatsächlich ist, hängt vom Strommix ab. 2016 lag innerhalb der EU der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen am gesamten Bruttostromverbrauch bei knapp 30 Prozent. In Deutschland betrug er mit 32,2 Prozent etwas mehr. Österreich hingegen konnte dank der Wasserkraft 2016 bereits knapp 73 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Wie nachhaltig der Sion dann tatsächlich fährt, hängt also sehr stark davon ab, in welchem Land er zum Einsatz kommt. Sono Motors konnte allerdings schon mehr als 10.000 Vorbestellungen für den Sion verbuchen. Allein dies zeigt schon, dass immer mehr Konsumenten auf "Nachhaltigkeit" sowohl beim Betrieb als auch bei der Produktion von Automobilen Wert liegen.

 

Autoindustrie will Image verbessern und Strafen verhindern

Den großen deutschen Autoproduzenten ist dies mittlerweile auch klar. Dem Dieselskandal und den innovationshemmenden Absprachen zu Technologien der Abgasreinigung ist es zu verdanken, dass die Hersteller keinen besonders "grünen" Ruf beim Konsumenten genießen. Das Image als Umweltsünder wollen sie natürlich so schnell wie möglich los werden. Weit schwerer fallen aber die EU-Vorgaben bis 2030 zu klimafreundlicheren Autos ins Gewicht. Werden diese nicht erreicht, drohen Strafzahlungen. Laut einer Studie werden viele Hersteller aus Europa diese Vorgaben aus heutiger Sicht gar nicht erreichen können.

 

Ein Auto von VW bläst 44 Tonnen CO2 in die Luft

Der VW-Konzern hat im März 2019 die gesamte CO2-Bilanz seiner Autos präsentiert und damit versucht, mehr Licht in die Schadstoff-Diskussion zu bringen. Demnach verantwortet ein durchschnittliches Fahrzeug des VW-Konzerns während seiner gesamten Lebensdauer den Ausstoß von knapp 44 Tonnen CO2. Dieser teilt sich wie folgt: Gleich 5,7 Tonnen davon verursachen die Rohstoffe und jene Vorprodukte, die die Zulieferer zur Verfügung stellen. Bei der Produktion selbst fallen lediglich 800.000 Kilogramm CO2 an. Das Benutzen des Fahrzeugs verursacht 35 Tonnen - 6 Tonnen für die Bereitstellung des Treibstoffes und 29 Tonnen für den Treibstoff selbst. Das Recycling des Fahrzeugs ist dann für den Ausstoß von weiteren 2,7 Tonnen CO2 verantwortlich.

 

In der Produktion allein lasst sich nur wenig bewegen

Wenn der VW-Konzern also am CO2-Ausstoß mitwirken will, kann er dies direkt nur eingeschränkt machen - zumal bei der Produktion selbst der weitaus geringste Anteil am gesamten CO2-Ausstoß anfällt. Seine direkten Zulieferer kann VW zwar in die Pflicht nehmen, doch je weiter weg ein Lieferant in der Lieferkette ist, desto weniger Druck kann VW auf diesen ausüben, möglichst wenig CO2 auszustoßen. Den größten Anteil der Schadstoffe verursacht ein Auto im Betrieb. Auch hier hat VW wenig Einfluss: Der Konzern kann dem Kunden nicht vorschreiben, welchen Antrieb sein Wagen haben soll und wie energieeffizient er diesen dann bewegt. Hier kann VW nur durch das Entwickeln eines attraktiven Angebots von Autos mit wenig CO2-Ausstoß einwirken.

 

Produktion von Batterien verursacht viel CO2

Dazu hat der Konzern auch gleich eine Studie veröffentlicht: Während ein aktueller Golf bei einer Laufleistung von 200.000 Kilometer auf einen Kohlendioxid-Ausstoß von durchschnittlich 140 Gramm je Kilometer kommt, sind es beim E-Golf nur 119 Gramm. Voraussetzung ist dabei der derzeitige Strommix innerhalb der EU. Interessant ist dabei, in welcher Phase des gesamten Lebenszyklus' das Kohlendioxid anfällt: Die Produktion des Dieselgolfs verursacht lediglich 29 Gramm pro Kilometer, der E-Golf benötigt hingegen 57 Gramm pro Kilometer. Verantwortlich für diesen hohen Wert ist die Produktion der Batterie.

 

VW erweitert Horizont auf nachhaltige Mobilität

Das Thema Nachhaltigkeit in der Produktion verfolgen viele große Hersteller mit steigender Ernsthaftigkeit. VW will sich dabei als Vorreiter nachhaltiger Mobilität etablieren. Der Konzern kündigte kürzlich ein Automobil an, das über seine gesamte Lebensdauer bilanziell CO2-neutral sein soll. Die Produktion des neuen ID. soll Ende 2019 im Werk Zwickau starten. Schon heute arbeitet diese Produktionsstätte mit Ökostrom: Bei der Produktion des ID. kann weit mehr als eine Million Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Die Produktion der Batterien soll in Europa erfolgen. Die dazu notwendige Energie soll Grünstrom liefern. Die Emissionen, die sich im Herstellungsprozess nicht vermeiden lassen, will VW über Investitionen in zertifizierte Klimaprojekte ausgleichen, sodass die Herstellung des ID. zum Marktstart bilanziell CO2-neutral ist. Den Nutzern des ID. schlägt der Konzern das Verwenden von Energie aus erneuerbaren Quellen vor. Diese bietet der Hersteller über die eigene Tochter Elli in Deutschland unter dem Namen "Volkswagen Naturstrom" seit kurzem auch gleich selbst an. Der VW-Konzern hat also nicht mehr bloß die Herstellung von Fahrzeugen im Blickfeld, sondern will offenbar auf das viel breitere Thema der nachhaltigen Mobilität fokussieren.

VW ist freilich nicht der einzige Hersteller, der sich nun der Nachhaltigkeit - auch in der Produktion - verschrieben hat: Daimler will bereits bis zum Jahr 2022 eine CO2-neutrale Energieversorgung für alle seine deutschen Werke realisieren. Und auch BMW versucht bei der Produktion des Elektroautos i3 möglichst CO2-neutral zu agieren.

Fazit: Warum die Produktion der Schlüssel zur Nachhaltigkeit ist

Innerhalb der EU stoßen die Produktionsstätten nur einen relativ geringen Anteil der gesamten CO2-Emissionen aus. Dass aber genau dort die Hebel zu einer massiven Kohlendioxid-Reduktion liegen, zeigt die Autoindustrie. Letztendlich liegt es an ihrem Angebot, wie wir alle den Kampf gegen den Klimawandel führen können.

Innovations-Check

Bildquelle Titelbild: https://www.pexels.com/photo/round-vehicle-side-mirror-2699833/

Tanja ESCHBERGER

Born in Lower Austria. At LEAD Innovation she works as Head of Innovation and focuses on agile innovation management via SCRUM.

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