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LEAD Innovation Blog

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Datum: 03-Jul-2019

LEAD User Interview: Norbert Stock

 

Norbert Stock im Interview.

Wir suchen immer wieder LEAD User, Menschen, die mit Produkten unzufrieden sind und selbst zu tüfteln und basteln beginnen, um zu verbessern, was sie brauchen. Herr Stock, Sie wurden uns als prototypischer LEAD-User für Sanitärprodukte empfohlen. Wie sind Sie darauf gekommen, technische Innovationen für Badezimmer-Armaturen auf eigene Faust voranzutreiben? 

Um mir mein Studium der Architektur zu finanzieren, begann ich Badezimmer für wohlhabende Leute zu gestalten und zu bauen. Das konnte ich, weil ich immer schon ein leidenschaftlicher Bastler und Techniker war. Meine Kunden wollten modernes Design und auffallende Einzelanfertigungen. Für meine Waschtische schweißte ich Eisengestelle, auf denen schwarze Granitplatten ruhten, Schranktüren und Badezimmerwände waren aus bläulich weißem Marmorglas, das es heute nicht mehr gibt. Ein Badezimmermöbel kostete etwa 15.000 Euro. Es war für mich schwierig, Armaturen zu finden, die dem designerischen Anspruch meiner Kunden genügt hätten. Vor 30 Jahren gab es noch nicht die Auswahl von heute. Ich war unzufrieden mit den Serienprodukten und begann zu grübeln, wie eine optimale Armatur beschaffen sein müsste. Ich beschloss, meine eigene Badezimmerarmatur zu entwickeln.

Handbuch LEAD User Methode

 

Ging es dabei um ein Design, das in Ihre Bäder gepasst hätte? 

Das war nur der Anstoß, mich mit dem Thema Armatur zu beschäftigen, aber nicht das Ziel. Designer haben zwar das Image, für die äußere Behübschung zuständig zu sein, ihr Selbstverständnis basiert jedoch auf dem Prinzip „form follows function“. Die funktionale Innovation steht im Zentrum. Bei meinen ersten Versuchen, meine eigene Armatur zu entwickeln, stieß ich sofort auf die funktionalen und herstellungstechnischen Limitierungen des Gestaltungsspielraums. Um diese zu überwinden, wollte ich ein funktionaleres technisches Innenleben konstruieren. 

 

Warum waren Sie mit dem Design der marktgängigen Serienprodukte nicht zufrieden? 

Ich habe mich lange Zeit gefragt, warum die meisten Serienprodukte so aussahen wie sie eben aussahen und zuerst einmal naiv vermutet, dass die großen Firmen zu wenig Verständnis für gutes Design hätten. Aber je mehr ich mich in die Welt der Sanitärprodukte einarbeitete, wurde mir klar, dass es für die Industrie technische und ökonomische Rahmenbedingungen gibt. Ein Nadelöhr der guten Form war z.B. die Poliertrommel. Da musste jedes Ding durch, wenn es in Großserie hergestellt werden sollte. Und nur dann waren die Preise massentauglich.

 

Aber es gibt doch auch ausgezeichnetes Design, etwa von Philippe Starck? 

Philippe Starck ist ein sehr guter Designer. Deshalb ging auch er ursprünglich von der Funktion aus. Sein erster Entwurf hätte eine eigens entwickelte Ventilkartusche erforderlich gemacht. Was extrem teuer gewesen wäre. Nur mit Mühe konnte er umgestimmt werden, seine Gestaltung so zu verändern, dass sie mit OEM-Zukaufware realisierbar wurde. Starck musste vom Design-Prinzip „form follows function“ abgehen. Generell sind neue Design-Armaturen bloß Hüllen, die über 90% OEM-Basisprodukte drüber gezogen werden.

 

Was war Ihre erste technische Innovation? 

Spezielle Keramik-Dichtscheiben für die in meiner Armatur verbauten Ventile. 

 

Worin bestand Ihre technische Idee? 

Ich entwickelte einen Einhand-Zweigriffmischer, der verschleiß- und wartungsfrei mit minimalem Aufwand, ohne alterndes Thermo-Element funktioniert und trotzdem die Temperatur des Mischwassers bei Druckschwankungen in hohem Maße stabil hält. Dazu diente eine den mit Siliziumcarbidkeramik arbeitenden Ventilen vorgeschaltete Konstruktion aus Kugel und Silikonmembrane. Diese trennt Kalt- und Warmwasser und gleicht Druckschwankungen proportional aus. Dieses Detail kam in exakt gleicher Form einige Jahre später von einem fernöstlichen Hersteller mit Patenten abgesegnet auf den Markt und wird seither als „Pressure-balance-valve“ weltweit in großer Stückzahl vertrieben.

 

 Hatten Sie noch weitere Ideen? 

Ja, ich wollte durch Verzahnungsgeometrien der Ventilsteuerscheiben das durchfließende Wasser dergestalt verwirbeln, dass die üblichen schalldämpfenden Nirostasiebe entfallen konnten. Die Geräuschprobleme der Ventile waren damit gelöst, ohne gleichzeitig eine frühzeitige Verstopfung durch in den Schalldämpfersieben hängenbleibende Installationsrückstände oder Kalkpartikel zu provozieren. Die verzahnten Scheiben verwirbeln das Wasser und verhelfen damit den Armaturen in die Geräuschklasse A, erforderlich für die Verwendung in vielen sensitiven Bereichen. Auch die Montage der Armatur in eine zuvor vorinstallierte Unterputzwanne hatte ich in einem Projekt umgesetzt, bevor dies in Serie heute Standard wurde.

 

Haben Sie nicht versucht, Ihre Ideen an Großserienhersteller heranzutragen?

Habe ich schon versucht. Manchmal hätte das auch beinahe geklappt. Aber die Interessen innerhalb großer Unternehmen und die Geschwindigkeit von Entscheidungen ergibt eine Dynamik mit der ich nie zum Erfolg kam.

 

 Wie sah Ihre Armatur denn aus? 

Statt Hähne oder Drehgriffe hat sie Hebel mit Glasgriffen, ähnlich den manuellen Geschwindigkeitsreglern von Motorbooten, die man nach vorne drückt, wenn man Gas gibt. Mit einer Hand können beide Hebel gleich oder gegenläufig betätigt werden. Es wurde also eine Zweigriff- Einhandarmatur. Aber das war eher eine gestalterische Spielerei, wesentlich war die Revolution der Technik, auf die das ungewohnte Design aufmerksam machen sollte. Meine Armatur konnte ich in Kleinserie verwirklichen und vermarkten. Mein Traum aber war es, eine funktionale Verbesserung für einen breiteren Markt zu entwickeln. 

 

Folgte noch eine zweite Armatur? 

Ja, später entwickelte ich eine Armatur, die nur durch einen Drehknopf aus rotem und blauem Glas bedient wird. Eine Zusammenführung der Bedienhebel meiner ersten Mischbatterie, sozusagen. Mit einer Drehbewegung steuert man nicht nur den Durchfluss, sondern auch die Temperatur. Leider blieb diese Konstruktion bisher unrealisiert. Sie zeigt aber meine Auffassung von Design, dass eine neue Form untrennbar mit einer neuen Funktionsweise verbunden sein muss. Die funktionale Verbesserung des Produkts steht im Zentrum.

Herzlichen Dank für dieses LEAD User Interview.

 

Auch interessant: Unsere Trendsammlung aus dem Bereich Sanitär -  Ein Auszug aus der LEAD Trenddatenbank

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Bildquelle: https://pixabay.com/de/photos/wasser-tippen-schwarz-und-wei%C3%9F-2825771/

Wolfgang PAUSER

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