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LEAD Innovation Blog

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Datum: 22-Nov-2018
Thema: Hotellerie

Klimawandel - Warum weniger Schnee den Wintertourismus kalt lässt

 

Die Erderwärmung lässt zwar Schnee und das Eis in den Alpen schmelzen, die Umsätze des Wintertourismus bisher allerdings noch nicht. Doch kann die Branche mit Kunstschnee die Folgen des Klimawandels langfristig kaschieren?

 

Der diesjährige meteorologische Sommer brachte 12 Prozent mehr Sonnenschein als im Mittel und war fast durchgehend sehr warm, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG)  am 30. August 2018. „In der vorläufigen Endauswertung liegt der Sommer 2018 um 2,0 °C über dem vieljährigen Mittel und damit auf dem vierten Platz in der Reihe der wärmsten Sommer der österreichischen Messgeschichte seit 1767", konkretisiert ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik. Der Trend zu heißeren Sommer setzt sich also fort. „Unter den zehn wärmsten Sommern der 252-jährigen Messgeschichte liegen sechs Sommer der letzten Jahre", ergänzt Orlik. Doch auch in den übrigen Jahreszeiten bleibt es wärmer: So fand dasheurige Skiopening in Kitzbühel am 13. Oktober bei mehr als 20 °C statt. Skifahren konnten die Besucher auf zwei künstlich beschneiten Pisten dennoch. Den Schneekanonen sei es gedankt.

 

Natürliche Schneefallgrenze wandert nach oben

Skurril anmutende Ereignisse wie dieses zeigen, dass der Klimawandel vor unser aller Haustüre angekommen ist. Auf den Tourismus wirkt sich die Erderwärmung zweifelsohne stark aus. Mögliche Szenarien fasst die vom Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWF) im Jahr 2015 herausgegebene Studie "Klimawandel und Tourismus in Österreich" zusammen. Die Studienautoren schätzen die Risiken und Gefahren für den schneeabhängigen Wintersporttourismus als sehr hoch ein. Betrachtet man nämlich Szenarien für die nächsten Jahrzehnte, so ergibt sich für den Winter in Österreich ein mittlerer Temperaturanstieg von etwa 0,5 °C pro Dekade. Pro 1 °C Erwärmung wandert die natürliche Schneefallgrenze um 150 Meter nach oben. Die Anzahl der Skigebiete, die unter der natürlichen Schneefallgrenze liegen, würden sich bis zum Jahr 2030 von derzeit 101 auf 145 erhöhen.

 

Der Winter füllt die Kassen der Touristiker

Für Österreich steht also insgesamt viel auf dem Spiel: Denn von den 25 Milliarden Euro, die die österreichische Tourismusbranche jährlich erwirtschaftet, wird mehr als die Hälfte in der Wintersaison verdient - obwohl diese wesentlich kürzer ist als die Sommersaison. Laut dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus sorgt die Branche für 337.000 Arbeitsplätze und allein die Seilbahnen beschäftigen an die 100.000 Mitarbeiter.

Der Schluss, den die Autoren der Studie "Klimawandel und Tourismus in Österreich" ziehen, ist für die Touristiker indes beruhigend: Dank Beschneiungsanlagen würden de facto alle Skigebiete ihren Gästen in den nächsten Dekaden Schneesicherheit garantieren können. Der Klimaforscher Marc Olefs gehtin einem Interview sogar davon aus, dass selbst in tiefen und mittleren Lagen das Skivergnügen bis zum Jahr 2050 gesichert ist.

Bisher hat der Klimawandel auch den Geschäften mit dem österreichischen Skiwinter nichts anhaben können. "In Österreichs Skigebieten läuft alles wie immer", zog etwa Franz Hörl, Obmann des Fachverbandes der Österreichischen Seilbahnen, gegenüber dem Fachmagazin Hotel & Touristik über die Skisaison 2016/2017 zufrieden Bilanz. Auch über die darauffolgende Saison 2017/2018 konnte die Branche nicht klagen und gerade die niedriger gelegenen Wintersportgebiete konnten sehr gute Ergebnisse erzielen.

 

Kunstschnee reduziert unternehmerisches Risiko

Sind die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels also durch bloße Technik in den Griff zu bekommen? Ist ein von weißen Schneebändern inmitten brauner Berglandschaften geprägter Winterurlaub langfristig tatsächlich die Zukunft? Fragen, die nur schwer zu beantworten sind. Fest steht, dass die künstliche Schneesicherheit teuer ist. Bisher haben die österreichischen Seilbahnen Investitionen in Milliardenhöhe in Beschneiungsanlagen investiert. Laut Klimaforscher Olefs wäre technische Beschneiung zwar auch ohne Erderwärmung notwenig gewesen. Denn auch in der Vergangenheit hätte es schon viele kalte, aber sehr schneearme Winter gegeben. Die künstliche Beschneiung ist also für die Tourismusbranche insgesamt eine willkommene technische Innovation, mit der sie ihre Abhängigkeit vom natürlichen Weis praktisch auf Null senken konnte. Und sie schafft ein neues Berufsbild: Den Schneimeister - oder auch "Schneemann".

 

Skifahren wird noch teurer werden

Der Klimawandel erhöht allerdings die Kosten für die Schneesicherheit. Denn je wärmer es ist, desto höher sind Aufwand und Kosten, um die gleiche Menge Schnee herzustellen. Diese Mehrkosten wird der Winterurlauber zu tragen haben. Mehr als 50 Euro kostet in den großen Skigebieten eine Tageskarte bereits heute. Dieses hohe Preisniveau hat dazu geführt, dass Skifahren in der Skination Österreich aufgehört hat, ein Volkssport zu sein. Einer aktuellen Studie des Institutes für Freizeit- und Tourismusforschung zufolge fahren 62 Prozent der heimischen Bevölkerung niemals Ski - vor 25 Jahren waren es 40 Prozent.

 

Nachhaltigkeit von Kunstschnee ist umstritten

Auf Nachhaltigkeit legen immer breitere Bevölkerungsschichten wert. Seine Kurven auf künstlich produzierten Schneebändern zu ziehen, ist nur schwer als ökologisch umsichtiges Verhalten zu vermitteln. Wie groß der ökologische Fußabdruck des künstlichen Schnees tatsächlich ist, darüber scheiden sich die Geister: Die einen betonen, dass die dafür notwendige Energie ohnehin aus nachhaltigen Quellen wie Wasser und Sonne stammt. Anderer führen ins Treffen, dass der für die Beschneiung notwendige Ökostrom dann eben wo anders abgeht. Eine Studie des steirischen Joanneum Research kam 2017 gar zum Schluss, dass der Einsatz von Schneekanonen die Auswirkungen des Klimawandels abschwächt. Die Ergebnisse der Untersuchung zweifeln andere Forscher allerdings stark an.

 

Winterurlaube ohne Skifahren

Wenn Skifahren - zumindest den eigenen Landsleuten - immer unwichtiger wird, warum es dann im Winterurlaub weiter zur Hauptsache machen? Diese Frage stellen sich immer mehr Tourismusregionen und bieten viele Freizeitaktivitäten und Erholungsangebote abseits der Piste an. Freilich für Langlauf, Biathlon und Rodeln ist auch eine gewisse Menge an Weiß notwendig - aber bei weitem nicht so viel, wie für optimal präparierte Skipisten. Für andere Urlaubsaktivitäten wie eine Fahrt auf dem Fatbike, ein Thermenbesuch oder eine Fackelwanderung wird Schnee - ob natürlich oder nicht - indes nicht unbedingt gebraucht. Beim Kampf um Wintergäste, setzen Touristiker auf immer vielfältigere, teils auch skurrile Attraktionen.

 

Fazit: Klimawandel - Warum weniger Schnee den Wintertourismus kalt lässt

Durch die globale Erwärmung bleibt der natürliche Schnee in den niedriger gelegenen Wintersportorten immer öfter aus. Die Pisten künstlich zu beschneien, ist in vielen Urlaubsregionen heute bereits Standard. Schneekanonen würden auch ohne Klimawandel stark nachgefragt werden, weil sie die Tourismusbranche von der Unsicherheit des Wetters unabhängiger machen. Der Klimawandel wird aber das Skifahren weiter verteuern. Seinen Nimbus als "Volkssport" hat Skifahren schon längst verloren. Auch deshalb tüfteln viele Wintersportorte schon an neuen Angeboten, die einen Winterurlaub auch ohne Skifahren attraktiv machen.

Innovations-Check

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. For more than 6 years she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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