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LEAD Innovation Blog

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Warum man im Kampf gegen Plastikmüll in Kreisläufen denken sollte

 

Plastik ist einer der meist produzierten Stoffe weltweit. Nicht einmal ein Fünftel davon wird derzeit wiederverwertet. Trotz gesellschaftlicher Anstrengungen und gesetzlicher Verordnungen wird der Plastikmüllberg auch in Zukunft weiter stark wachsen. Auswege aus dieser Misere sind dringend gesucht. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, warum es sich beim Plastik auszahlt, in Kreisläufen zu denken und wie einer der größten Einzelhändler der Welt daraus ein Wachstumsgeschäft macht.

Einer Analyse von McKinsey zufolge produziert die Menschheit weltweit jährlich 260 Millionen Tonnen Plastikmüll. Nur 40 Tonnen (16 Prozent) davon werden gesammelt, um daraus Rohstoffe für Neues zu produzieren. Der große Rest belastet mehr oder weniger ohne Nutzen unser aller Lebensraum: 40 Prozent landen auf regulären Deponien, ein Fünftel auf wilden Müllhalden oder im Meer. Ein Viertel des Abfalls gelangt in Verbrennungsanlagen. Diese erzeugen zwar Strom und Wärme, verschmutzen aber auch die Luft.

In vielen Ländern Westeuropas mag wegen vieler Anstrengungen und strengeren gesetzlichen Vorschriften der Eindruck entstehen, dass die Menge an Plastikmüll doch eigentlich sinken müsste. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache: So rechnen die Analysten von McKinsey damit, dass sich bis zum Jahr 2030 die weltweite Menge an Plastikmüll um 80 Prozent erhöhen könnte. Denn: Steigt der Wohlstand, dann steigt auch die Menge an Müll.

Trendsammlung Verpackung

 

Plastikmüll sorgt für Emotionen

Versuche, den wachsenden Müllbergen Herr zu werden, gibt es viele. Ein im Jahr 2018 vom Ministerrat beschlossenes Gesetz verbietet in Österreich die besonders umweltbelastenden und nur schwer recyclebaren Einwegsackerl ab 2020 ganz. Ab dem Jahr 2021 ist in der gesamten EU Einwegplastik verboten. Bei der Bevölkerung ist das Thema Plastikmüll emotional stark aufgeladen: Als eine Billa-Filiale etwa versuchte, geschälte und in Plastik verpackte Bananen zu verkaufen, führte dies zu einem internationalen Shitstorm in den Sozialen Medien. Deshalb versuchen immer mehr Unternehmen die gesetzlichen Vorgaben früher zu erfüllen oder unterwerfen sich selbst noch strengeren Regularien. So hat etwa der größte österreichische Lebensmittelhändler, die Rewe International AG (Billa, Bipa, Penny, Merkur, Adeg) bereits im Jahr 2017 die Einwegsackerl aus ihren Filialen entfernt und sie durch Papier- oder Mehrwegtragetaschen ersetzt.

 

Fast alle Konsumenten wünschen sich Verzicht auf Plastikverpackungen

Auch in Deutschland geht den Konsumenten der Verpackungsmüll zunehmend auf die Nerven. Einer Studie der Unternehmensberatung PwC zufolge fordern 95 Prozent der Verbraucher eine Reduktion. 92 Prozent der Befragten wollen gar einen weitgehenden Verzicht auf Plastik. Solche deutlichen Signale der Kunden bleiben in der Wirtschaft freilich nicht ungehört: Europas größter Handelskonzern, die Schwarz Gruppe (über 400.000 Mitarbeiter und ein Jahresumsatz von knapp 100 Milliarden Euro weltweit) kündigte an, den Kunststoffverbrauch bis 2025 um mindestens ein Fünftel reduzieren zu wollen und zu 100 Prozent die Recyclingfähigkeit der Kunststoffverpackungen für Eigenmarken sicherzustellen. Bis Ende 2019 will das Unternehmen auch gezielt Einwegplastikartikel wie Trinkhalme, Einwegbecher und -gläser, Teller, Besteck und Wattestäbchen mit Plastikschaft auslisten.

 

360-Grad-Plastikstrategie umfasst alle Glieder der Wertschöpfungskette

Um diese Ziele zu erreichen, hat die Schwarz Gruppe die 360-Grad-Plastikstrategie gestartet. Ihr folgen alle Sparten und Standorte des Konzerns. Dies sind neben den Handelsunternehmen Lidl und Kaufland, der Getränkehersteller MEG, die Produktionsbetriebe der Eigenmarken und der Entsorgungs- und Recyclingdienstleister Green Cycle. Mithilfe der 360-Grad-Plastikstrategie will die Schwarz Gruppe sowohl im Diskont, als auch im Vollsortiment, bei den Eigenmarken, den Lieferanten und den internen Prozessen den Einsatz von Plastik in allen Formen substanziell weiter reduzieren. Darüber hinaus will man die Recyclingfähigkeit von Produkt- und Umverpackungen sowie der Transportverpackungen erhöhen.

 

Strengere Regeln beflügeln den Innovationsgeist

Die 360-Grad-Plastikstrategie ist für die Schwarz Gruppe aber nicht nur ein Tool, um die Wünsche der Konsumenten nach mehr Nachhaltigkeit und auch die strengeren gesetzlichen Regelungen der Zukunft zu erfüllen. Vielmehr sieht der Konzern die Kreislaufwirtschaft als einen Innovationstreiber, den man entlang der gesamten Wertschöpfungskette und in nahezu allen Ländern Europas angehen wird, wie man von Seiten des Unternehmens betont. Dafür befindet sich der Konzern in einer sehr guten, weil einzigartigen, Position: Die Schwarz Gruppe ist das einzige Handelsunternehmen Deutschlands, das den Wertstoffkreislauf aus einer Hand schließen kann.

 

Eigene Tochter kümmert sich um den Abfall des Konzerns

Eine Schlüsselrolle dabei spielt der Entsorgungs- und Recyclingdienstleister der Gruppe, GreenCycle. Die Wurzeln des im Jahr 2009 gegründeten Unternehmens liegen in der Entsorgung des Papier- und Kartonagenabfalls aus den Lidl-Filialen. Heute beschäftigt sich der Betrieb mit Wertstoff- und Energiemanagement, Umweltinnovationen und Logistiklösungen und ist innerhalb der Schwarz Gruppe für die Sammlung und das Recycling sämtlicher Wertstoffe verantwortlich, die im Filial- und Logistikbetrieb von Lidl und Kaufland anfallen. Seit 2018 ist GreenCycle auch mit der Vertriebsmarke PreZero aktiv. Darunter bündelt GreenCycle alle Dienstleistungen wie Beratung, Logistik, Sortierung und (Wieder-)Verwertung für Kunden außerhalb der Schwarz Gruppe. Auf der Digitalplattform PreZero.com können sich beispielsweise Kunden online Angebote zur Entsorgung erstellen lassen. Erst 2018 hat GreenCycle einen großen deutschen Entsorgungsdienstleister gekauft und will im Bereich Wertstoffmanagement kräftig wachsen.

 

Eigene Erfahrungen bei der Abfallverwertung bilden Basis für Neugeschäft

Die Aktivitäten im Entsorgungsgeschäft passen gut zur Strategie der Schwarz Gruppe. Denn die sieht vor, über eigene Produktionskapazitäten für Lebensmittel und die beiden Handelssparten Lidl und Kaufland die Wertstoffkreisläufe zu schließen. „Abfälle sind für uns Wertstoffe am falschen Ort“, sagt Dietmar Böhm, der als Geschäftsführer für das operative Geschäft von PreZero verantwortlich ist. Und seit dem Jahr 2018 hat sich die Schwarz Gruppe dem Thema Plastik verschrieben und will mit dem bereits erwähnten 360-Grad-Ansatz den Plastikverbrauch in allen Unternehmensbereichen zu reduzieren, Voraussetzungen für qualitativ hochwertige Wertstoffströme zu schaffen und damit das Schließen von Kreisläufen zu ermöglichen. Mit einem eigenen Dualen System ("PreZero Dual GmbH"), das die Schwarz Gruppe bis zum Jahr 2021 aufbauen wird, will der Konzern im Abfallgeschäft weiter wachsen. Mit der "PreZero Dual GmbH" würde man die komplette Abfallkette - angefangen von der Organisation der Abholung in einem dualen System bis zur Sortierung und Verwertung, abdecken. Zum Hintergrund: Das duale System ist neben dem öffentlich-rechtlichen ein zweites Abfallbeseitigungssystem. Anbieter, wie etwa der Grüne Punkt Duales System Deutschland GmbH, organisieren die Verwertung von Verkaufsverpackungen, führen sie aber nicht selbst durch. Mit einem eigenen dualen System könnte die Schwarz Gruppe nicht nur für sich ein neues Geschäftsfeld erschließen, sondern auch Kosten sparen: Allein Lidl zahlt zwischen 70 und 80 Millionen Euro für die Organisation von Eigenmarken-Verpackungsmüll jährlich.

 

Fazit: Warum man im Kampf gegen Plastikmüll in Kreisläufen denken sollte

Produkte, die sich nach Ablauf ihrer Lebensdauer nicht mehr als Rohstoff für Neues nutzen lassen, haben die Abfallberge und Müllinseln in den letzten Jahrzehnten stark anwachsen lassen. Möglichkeiten, aus diesem Dilemma wieder herauszufinden, gibt es viele. Eine, die mit keinerlei Wohlstandsverlusten verbunden ist, ist die Kreislaufwirtschaft. Dabei müssen alle - angefangen vom Hersteller über den Händler bis hin zum Käufer und Entsorgungsdienstleister - nach neuen Regeln spielen. Veränderungen verursachen bei einigen Ängste und bei anderen Kreativität. Im Fall der Schwarz Gruppe haben die Wünsche der Kunden und die daraus resultierenden strengeren Gesetze nicht nur dazu geführt, bei der Nutzung von Plastik in einem Kreislauf zu denken. Es gelingt auch, aus der Verpflichtung, Verpackungsmüll zu reduzieren und die Recyclingquote zu erhöhen, ein Geschäftsmodell zu entwickeln.

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Tanja ESCHBERGER

Born in Lower Austria. At LEAD Innovation she works as Head of Innovation and focuses on agile innovation management via SCRUM.

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