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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 22-Nov-2018

Wie Gegentrends neue Chancen für Innovationen eröffnen können

 

Trends sind die Kräfte, die die Gesellschaft verändern. Diesen Wandel im Auge zu behalten und die eigenen Innovationen daran auszurichten, gilt als erfolgsversprechende Strategie für jedes Unternehmen. Doch es kann sich auch auszahlen, gegen den Strom zu schwimmen. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag über Trends und Gegentrends am Beispiel Handel, und warum Sie profitieren, wenn Sie Innovationen entwickeln, die dem Zeitgeist widersprechen.

Der menschliche Fortschritt verläuft alles andere als linear. Er folgt vielmehr den Bewegungen eines Pendels. Jeder Trend erzeugt einen oder auch gleich mehrere Gegentrends, die einerseits für Konflikte, andererseits auch für Symbiosen sorgen können. Dies zeigt sich etwa an dem Wandel, den der Einzelhandel derzeit vollzieht:

Paper Trenduniversum erstellen

 

Lösen Klick und Sprachbefehl den Einkaufswagen ab?

Wir alle kaufen immer mehr online ein. In Österreich wuchs der E-Commerce-Anteil in den letzten Jahren stark und beträgt bereits um die 10 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben. Vor nicht allzu langer Zeit hielt man es für undenkbar, bestimmte Waren, wie etwa Möbel, Bekleidung und Schuhe oder gar frische Lebensmittel online zu ordern. Und dem Einkaufen übers Handy gab man wenig Zukunft. Beides gehört aber mittlerweile zum Alltag. Ein Paar Schuhe übers Smartphone zu ordern, ist heute nichts Besonders.

Die Gründe für diesen Trend sind durchaus plausibel. Weil die Zeitbudgets der Konsumenten immer knapper und der Wunsch nach noch mehr Convenience stärker werden, nutzen wir jede Chance, um Pflichten des Alltags noch effizienter zu erledigen. Dank mobilen Shoppings lässt sich der Wocheneinkauf heute schon von unterwegs via Smartphone erledigen und wird wenige Stunden später nach Hause geliefert. Es ist daher eigentlich wenig überraschend, wenn der Mobile Commerce in Österreich zuletzt eine Wachstumsrate von um die 20 Prozent verzeichnete. Und die nächste Technologie, die die Effizienz des Einkaufens noch weiter steigert, steht bereits in den Startlöchern. Der von Geräten wie Amazons Alexa befeuerte Voice Commerce Boom scheint Österreich bereits erreicht zu haben.

 

Online-Shopping ist effizient - aber langweilig

Doch läutet dieser Siegeszug des Online-Shoppings das Ende des stationären Handels ein? Nicht wirklich. Zwar verliert die Brick&Mortar-Welt  Marktanteile an Online-Riesen wie Amazon, Alibaba und Co. Aber: Die realen Geschäftslokale bleiben dennoch nicht leer. Denn sie bieten etwas, das E-Shops kaum offerieren können: Erlebnisse. Wenn das Kind beim Bäcker ein Keks von der netten Verkäuferin zugesteckt bekommt. Wenn ein passionierter Hobbyfotograf das neueste Kameramodell zum Ausprobieren in die Hände gedrückt bekommt. Wenn ein Mountainbiker ein neues Rad auf einer gemeinsamen Tour mit dem Händler Probe fahren kann. Solche kleinen und großen Abenteuer kann kein Online-Händler bieten. Und ehrlich: Wer sehnt sich nicht nach Tante Emma, die immer Zeit für ein kurzes Pläuschchen aufbrachte, über das eigene Sortiment viel zu erzählen hatte und genau wusste, was welcher Kunde mochte und was nicht? Letzteres versuchen Online-Anbieter zwar auch zu leisten, scheitern aber spätestens daran kläglich, wenn ein Kunde über seinen Online-Konto etwas für die Schwiegermutter kauft.

 

Einkaufen wird zum Abenteuer

Nach dem Motto "Stärke Deine Stärken" versucht der Einzelhandel den Konsumenten mit neuen Abenteuern zu überraschen. Die Verkaufsformate, die möglichst viele Sinne ansprechen, werden von den Konsumenten dankbar angenommen: Die Möglichkeit, auf den Multiplex-Terrassen der Shopping City Süd zu surfen, zogen etwa 250.000 Gäste an. Die Late-Night-Shopping-Events des McArthurGlen Designer Outlet Parndorf verursachen regelmäßig Staus auf der Autobahn und ihren Abfahrten. Immer mehr Luxusfirmen und Modehäuser eröffnen phantasievoll gestaltete Pop-up-Stores, die nur für kurze Zeit geöffnet sind.

Im Handel gibt es allerdings nicht nur den Gegentrend, mehr Zeit für den Einkauf aufzubringen und diesen zu einem Abenteuer hochzustilisieren. Die besonders von den Online-Händlern perfekt umgesetzte Philosophie, den Wünschen des "Königs Kunden" so schnell und umfassend zu entsprechen, womöglich schon bevor dieser seine Wünsche selbst genau kennt (Stichwort Anticipatory Shipping), wird mancherorts überhaupt in Frage gestellt. Frei nach dem Motto aus einem Song der oberösterreichischen Band Attwenger: "de leid de san jetzt kundn und da kunde der is könig und da könig der is bled" wollen einige Konsumenten auf die Nebengeräusche des Handels wie Werbehochglanz, Verpackungsglimmer und Rabattorgien verzichten. Sie vermissen Ehrlichkeit bei Preis und Ware und nehmen dabei den gesamten Handel gleich selbst als Gruppenprojekt in die Hand.

 

Food Coops: Wenn der Händler überflüssig wird

So genannte Food Coops zählen auch in Österreich schon mehrere tausend Mitglieder. Die Mitglieder dieser modernen Konsumgenossenschaften organisieren sich ihren Einkauf direkt beim Produzenten selbst, und verrichten die dafür notwendigen Arbeiten, wie etwa den Vertrieb, selbst und ehrenamtlich. Ein Händler wird somit überflüssig. Dem eingangs erwähnten Bedürfnis, weniger Zeit fürs Einkaufen aufwenden zu können oder zu wollen, entsprechen sie damit zu 100 Prozent nicht. Dafür wird Einkaufen zum Motiv, sich gemeinsam mit ähnlich gesinnten Menschen zu treffen, sich gegenseitig auszutauschen und gemeinsam die Welt ein bisschen "besser" zu machen. In Food Coops organisieren sich Personen, die das Vertrauen in die konventionelle Herstellung von Lebensmitteln und auch in den Handel mehr oder weniger verloren haben. Sie wollen ganz genau wissen, was auf ihre Tische kommt und kaufen nur von Produzenten, die sie selbst kennen oder die hieb- und stichfeste Zertifizierungen vorweisen können. Einige von ihnen produzieren Nahrungsmittel überhaupt selbst und geben die Überschüsse, die sie selbst nicht brauchen, an andere Mitglieder weiter. Freilich: Von einem starken Trend zur Food Coop kann in Österreich nicht die Rede sein. Aber diese Konsumgenossenschaften sind Speerspitzenprojekte, die auch im Mainstream ihre Spuren hinterlassen können.

 

Moderne Gegenbewegung kommt aus der Vergangenheit

Interessant an all diesen Gegentrends zum Online-Boom ist es, dass sie allesamt nicht neu sind: Vor wenigen Jahrhunderten  waren es eben ausschließlich die zentralen Stadt- und Dorfplätze, auf denen der Konsument neben dem Einkauf etwas erleben wollte. So sorgten etwa schon im Mittelalter die Gaukler an den Markttagen für Unterhaltung. Heute konkurrieren eben die Shopping-Center auf der Grünen Wiese mit den Geschäften in den  Stadt-und Ortskernen. Auch Food Coops sind keine neue Erfindung: Als Folge der Industrialisierung entstanden die ersten Konsumgenossenschaften bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Alles schon einmal da gewesen!

 

So können Sie die Gegentrends für sich nutzen

Die Trends und Gegentrends im Einzelhandel zeigen ganz deutlich, dass eine sehr starke Entwicklung wie der Online-Boom viele gegenläufige Kräfte in Bewegung setzt. Sie können neue Nischen öffnen, in denen Microtrends vorherrschen, die dem allgemeinen Trend entgegengesetzt sind. Ist eine solche Nischen groß genug, kann es durchaus sinnvoll sein, diese durch Innovationen zu besetzen.

Beispiele, wie dies etwa im Handel möglich ist, sind die Zero-Waste-Supermärkte, von denen es bereits mehrere in Österreich gibt. Im Zeitalter von Convenience und immer knapperen Zeitbudgets der Konsumenten scheint es - freundlich ausgedrückt - mutig zu sein, ein Geschäft zu eröffnen, in dem der Kunde viel mehr Zeit und Hirn (Stichwort: Verpackungen selber mitbringen) für den Einkauf aufbringen muss. Aber: Etwas einem Megatrend wie dem Online-Shopping entgegenzustellen hat dazu geführt, dass diese Geschäft sich einer hohen medialen Aufmerksamkeit erfreuen können und so nicht viel Geld für Werbung aufwenden müssen. Das Konzept scheint jedenfalls zu funktionieren, denn entsprechende Shops gibt es bereits in mehreren Städten Österreich.

 

Fazit: Wie Gegentrends neue Chancen für Innovationen eröffnen können

Jedes Unternehmen muss seine Innovationstätigkeit an Trends ausrichten. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass die Novitäten den vermeintlich stärksten Wandel entsprechen müssen. Die Gesellschaft verändert sich nicht progressiv in eine Richtung. Dieser Wandel vollzieht sich in Pendelbewegungen. Überlegen und beobachten Sie genau, wie die Gesellschaft auf einen vermeintlichen Megatrend tatsächlich reagiert. Sie können dabei vielversprechende Chancen für Ihr Business entdecken.

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Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As former Head of Innovation, he was responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

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