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Datum: 27-Jun-2019
Thema: Banken

Warum Facebooks neue Währung Libra nicht nur die Banken bedroht

 

Libra soll 2020 als neue Währung für die ganze Welt kommen. Damit werden Transaktionsgebühren sinken und 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankkonto Zugang zur Finanzwelt bekommen, verspricht Mark Zuckerberg. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie Libra funktionieren soll, wer davon profitiert und warum die Kryptowährung die Rolle der Banken und das Währungsmonopol von Staaten bedroht.

Kürzlich hat Mark Zuckerberg seine Pläne für eine neue digitale Währung präsentiert. Gemeinsam mit gewichtigen Partnern wie Visa, Mastercard, Paypal oder auch Booking.com, Spotify, Uber und Vodafone will Facebook der Welt eine globale Parallelwährung verschaffen. Die neue Kryptowährung namens Libra soll den Geldtransfer dabei so einfach wie das Versenden von Textnachrichten machen. Um das neue Zahlungsmittel nützen zu können, soll lediglich ein Smartphone notwendig sein.

 

Wie Mark Zuckerbergs neues Geld funktionieren soll

Wie das neue Geld bzw. die finanzielle Infrastruktur funktionieren soll, ist in einem umfangreichen Whitepaper nachzulesen. Kurz gefasst ist Libra wie folgt aufgebaut: Das neue digitale Geld von Facebook basiert so wie andere Kryptowährungen auch auf einer Blockchain. Dies ist eine Art digitales Kassabuch, in der jede Transaktion fälschungssicher abgelegt ist, Sender und Empfänger aber anonym bleiben. Um Kryptowährungen verwenden zu können, muss der Nutzer ein digitales Wallet auf seinem Smartphone oder seinem Computer installieren. Facebook hat ein Tochterunternehmen namens Calibra gegründet, das ein solches Programm anbietet. Es kann direkt in WhatsApp oder dem Facebook-Messenger integriert werden. Libra soll aber auch mit anderen Wallets funktionieren.

Der wesentliche Unterschied zu bestehenden Kryptowährungen ist die Bindung an wichtige etablierte Währungen wie Dollar, Euro oder Yen. Libra ist also ein so genannter Stablecoin. Anders als bei Bitcoins, deren Menge begrenzt ist, können die Nutzer nicht selbst die Währung durch das so genannte Schürfen erstellen. Wer einen Libra erwerben will, der muss den Gegenwert dafür in einer Fiatwährung wie Euro oder Dollar an einen Rücklagenfonds der Libra Reserve einzahlen. Experten rechnen damit, dass der Wert eines Libra in etwa dem eines Dollars entsprechen wird. Die Libra Reserve wird die in Genf ansässige Libra Association kontrollieren. In dieser Non-Profit-Organisation sind neben Facebook bisher 27 andere Gründungsmitglieder vertreten. Bis zum Launch von Libra sollen es 100 Partner werden, von denen jeder 10 Millionen US-Dollar einbringen muss. Gemeinsam bestimmen die Mitglieder der Libra Association, wie das in die Libra Reserve geflossene Geld veranlagt werden soll, um den Kurs von Libra möglichst stabil zu halten. Die Partner betreiben aber auch jene Rechner, auf der die Libra-Blockchain läuft.

Innovations-Check

 

Mit welchen Vorteilen Libra die Nutzer überzeugen soll?

Libra soll Geldtransaktionen für alle einfacher machen. Mit wenigen Klicks kann man weltweit Geld versenden. Etwas später werden Zahlungen im Restaurant oder Geschäft möglich sein. Die neue Währung soll aber auch gleich einen ganzen Strauß globaler Probleme lösen. Den Menschen, die über kein Bankkonto verfügen, könnte Libra einen Zugang zum Finanzsystem bieten. Immerhin 1,7 Milliarden Menschen, also etwa 31 % der Weltbevölkerung haben kein Bankkonto. Eine Milliarde davon besitzt aber ein Mobiltelefon und immerhin 480 Millionen haben Zugang zum Internet. Dies würde den Entwicklungsländern ein zusätzliches Wachstum bescheren. Besonders, weil viele Kleinst- und Kleinbetriebe dadurch Zugang zu einem Kredit erhalten würden. Gleichzeitig soll Libra Überweisungen schneller und vor allem billiger machen. Facebook zufolge betragen die Gebühren für internationale Überweisungen über 7 Prozent. Wie viel die Transaktionen mit Libra kosten sollen, ist noch nicht bekannt. Sie sollen allerdings transparent und fair sein, wie man von Seiten der Libra Association betont.

 

Warum Libra ein gutes Geschäft für die Betreiber werden kann

Facebook und seine Partner wollen mit Libra freilich nicht die Welt verbessern - zumindest nicht nur. Die neue Währung Libra bietet insbesondere dem Social Network viele neue Möglichkeiten, um Geld zu verdienen:

  • Bisher dient Facebook zum Austausch von Informationen. Wenn im Ökosystem des Social Networks nun auch Geld versendet werden kann, dann hebt das dessen Attraktivität und mehr Nutzer werden mehr Zeit darauf verbringen. Dies wiederum erhöht die Werbeeinnahmen von Facebook.
  • Auch wenn die Gebühr für Transaktionen mit Libra gering ausfallen wird, stellt sie dennoch eine Einkunftsquelle für die Partner der Libra Association dar.
  • Die in der Libra Reserve gebunkerten Finanzmittel werfen Zinserträge ab. Das deutsche Nachrichtenmagazin Focus stellt dabei eine einfache Rechnung auf: Kauft jeder der 2,7 Milliarden Facebook-Nutzer 10 Libras, dann wandern 27 Milliarden Euro in den Libra Reserve Fonds. Bei einer eher konservativ berechneten Rendite von 3 Prozent ergeben sich dadurch immer noch 810 Millionen Euro im Jahr.
  • Facebook verspricht zwar, Libra komplett anonym nutzen zu können und selbst keinen Zugriff auf die Transaktionsdaten zu haben. Allerdings lehrt die Vergangenheit die, welchen Wert solche Versprechungen haben - Stichwort Cambridge Analytica und viele weitere Datenskandale.

 

Warum die Banken und die Politik große Bedenken gegen Libra hegen

Libra hat jedenfalls das Potenzial, die gesamte Finanzwelt zu verändern. Zunächst könnten die Banken Marktanteile im Zahlungsverkehr verlieren, meint etwa Christoph Kley, Banking-Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft gegenüber der Schweizer Tageszeitung 20 Minuten. Das ist dann der Fall, wenn Bankkunden in großem Ausmaß Guthaben von ihren Bankkonten in die Libra-Welt transferieren. Viele der genannten Gründungsmitglieder haben bereits heute eine marktbeherrschende Stellung in ihrem Bereich. Würden diese Unternehmen eng zusammenarbeiten, dann würden sie diese Stellung weiter ausbauen. Durch Libra könnten aber auch staatliche Währungen ihre Bedeutung verlieren: "Wenn Facebook eine Kryptowährung ausgibt, wird der Konzern zu einer Zentralinstanz ähnlich wie eine Fed oder eine EZB", schätzt Sven Korschinowski, Digital-Banking-Experte der Beratungsgesellschaft KPMG gegenüber dem Spiegel.

Politiker aus aller Welt warnen deshalb bereits vor Libra: "Wir sollten verhindern, dass im Geldsystem der Wilde Westen zurückkehrt", mahnt etwa Joachim Wuermeling, Vorstand der Deutschen Bundesbank, gegenüber der FAZ. Er befürchtet Wechselkurs- und Ausfallrisiken für die Nutzer von Libra. Außerdem könnte Facebook Unmengen an Staatsanleihen horten und sich so zu einem großen Gläubiger von Staaten entwickeln, glaubt der Bundesbank-Vorstand und rechnet vor: "Wenn von den 2,7 Milliarden Facebook-Nutzern nur 100 Millionen mitmachten, hätte Libra schon mehr Kunden als der gesamte deutsche Bankenmarkt." Auch aus Großbritannien oder Frankreich kommen große Bedenken und die klare Forderung nach einer schnellen Regulierung von Kryptowährungen. Die Vorsitzende des US-Finanzausschusses, Maxine Waters, forderte Facebook auf, die Libra-Pläne auf Eis zu legen und die Untersuchungen der Behörden abzuwarten. In Deutschland wiederum fordern einige Politiker die Einführung eines digitalen Euro als Antwort auf Libra. Dass der Politik nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, einen adäquaten rechtlichen Rahmen zu geben, zeigt China: Dank Wechat Pay oder Alipay hat dort das Mobiltelefon den Geldbeutel mehr oder minder ersetzt.

 

Fazit: Warum Facebooks neue Währung nicht nur die Banken bedroht

Facebook beweist mit der Präsentation der neuen Währung viel Mut. Geld basiert schließlich auf dem Vertrauen seiner Verwender. Mit dem ist das Social Network aber in der Vergangenheit mehr als sorglos umgegangen. Wenn die Vorteile des digitalen Geldes, wie hohe Usability und geringe Kosten, die Milliarden aktiver Facebook-Nutzern jedoch überzeugt, dann kann Libra recht schnell zu einer globalen Parallelwährung avancieren. Nicht nur Banken und andere Finanzdienstleister werden dadurch um Teile ihres Geschäftes fürchten müssen. Auch das Währungsmonopol von Staaten steht auf dem Spiel.

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Bildquelle Cover: https://pixabay.com/de/illustrations/libra-kryptow%C3%A4hrung-facebook-geld-4283995/

Gerhard BERTHOLD

Born in Vienna. At LEAD Innovation he works as Innovation Manager.

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