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LEAD Innovation Blog

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Warum digitale Kameras trotz Umsatzflaute immer wichtiger werden

 


Der Absatz digitaler Kameras schwächelt seit Jahren, obwohl noch nie so viel fotografiert wurde, wie heute. Die Mehrheit greift inzwischen zum Smartphone, um wertvolle Momente festzuhalten. Vom Tod der Kamera kann dennoch keine Rede sein. Im Gegenteil: Deren Zukunft liegt nicht nur im Anfertigen schöner, sondern smarter Bilder für intelligente Maschinen.

Das Schicksal des einstigen Fotoriesen Kodak dient oft als Beispielum zu illustrieren, wie gefährlich es sein kann, wichtige Trends zu ignorieren. Bekanntlich hat der Film- und Fotogerätehersteller die Digitalisierung zwar nicht verschlafen, doch völlig unterschätzt und ging daraufhin pleite. Viele der Unternehmen, die damals diese große Lücke mit ihren digitalen Angebot füllten und damit gute Geschäfte machten, leiden aber schon seit Jahren unter teils dramatisch sinkenden Absatzzahlen. So verkauften die in der Camera & Imaging Products Association organisierten Hersteller - darunter Größen wie Olympus, Casio und Canon - im Jahr 2010 weltweit immerhin 121 Millionen Digitalkameras. 2017 waren es mit etwa 25 Millionen nur mehr ein Fünftel davon. Allein in Deutschland ging nach Angaben des Photo-Industrieverbandes (PIV) der Absatz im Vorjahr gegenüber 2017 um 12 Prozent (Stück) bzw. 9 Prozent (Wert) zurück. Der Boden scheint noch nicht erreicht zu sein: In einem Interview geht Canon-Präsident Fujio Mitarai  davon aus, dass sich die Menge von verkauften Kameras innerhalb von nur zwei Jahren um die Hälfte des derzeitigen Niveaus reduzieren könnte.

Handbuch LEAD User Methode

 

Noch nie gab's so viele Fotos wie heute

Dieser Rückgang ist erstaunlich. Denn so viel fotografiert wie heute, wurde überhaupt noch nie. Wie der deutsche Branchenverband Bitkom berichtet, betrug die Anzahl der geschossenen Fotos im Jahr 2017 etwa 1,2 Milliarden - knapp doppelt so viele, wie noch vier Jahre davor. Die gleiche Untersuchung zeigt aber auch, dass nur noch 10 Prozent der Bilder mit Digitalkameras geschossen werden. Meist (85 %) wird das Smartphone gezückt und auch Tablets fungieren (knapp 5 Prozent) bisweilen als Fotoapparat.

 

Usability und Social-Media-Anbindung ist für die breite Masse oft noch wichtiger als Bildqualität

In Sachen technischer Qualität können die Bilder vieler Smartphones oder Tablets mit denen einer hochwertigen Systemkamera heute nicht ganz mithalten. Doch für die Handykameras sprechen einige gewichtige Vorteile: Komplexe Kameras erfordern Wissen, um deren Möglichkeiten ausschöpfen zu können. Nur jene, die Fotografieren als ambitioniertes Hobby oder Beruf betreiben, verfügen über dieses Know-how. Ein Smartphone hingegen kann jeder bedienen. Die Geräte hat man auch immer mit und sie eignen sich hervorragend zum Anfertigen von Selfies. Einer der größten Vorteile von Handies und Tablets ist, dass sich die Bilder sofort nach dem Knipsen in den Sozialen Medien teilen lassen. Das Kameramodul des Smartphones ist somit zum wichtigsten Werkzeug geworden, um sein digitales Ich zum Glänzen zu bringen.

 

Hersteller rüsten Smartphones zu Profikameras auf

Den Herstellern von Smartphones ist schon längst klar, dass die verbaute Kamera eines der  Innovationsfelder bietet, um aus der Masse an zum Verwechseln ähnlich aussehenden Geräten hervorzustechen. Das hat sich auch bei der weltweit größten Handymesse MWC 2019 in Barcelona wieder gezeigt: Denn neben dem Thema 5G und faltbare Smartphones spielten dort die verbauten Fotomodule eine wichtige Rolle. Das dort präsentierte Top-Modell von HMD Global (Nokia) etwa verfügt über 5 Kameras auf der Rückseite. Die Software weist dabei jeder Linse eine eigene Aufgabe zu. So fotografieren einzelne Kameras nur Schwarz-Weiß, andere nehmen die Farben auf. Diese Technologie liefert nicht nur technisch brillante Bilder. Sie erlaubt es, erst im Nachhinein jene Bereiche im Bild zu definieren, die scharf dargestellt werden. Auch das vom chinesischen Unternehmen Oppo vorgestellte Optikmodul lässt Smartphonecams an die fotografischen Möglichkeiten von Profikameras heranrücken. Das nur wenige Millimeter dicke Bauteil bietet einen optischen 10fach Zoom. Zum Hintergrund: Bei einem optischen Zoom werden Gegenstände mithilfe von Linsen näher gebracht bzw. vergrößert. Der bei Smartphones bisher gebräuchliche digitale Zoom ist hingegen bloß eine künstliche Ausschnittsvergrößerung. Sie erreicht bei weiten nicht die Qualität eines optischen Zooms.

Diese beiden Innovationen zeigen, dass Smartphones wohl schon in absehbarer Zeit Bilder liefern können, die von den Ergebnissen der heutigen Profikameras kaum zu unterscheiden sind. Freilich entwickeln die Hersteller von Spiegelreflexkameras oder ihren spiegellosen, kompakteren Pendants ihre Produkte auch weiter und sorgen im Rennen um das technisch perfekteste Bild für immer neue Bestmarken. Der Deutschlandchef von Canon und Vorsitzende der Photoindustrie Verbandes (PIV), Rainer Führes, ist deshalb davon überzeugt, dass das Geschäft mit Digitalkameras weiterhin Zukunft hat.

 

Feinmechanisch optische Industrie setzt auf neue Kooperationen

Sich allein darauf zu verlassen, erscheint aber vielen etablierten Herstellern zu riskant. Der traditionsreiche Produzent teurer und hochwertiger Fotoapparate Leica hat etwa schon 2016 mit dem chinesischen Technologieriesen Huawei eine langfristige Technologiepartnerschaft geschlossen, um gemeinsam die Smartphone-Fotografie voranzutreiben. Wenig später ging Zeiss, der Leitbetrieb der deutschen feinmechanisch-optischen Industrie, eine Kooperation mit HMD Global (Nokia) ein.

 

Digitale Kameras können viele Gesichter haben 

Abseits des Smartphonemarktes gibt es viele neue Einsatzmöglichkeiten von digitalen Kameras: So ist etwa der Markt für Multicopter stark im Steigen begriffen. Rechtlich verbindliche Rahmenbedingungen und die immer einfachere Steuerung der Fotodrohnen lassen deren Absatz in lichte Höhen schnellen: Der weltweit getätigte Umsatz soll einer Studie zufolge von 1,9 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 auf 5 Milliarden im Jahr 2021 wachsen. Die ausgelieferte Stückzahl soll sich in diesem Zeitraum gar von 6,4 Millionen Einheiten auf 67,9 Millionen mehr als verzehnfachen.

Multicopter sind dabei nur eine Innovation, die in der Foto- und Videokameras zum Einsatz kommt und die sich stark steigender Beliebtheit erfreut: Überwachungs- oder Baustellenkameras, in Autos angebrachte Dash-Cams oder in Fahrradcomputern versteckte Videomodule finden immer mehr gewerbliche und private Käufer. Fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen und die Gefahr, empfindlich Strafen zu riskieren, hemmen die Verbreitung dieser Geräte nur bedingt.

 

Bilder und ihre Verarbeitung bilden oft die Basis fürs "Internet der Dinge"

Digitale Foto- oder Videokameras liefern allerdings nicht nur für das menschliche Auge gedachte Bilder oder Videos. Sie können auch als optische Sensoren für "intelligente Dinge" dienen. Selbstfahrende Autos beispielsweise sind auf ihre Onboard-Kameras angewiesen. Denn sie liefern mit ihren Aufnahmen jene Daten, auf Basis derer die Software Entscheidungen trifft. Gepaart mit Künstlicher Intelligenz (KI) ergeben sich für Foto- und Videokameras also völlig neue Anwendungsmöglichkeiten. Denn die Bildverarbeitung ist eine Schlüsseltechnologie für das Internet der Dinge. Als Lieferanten von Fotos- und Bewegtbildern werde digitale Kameras also in Zukunft stark gefragt sein. Diese Geräte sehen dann eben ein bisschen anders aus, als jene Apparate, die wir geistig alle vor Augen haben, wenn wir das Wort "Fotoapparat" hören.

 

Fazit: Warum digitale Kameras trotz Umsatzflaute nun immer wichtiger werden 

Viele große Hersteller digitaler Kameras müssen seit Jahren schmerzliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Die überwiegende Mehrheit findet das Fotografieren mit dem Smartphone einfach praktischer. Die Handyhersteller versuchen mit ihren Innovationen bereits, den teuren Kamerasystemen Konkurrenz zu machen. Etablierte Unternehmen der feinmechanisch optischen Industrie wie Zeiss, gehen Partnerschaften mit Smartphoneherstellern ein. Die digitale Kamera erfreut sich nicht nur in Form von Multicoptern, Sicherheitskameras oder Dash-Cams steigender Beliebtheit. Sie wird als Sensor- und Datenlieferant im Internet der Dinge auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen.

Die 4 Phasen der LEAD User Methode

Julian Eberling

Born in Vienna. Since 2018 "Certified Service Design Thinker" he has been pursuing his passion as Innovation Manager at LEAD Innovation.

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