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LEAD Innovation Blog

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Datum: 03-Mär-2020

B2B Sharing: Der nächste Schritt für die Sharing Economy?

 Die Sharing Economy boomt. Immer mehr Privatkunden entdecken den Trend zum „Nutzen statt Besitzen“. Während P2P-Sharing wie Übernachtungen in Airbnb-Privatwohnungen oder Carsharing immer beliebter werden, sind B2B Sharing Modelle allerdings noch selten. Die klassische Industrie scheint diesem Trend abwartend gegenüberzustehen. Die Bedeutung der B2B Sharing Economy wird aber in Zukunft steigen.

Kritische Faktoren für B2B Sharing Economy


Das Teilen von Ressourcen ist für Unternehmen nicht selbstverständlich, selbst wenn es Vorteile bringt. Unternehmen sind schließlich seit Jahrzehnten als Konkurrenten und nicht als Kollaborateure konzipiert. Es ist daher verständlich, wenn Vorbehalte bestehen, mit der direkten Konkurrenz zu teilen. Wenn das potenziell gemeinsam nutzbare Hard Asset branchenspezifisch ist, stellt B2B Sharing sicherlich ein Problem dar.

Überschüssige Kapazitäten könnten zudem als Zeichen einer schlechten wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens gedeutet und in Hinblick auf eine Zusammenarbeit kritisch gesehen werden. Vertrauen als Basis für das Teilen von Ressourcen ist somit sehr wichtig. Der Aufbau guter Geschäftsbeziehungen braucht aber Zeit.

Ein Hindernis bei großen Unternehmen können die komplexen Prozesse sein, die es erschweren, mit einem Sharing Konzept in eingespielte Abläufe einzugreifen. Dann gibt es auch noch rechtliche Lücken wie z.B. Versicherungsprobleme, die viele P2P- oder B2C-Sharing-Initiativen immer noch lösen. Diese Unsicherheiten stellen ein Risiko dar und sind verständlicherweise bei Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen schwerwiegender.

Schließlich spielen auch die Qualität und Benutzererfahrung der Sharing-Dienste eine Rolle. Während z.B. eine enttäuschende Erfahrung mit einer Airbnb Wohnung einen Kunden in der Regel nicht davon abhält, es mit einer anderen Wohnung  erneut zu versuchen, ist es weniger wahrscheinlich, dass ein Unternehmen Shared Services bezahlt, wenn eine schlechte Erfahrung größere Folgen haben könnte als eine ungepflegte Airbnb Wohnung.

 

Vorteile von B2B Sharing könnten die Waage kippen

Die genannten Hindernisse für den B2B-Austausch könnten in Zukunft allerdings an Relevanz verlieren, da das wirtschaftliche Umfeld Unternehmen aller Arten und Branchen dazu zwingt, ihre Vorteile zu nutzen. Zudem sprechen zahlreiche Gründe für das Prinzip des Teilens in der Industrie: 

  • Zusätzliche Ressourcen: Unternehmen, insbesondere KMU, erhalten Zugang zu Ressourcen, auf die sie keinen Zugriff haben, wenn sie nicht gemeinsam genutzt werden. 
  • Schnelleres Reagieren auf Marktveränderungen: Durch die Nutzung externer Sharing-Ressourcen werden Unternehmen effizienter und können schneller arbeiten. Sie bezahlen für das, was sie brauchen, wenn sie es brauchen, anstatt teure Investitionen zu tätigen. Dadurch können sie schneller und kostengünstiger auf Marktveränderungen reagieren.
  • Wettbewerbsvorteile: Der Aufbau von Wachstumspotenzialen in neuen Geschäftsfeldern als „Kompensation“ für gesättigte Märkte, Wettbewerbsdifferenzierung gegenüber bestehenden Wettbewerbern, Kostenoptimierungen der Wertschöpfungskette sowie die flexiblere Gestaltung von Geschäftsprozessen durch Sharing- Angebote (On-demand) sind als weitere Vorteile von B2B Sharing anzuführen.

B2B-Sharing führt somit zu mehr Flexibilität und Agilität. Unternehmen können sich auf ihre Stärken konzentrieren und den Rest auslagern. Sie haben mehr Ressourcen, um bessere Produkte zu entwickeln und können dabei dieselbe Erfahrung bieten, die eine traditionellere Organisation bieten würde.

 

Marktplätze für B2B Sharing

Für viele Firmen ist der B2B Sharing Ansatz nicht wirklich neu. Fluggesellschaften teilen in Allianzen ihre Jets und Serviceleistungen, die Bauindustrie setzt traditionell auf das Ver- und Ausleihen von Geräten, Technologie- und Gründerzentren nutzen eine gemeinsame Infrastruktur und Maschinenringe haben in der Landwirtschaft bereits eine lange Tradition.

Neu sind jedoch die Anwendungsmöglichkeiten, die aus den innovativen Kommunikationstechnologien resultieren. Der digitale Wandel ermöglicht es, völlig neue Modelle der Zusammenarbeit auf der Grundlage digitaler Plattformen und Marktplätze zu konzipieren. Der schnelle und effiziente Zugang zu verschiedensten Ressourcen über mobile Geräte, Apps und Cloud-Plattformen wird dabei unverzichtbar.

Wie sieht es aber derzeit mit Marktplätzen für den B2B-Austausch aus? Die Anzahl der B2B Sharing Economy-Plattformen ist im Vergleich zu den B2C bzw. P2P-Pendants immer noch gering. Einige B2B-Akteure ermöglichen es Unternehmen jedoch bereits, den Zugriff auf Assets wie ungenutzte Maschinen oder Gewerbeflächen zu teilen.

 

B2B Sharing in der Produktion

Nicht alle Unternehmen fahren 24 Stunden-Schichten. In vielen Fabriken gibt es immer wieder Stillstand-Zeiten, die mit anderen Unternehmen geteilt werden können. Außerdem bieten flexible Fertigungstechnologien Unternehmen heute die Möglichkeit, ihre Produktionsanlagen und Geräte wesentlich einfacher als bisher zu teilen. 

Genau hier setzt das Angebot der Online-Plattform V-INDUSTRY an. Das Unternehmen stellt einen Marktplatz zur Verfügung, auf der Unternehmen ihre Maschinen teilen können. Ein anderer Anbieter in diesem Bereich ist fabrikado. Die Plattform ermöglicht die Verknüpfung von Kundenaufträgen mit freien Produktionskapazitäten von Erstausrüstern. Insgesamt zwölf Fertigungsverfahren sind wählbar. Als Auftraggeber kann man auf der Plattform ein gewünschtes Metall- oder Kunststoffbauteil kalkulieren und bestellen. Ab dem Zeitpunkt der Bestellung führt fabrikado die Lieferantenauswahl und Auftragsvergabe durch.

Ein Marktplatz für die Vermietung von Maschinen und Geräten für die Bauwirtschaft ist Klickrent. Die kürzlich von Caterpillar erworbene Plattform Yard Club bietet Bauunternehmen ebenfalls die Möglichkeit, ihre Ausrüstung durch Vermietung zu teilen, wenn sie nicht von ihren eigenen Unternehmen genutzt werden.

Grafik Sharing Economy

Quelle: Sharing Economy im Maschinenbau, Dr. Marc-Daniel Moessinger, VDMA Baden-Württemberg

 

Für die beteiligten Unternehmen wird die Produktion durch B2B Sharing somit effizienter, Maschinen werden besser ausgelastet und gleichzeitig wird der ökologische Fußabdruck reduziert. Der Lieferant profitiert von der flexiblen Auslastung seiner Produktionskapazitäten und der Kunde kann zu vergleichsweise geringen Investitionen produzieren lassen.

 

B2B Sharing Modelle in der Logistik

Leerfahrten machen einen nicht unerheblichen Teil aller LKW-Fahrten aus. Im Rahmen eines B2B-Sharings lassen sich die leeren Ladeflächen in Frachtbörsen vermitteln und so sinnvoll nutzen. Ein Beispiel dafür ist die deutsche ELVIS AG. Die Spediteure der Kooperationsgemeinschaft sparen mit dem auf einer komplexen Software basierenden Teilladungssystem durch die konsequente Umsetzung des Sharing Gedankens Lagerkosten, Ruhezeiten, Umwege und natürlich auch Ressourcen.

Über die Plattform Flexe können Unternehmen zusätzliche oder ungenutzte Lagerflächen vermieten. Dabei werden Warehouse-Netzwerke zur Verfügung gestellt, die je nach Bedarf skaliert werden können, indem Unternehmen, die Lagerflächen benötigen, mit Unternehmen verbunden werden, die zusätzliche Lagerflächen anbieten können.

Bei der Plattform Floow2 geht es darum, alle Aspekte der Lieferkette zwischen Unternehmen auszutauschen. Überkapazitäten von Assets können mit anderen Unternehmen, innerhalb eines Unternehmensnetzwerks oder innerhalb einer (Gesundheits-) Organisation zwischen Abteilungen oder Entitäten geteilt werden – von Lastwagen und Ausrüstung bis hin zu Geräten, Materialien, Dienstleistungen, Einrichtungen und Personal.

 

B2B Sharing medizinischer Ressourcen

B2B Sharing funktioniert auch im Gesundheitsbereich. Ein Beispiel für das „Sharing“ medizintechnischer Ressourcen ist die Cohealo-Plattform. Die zugrundeliegende Software kombiniert Analyse und Logistik, die es Krankenhäusern ermöglicht, kostenintensive medizintechnische Geräte in Echtzeit zu tracken und zu managen. Dadurch und durch die Zusammenarbeit von Cohealo mit Logistikpartnern können Krankenhäuser investitionsintensive Ausstattungen untereinander bedarfsgesteuert teilen und somit Investitionskosten reduzieren.

 

Fazit: B2B Sharing hat großes Potential

Die B2B Sharing Economy steckt in Europa branchenübergreifend noch in den Kinderschuhen, vor allem, wenn man den US-Markt als Referenz nimmt. Natürlich arbeitet man vielerorts bereits mit ausgewählten Partnern zum Beispiel in der Supply Chain eng zusammen. Eine echte Kollaboration im Sinne des Sharing-Prinzips findet man im B2B hingegen noch wenig. Jedoch liegen gerade im B2B-Sharing immense aber bislang noch weitgehend unerschlossene Potenziale für Wachstum und Effizienz. Im Zuge von Industrie 4.0 und des Internets der Dinge beginnt diese Einschätzung langsam auch in etablierten Branchen Fuß zu fassen.

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Tanja ESCHBERGER

Born in Lower Austria. At LEAD Innovation she works as Head of Innovation and focuses on agile innovation management via SCRUM.

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