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LEAD Innovation Blog

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Datum: 18-Apr-2019

Arbeiten mit Analogien: im Innovationsprozess Analogien nutzen

 

Sie müssen nicht jedes Mal bei Null anfangen, wenn Sie auf der Suche nach zukunftsweisenden Innovationen sind. In analogen Branchen und Fachbereichen gibt es vielleicht schon Lösungen für Ihr Problem. LEAD Innovation Innovation Manager Daniel Zapfl beantwortet in diesem Blogbeitrag die wesentlichen Fragen zum Thema „Arbeiten mit Analogien“ und gibt zahlreiche Beispiele aus der Praxis. 

 

Was versteht man unter „Arbeiten mit Analogien“ im Kontext von Innovation?

Grundsätzlich ist es so, dass wir in einem LEAD-User Projekt zusätzlich zu unserem Kunden auch analoge LEAD-User in die Innovationsentwicklung miteinbinden. Das bedeutet, wir suchen fortschrittliche Nutzer oder Anwender aus problemverwandten bzw. analogen Feldern, die sich mit dem Problem unseres Kunden bereits sehr intensiv auseinandergesetzt haben. Die LEAD User Methode bezieht ihre Effektivität daher insbesondere aus der Nutzung von Analogien. Für die jeweilige Aufgabenstellung suchen wir nach innovativen Menschen, Technologien, Fertigkeiten und Potentialen in analogen Bereichen und Branchen. 

Nehmen wir als Beispiel einen Automobil-Hersteller, der sich über eine neue Bremstechnologie eine Innovation schaffen möchte. Abhängig vom gewünschten Abstraktionslevel sucht man nun analoge Felder, die sich ebenfalls mit Bremsen und Verzögern beschäftigen. Das analoge Feld bzw. Produkt sollte dabei eine höhere Leistung erbringen, als das Produkt, für das eine Innovation geschaffen werden soll.

Auf einem niedrigen Abstraktionslevel wählt man als analoges Feld beispielsweise eine andere Fahrzeugindustrie, und bleibt somit in derselben Branche. Die nächsthöhere nahe Analogie wäre in diesem Fall der Lastkraftwagen-Bau. Ebenso kann man in den Modellbau gehen, da Sportmodellfahrzeuge auch bremsen und verzögern müssen. Möchte man in der Analogie auf einem bedeutend höherem Leistungsniveau arbeiten, kann man die Formel 1 heranziehen. Oder man geht noch einen Schritt weiter in den Flugzeugbau. Die Bremsbeanspruchung eines Flugzeugs ist aufgrund seines Gewichtes ungleich höher. Hinzu kommt, dass ein Flugzeug im Vergleich zu einem Auto nur drei Auftrittspunkte auf der Fahrbahn aufweist und eine weitaus höhere Geschwindigkeit hat, wenn der Bremsvorgang eingeleitet wird. Ein Flugzeug landet beispielsweise mit einer Geschwindigkeit von 360 km/h, noch dazu hat ein Auto vielleicht nur 1.800 Kilo.

Um auf einem höheren Abstraktionslevel nach analogen Feldern zu forschen, kann man einen Blick in andere Branchen werfen. Lässt man etwa bei einer Akkubohrmaschine den Knopf wieder los, bremst die Drehbewegung des Bohrers abrupt ab. Man löst sich gedanklich komplett vom Bremsen in einem Fahrzeug und sucht dann beispielsweise nach einem Bohrer mit einer höheren Drehzahl als ein Auto.

Handbuch LEAD User Methode

 

Analogien sollten also - unabhängig vom Abstraktionslevel - immer so gewählt werden, dass das analoge Marktumfeld (advanced analogous field) höher angesiedelt ist, als die eigene Problemstellung.

 

Wie läuft der Suchprozess nach Analogien in der Praxis konkret ab?

Wir machen es aktuell so, dass wir in einem Milestone-Meeting am Ende der Phase 2 des LEAD-User Projektes gemeinsam mit dem Kunden Analogien und problemverwandte Bereiche identifizieren. Dabei fokussieren wir sehr stark auf die Problemverwandtschaft. 

Im Vorfeld dieses Milestone-Workshops werden alle LEAD- Innovation Projektleiter zu einer internen Kreativ-Session zusammengerufen, um basierend auf den Erfahrungen vergangener Projekte und unseres Netzwerkes Analogiefelder und stimulierende herausfordernde Fragestellungen für den Workshop vorzubereiten.

Im Milestone-Meeting erarbeiten wir dann anhand dieser Fragen gemeinsam mit dem Kunden entsprechende Analogiefelder. Im Falle eines unserer Kunden, dessen Ziel es war, einen energieeffizienten Schutzschalter herzustellen, haben wir beispielsweise nicht gefragt „Wer muss noch Strom überwachen?“, sondern „Wer muss grundsätzlich auch noch einen Überwachungszustand halten“. Dann kann man das noch verfeinern und sagen „Wer hat zu dem Überwachungszustand auch noch einen Bedarf, Energie einzusparen?“ und „Welche Analogie gibt es oder wo gibt es noch diese Problemverwandtschaft, dass etwas sehr wachsam sein soll, im Ernstfall eine Unterbrechung veranlasst und dabei nur wenig Energie verbraucht?“ Also herausfordernde Fragestellungen, die Denkmuster aufbrechen und dazu anregen, den eigenen Geschäftsbereich zu verlassen, sind ein wichtiger Punkt in diesem Prozess. 

So ist dann im Beispiel des Schutzschalters die Analogie des Herzschrittmachers entstanden. Der Herzschrittmacher ist im Körper verbaut und mit einer Batterie ausgestattet, die nur alle paar Jahre ausgetauscht werden muss. Somit verfügt ein Herzschrittmacher über eine sehr lange Lebensdauer und bietet darüber hinaus eine 100 Prozent medizinische Vorsorge. Der Schritt zur Blutzuckermessung oder noch weiteren Analogien in der Medizintechnik war dann im Verlaufe des Brainstormings nicht mehr weit, da eine neue Branche und Sichtweise eröffnet wurde.

Die genaue Definition des Suchfeldes und die Bestimmung der relevanten analogen Bereiche bildet den Abschluss des Milestone-Meetings und gleichzeitig die Basis für Phase 3: Der Suche nach passenden LEAD-Usern, also Personen, Organisationen oder Firmen, die in dem gewählten analogen Feld über spezifische Kenntnisse verfügen. 

In einem weiteren Schritt knüpfen wir dann die entsprechenden Kontakte und laden den LEAD-User zur LEAD-Konferenz ein, um gemeinsam mit unserem Kunden konkrete Lösungskonzepte zu generieren.

Im Beispiel des Unternehmens, das auf der Suche nach einem energieeffizienten Schutzschalter war, fiel die Entscheidung auf die Analogie des Herzschrittmachers. Das Unternehmen hat sich dann gemeinsam mit dem LEAD-User genau angesehen, wie ein Herzschrittmacher die Herzfrequenz überwacht und daraus Lösungswege übernommen, die man erfolgreich in den Schutzschalter integriert hat.

 

Welche Vorteile hat das Arbeiten mit Analogien?

Wenn wir in die Kontaktaufnahme mit einem LEAD-User gehen, der aus dem analogen Feld kommt und das Problem kurz skizzieren, hören wir sehr oft den Satz „Das ist doch gar kein Problem, das haben wir schon gelöst.“ 

 

Wissenstransfer aus einer analogen Branche

Das Team des Kunden kocht häufig im eigenen Saft und findet keinen Lösungsansatz für das anstehende Problem, da allgemein bei Entwicklungsteams die Tendenz besteht, lokales Wissen zur Lösungssuche zu bevorzugen. LEAD-User aus analogen Branchen haben ein sehr ähnliches Problem jedoch oftmals bereits gelöst.

Manchmal wird eine Lösung aus einer anderen Branche zwar von sich aus erkannt, aber in der Regel ist es so, dass in den Milestone-Meetings das große AHA-Erlebnis kommt, wenn es darum geht, Analogien zu identifizieren. Gemeinsamkeiten zwischen einer Auto-Bremsanlage und einem Akkubohrer oder einem Zahnarzt-Bohrer, der noch höhere Umdrehungen bewältigt, werden plötzlich erkannt. In weiterer Folge kann der Zahnarztbohrer massiv dazu beitragen, dass es hinsichtlich der Bremsanlage eine Durchbruchsinnovation geben kann.

Für unseren Kunden, der im Rahmen der LEAD-User Methode mit Analogien arbeiten möchte, bietet sich daher der enorme Vorteil, dass er Einblick in eine fortgeschrittenere Branche erhält und Lösungsvorschläge aus dieser analogen Branche in sein eigenes Produkt transferieren kann. Wissenstransfer ist einer der größten Vorteile beim Arbeiten mit Analogien, da dieses „advanced analogous field“ die Problemstellung unseres Kunden bereits gelöst hat 

 

Kein Wettbewerb zwischen Kunden und LEAD-User

Positiver Nebeneffekt des Arbeitens mit Analogien ist das Fehlen einer Wettbewerbssituation im Rahmen der LEAD-User Konferenz. Denn wenn ein Automobilhersteller an einem innovativen Bremssystem arbeitet und einen Ingenieur von Airbus oder Boeing als LEAD-User dazu holt, dann gibt es hier kein Wettbewerbsproblem. Der eine will keine Flugzeuge bauen, und der andere keine Autos. Der Wissenstransfer ist sehr erleichtert und der Austausch äußerst unproblematisch.

 

Erweiterung des Kunden-Netzwerkes

Oftmals erfahren wir nach Abschluss des Projektes von unserem Kunden, dass sein Entwicklungsteam nach wie vor mit dem LEAD-User in regelmäßigen Kontakt steht, um sich abzustimmen und sicherzustellen, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Unserem Kunden bietet sich daher auch noch nach der Konferenz der Vorteil einer Netzwerkerweiterung mit einem sehr wertvollen Kontakt, der unter anderen Rahmenbedingungen vermutlich nicht so leicht zustande gekommen wäre. Durch die Konferenz werden die Barrieren und etwaiges Misstrauen zwischen den Teilnehmern sehr schnell abgebaut, was auch die zukünftige Zusammenarbeit wesentlich erleichtert. 

 

LEAD-User profitieren vom Austausch

Der Vorteil des Arbeiten mit Analogien ist beidseitig, da es ja auch die Motivation des LEAD-Users ist, sich mit Teilnehmern aus einem analogen, problemverwandten Feld auszutauschen und eventuell einen Lösungsansatz in die eigene Branche zurückzubringen. So kann etwa der Wissensaustausch zwischen einem Textilunternehmen zur Herstellung medizinischer Kompressionsstrümpfe und einem LEAD-User aus der analogen Branche der Flugzeugsitzhersteller zu durchaus interessanten Erkenntnissen für den Sitzhersteller führen.

 

Einsparung von F&E-Kosten

Je mehr Forschungsarbeit in einer Innovation steckt, desto riskanter sind die Projekte. Durch das Arbeiten mit Analogien können langwierige Entwicklungsprozesse abgekürzt werden. Da­durch re­du­zie­ren sich auch die Ri­si­ken und die Kos­ten der Innovationsentwicklung.

 

Für welche Anwendungsbereiche ist die Analogietechnik geeignet?

Das Arbeiten mit Analogien funktioniert nicht nur bei einer Produktinnovation, sondern auch bei einer Dienstleistungs- und Prozessinnovation hervorragend. Ein Beispiel für eine Prozessinnovation ist die Transferierung des Sinterverfahrens aus einer analogen Branche in die Glaskeramikbranche:

Ein Hersteller von Glaskeramiken für den Dentaleinsatz suchte aufgrund von Temperaturproblemen im Fertigungsprozess nach einer Innovation für das Sinterverfahren zur Herstellung von Glaskeramikblöcken, die schlussendlich zu Zahnkronen verarbeitet werden. Sintern ist nicht nur ein Feld, das in der Glaskeramik verwendet wird, sondern auch bei Metallen. Beispielsweise werden Bremsen und Bremsbeläge im Auto oder für den Rennsport ebenfalls gesintert, allerdings unter anderen Temperaturbereichen. Grundsätzlich ist der Vorgang derselbe, aber dadurch dass man anderes Material sintert, ist die Materialeigenschaft eine ganz andere. Da gab es nun ein Unternehmen, das sich auf das Sintern von Werkzeugen spezialisiert hat, die mit Diamantspitzen zusammengesintert werden. Bei Glaskeramiken spricht man von Temperaturen von rund 500 Grad Celsius, bei Diamantspitzen benötigt man 1.500 Grad Celsius (= advanced analogous field), damit man sie sintern kann. Die Analogie bestand hier im Verfahren, also hat man Verfahrensexperten für Glaskeramik und Metall zusammengebracht, die eine Lösung für den Glaskeramikhersteller generieren konnten.

Ein anderes Beispiel wäre die Innovation eines Logistikprozesses. Hier könnte man sich als Analogie z.B. ansehen, wie der Frachtcontainer eines Schiffes logistisch gefüllt wird, da für das Beladen und Löschen eines Schiffes wesentlich weniger Zeit zur Verfügung steht, als etwa für ein stationäres Lager. Man könnte das auch noch herunterbrechen und fragen „Wer organisiert sich in der Bionik, also in der Natur?“ Eine Ameisenkolonie organisiert sich beispielsweise auch logistisch. Man könnte sich daher mit einen Biologen zusammentun, der über fundiertes Wissen aus der Ameisenforschung verfügt.

Ebenso funktioniert das Arbeiten mit Analogien bei der Entwicklung innovativer Dienstleistungen. Wenn man z.B. eine neue Software entwickeln möchte, aber noch keine Idee hat, was alles integriert werden muss und welchen Nutzen der Anwender der Software haben soll, dann sucht man sich Unternehmen, die bereits eine sehr gute Lösung im Unternehmen integriert haben.

Ein Hersteller von Müllfahrzeugen steht beispielsweise vor folgender Herausforderung: „Wie kann die Software für einen Disponenten aussehen, der 1.000 Müllfahrzeuge disponiert?“ Man könnte sich dann ein Unternehmen suchen, das eine ähnliche Software bereits in Betrieb hat, wie z.B. Car2go. Das Unternehmen vermietet Autos über App und verfügt mittlerweile über einen Fuhrpark von mehr als 1.000 Autos allein in Wien. Der Müllfahrzeughersteller kann lernen, wie sich Car2go organisiert, damit ein Fahrzeug oder der Tank nicht permanent leer ist, oder das Service rechtzeitig durchgeführt wird. Ein Mitarbeiter der Car2Go-Software Abteilung könnte daher sehr gut bei der Entwicklung der Software für den Müllfahrzeugdisponenten mitwirken. Man muss auch dort nicht alles neu erfinden, sondern kann sich Ideen aus der Carsharing-Branche in das eigene Unternehmen holen.

  

Fazit: Kreative Kraft von Analogien nutzen 

Nutzen Sie das Potential von kreativen Analogien für Ihren Innovationsprozess. Das Einbringen von Wissen aus anderen Branchen und Fachgebieten mithilfe systematischer Methoden und Kreativitätstechniken sowie die Einbindung von LEAD-Usern schafft neue Perspektiven, die nicht nur originelle und innovative Lösungen erzeugen, sondern darüber hinaus Ihr Budget schonen und noch zahlreiche weitere Vorteile mit sich bringen.

 

Ad Personam: 

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Daniel Zapfl wurde 1982 in Graz geboren. Nach der Matura sammelte er Berufserfahrung in der Transport- und Logistikbranche, zuerst bei DB Schenker,  danach bei Dachser Logistics im Luft- und Seefrachtbereich. Durch persönliches Interesse an Erfindungen und Innovationen absolvierte er ein Bachelor- und Masterstudium mit dem Schwerpunkt Innovationsmanagement. Bei LEAD Innovation ist er für die Projektabwicklung als Innovationsmanager und Projektleiter tätig.

 

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Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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