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LEAD Innovation Blog

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Datum: 22-Jan-2019

Warum die 3D-Vermessung die gesamte Textilindustrie verändern wird

 

Durch 3D-Vermessung generierte Avatare ebnen Konsumenten das Tor zu einer schier unendlichen Auswahl an Kleidung. Dem Textilhandel helfen sie dabei, teure Retouren zu vermeiden. Das sind zwei gewichtige Vorteile für die Branche und ihre Kunden. Gleichzeitig stellt es nur ein Bruchteil dessen dar, was die digitalen Zwillinge in der Mode- und Bekleidungswelt noch leisten können. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, warum die 3D-Vermessung die gesamte Textilindustrie auf den Kopf stellen könnte.

Der gesamte Distanzhandel und damit vor allem der E-Commerce ist einer Studie der KMU-Forschung Austria zufolge in Österreich im Jahr 2018 erneut stark gewachsen. Ein Plus von 4 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ergibt ein Volumen von 7,9 Mrd. Euro. Das entspricht etwa 11 % der gesamten, einzelhandelsrelevanten Konsumausgaben. Der Begriff Distanzhandel umfasst zwar auch den klassischen Versand. Dieser spielt allerdings nur noch eine geringe Rolle, denn die reinen Online-Umsätze (inklusive Smartphone) betrugen 2017 allein schon 7,2 Mrd. Euro. Bekleidung und Textilien spielen dabei die Hauptrolle. Immerhin 1,8 Mrd. Euro geben Herr und Frau Österreicher aus, um diese Waren über Internet, Smartphone oder per Versand einzukaufen. Dies ist etwa ein Viertel der gesamten Distanzhandelsausgaben. Der etablierte stationäre Handel hat auf diese Entwicklung freilich schon längst reagiert. Das Zauberwort heißt "Omnichanneling" - also die Brick&Mortar-Welt mit der digitalen zum Vorteil für den Kunden zu verbinden. Vom Online-Boom profitieren bisher aber vor allem die ganz großen - wie etwa Zalando oder Amazon. Letztgenannter erwirtschaftete 2017 in Österreich einen Umsatz von 643 Mio. Euro und ist mit Abstand der erfolgreichste Online-Shop der Alpenrepublik.

Trendsammlung Textil

 

Mehr als die Hälfte der online bestellten Kleidungsstücke werden retourniert

Gleichzeitig stehen die Online-Player vor einem großen Problem. Bei Bekleidung beträgt die Retourenquote in Österreich 54 Prozent. Das Handling der Rücksendungen ist für Online-Händler aber teuer. Um die Kosten gering zu halten, greifen manche Akteure zu recht zweifelhaften Methoden. Medienberichten zufolge wirft Amazon massenhaft unbeschädigte und brauchbare Waren einfach weg, weil dies offenbar die günstigste Methode ist. In Zeiten, in denen Konsumenten immer mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen, muss dieser Weg in eine Sackgasse führen. Dass es anders geht, zeigt der Online-Händler Zalando, der ebenfalls mit einer Rücksendequote von jenseits der 50 Prozent zu kämpfen hat. Dort werden etwa nur 0,05 % aller Artikel zerstört.

 

Avatar stellt sicher, dass Kleidung perfekt passt

Der bessere Weg um dem Problem der Retouren Herr zu werden, wäre, diese so gut es geht zu vermeiden. Eine Methode, die Rücksendungen im Textilhandel erheblich senken könnte, hat das oberösterreichische Unternehmen Twinster entwickelt. Die Firma aus Traun erzeugt 3D-Body Scanner. Mit einem solchen Gerät kann sich eine Person selbst "digitalisieren". Der Nutzer muss dafür lediglich die kostenlose App "Show my Size" herunterladen. Diese zeigt ihm, wo sich der nächstgelegene 3D-Body-Scanner befindet. Dort kann sich der User mithilfe der App in wenigen Sekunden selbst vermessen. Das Ergebnis ist ein Avatar, der dem Nutzer vielerlei Möglichkeiten eröffnet. Eine davon ist es, Kleidungsstücke online genau in jener Größe bestellen zu können, die wirklich passt. Denn folgendes Problem kennt jeder von uns: Die Hose der einen Marke passt in der Größe Medium perfekt, für das Beinkleid einer anderen Marke benötigt man aber unbedingt Large, um Reissverschluss und Knopf ohne großen Kraftaufwand schließen zu können. Die Sizing-App von Twinster verbindet das eigene Profil mit den verschiedenen Marken und stellt somit sicher, dass das Kleidungsstück wirklich sitzt. Das Tool hilft den Online-Händlern also dabei, die Retourenquote zu senken.

 

3D-Bodyscanner stärkt stationären Handel

Gleichzeitig bieten Bodyscanner dem stationären Handel eine Gelegenheit, sich von Online-Pure-Player à la Amazon und Co. abzuheben. Ein solches Gerät lockt nämlich Kunden in die Geschäfte, die sich dort vermessen lassen wollen. Mithilfe des Avatars kann der Verkäufer dem Kunden genau jene lagernde Kleidungsstücke anbieten, die diesem auch mit Sicherheit passen. Und mehr noch: Er kann ihm auch Teile anbieten und - zumindest virtuell - anprobieren lassen, die er nicht im Laden hat, sondern kurzfristig ordern kann. Die 3D-Vermessung ermöglicht es, die Vorteile des stationären Handels und des E-Commerce miteinander zu verbinden: Der Kunde kann sich in einem Geschäft persönlich beraten lassen, gleichzeitig steht ihm eine unendlich große Auswahl an Produkten zur Verfügung, aus denen er die gewünschten in der korrekten Größe wählen kann.

 

Das digitale Ich verändert alle Glieder der textilen Wertschöpfungskette

Der Textilhandel ist freilich nur ein Bereich der gesamten Mode- und Bekleidungsbranche, den die 3D-Vermessung völlig verändern wird. Denn Avatare und Co bereichern auch die Möglichkeiten von Modeschöpfern und Produzenten. Sichtbar wird dies anhand eines Schneiders, der die Kleidungsstücke seiner Kunden auf Maß fertigt:

Der erste Schritt dabei ist, den Kunden von Kopf bis Fuß zu vermessen und mit ihm über die Stoffe und Farben für das Kleidungsstücke zu diskutieren. Nach mehreren Wochen oder Monaten kommt die Kundschaft zur Anprobe ins Geschäft, der Schneider perfektioniert noch den Sitz und danach ist das edle Einzelstück fertig.

 

Der Maßschneider wird zum digitalen Schneider

Mithilfe eines Avatars wird der Maßschneider zum digitalen Schneider. Dieser kann den digitalen Zwilling seiner Kundschaft mit digitalen Stoffen einkleiden und so den realen Kunden über Farb- und Materialauswahl beraten, ohne dass sich die beiden real dafür treffen müssen. Diese virtuelle Darstellung von Kleidungsstücken, die es noch gar nicht gibt, kann mit der Realität übrigens schon locker mithalten. Dies hat eine Studie der Hochschule Albstadt-Sigmaringen bewiesen. Mithilfe von Software kann der digitale Schneider anhand der Daten des Avatars Schnittmuster automatisch generieren. Ein Arbeitsschritt, den ein Maßschneider noch händisch erledigen muss. Auf Basis der Schnittmuster werden die Stoffe dann in der Produktion mittels Laser automatisch zugeschnitten. Nur das Zusammennähen geschieht von Hand, denn diese Fertigkeit können Maschinen oder Roboter bis dato noch nicht übernehmen. Allerdings dürfte dies auch nur noch eine Frage der Zeit sein, bis ein Roboter dazu fähig ist. Dann wird der digitale Schneider auch den letzten Arbeitsschritt maschinell erledigen lassen können.

 

3D-Vermessung nützt der gesamten Textilindustrie

Ein Maßschneider, der Kleidungsstücke entwirft, produziert und auch vertreibt, deckt alle Glieder der Wertschöpfungskette der Textilindustrie ab. So wie dieser dank 3D-Vermessung und anderer digitaler Tools zu einem digitalen Schneider werden kann, kann auch die gesamte Mode- und Bekleidungsbranche zu einer digitalisierten, vollautomatisierten und smarten Industrie avancieren. Die digitalen Zwillinge der Kunden dienen als Basis für den Entwurf von Prototypen, der auf dem virtuellen Weg viel schneller generiert werden kann, als auf dem realen. Das Erstellen von Kollektionen wird somit einfacher, passgenauer und kostengünstiger. Die Massenproduktion kann vollautomatisiert erfolgen und sogar in Losgröße 1 produzieren. Wie das gehen kann, zeigt Adidas mit seiner Speedfactory vor. Dabei handelt es sich um einen kleinen, vollautomatisierten Produktionshub, der Schuhe in einem Bruchteil der bisherigen Produktionszeit herstellt. Eine Alternative zur traditionellen Textilproduktion, die derzeit noch zu einem Großteil in Billiglohnländern erledigt wird, stellt auch der Ausdruck via 3D-Drucker dar. Der menschliche Beitrag, um Bekleidung zu entwerfen, zu produzieren und zu verkaufen, reduziert sich also nur noch auf die Kreativität am Anfang des Prozesses und - im Fall des stationären Handels - auf die Beratung des Verkäufers.

 

Fazit: Warum die 3D-Vermessung die gesamte Textilindustrie verändern wird

Wenn ein digitales Ich statt dem realen Modell steht, löst dies in Kombination mit anderen digitalen Tools die Disruption der gesamten Textilindustrie aus. Dies ist auf den ersten Blick erstaunlich, bei genauerer Analyse aber nachvollziehbar. Die Art und Weise, wie Mode entsteht, produziert und vertrieben wird, kann in nur wenigen Jahren völlig anders aussehen, als dies noch heute der Fall ist. Eine wichtige Basis für diese Veränderungen ist dabei die 3D-Vermessung der Konsumenten.

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Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As former Head of Innovation, he was responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

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