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LEAD Innovation Blog

Mit welchen Materialien sich Pop-Up-Gebäude schnell und günstig errichten lassen

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In den wachsenden Städten wird der Raum knapp und die Preise steigen. Die Zwischennutzung von Immobilien und Grundstücken liegt deshalb stark im Trend. Da sich die Lebensumstände von immer mehr Menschen immer rascher verändern, ist auch ein schnelles und günstiges Bauen gefragt. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag über neue Konzepte des Bauens und welche Materialien dabei zum Einsatz kommen.

 

Die Mehrheit zieht es in die Städte

Viele von uns zieht es aufs Land. Doch diese Sehnsucht bleibt in Zukunft eine solche, denn die Realität ist eine völlig andere: Derzeit lebt weltweit die Hälfte der Bevölkerung in Städten. Bereits im Jahr 2050 sollen es um die 70 Prozent sein. Die Welt verstädtert also, und Raum wird immer knapper und damit teurer. Ein Modell, den vorhanden Platz in den urbanen Zentren effizienter zu verwenden, ist die Zwischennutzung von Immobilien und Flächen.

Das Telekom-Unternehmen A1 betreibt etwa ihren A1 Start Up Campus in einem Gebäude, dessen finale Nutzung noch nicht fixiert ist. Die Stadt Wien selbst bietet schon seit 1998 unter dem Motto „einfach - mehrfach“ die Zwischennutzung vor allem von Grünflächen, Baulücken und Immobilien an. Der private Verein Paradocks vermittelt ebenfalls Leerstandsflächen zur zeitlich begrenzten Verwendung. So wie Nest, eine Agentur für Leerstandsmanagement auch. Letztere betreibt etwa noch bis zum September 2018 in einem Teil der Stallungen der Trabrennbahn Krieau das Projekt Creau. Auf dem Areal finden nun Märkte und Kulturevents statt.

 

Gstettn bieten Platz zum temporären Wohnen

Nicht immer steht auf einer freien urbanen Fläche bereits ein nutzbares Gebäude. Und oft vergehen Jahre, bis auf einem Grund in bester Lage die dafür geplante und bewilligte Bebauung erfolgt. Dies war etwa in der Seestadt Aspern der Fall. Nahe der Endstation der U-Bahnlinie 2 liegt eine Fläche, die die Wien 3420 Aspern Development AG erst in ein paar Jahren bebauen wird. Auf der infrastrukturell bereits bestens erschlossene „Gstettn“ hat die OeAD-WohnraumverwaltungsGmbH und home4students kurzerhand ein Heim für anfangs 40 und im Endausbau 86 angehende Akademiker realisiert.

Die Pop-Up Dorms bestehen aus Holzcontainern. Das Herzstück des Studentenheims ist ein 250 Quadratmeter großer, mit einer transparenten Kuppel überdachter, Innenraum. Eine Gemeinschaftsküche, sowie Wasch – und Putzraum, sind in einem umgebauten Schiffscontainer untergebracht. Jede einzelne Wohnbox bietet mit ihrem Kochplatz und zwei Bädern Platz für eine Vierer-WG. Jedem Mitbewohner stehen je ein Bett, Tisch, Sessel, Schrank und Regal zur Verfügung.

 

Die inneren Werte der Pop-Up Dorms

Dem Gebäude sieht man von außen nicht an, dass es eigentlich nur eine Zwischenlösung ist, die dort lediglich fünf Jahre lang stehen kann. Die „inneren“ Werte dieses Heims sind aus mehreren Gründen bemerkenswert:

  • Jede einzelne Wohnbox ist autark konzipiert. Das bedeutet, dass sie völlig funktionstüchtig innerhalb von 30 bis 40 Jahren fünf Mal ab- und auf einem anderen Ort wieder aufgestellt werden kann.
  • Der Bau besteht vorwiegend aus der nachwachsenden Ressource Holz. Dazu kommen mineralische Baustoffe. Beton kommt nur spärlich zum Einsatz. Nämlich in Form von Fertigteilen für das wiederverwendbare Punktfundament.
  • Die zehn 5,5 Meter breiten und 16,8 Meter langen Wohngruppen fertigte Obermayr Holzkonstruktionen auf seinem Firmengelände in Schwanenstadt innerhalb von zwei Monaten vor. Zehn Schwertransporter transportierten die Module nach Wien. Zum Aufstellen des gesamten Heimes war deshalb nur eine minimale Baustellenlogistik notwendig.
  • Die gesamten Baukosten betrugen unter 35.000 Euro pro Heimplatz. Darin sind bereits ein einmaliger Ortswechsel des Komplexes inkludiert.
  • Die Kosten für einen Heimplatz sind mit 350 Euro Monatsmiete für Wiener Verhältnisse gering. Auch deshalb, weil das Grundstück, auf dem das Heim steht, nur gemietet und nicht gekauft werden musste.
  • Das Studentenheim ist in Passivhausbauweise ausgeführt.

 

In vier Tagen zum selbst errichteten Holzhaus

Schnell zu günstigem Wohnraum zu kommen ist nicht nur ein Bedürfnis, das Studenten haben. Leistbares und nachhaltiges Pop-Up-Wohnen wird auch für andere Zielgruppen eine Alternative, schnell und günstig zu einer umweltverträglichen Behausung zu kommen. Das von dem französischen Unternehmen ,Multipod Studio‘ entwickelte PopUp House, können vier Männer (oder Frauen) mit etwas handwerklicher Begabung in vier Tagen aufstellen. Das Passivhaus ist ab 37.000 Euro zu haben. Darin ist der Innenausbau, die Installationen und das Grundstück allerdings noch nicht inkludiert. Der Quadratmeterpreis soll zwischen 1300 und 1900 Euro liegen.

 

Mobil Wohnen in Holz, Lehm und Schafwolle

Mobiler und noch umweltverträglicher ist die Wohnlösung, die ein Wiener Startup seit 2013 anbietet. Der Wohnwagon besteht aus Holz, Schafwolle und Lehmputz und bietet zwischen 15 und 25 Quadratmeter Platz zum völlig autarken Leben. Denn der Wohnwagon beherbergt auch sein eigenes Strom- und Wärme-Kraftwerk, einen autarken Wasserkreislauf und eine Bio-Toilette, die keinen Anschluss an den Kanal benötigt. Ein Photovoltaiksystem, eine Solar-Holz-Zentralheizung und ein Sumpfpflanzendach (Wasserreinigung!) machen ein von der üblichen Infrastruktur völlig unabhängiges Wohnen möglich. Das Konzept bietet gerade für moderne Nomaden einen unschätzbaren Vorteil. Die je nach Ausführung vier bis zehn Tonnen schwere Behausung lässt sich mit einem LWK an einen anderen Wohnort ziehen. Zu beachten ist dabei freilich die Widmung der neuen Fläche, auf dem die mitgebrachte Heimstatt stehen soll. Günstig ist das autarke und mobile Wohnerlebnis zumindest auf den Quadratmeterpreis umgelegt, allerdings nicht. Es startet bei knapp 50.000 Euro für 15 Quadratmeter. Ergibt über 3.300 Euro pro Quadratmeter - ohne Grundstückskosten wohlgemerkt.

 

Beton machts möglich: Ein kleines Heim aus dem 3-D-Drucker

Das russische Startup Apis Cor geht einen völlig anderen Weg, um schnell und günstig ein ganzes Haus aufzustellen. Ein spezieller 3-D-Drucker bringt ein Beton-Gemisch vor Ort so in Form, dass binnen 24 Stunden eine immerhin 38 Quadratmeter große Bleibe steht. 10.000 Dollar soll der Bau gekostet haben - Fenster und Türen verschlangen dabei den Löwenanteil. Streichen muss man den Bau übrigens noch händisch. Laut Apis Cor hält das Gebäude Temperaturen von bis zum minus 60 Grad aus und soll zumindest 50 Jahre halten.


Fazit: Mit welchen Materialien sich Pop-Up-Gebäude schnell und günstig errichten lassen

Dank Urbanisierung wird der Raum in den Städten immer knapper. Gleichzeitig ändern sich die Lebensumstände von immer mehr Menschen oft und immer schneller. Das wiederum führt dazu, dass bestehende Gebäude und Flächen auch flexibler genützt werden müssen. Und neue Bauten müssen schnell, kostengünstig und umweltschonend entstehen. Die oben beschriebenen Beispiele zeigen, wie das gehen kann. Und sie zeigen auch, dass dabei durchaus altbewährte Baustoffe wie Holz, Beton oder gar Lehm, eine wichtige Rolle spielen können.

Methoden zur Ideengenerierung und Bewertung


 

Topics: Innovationen Baustoffe und -elemente