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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 16-Jul-2019
Autor: Daniel ZAPFL
Thema: Automotive

Wie sich Zulieferer mit Innovationen vom Mitbewerb abheben können

 

Zulieferer bekommen von ihren Kunden meist sehr strikte Vorgaben, was sie zu liefern und welche Innovationen sie zu entwickeln haben. Gleichzeitig stehen sie unter einem enormen Konkurrenz- und Qualitätsdruck. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie sich Zulieferer durch ein intelligentes Innovationsmanagement einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Innerhalb einer Wertschöpfungskette hat ein klassischer Zulieferer seinen fixen Platz: Der Hersteller gibt ihm ganz klare Vorgaben, welche Komponenten er wann und in welcher Qualität abzuliefern hat. Die Hersteller verfolgen meist eine Mehr-Lieferanten-Strategie: Wenn einLieferant die Vorgaben nicht erfüllen kann, dann beauftragt man eben einen anderen. Enormer Liefer- und Qualitätsdruck gehören also zum Alltag eines Komponentenherstellers. Gleichzeitig ist seine Abhängigkeit von den Herstellern sehr groß: Wenn ein Auftrag ausbleibt oder eine Partnerschaft endet, dann muss der Zulieferer rasch einen neuen Kunden finden, um seine Kapazitäten auszulasten.

Vorlage Innovation Roadmap

 

Zulieferer sind zum "Dienst nach Vorschrift" gezwungen

Die Fahrzeugindustrie ist eine der vielen Branchen, die so wie eben beschrieben funktioniert. Automarken, die in dieser Branche auch als Original Equipment Manufacturer (OEM) bezeichnet werden, nutzen die Lieferanten der obersten Ebene (TIER-1) als verlängerte Werkbank. Vereinfacht gesagt, sind diese gezwungen, ihren Dienst nach den Vorschriften der OEMs zu machen.

 

OEMs reduzieren Wertschöpfungstiefe

Diese gehen gleichzeitig dazu über, ihre Wertschöpfungstiefe zu reduzieren. Viele Fahrzeughersteller konzentrieren sich heute mehr und mehr auf den Aufbau und vor allem die Pflege ihrer Marken und weniger auf die Technik bzw. die Weiterentwicklung ihrer Produkte. Dem deutschen Verband der Automobilindustrie zufolge entstehen etwa drei Viertel der Wertschöpfung eines Autos bei den Zulieferern. Viele OEMs sind bemüht, diesen Anteil weiter in Richtung 10 bis 15 % zu drücken, um sich noch stärker auf die Pflege der eigenen Brand konzentrieren zu können.

 

Hersteller nutzen die F&E-Ressourcen der Teile-Lieferanten

Die Hersteller geben die technische Weiterentwicklung des Automobils zwar vor, überlassen aber immer häufiger den Zulieferern das Innovieren. Neue Technologien kaufen die OEMS bei Bedarf ganz einfach zu. Die eigene F&E-Abteilung beschäftigt sich damit in der Regel nicht mehr. Dieses Modell hat den Vorteil, dass die Autohersteller auf neue Trends extrem schnell reagieren können. Denn sie müssen nicht selbst die Kosten und die Zeit aufwenden, um die entsprechenden Innovationen zu entwickeln. Die OEMS nutzen dafür einfach die F&E-Kapazitäten von anderen Unternehmen, die um Aufträge rittern. Beim aktuellen Trend, das Auto teilweise durch Sprache und nicht mehr über Knöpfe, Hebel und unübersichtliche Touchscreens zu steuern, ist dies nicht anders: Nicht VW, Mercedes oder BMW beschäftigen sich mit den Technologien, die Autos aufs Wort folgen lassen. Dafür sorgen Zulieferer wie etwa Bosch und Unternehmen, die sich mit Sprachsteuerung generell beschäftigen.

 

Zulieferern fehlt der direkte Kontakt zum Nutzer

Ihre in der Wertschöpfungskette fest verankerte Rolle macht es Komponentenherstellern jedoch unmöglich, ihre Innovationen an die Bedürfnisse der Enduser auszurichten. Denn sie haben keinen direkten Kontakt zum Konsumenten. Darüber verfügt bloß der Fahrzeughersteller. Dieser unternimmt alles, damit das so bleibt. Schließlich ist die direkte Verbindung zur Zielgruppe sein Kapital. Die Vorgaben für die Innovationen, die der Zulieferbetrieb entwickeln muss, bestimmt deshalb der Hersteller. Diese Vorgangsweise zwingt die Zulieferer aber, Innovationsprojekte nach dem statischen Wasserfall-Modell abzuwickeln: Der Komponentenhersteller arbeitet das Pflichtenheft des Herstellers sukzessive ab. Agile-Methoden basieren hingegen auf Loops: Aus Kundenbedürfnissen leitet ein Team Konzepte ab und entwickelt Prototypen. Diese durchlaufen Tests, die zeigen, ob das Bedürfnis des Nutzers befriedigt wird. Die Ergebnisse dienen als Basis für eine neue Schleife. Der Prototyp wird dabei so lange verfeinert, bis er den Erfordernissen des späteren Verwenders entspricht. Ohne direkten Kontakt zum User sind agile Methoden nur sehr schwer anwendbar.

 

Proaktives Innovieren generiert Wettbewerbsvorteil

Durch eigene, nicht vom Hersteller vorgegebene Innovationsprojekte können Zulieferer hingegen schon einen direkten Kontakt zum Kunden herstellen. Außerdem ist es möglich, sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu erarbeiten. Ein Zulieferbetrieb setzt sich dabei systematisch mit seiner eigenen Innovationsvergangenheit und den relevanten Trends auseinander. Daraus entsteht eine Roadmap, die als konkreter Fahrplan für die eigenen, und nicht vom Hersteller vorgegebenen, F&E-Aktivitäten dient. Schon bei der Erstellung einer Roadmap können die Perspektive und Expertise von LEAD Usern einfließen. Der direkte Kontakt zum späteren Nutzer ist schon in einer sehr frühen Phase hergestellt.

 

Hersteller dürfen sich nicht übergangen fühlen

Die OEMs sehen es freilich nicht gerne, wenn die Zulieferer direkt mit den Nutzern in Kontakt treten. Deren Bedenken lassen sich dadurch ausräumen, dass der Komponentenhersteller Themen bearbeitet, die der Hersteller selbst vorgibt: Gerade die Fahrzeugindustrie genießt eine hohe mediale Aufmerksamkeit. Aussagen des Topmanagements über die Zukunft können den Zulieferern als Quelle für Innovationsthemen dienen. Als solche fungieren auch jene Publikationen und Studien, die viele OEMs selbst beauftragen und veröffentlichen. Wenn ein Zulieferer also allgemeinere Probleme zu lösen versucht, als die, die  der Hersteller selbst adressiert hat, dann fühlt sich dieser in der Regel nicht übergangen.

 

Innovationskraft beeindruckt die OEMs

Durch Innovationen, die ein Zulieferer ohne direkten Auftrag entwickelt hat, kann er sich vom Mitbewerb abheben. Damit demonstriert ein Komponentenhersteller die Fähigkeit, über den eigenen Tellerrand hinausblicken zu können. Neben der Pflicht wie Skalierbarkeit, Liefertreue und Qualität bietet der Teile-Lieferant seinem Kunden auch noch eine Kür in Form von Novitäten. Zur Präsentation dieser Innovationen kann der Zulieferer die Pitches um die Aufträge des Zulieferers nutzen. Dabei präsentiert der Komponentenhersteller nicht nur seine Lösung für die gestellte Aufgabe, sondern zeigt dem OEM auch für ihn relevante Innovationen.

 

Patent Mining verkürzt den Weg zu Erfindungen

Der Aufwand, diese zu entwickeln, muss dabei nicht notwendigerweise groß sein: Mittels Patent-Mining kann der Zulieferer ohne großen Aufwand eigenes, bis dato ungenütztes internes Know-how aufspüren und daraus neue Patente generieren. Obwohl eine große Anzahl der Erfindungen bis dato kaum Eingang in die Bilanz finden, dienen sie dennoch als wichtiger Indikator für das Potenzial eines Unternehmens. Innovative Zulieferer genießen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen, die bloß die geforderte Pflicht erfüllen.

 

Fazit: Wie sich Zulieferer mit Innovationen vom Mitbewerb abheben können

In vielen Branchen haben Zulieferer eine sehr genau definierte Rolle. Sie müssen die Vorgaben der Hersteller genau erfüllen und ihre Innovationstätigkeit danach ausrichten. Den Wettbewerb tragen Komponentenhersteller zumeist aber nur über die geforderte Pflicht wie niedriger Preis, hohe Qualität und Skalierbarkeit sowie Liefertreue aus. Dementsprechend leicht sind die Unternehmen austausch- und ersetzbar. In einigen Branchen, wie etwa der Automobilbranche, wollen sich die Hersteller noch mehr auf die Pflege ihrer Marke konzentrieren. Der Anteil der Wertschöpfung, den die Zulieferer generieren, wächst weiter. Damit wird ihre Rolle bei Innovationen des Produktes wichtiger. Die genauen Vorgaben dafür liefern in der Regel die Hersteller selbst. Weil Komponentenhersteller keinen direkten Kontakt zum späteren Nutzer haben, können sie diesen in den Innovationsprozess nicht einbeziehen. Eigene, nicht beauftragte Innovationsprojekte bieten einen Ausweg aus diesem Dilemma: Damit können Zulieferer direkt mit dem Konsumenten zusammenarbeiten, ohne den Hersteller zu verärgern. Durch proaktives Innovieren erarbeiten sich Zulieferer auch einen Wettbewerbsvorteil. Bei den Pitches dient die Innovationskraft als überzeugendes Argument: Zwar erhalten die Zulieferer den Zuschlag für die proaktiv entwickelten Erfindungen in der Regel nicht. Den eigentlichen Auftrag gewinnen sie bei den Wettbewerbspräsentationen hingegen schon.

Innovation Roadmapping

Bildquelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/lkw-transport-fahrzeug-rot-61760/

Daniel ZAPFL

Born in Graz, Austria. After positions as project manager & head of innovation of the project management at LEAD Innovation, Daniel Zapfl has been responsible for the success of the innovation projects of our innovation partners since January 2018.

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