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LEAD Innovation Blog

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Datum: 12-Sep-2018

Warum das Zukunftsfenster völlig aus dem Rahmen fällt

 

Was wird das Zukunftsfenster können? Wird es noch besser isolieren? Sicher. Wird es imstande sein, selbstständig zu lüften? Ja, höchstwahrscheinlich. Aber hat sich das Fenster nicht spannendere Innovationen verdient? Ja, hat es. Und die liegen auf der Hand, wenn Sie das Fenster als das begreifen, was es ist: Eine Luke nach draußen, ein Tor zur Welt. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, warum diese Welt auch digital sein kann, und wie die Deutsche Bahn ihre Fahrgäste bereits 2017 mit Displayfenstern verwöhnen will.

Fenster haben eine lange Tradition: Selbst Noah soll in seiner Arche schon eines gehabt haben. Dies vermutet zumindest Rolf Selbmann, der „Eine Kulturgeschichte des Fensters von der Antike bis zur Moderne“ verfasst hat. Auf der Arche zeigt das Fenster auch sehr deutlich seine wahre Funktion, für die es wahrscheinlich auch erfunden wurde. Es erlaubt jemanden, der drinnen ist, einen Blick nach draußen. Noah konnte so vom Inneren seines Schiffes aus sehen, ob es denn noch regnet, oder ob vielleicht sogar schon eine Taube mit einem frischen Olivenzweig zurückkehrte. Einem sicheren Zeichen dafür, dass es irgendwo auf der Welt ein trockenes Fleckchen Erde für seine Familien, alle geretteten Tiere und letztendlich auch ihn gab.

 

Religionen nutzen Fenster als Displays bereits seit Jahrhunderten

Freilich hatte das Fenster auch immer schon unwichtigere Nebenfunktionen, wie etwa, jemanden an der Tür vorbei geschleust, und damit unbemerkt in das Innere hereinzulassen. Eine Funktion, die teilweise erwünscht (Stichwort Fensterln) oder unerwünscht (Stichwort Einbrecher) war. Als das Glas Einzug in die Fenster hielt, erweiterten sich diese Nebenfunktionen weiter: Ein Fenster sollte sich öffnen und schließen lassen, um frische Luft einzuleiten oder aber die Wärme im Inneren zu halten. Ein Fenster sollte einen Innenraum in ein besonderes Licht tauchen können, so wie das etwa Kirchenfenster eindrucksvoll tun. Alte Meister des Fensterbaus haben es sogar zuwege gebracht, dass Fenster etwas zeigen, was es gar nicht gibt: Etwa übergroße Heilige, die bei Sonnenschein gnädig oder auch bedrohlich auf die im Kirchengestühl sitzenden Gläubigen herabblicken.

Damit hat etwas die Grundfunktion des Fensters pervertiert: Die Glasmalerei, der drinnen sitzt, nicht mehr das, was draußen passiert. Es zeigt ihm etwas völlig anderes - etwa schöne Wesen und Welten, die im nächsten Leben auf ihn warten sollen. Eine Zielgruppe, die den knochenharten Alltag des Hochmittelalters überstehen musste, genoss diese, das Paradies visualisierende Displays, wohl als hochwillkommene Abwechslung.

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Eine Alternative zum Nichts

Diese Lösung, durch Fenster etwas anderes als die Realität zu zeigen, liegt auch dann nahe, wenn es draußen rein gar nichts zu sehen gibt. Fahrgästen des von Elon Musk ersonnenen Hochgeschwindigkeitstransportsystems Hyperloop wird es so gehen. Was soll ein Fenster denn auch zeigen, wenn die Transportkapsel mit einer Geschwindigkeit von bis zu 1200 Stundenkilometern durch ein Stahlrohr donnert? Nichts ist keine Alternative. Denn dann kommt beim Fahrgast ein etwas mulmiges Gefühl auf, und er wähnt sich im Inneren eines U-Bootes.

Selbst in der Wiener U-Bahn bekommen die Fahrgäste minütlich Abwechslung durchs Fenster geboten: Und dabei können sie in den Stationen zwischen emsigen Treiben auf der einen und mehr oder weniger kreativen Werbetafeln auf der anderen Seite wählen. Hyperloop Transportation Technologies HTT hat eine interessante Alternative zum Nichts gefunden: Das Unternehmen wird seinen Fahrgästen ein Abbild der Realität, die gerade durchfahren wird, servieren. Das Fenster im Hyperloop wird also mehr Display als Guckloch sein.

 

Deutsche Bahn und HTT tüfteln am Regionalzug der Zukunft

Die Deutsche Bahn ist schon vor einiger Zeit mit Hyperloop Transportation Technologies eine Kooperation eingegangen. Gemeinsam will man den Regionalzug der Zukunft entwickeln. Das soll ein normaler Doppelstockwagen werden, der über ein digitalisiertes Innenleben verfügt. Ein Element ist dabei eine digitale Scheibe, die als Fenster und Display gleichsam fungiert.

 

Fenster bieten kontextbezogenen Ausblick

Damit bekommt ein mit dem Regionalzug reisender Tourist nicht nur einen Ausblick auf die Landschaft, sondern auch zusätzliche Informationen geboten. Er sieht, an welchen Sehenswürdigkeiten er vorbeifährt, ohne sie real zu sehen. Oder aber bekommt die Außentemperatur oder die Wettervorhersage direkt auf sein Zugfenster serviert. Das Programm, dass diese smarten Fenster zeigen, soll sich auch auf die Bedürfnisse des Fahrgastes abstimmen lassen. Müde Pendler sind womöglich über ein Fenster dankbar, dass nur Schwarz zeigt. Gelangweilte Kinder freuen sich über ein paar Episoden von Pink Panther.


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Augmented Reality ist schon fast ein alter Hut

Die Technologie, die dahinter steckt, ist jedem von uns spätestens seit dem Pokémon Go Fieber wohlbekannt. Sie nennt sich Augmented Reality (AR), und zeigt auf Smartphones und Handydisplays, die um ein paar Zusätze aufgepäppelte Realität. So nebenbei: Das Salzburger Startup Wikitude hat bei der Entwicklung von AR eine wesentliche Rolle gespielt. Denn das Unternehmen präsentierte 2008 die erste mobile App, die auf einem standortbezogenen Ansatz der erweiterten Realität basiert. Ganz neu ist AR also nicht wirklich.

Bisher wurde diese Technologie allerdings immer dazu eingesetzt, ein Display mit der Funktion eines Fensters zu erweitern. Der umgekehrte Innovationstransfer, nämlich ein Fenster um die Funktion des Displays zu erweitern, ist neu. Im innovativen Regionalzug der Deutschen Bahn soll dieser Weg aber schon im Jahr 2017 konkret Gestalt angenommen haben. Auch die ÖBB haben schon Interesse an den smarten Fenstern bekundet.

 

Displayfenster im Einfamilienhaus

Auf die Fensterhersteller dieser Welt rollt also ein Zug der Veränderungen zu. Denn vom Waggon bis zum Büro oder Eigenheim ist es nicht weit. Warum soll denn ein smartes Fenster in einem Einfamilienhaus bloß das zeigen können, was draußen tatsächlich passiert? Was ist, wenn der Bewohner vom ewig grauen Wetter die Nase voll hat, und lieber die Fotos seines letzten Malediven-Urlaubs zwischen seinen Fensterrahmen sehen will?

 

Neue Partner bringen neue Lösungen

Solche Lösungen benötigen auch neue Partnerschaften - so wie jene zwischen der Deutschen Bahn und HTT eine ist. Solche Lösungen ermöglichen Unternehmen aber auch, in Märkte vorzudringen, an die sie bis vor kurzem noch gar nicht zu denken wagten.

 

Raus aus dem Branchensilo

Sichtbar werden solche Möglichkeiten, wann man den eigenen Branchensilo verlässt und sich einmal Gedanken darüber macht, was denn das eigene Produkt - konkret das Fenster - denn tatsächlich ist. Eine Fläche, die etwas zeigt. Muss das unbedingt die Realität sein? Auf diese Frage haben schon alle Weltreligionen, die auf kunstvolle Verglasungen ihrer Gebetshäuser setzen, schon mehr als eine Antwort gefunden; das ist gewiss. Bei den Fensterkonstrukteuren dieser Welt darf man sich da nicht so sicher sein.

 

Abstraktion bringt manchmal Klarheit

Wenn Sie diese Abstraktion des Fensters auf die Spitze treiben, vervielfältigen sie dessen mögliche Funktionen gleich noch einmal: Ein Fenster ist meist eine der Sonne zugewandte glatte Fläche. Ja packt man dann nicht gleich ein unsichtbares Solarkraftwerk darauf? Oder: Ein Fenster besteht zu einem großen Teil aus Glas. Ein Material, das einerseits alles zeigt, aber dennoch etwas verbergen kann. Nanokristalle etwa. Sie sorgen dafür, dass sich die Scheibe verdunkelt und auch das Wärme erzeugende unsichtbare Nahinfrarotlicht draußen bleibt. Wenn's drinnen etwa zu warm wird.

 

Fazit: Warum das Fenster der Zukunft völlig aus dem Rahmen fällt

Wie Sie sehen, fällt das Fenster der Zukunft ob seiner vielerlei Einsatzmöglichkeiten tatsächlich aus dem Rahmen. Das liegt daran, dass sich Unternehmen aus immer unterschiedlicheren Branchen mit dem Produkt beschäftigen und es weiterentwickeln. Partnerschaften mit den Fensterkonstrukteuren sind dabei hochwillkommen, denn schließlich haben sie die längste Erfahrung mit dem Produkt. Doch manchmal hilft ein Schritt zurück, um einen alten Bekannten in neuem Licht zu sehen. Ein Licht, das den Blick auf völlig neue Möglichkeiten erhellt.

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Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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