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LEAD Innovation Blog

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Datum: 12-Sep-2018

Wie Wearables die klassische Medizin revolutionieren

 

Wearables, also tragbare Sensoren, halten zunehmend Einzug in den gesundheitlichen Alltag. Die smarten Gadgets spielen nicht nur in der Medizintechnik eine immer wichtigere Rolle, sie erfreuen sich auch zur Gesundheitsförderung im privaten Bereich steigender Beliebtheit. Hinzu kommen neue Möglichkeiten durch die digitale Revolution in der Medizin. All diese Faktoren sorgen dafür, dass am Gesundheitsmarkt innovative Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftsmodelle wie Pilze aus dem Boden schießen.

Der Markt für medizinische Wearables wächst rasant

Der Markt für Wearables wächst rasant. Den aktuellen Daten der IDC zufolge wurden 2016 weltweit Wearable Devices im Wert von knapp 104,3 Millionen Euro verkauft. Für 2017 schätzt IDC die Anzahl der ausgelieferten Geräte sogar auf 125,5 Millionen – ein Plus von 20,4 Prozent. Dabei entfallen etwa 50 Prozent auf medizinische Wearables. Insbesondere der Markt für intelligente Pflaster (Smart Patches) dürfte in Zukunft weltweit starkes Wachstum erfahren.

In Hinblick auf die Umsatzentwicklung erwartet PwC in der Studie „Wearables – die Zukunft kommt näher“ für 2018 ein Wachstum von rund 25 Prozent.

 

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Laut Studie ist das Interesse an Wearables besonders groß im Bereich Fitness und Gesundheit: Bei Daten, die Nutzer von Wearables erhalten wollen, werden effektives Fitnesstraining (52%), medizinische Informationen (46%), Aktivitätsaufzeichnung (44%) und gesunde Ernährung (38%) nachgefragt. Als vertrauenswürdige Institutionen für die Weitergabe der persönlichen Daten wurden Hausarzt und Krankenhäuser (63%), Familie und Freunde (53%) und Krankenkassen (26%) genannt.

Trendsammlung Medizin

 

Medizinische Wearables in Diagnose und Therapie 

Das Potenzial von Wearables für die Medizin ist groß. Es bestehen bereits viele Ansätze, die smarten Helfer sinnvoll in Diagnose und Therapie einzubringen. Ein Wearable, das schon lange existiert, ist etwa das Langzeit-EKG. In Zukunft werden auch diverse Consumer-Systeme ein Langzeit-­EKG aufnehmen können und eine Herzvariabilitätsanalyse liefern. Wearables werden nicht nur als Armband, Fitnessuhr oder Smartwatch am Körper getragen werden, sondern auch in Kleidungsstücke eingearbeitet oder als Pflaster direkt auf der Haut befestigt.

„Medizinische Wearables werden zunehmend im Formfaktor von intelligenten Pflastern entwickelt und werden es somit dem Patienten ermöglichen, Langzeitmonitorings oder auch die Medikation nahezu unsichtbar für den Außenstehenden anzuwenden“, so Christian Stammel, Gründer und CEO der WT Wearable Technologies Group. Die fortschreitende Miniaturisierung werde in Zukunft auch immer kleinere und für den Patienten angenehmere medizinischen Monitoring-Lösungen möglich machen.

 

Medizinische Wearables in der Rehabilitation 

Speziell im Bereich der Rehabilitation gibt es vielversprechende Ansätze, die Therapie mit Wearables zu unterstützten. Ein Beispiel sind intelligente Kniebandagen, die die Ausführung von Übungen überwachen und mit den entsprechenden Trainingsapps die Rehabilitation protokollieren. Die Trainingsapps enthalten Trainingspläne, die individuell vom Arzt und Therapeuten für den Patienten erstellt werden. Die Kommunikation erfolgt über eine Plattform, die Arzt, Patient und Therapeuten zusammenbringt. Eine andere interessante Innovation hat das Unternehmen Bioservo kürzlich vorgestellt. Ein Trainingshandschuh für Schlaganfallpatienten verstärkt über Bewegungssensorik und robotische Unterstützung die vom Patienten ausgeführten Bewegungsimpulse. Durch regelmäßige Anwendung verbessert sich nicht nur die Wahrnehmung von Berührungsreizen, sondern auch die Willkürmotorik.

 

Wearables zur Überwachung akuter und chronischer Krankheiten

Gerade für chronische und akute Krankheiten ist das Monitoring von Vitaldaten von besonderer Bedeutung. Hier bieten Wearables mittlerweile für fast jedes Krankheitsbild eine Lösung für die Überwachung im Krankenhaus oder zuhause. Bei Krankheitsbildern wie Herz- und Gefäßerkrankungen könnten Wearables beispielsweise in Regionen mit Ärztemangel Vitalparameter von Patienten regelmäßig überprüfen, um etwa Schlaganfällen vorzubeugen.

Das Start-up Biovotion hat etwa eine Arm-Manschette entwickelt, die kontinuierlich medizinisch relevante Daten erfasst und über eine Cloud-Lösung behandelnden Ärzten zur Verfügung stellt. Darüber hinaus gibt es Wearables für Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Asthma, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes oder auch neue Möglichkeiten für das Monitoring von Neugeborenen und Schwangeren.

 

Stationäre Anwendungen von Wearables

Im stationären Bereich reichen mögliche Applikationen von der Überwachung des Wundliegens über Patch-Sensorik bis hin zum Monitoring von Vitaldaten. Vor allem in der ambulanten Nachversorgung sehen Experten Einsatzbereiche für medizinische Wearables. Im Krankenhaus selbst werden Wearables aufgrund der medizinischen Infrastruktur jedoch vermutlich noch längere Zeit eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Wearables als Leistungsmerkmal für Arztpraxen

Für Arztpraxen eröffnen sich mit Wearables neue Möglichkeiten zur Einschätzung und Behandlung des Patienten. Medizinisch zertifizierte Gesundheitsmonitore wie die „Philips Health Watch“ sind als verlässliche Indikatoren einsetzbar. Die Health Watch zeichnet Vitaldaten wie Herzfrequenz, Bewegung oder das Sitz- und Schlafverhalten ohne zusätzlichen Brustgurt auf. Die Daten werden unter Einhaltung der Datenschutzrichtlinien in einer Cloud gespeichert und können auf Wunsch beispielsweise mit Ärzten und Therapeuten geteilt werden.

Auch bei der Behandlung von chronisch erkrankten Patienten bieten Wearables Vorteile für die ärztliche Behandlung und Lebensqualität des Patienten. So misst etwa der von Abbott entwickelte High-Tech Sensor FreeStyle Libre laufend den Blutzucker und macht das Spritzen von Insulin obsolet.

Die Nutzung zertifizierter, medizinischer Wearables wird sich daher in naher Zukunft auch als Leistungsmerkmal für eine hochwertige Arztpraxis etablieren. Ärzte sollten die verfügbaren Produkte kennen und deren Vorteile in die ärztliche Behandlung einfließen lassen.

 

Regulierung blockiert vielfach den Einsatz von Wearables

Zahlreiche innovative Entwicklungen, wie z.B. die zuvor genannte Kniebandage, sind aufgrund der aktuellen Regulierung des Marktes nicht im Einsatz, obwohl sie technisch bereits möglich wären. Medizinische Wearables müssen durch Studien ihre Nutzbarkeit nachweisen und den beteiligten Akteuren einen Mehrwert bringen. Die Entscheidung obliegt hier also nicht dem Patienten oder Arzt, sondern der Regulierungsbehörde. Durch Anpassung der entsprechenden Rahmenbedingungen könnte ein neuer Markt von Geräten entstehen, die vom Patienten selbständig eingesetzt werden können und die Behandlungsmöglichkeiten erweitern.

 

Ärzte sehen Selbstvermesser Wearables kritisch

Eine Regulierung und Zertifizierung wird seitens der Ärzteschaft vielfach gewünscht. Denn Selbstvermesser auf Basis nicht zertifizierter Systeme stoßen bei Medizinern aufgrund fehlender Tests und Standards auf wenig Begeisterung und viel Skepsis.

„Kein Arzt würde seinem Patienten eines dieser Gadgets zur Selbstvermessung verschreiben“, erklärt der Berliner Mediziner und Digitalisierungsexperte Tobias Neisecke. „Das sind Konsumentenprodukte, die Firmen entwickelt haben, um Hardware zu verkaufen.“ Die Sensoren in den Geräten würden zwar immer besser werden, seien aber nicht gemacht, um valide Daten zu erheben, so Neisecke.

Ähnlich kritisch sieht auch John Carlson, President Flex Medical Solutions den Wearables Markt: „Wearables werden häufig von Unternehmen auf den Markt gebracht, die nur die Verkaufszahlen in die Höhe treiben wollen. Das ist problematisch, wenn diese Unternehmen aus der Konsumerbranche stammen und nun in der Medizintechnik 'herum-dilettieren'. Das verscheucht die Patienten.“

 

Kritik an Datenschutz-Mängeln bei Wearables

Nicht nur die Qualität der Messdaten von ungeprüften Consumer-Systemen wird vielfach in Frage gestellt. Oft ist auch nicht klar, was mit den erhobenen Daten passiert. Eine Erhebung von Datenschützern in Deutschland im Herbst 2016 hat gezeigt, dass Nutzer keine Kontrolle darüber haben, wer noch über ihre Daten verfügt und über welchen Zeitraum eine Speicherung erfolgt.

Die persönlichen Daten sind auf externen Servern der Anbieter oder in Clouds gespeichert, teilweise ist laut Untersuchung auch die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Wearable nicht sicher. Manche Geräte übertragen zudem ohne Wissen des Nutzers sämtliche auf dem Smartphone gespeicherten E-Mail-Adressen.

Das Sammeln von Daten müsste daher darauf beschränkt werden, wofür das Gerät konzipiert wurde. Zumindest sind Hersteller im Zuge der EU-Datenschutzgrundverordung ab Mai 2018 verpflichtet, darauf hinzuweisen, was mit den Daten gemacht wird und an wen sie diese weitergeben.

 

Krankenkassen als Treiber von Wearables in der Medizin?

Das Gesundheitswesen in den meisten Industrieländern ist unflexibel und stark reglementiert, auch die meisten Krankenkassen warten noch ab. Das wirkt sich nicht nur innovationshemmend aus, sondern versagt Patienten auch Behandlungen, die es zwar schon gibt, die sie aber aus regulatorischen Gründen nicht beanspruchen können. Eine Ausnahme diesbezüglich bildet z.B. der zuvor genannte FreeStyle Libre für Diabetiker, der von der Krankenkasse in Österreich bezuschusst wird.

Wearables wie Smartwatches & Co werden in Österreich jedoch nicht bezuschusst. In Deutschland sieht es hier bereits anders aus: Seit 2015 zahlt die AOK einen Zuschuss für Fitness-Wearables von bis zu 50 Euro, um Mitglieder zu einem gesunden Leben zu veranlassen. Fallen Gebühren für E-Health-Apps an, gibt es dafür vom „persönlichen AOK-Gesundheitskonto“ 20 Euro im Jahr. Andere Krankenkassen in Deutschland folgten mittlerweile mit ähnlichen Angeboten nach.

Auch Versicherungen zeigen Interesse an Wearables und bieten Bonusprogramme für eine über App-Vitaldaten nachgewiesene gesunde Lebensführung an. Datenschützer sehen dieses Geschäftsmodell jedoch sehr kritisch und befürchten, dass Versicherungen die über Fitness-Apps gewonnen Daten früher oder später ausnützen könnten. Denn was passiert mit den Prämien, wenn man etwa bei einer Versicherung als junger, sportlicher Mensch einen Tarif eingeht, aber plötzlich krank wird und den Erfolg nicht mehr bringen kann?

 

Fazit: Wie Wearables die klassische Medizin revolutionieren

Derzeit sind die regulatorischen Rahmenbedingungen noch defizitär. Für eine Verbreitung und sinnvolle Anwendung von Wearables im Rahmen von medizinischen Therapien und Diagnosen muss der Gesetzgeber klare Richtlinien definieren. Erst dann können Nutzer, Hersteller, Vertreiber, Ärzte, Serviceanbieter und Krankenkassen von innovativen Wearables profitieren. Insbesondere Krankenkassen können vom Trend der Fitnessbranche lernen und die Verwendung von Wearables über neue digitale Geschäftsmodelle und Services in Krankenhäusern und Arztpraxen fördern. Mehr zum Thema Regulation und vernetzte Medizin lesen Sie in unserem Blog „Innovationszukunft der vernetzten Medizin“.

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Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As former Head of Innovation, he was responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

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