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LEAD Innovation Blog

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Date: 04-Okt-2018

Wie unbemannte Stores den Handel verändern

 

Keine Kasse, kein Warten, kein Personal: Unbemannte Stores gewinnen zunehmend an Bedeutung und könnten in Zukunft die Lösung für die 24/7-Nahversorgung sein. Einige zukunftsweisende Store-Konzepte stellen wir Ihnen im Folgenden vor.

 

"Näraffär"- Der erste Supermarkt ohne Personal

Pionier des unbemannten Stores ist nicht etwa der Internet-Riese Amazon, sondern der schwedische IT-Techniker Robert Ilijason, der 2016 im kleinen Ort Viken den ersten personalfreien Convenience-Store eröffnete.

Die Geschäftsidee für „Näraffär“ kam ihm, als er spät abends das letzte Glas Babybrei in der Hand hatte und die nächste Einkaufsmöglichkeit zwanzig Autominuten entfernt war. Ilijason entwickelte eine App für Android- und iOS-Geräte, über die sich der Kunde zunächst registriert. Im 45 Quadratmeter großen Store mit etwa 450 Produkten läuft dann alles über die Smartphone-App: Die Tür wird mittels eines QR-Codes geöffnet, die Waren selbständig eingescannt. Die Abrechnung erfolgt monatlich.

Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ sind im Store mehrere Webcams installiert. Kunden haben auch die Möglichkeit, Produktwünsche oder technische Fehlfunktionen über eine Textfunktion zu senden.

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Der autonom fahrende Mini-Markt der Zukunft

Das Konzept Ilijasons war so erfolgreich, dass das schwedische Start-Up Wheelys – bekannt für seine Mini-Cafés auf Rädern – Näraffär Ende 2016 aufkaufte und MobyMart auf den Markt brachte. MobyMart ist eine Kombination aus Ilijasons Idee und Wheelys Konzept der mobilen Cafés: Ein unbemannter und autonom fahrender „24/7 Hour Store“. Im Juni 2017 startete der Minimarkt auf Rädern seinen ersten Testlauf in Shanghai.

MobyMart wird mit am Dach montierten Solar-Panelen betrieben und hat Filter im Bodenbereich eingebaut, die für eine Reinigung der Luft sorgen. Über der Moby-App kann man sehen, ob der Supermarkt gerade in der Nähe ist und ihn zum nächstgelegenen Parkplatz beordern. Eingecheckt wird per App. Dann sucht man sich seine gewünschten Produkte aus, scannt sie selbst über die App ein und bezahlt darüber auch. Die Betreuung der Kunden übernimmt der holographische Assistent „Hol“.

Die gewünschten Artikel sind in der Regel vorhanden, denn die Einkäufe werden vorab per App bestellt. Falls Produkte dennoch knapp werden, fährt der Mobymart selbständig ins Lager, um wieder aufgefüllt zu werden. Ebenso autonom fährt er zu den wechselnden Standorten. Geplant sind auch Drohnen an Bord des MobyMart, um Lieferungen durchzuführen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch das kalifornische Startup Robomart, das mit autonom fahrenden Supermärkten den Markt für Lebensmittel-Lieferungen bedienen will. Der futuristische Robomart ist deutlich kleiner als der Mobymart und soll großen Supermarktketten für On-Demand-Lieferungen zur Verfügung gestellt werden. Noch gibt es das Fahrzeug allerdings nur als Prototyp.

Dass autonomes Fahren die Logistik vereinfacht, haben auch andere Firmen bereits erkannt. Lidl will Ende 2018 führerlose Lieferwagen in Schweden testen, Foodora testet bereits autonome Lieferroboter und Pizza Hut und Toyota arbeiten an einem autonom fahrenden Fahrzeug zur Lieferung von Pizzas.

 

Amazon Go Store – Supermarkt ohne Kassen

Amazons erster Selbstbedienungsshop wurde Anfang des Jahres in Seattle eröffnet. Amazon Go hat zwar keine Kassen, mehrere Mitarbeiter sind jedoch für die Zubereitung der Salate und Fertiggerichte, die Befüllung der Regale sowie Betreuung der Kunden abgestellt.

Das Scannen der Waren ist bei Amazon Go nicht erforderlich. Als Kunde lädt man lediglich die Amazon-Go App herunter, hält das Telefon an eine Schranke am Eingang, legt die Waren direkt in die Einkaufstasche und verlässt das Geschäft wieder. Wenige Minuten später landet die Rechnung von Amazon im E-Mail-Postfach und der Betrag wird vom Amazon-Konto des Nutzers abgebucht.

Die Registrierung der Waren, die der Käufer aus dem Regal nimmt, erfolgt über Kameras und Sensoren. Dabei ist es nicht nötig, die Produkte direkt in die Kameras zu halten. Allerdings scheint die Technik noch nicht ganz diebstahlsicher zu sein, wie einige YouTuber bereits sehr anschaulich demonstriert haben.  

Auch die Elektronikkette Media-Saturn hat vor einigen Monaten einen Shop in Innsbruck eröffnet, in dem Kunden erstmals ausschließlich per App bezahlen. Aktuell läuft im Einkaufszentrum PEP in München ein weiterer Versuch, bei dem Kunden Kopfhörer per Smartphone bezahlen. Das Besondere dabei ist, dass sich mit der App auch die Diebstahlsicherung deaktivieren lässt. Bisher konnten nur die Kassierer mit einem Schlüssel die Sicherung entsperren, jetzt kann sie auch jeder Kunde nach dem Bezahlen per Handy selbst lösen.

 

Unbemannte Stores in China haben die Nase vorn

Amazon Go wurde in den Medien zwar als Pionier gefeiert, das chinesische Start-Up BingoBox ist an der unbemannten Einzelhandelsfront jedoch einige Schritte voraus. Denn an mehr als 300 Standorten in 30 Städten kaufen Chinesen bereits seit längerem in personalfreien Shops ein. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, auch nach Europa expandieren zu wollen.

Um die BingoBox zu betreten, müssen die Kunden einen QR-Code mit der Tencent- App „WeChat“ auf ihren Mobiltelefonen scannen. Sie wählen die gewünschten Artikel aus, legen sie auf eine Art scannende Waage und scannen den QR-Code erneut am Ausgang des Shops, wo das System die Artikel automatisch erkennt und die Einkäufe zusammenfasst. Das chinesische System setzt zusätzlich auf Gesichtserkennung, um festzustellen, ob lediglich registrierte Nutzer den Store betreten und die Waren im vollen Umfang bezahlt wurden.

Der chinesisches Snack-Hersteller Wahaha eröffnete ebenfalls fünf solcher stationären Stores in Hangzhou. Auch Alibaba hat mit dem Tao Café nachgezogen, die japanischen Convenience-Stores Lawson und 7-Eleven testen aktuell ein ähnliches Konzept und in Hongkong experimentiert AS Watson mit einem Drogeriemarkt.

 

Landspeis: Selbstbedienung ab Hof

In Österreich haben die Bauern das Selbstbedienungskonzept als gut funktionierende Absatzmöglichkeit ihrer Produkte erkannt. Der durchgestylte „Landspeis“ Containerwagen mit Videokamera, Tresor und Bankomatzahlung ist ein gelungenes Beispiel für einen unbemannten Shop im ländlichen Raum.

„Die Idee zur Landspeis entstand, weil Kunden unserer Bioprodukte darüber geklagt haben, dass sie zu viel Zeit aufwenden müssen, um die gewünschte Vielfalt an Lebensmitteln direkt beim Bauern einzukaufen“, erklärt Raza Holzer aus Neubau im Weinviertel. „Deshalb haben wir an unserer Ortsausfahrt einen Baucontainer als Verkaufsraum adaptiert, der 24 Stunden täglich an allen sieben Wochentagen geöffnet hat.“

An mittlerweile sechs Standorten bietet Familie Holzer nicht nur ihre eigenen Produkte an, sondern auch die von ausgewählten Biobauern der Umgebung. Der Laden ist videoüberwacht, jede Türbewegung wird aufgezeichnet und per Mail an die Inhaber gemeldet. Dass jemand nicht zahlt, kommt laut Familie Holzer nur sehr selten vor.

 

Fazit: Europa hat Aufholbedarf

Einkaufen wird in zehn Jahren nicht einmal mehr ansatzweise damit vergleichbar sein, wie wir es heute kennen. Viele der hier vorgestellten Konzepte befinden sich aktuell noch in der Experimentierphase, werden aber in einigen Jahren bereits alltagstauglich sein. Technik-affine Länder wie China, Südkorea, USA oder Schweden sind Europa in Hinblick auf technologische Entwicklung und Akzeptanz in der Bevölkerung um Längen voraus. Ob sich unbemannte Stores in naher Zukunft auch in Europa durchsetzen, bleibt abzuwarten.

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Gerhard BERTHOLD

Born in Vienna. At LEAD Innovation he works as Innovation Manager.

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