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LEAD Innovation Blog

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Datum: 03-Jul-2019

Das Dilemma von Innovatoren: Der Kampf gegen die Macht

 

Ulrich Klotz blickt auf seine Karriere als Innovator zurück – bei einer Tagung der Daimler und Benz Stiftung erzählte er von seinen Kämpfen gegen den Innovationskiller Macht.

„Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner, bis sich die Sache durchgesetzt hat“, mit diesem Zitat von Mark Twain eröffnete Ulrich Klotz seinen Vortrag. 1968 kam er nach West-Berlin an die Technische Universität und schloss sich einer Gruppe kritischer Technik-Studenten an, die sich „Rotzkybel“ nannte. Dieser dem 68er Zeitgeist entsprechende Name leitete sich von „Rote Zelle Kybernetik Elektrotechnik“ ab. Kern des Interesses war die Entwicklung des Mikroprozessors 1971, der ein großes neues Feld für Innovationen eröffnete. Der kulturelle Einfluss kam aus Kalifornien, wo Hippies und Alternativ-Freaks gemeinsam die Potentiale der aufkommenden Microcomputertechnik entdeckten. Damals kursierte Stewart Brands „Whole Earth Catalogue", den Steve Jobs später als die Bibel der Gegenkultur bezeichnete.

Mit seinem Slogan: »ComputerPower to the People!« inspirierte er den legendären »Homebrew Computer Club«, in dem blutjunge Leute wie Adam Osborne, Steve Jobs, Bill Gates und andere mit ersten Bastelübungen in die Welt der Computer eintauchten. Die Vorstellung, sich einen eigenen Computer bauen zu können, hatte damals für viele eine ungeheure Faszination.

„Ich hatte das Glück, einen frühen Mikroprozessor von Intel zu ergattern und konnte damit 1974/75 als Diplomarbeit einen der ersten universell einsetzbaren Mikrocomputer in Deutschland realisieren, der heute im Nixdorf Computer Museum steht. Später arbeitete ich im Forschungszentrum der damals sehr erfolgreichen Nixdorf Computer AG“, schildert Ulrich Klotz seinen Aufbruch von der Theorie in die Praxis: „Neben unserer offiziellen Tätigkeit im Systemsoftwaredesign verfolgten meine Kollegen und ich ziemlich konspirativ die Idee eines Kleinstcomputers – heute würde man das PC nennen. Dabei erlebte ich zum ersten Mal, dass der Weg von der Idee zur praktischen Innovation ziemlich steinig und nicht selten völlig versperrt ist. Solche Ideen waren zu jener Zeit bei Nixdorf überhaupt nicht durchsetzbar. Noch Anfang der 1980er Jahre verwarf der Firmengründer Heinz Nixdorf ähnliche Konzepte, wie auch eine damals mögliche Kooperation mit dem PC-Pionier Apple. »Wir bauen Lastwagen, keine Mopeds«, lautete seine ablehnende Reaktion, die später in die Sammlung berühmter Fehleinschätzungen einging. Kaum zehn Jahre später war das ehemalige Vorzeigeunternehmen am Ende. Im Grunde genommen war dies der Beginn des späteren Niedergangs der gesamten europäischen Computerindustrie.“

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Ende der 1970er Jahre arbeitete Ulrich Klotz für die Traub AG, damals Weltmarktführer bei Drehmaschinen. Sein Projektziel war die Computersteuerung. Als er vorschlug, einen Bildschirm in die Maschine zu integrieren, hieß es: „Eine Werkstatt ist doch keine Videospielhölle!“. Zwei Jahre später eroberte ein japanischer Hersteller mit genau einer solchen Bildschirm-CNC-Steuerung den Markt. Die Traub AG ging Mitte der 90er Jahre in Konkurs.

Wer von der Leidenschaft der Innovation gepackt ist wie Ulrich Klotz, lässt sich nicht entmutigen. Doch immer wieder stellten sich Mächte der Einführung von Computertechnik in den Weg: „Zu jener Zeit war der Begriff »Innovation« noch wenig verbreitet und außerdem bei Gewerkschaften heftig umstritten. Der Computer wurde in Gewerkschaftskreisen bis weit in die 1990er Jahre pauschal als »Job- und Qualifikationskiller« verteufelt und bekämpft“, schildert Klotz die lange Kette der Innovationskiller, denen er begegnet ist. Auch als er später energiesparende Techniken entwickelte, stieß er auf Ablehnung, denn „Umweltschützer wurden pauschal als Jobkiller verteufelt, auch Bundeskanzler Helmut Schmidt spottete damals: Von blauer Luft über der Alster kann niemand leben.“ 

Bei seinem nächsten Arbeitgeber, der IG Metall, kämpfte Ulrich Klotz gegen ein anachronistisches Timesharing-System von DEC, dem damals hinter Nixdorf zweitgrößten Computerhersteller der Welt. Nach der Installation des Systems sank die Produktivität im Bürobereich, weil allein seine komplizierte Bedienung immens viel Arbeitszeit verschlang. „Vergeblich prophezeite ich 1987 dem IG Metall-Vorstand, dass er in eine technische Sackgasse investiere, weil DEC ähnlich wie Nixdorf wichtige Trends versäumt hatte. Auch von DEC-Gründer Ken Olsen gibt es ein berühmtes Zitat aus dem Jahr 1977: »Es gibt gar keinen Grund dafür, dass irgend jemand einen Computer zu Hause haben will«. 1998 war die einstmals glorreiche Firma DEC dann tatsächlich am Ende.“

Dennoch beendete Ulrich Klotz seinen Vortrag nicht mit Resignation, sondern einer klaren Analyse als Statement: „In praktischen Innovationsprozessen wird klar, dass gute Ideen allein wenig nützen – man muss sie auch zur richtigen Zeit und dazu auch die Macht haben, diese Ideen um- und durchzusetzen. Machtbesitz ist also auch eine Voraussetzung für Innovationen. In all meinen Beispielen spielt Macht eine Schüsselrolle und ich behaupte heute, dass dies bei Innovationsprozessen generell der Fall ist, denn Innovation ist kein technischer Vorgang, sondern ein komplexer sozialer Prozess.“

 

Video: http://www.dctp.tv/filme/wie-innovation-gedeiht/

Info: http://www.fortschrittsforum.de/informieren/autoren/profil/user/ulrich-klotz-103.html

LEAD User Methode

Bildquelle Titelbild: https://pixabay.com/de/photos/blume-leben-riss-w%C3%BCste-d%C3%BCrre-887443/ 

Wolfgang PAUSER

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