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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 13-Sep-2018
Autor: Michael PUTZ

Definition Open Innovation

 

Steigende Komplexität, zunehmende Unsicherheiten, immer kürzer werdende Produktlebenszyklen, der rasche Wandel - kurz gesagt, der Innovationsdruck steigt.

Für den Innovationserfolg zählen Kreativität, Geschwindigkeit und Spezialwissen. Und das können Unternehmen längst nicht mehr nur mit einer eigenen F&E-Abteilung leisten. Es erfordert eine Öffnung des Innovationsprozesses, um die Kreativen, Experten und Talente außerhalb des Unternehmens und ihre Ideen, Technologien und Kompetenzen nutzen zu können.

Definition Open Innovation

„Open Innovation“, der Begriff wurde 2003 von Henry Chesbrough geprägt, ist die Öffnung des Innovationsprozesses. Wurden früher neue Produkte geheim und hinter verschlossenen Türen entwickelt, erfolgt heute eine gezielte Einbindung von Kunden, Forscher, Lieferanten und Partner in die Innovationsaktivitäten.

 

Arten von Open Innovation

Es wird zwischen einem Inside-Out und Outside-In Prozess unterschieden. Beim Inside-Out-Ansatz wird internes Wissen nach außen verwertet, z.B. über die Lizenzierung von Patenten oder einem Spin-Out. Der Outside-In-Ansatz hingegen steht für die Integration von Ideen und Wissen von Externen und wird hier in Folge detaillierter behandelt.

Die Öffnung erfolgt vorwiegend im kreativen Front End zur Ideensuche und in der Entwicklungsphase des Innovationsprozesses.

Paper Innovationsprozess

 

Wichtige Stakeholder und Partner sind Konsumenten, Kunden, Lieferanten, Hochschulen, Forschungsinstitute, Studenten, Erfinder, Start-ups, Partnerunternehmen aus anderen Industrien, technische Berater und Vereinigungen.

 

Suche von Ideen für neue Produkte und Problemlösungen (Front End)

Es ist relativ einfach, aus dem Umfeld neue Ideen zu ernten. Dazu haben sich folgende Ansätze bestens bewährt:

  • Crowdsourcing steht für die Weisheit der Vielen. Durch die Nutzung bestehender Plattformen oder durch eigene Ideenwettbewerbe werden durch die Community bzw. Crowd neue Ideen generiert, bewertet und weiterentwickelt.
  • Workshops mit Kunden und Experten wie Lead User, Lieferanten oder Forscher zur Entwicklung neuer Ideen.
  • Offenheit signalisieren: Auf Unternehmen, die ein Image als offen, kooperativ und innovativ haben, gehen Erfinder und Technologieanbieter selbst zu, um neue Ideen und Technologien anzubieten.

 

Entwicklung von neuen Technologien und Produkten

Die Innovationsentwicklung von neuen Technologien und Produkten erfordert Spezial-Know-How und Zeit, sie erfolgt über eine engere Kooperation in konkreten Innovationsprojekten mit Konsumenten, Kunden, Forschungsinstituten, Hochschulen, Lieferanten, auch Wettbewerber, Partnerunternehmen aus anderen Industrien oder technischen Beratern. Unter dem Titel Co-Creation werden die externen Partner in die internen Prozesse eingebunden.

Es gibt drei Arten von Forschungs- und Entwicklungskooperationen:

  • Auftragsforschung: Der Partner erhält den Auftrag, eine Lösung zu entwickeln und wird dafür vergütet. Die Lösung und Verwertungsrechte gehören exklusiv dem beauftragenden Unternehmen. Das ist mit Outsourcing zu vergleichen. Beispielsweise entwickelt eine Universität im Zuge einer F&E-Kooperation für einen Automobilhersteller eine wasserabweisende Glasscheibe.
  • Kooperation: Die Lösung wird gemeinsam entwickelt. Die Aufwände werden geteilt, sowie die Lösung. Ein Beispiel ist die Entwicklung von Basistechnologien gemeinsam mit Mitbewerbern.
  • Vollständige Integration durch zum Beispiel die Akquise und Integration von Start-ups.

 

Kundeneinbindung in den Innovationsprozess

Der Kunde ist der zukünftige Nutzer einer Innovation, entscheidet über den Kauf und somit den Erfolg eines Produktes. Daher sind seine Bedürfnisse, Wünsche und Einstellungen das A und O im Innovationsprozess.

Die Einbindung von Kunden und auch Konsumenten in den Innovationsprozess steigert die Erfolgsquoten von Innovationen deutlich. Aufgrund der Macht und Relevanz von Kunden wird ihnen hier ein separater Punkt gewidmet.

Die Zusammenarbeit und Einbindung von Kunden, dazu zählen die direkten Kunden, aber auch die Kunden der Kunden und die Konsumenten, erfolgt:

  • In den sehr frühen Phasen, wo im Zuge einer Marktforschung Bedürfnisse und somit Impulse für neue Produkte gesammelt werden.
  • Kunden sind Lieferanten von Ideen.
  • Das Kundenfeedback ist im gesamten Innovationsprozess ein Schlüsselfaktor. Erste Ideen, erste Konzept, Prototypen usw. sollen mit Kunden getestet werden.

 

Nutzen von Open Innovation

Open Innovation hat für Unternehmen zahlreiche Vorteile und eine enorme positive Auswirkung auf die Innovationskraft:

  • Zugang zu mehr und innovativeren Ideen.
  • Zugang zu Wissen, zum Beispiel über Kunden, Markt und technische Möglichkeiten.
  • Neue Perspektiven und Vermeidung von Betriebsblindheit.
  • Schnellere Entwicklungszeiten.
  • Zugriff auf Experten und Spezialisten.
  • Niedrigeres Entwicklungsrisiko.
  • Potential für öffentliche Förderungen durch Kooperation.
  • Imagegewinn durch Kooperation.

 

Risiken und Erfolgsfaktoren von Open Innovation

Damit Open Innovation erfolgreich funktioniert, müssen einige Anforderungen beachtet sein.

Es erfordert eine organisatorische Kompetenz, um Innovationen mit Partnern und in Netzwerken entwickeln zu können.

  • Interne und externe Netzwerke.
  • Innovationsprozess mit Schnittstellen nach außen.
  • Tools zur Kommunikation und Kooperation mit Partnern (z.B. IT-Werkzeuge).
  • Wissensmanagement zur Sicherung der Kompetenzen und Erkenntnisse von außen.

Ganz wichtig sind - und daran sind schon viele Kooperationen zerbrochen - klare Regelungen, vor allem in Bezug auf Vertraulichkeit, Vergütung, Verwertung und Patente.

Auch die weichen Faktoren spielen eine große Rolle. Ein hoher Bekanntheitsgrad und ein positives Image sind die Basis, damit externe Partner überhaupt auf Unternehmen zugehen und Interesse an einer Zusammenarbeit haben.

In diesem Kontext spielt auch die Einstellung und das Verhalten des Unternehmens eine wichtige Rolle: Offenheit gegenüber Neuem, Offenheit gegenüber Externem, Kooperationsfähigkeit, Vertrauen, Win-Win-Orientierung usw.

In Summe geht es um eine hohe Attraktivität als Partner. So fließen Ideen von selbst ins Unternehmen und die Zusammenarbeit mit externen Partnern läuft reibungsfreier und somit erfolgreicher.

Bei der Wahl des Partners, vor allem in Innovationsprojekten, spielt nicht nur die Kompetenz eine Rolle. Auch die Chemie zwischen den handelnden Personen muss passen. Denn gibt es zwischenmenschliche Differenzen, spiegeln sich die auch im Projekt und letztendlich im Ergebnis.

Durch die Vernetzung mit Externen trägt Open Innovation auch zum Branding und Image eines Unternehmens bei, das sollen die Akteure bei jeder Aktivität auch immer im Hinterkopf halten.

 

Beispiel 1 „Crowdsourcing“

Crowdsourcing nutzt die Intelligenz, Kreativität und das Know-How vieler Menschen außerhalb des Unternehmens, um Aufgaben zu lösen. Das Prinzip ist, dass eine möglichst breite Masse angesprochen wird und aufgrund der Masse die Chance für eine sehr innovative Lösung steigt.

Durch die Entwicklung von Web 2.0 sind die Möglichkeiten gestiegen und einfach zugänglich geworden. Es gibt viele bestehende Crowdsourcing-Plattformen, die man gegen kleines Geld nutzen kann. Dort werden Ideen entwickelt und gleichzeitig bewertet.

Doch es gibt einige erfolgsrelevante Dinge, die es vor dem Start zu beachten gibt:

  • Die Community muss auch die Kompetenz haben. Anforderungen an beispielsweise ein Handy kann jeder definieren, ein neues Drahtseil für Kräne entwickeln nicht.
  • Nach dem Motto „Garbage In, Garbage Out“ spielt die richtige Fragestellung eine wesentliche Rolle. Um nicht am Ziel vorbeizuschießen, sollte man der Crowd möglichst viele Kontextinformationen zur Verfügung stellen.
  • Die Phase der Auswertung erfordert den höchsten Arbeitsaufwand und darf bei der Planung nicht unterschätzt werden.
  • Mit den Ergebnissen muss etwas passieren, sie dürfen nicht einfach in einer Schublade landen.
  • Respektvoller Umgang mit den Ideen und den Einreichern (rechtzeitiges Feedback, faire Entlohnung …) ist bedeutungsvoll, denn jeder verärgerte Teilnehmer kann zu einem Imageschaden beitragen.
  • Klare Klärung und Vereinbarungen zu den Verwertungsrechten und Vergütung.

 

Beispiel 2 “Cross-Industry-Innovation“

Mehr als drei Viertel aller Innovationen entstehen durch die Kombination von bereits vorhandenem Wissen (nach Ellen Enkel). Man versucht durch Verknüpfen von Praktiken und Wissen über Geschäftsmodelle, Technologien und Prozesse aus anderen Industrien neue Innovationen hervorzubringen. Beispiele sind

  • Das iDrive System von BMW, das sich den Joystick aus der Spielindustrie abgeschaut hat.
  • Transfer von Oberflächentechnologien aus der Autolack- auf die Holzindustrie.

Die These ist relativ einfach: Man findet mit jedem Unternehmen, egal wie fremd die Branche ist, Überschneidungspunkte, die Potential für Innovationen liefern. An den Schnittstellen passieren die spannendsten Dinge. Das erfordert:

  • Intensives Netzwerken und Austausch mit unterschiedlichen Unternehmen und Persönlichkeiten.
  • Verknüpfen und die Gabe, dass man Bestehendes mit Neuem verknüpft, Analogien findet und daraus neue Ideen ableitet.

Und genauso simpel ist die Praxis: Entdeckt man einen potentiellen Partner, z.B. auf Konferenzen oder Messen oder durch Internetrecherchen, setzt man sich ganz einfach unverbindlich an einen Tisch, stellt sich und seine Aufgaben vor und beginnt zu brainstormen.

 

Beispiel 3 „Kundenworkshops“

Workshops zu zur Innovationsentwicklung gemeinsam mit Kunden sind eine wichtige Quelle für Neuartiges. Durch den persönlichen Kontakt mit Kunden erfährt man ein tiefes Kundenverständnis über dessen Bedürfnisse, Probleme, Erwartungen und Erfahrungen.

Und die Einbindung des Kunden signalisiert ihm, dass man ihn ernst nimmt und trägt so sehr positiv zur Kundenbeziehung bei. Dazu kommt noch, dass Aufwand und Kosten relativ gering sind.

Eine besondere Rolle nehmen hier Lead User ein. Lead User

  • sind fortschrittliche Kunden und Anwender,
  • die bereits Bedürfnisse oder Anforderungen haben, die andere erst später haben werden,
  • sind offen für Innovationen, da sie daraus einen großen Nutzen ziehen, und
  • tüfteln oft selbst an neuen Lösungen.

Workshops mit Kunden sollen regelmäßig auf der Agenda der Innovationsleute stehen, vor allem bei den technisch versierten Produktentwicklern, um Verständnis für den Kunden und Markt zu entwickeln und die Innovation zu befruchten.

 

Fazit: Definition Open Innovation

Wer auf Open Innovation verzichtet, verzichtet auf Innovation.

Denn rund um das Unternehmen schwirren viele Ideen, Potentiale, Technologien und Kompetenzen, die für das Unternehmen wertvolle Assets liefern können. Durch die Zusammenarbeit mit Kunden und externen Spezialisten wie Hochschulen oder Lieferanten werden die Innovationsgeschwindigkeit, der Innovationsgrad und die Qualität maßgeblich erhöht, alles auf das Konto des Innovationserfolgs.

Innovation Webinar

Michael PUTZ

Born in the Salzkammergut. After working for Shell and Porsche, he concentrated on innovation management as a study assistant at the Innovation Department of the Vienna University of Economics and Business Administration. In 2003 he founded LEAD Innovation and manages the company as Managing Partner. Lectures at MIT, in front of companies like Google or NASA.

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