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LEAD Innovation Blog

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Datum: 07-Mär-2019

So verstehen Sie die Blockchain in 7 Minuten

 

Google spuckt fast 220 Millionen Ergebnisse bei Begriff Blockchain aus. Was unter dem Buzzword zu verstehen ist, haben viele Menschen noch nicht verstanden. Investieren Sie 7 Minuten in die Lektüre dieses Beitrages und Sie wissen danach, was die Blockchain und wie sie funktioniert.

Um die Blockchain leichter verstehen zu können, sollten Sie sich zunächst einmal von gedanklichem Ballast befreien: Vergessen Sie alles, was Sie rund um Bitcoin gehört haben. Denn diese Kryptowährung ist bloß eine von vielen Möglichkeiten, die Blockchain-Technologie zu nützen. Haben Sie das geschafft? Alles klar, dann können wir loslegen - am besten mit einem Beispiel aus dem Mittelalter: 

Stellen Sie sich einen Amtmann aus dieser Zeit vor, der in seiner Amtstube vor einem dicken Buch sitzt. Zwei Bauern kommen zu ihm und teilen ihm mit, dass der eine seinen Fischteich an den anderen verkauft. Der Amtmann trägt diese Transaktion ein. In einer Spalte vermerkt er den Namen des Verkäufers, in der anderen die des Käufers und in der dritten listet er die Informationen über die Transaktion auf. Ist in einem Buch kein Platz mehr für weitere Transaktionen, dann beginnt der Amtmann mit einem neuen und legt das vollgeschriebene ins Archiv. Will nun ein Bauer den anderen Bauern betrügen, müsste er lediglich das Buch des Amtmannes verschwinden lassen und selbigen bestechen.

 

Die Blockchain ist eine lange Liste von getätigten Transaktionen

Stellen sie sich nun das aktuelle Amtsbuch des Beamten digital vor: Die Transaktionen, wie etwa der erwähnte Erwerb des Fischtümpels, werden wie in einer Excel-Tabelle eingetragen. Wenn diese eine bestimmte Länge aufweist, wird sie einen Block zusammengefasst. In der Welt des Amtmanns wäre ein solcher Block ein vollgeschriebenes Buch, das ins Archiv wandert. Dieser Block wird nun mit einem Hashwert abgespeichert. Diese mathematische Prüfsumme wird durch eine Hashfunktion berechnet. Der Wert gibt keine Information über den Inhalt - in unserem Fall die im Block zusammengefassten Transaktionen. Der Hashwert zeigt bloß, dass es sich um einen ganz bestimmten Inhalt handelt. Wird dieser verändert, dann verändert sich auch der Hashwert. Das können Sie übrigens mithilfe eines Hashwertgenerators nachvollziehen.

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Ein Hashwert garantiert, dass der Inhalt unverfälscht ist

Stellen sie sich diesen Wert als Fingerabdruck vor. Wenn die Polizei an mehreren Tatorten den gleichen Fingerabdruck findet, zeigt dies vorerst nur, dass überall der gleiche Täter zu Gange war. Die Identität des Delinquenten ist ihr hingegen nicht bekannt. (Sofern dessen Fingerabdrücke nicht in einer Datenbank abgespeichert sind).

Der Hashwert eines Blocks wird im darauffolgenden gespeichert. Würde also jemand eine Transaktion ändern, dann wäre diese Manipulation sofort erkennbar, weil die Hashwerte nicht mehr übereinstimmen. Zum leichteren Verständnis: Im Beispiel mit unserem Amtmann würde dieser jedes vollgeschriebene Buch mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Damit bilden die einzelnen Bände eine Kette.

 

Betrug ist nicht ausgeschlossen, aber wirtschaftlich völlig sinnlos

Diese Kette aus Büchern ist die Blockchain des Amtmannes. Würde sich nun ein Betrüger die Mühe machen, alle Amtsbücher zu fälschen und die eine oder andere Transaktion zu manipulieren, so könnte der Amtmann dank der fortlaufenden Nummer die Echtheit seiner Bücher prüfen. Statt der fortlaufenden Nummer dient heute der Hashwert als Prüfziffer. Denn anhand dieses Wertes lässt sich nicht nur ablesen, welchen Band oder Block aus der gesamten Reihe man vor sich hat. Der Hashwert zeigt auch an, ob eine Transaktion nachträglich verändert wurde, oder nicht. Ein weiterer Aspekt, der die digitale Blockchain von dem Aufzeichnungen auf Papier unterscheidet, ist, dass diese nicht nur einmal existiert, sondern mehrfach. Denn sie wird nicht von einer zentralen Instanz abgespeichert, sonder befindet sich auf dem Rechner jedes einzelnen Netzwerkteilnehmers.

Im Mittelalter würde als nicht nur der Amtmann seine Aufzeichnungen in der Stube horten, sondern jeder Haushalt eines Dorfes oder einer Region würde über idente und sich ständig aktualisierendes Exemplare aller je geschriebenen Amtsbücher verfügen. Ein Betrüger müsste also sämtliche Amtsbücher vernichten und ein neues fälschen und wohl auch den Amtmann bestechen, um eine Manipulation durchzuführen. Ob sich dieser Aufwand dann für ein Stück Land noch lohnt, ist mehr als fraglich.

 

Dank Digitalisierung können unendlich lange Transaktionslisten millionenfach gespeichert werden

In der analogen Welt ist eine solche Vervielfältigung und vor allem ständige Aktualisierung von Aufzeichnungen freilich nicht möglich - in der digitalen Welt schon. Und über das Internet wird jedes einzelne, auf den Rechnern der Netzwerkteilnehmer gespeicherte, Exemplar ständig aktuell gehalten. Ein Betrüger müsste also jeden einzelnen Computer hacken, um alle Versionen der Blockchain zu fälschen. Bei einer geringen Anzahl von etwa 10 bis 50 Geräten wäre das vielleicht noch zu schaffen. Wenn an einer Blockchain aber mehrere tausend User teilnehmen, ist ein solcher Hack nur schwer möglich und verliert auch wirtschaftlich seinen Sinn.

 

Mittelsmänner werden überflüssig 

Die Blockchain macht Transaktionen nicht nur fälschungssicher, sondern hat auch eine weitere Konsequenz: Eine Person, die die Echtheit der Aufzeichnungen kraft seines Amtes bestätig, ist als Mittelsmann nicht mehr notwendig. Das betrifft in unserem Fall den Amtmann. Aktuell gibt es viele Beispiele für Organisationen und Unternehmen, die genau eine solche Rolle ausüben: Das sind etwa Makler, die Wohnraum zwischen Vermieter und Mieter vermitteln. Oder Notare, die die Echtheit von Verträgen beglaubigen. Das sind aber auch Banken, die Zahlungen abwickeln. Sie alle führen Vermittlungstätigkeiten aus, die für das Funktionieren einer Volkswirtschaft wesentlich sind, aber auch ihre Zeit brauchen.

 

Ukraine versucht Korruption mit Blockchain zu bekämpfen

Mit der Blockchain können die zwei Vertragspartnern all diese Aufgaben im Handumdrehen auf Knopfdruck schnell und vor allem sicher selbst verrichten. Im Juni 2016 vergab etwa die ukrainische Regierung staatliche Lizenzen mithilfe einer auf der Blockchain-Technologie basierenden Versteigerung. Damit will man der Korruption in der Verwaltung Herr werden. Denn die Blockchain macht jene dritte Partei, die für bestimmte Entscheidungen das Händchen aufhalten könnte, schlichtweg überflüssig. Doch auch demokratische Wahlen könnten mithilfe der Blockchain viel einfacher, günstiger und damit möglicherweise öfter durchgeführt werden. So gesehen befeuert die Technologie die direkte Demokratie.

 

Banken sind sich der disruptiven Kraft der Technologie bewusst

In einigen Branchen, vor allem in der Bankbranche, ist man sich bewusst, welche Möglichkeiten in der Blockchain stecken. So meinten Vertreter der Deutsche Bank, dass die Blockchain "eine der ersten wirklich disruptiven Ideen aus dem Fintech Bereich" ist. Viele Finanzinstitute beschäftigen sich deshalb auch selbst sehr intensiv mit der Technologie.

 

Es ist wohl auch kein Zufall, dass die erste Blockchain-Anwendung, die es zu weltweiter Bekanntheit brachte, aus dem Finanzbereich kommt. So, jetzt dürfen Sie wieder an Bitcoins denken. Die Kryptowährung ist eine Datenbank, in der sämtliche Transaktionen in Blocks zusammengefasst auf den Rechnern der Netzwerkteilnehmer gespeichert sind. Es bedarf keines zentralen Registers, wie es eine Bank, eine Börse, ein Zahlungsdienstleister wie etwa PayPal oder auch ein staatliche Behörde, führt.

 

Smarte Verträge schützen mit programmierten Regel beide Partner

Wie schon erwähnt: Kryptowährungen sind bloß ein möglicher Use Case der Blockchain. Die Technologie lässt auch viele andere Anwendungen zu. Smart Contracts etwa. Bei diesen schlauen Verträgen werden vertragliche Regeln als Programmiercode festgeschrieben, der einem "Wenn-Dann"-Muster folgt. Jene Instanz, die über die Einhaltung eines Kontraktes wacht, das Vertrauen beider Vertragspartner genießt und bei Vertragsverletzung entsprechende Konsequenzen durchsetzen kann, wird überflüssig. Ein Beispiel: Eine Person least einen PKW. Wenn sie mit einer Rate in Verzug gerät, dann kann sie das Fahrzeug nicht mehr starten. Dieser Vorgang läuft dabei ohne jegliches Zutun eines Menschen ab. Die Bank meldet den Zahlungsverzug an den Leasinggeber und der sperrt das Auto übers Netz. Der gängige Prozess bei Zahlungsverzug ist wesentlich aufwändiger. Denn hier muss der Leasinggeber nach mehreren Mahnungen den Vertrag zunächst kündigen und dann einen Mitarbeiter senden, der den Wagen einzieht.

Auf der Blockchain basierende Smart Contracts würden solche Vorgänge, wie die Sperre des Leasingwagens technisch möglich machen. Rechtlich stehen so manche automatisierte Vertragsabwicklungen indes auf tönernen Füßen. Allerdings: Smart Contracts existieren bereits - und zwar ganz ohne Blockchain: CDs oder DVDs werden mithilfe von Digital-Rights-Management-Systemen (DMR) vor dem illegalen Kopieren und Verbreiten ihrer Inhalte geschützt.

 

Fazit: So verstehen Sie die Blockchain in 7 Minuten

Die Blockchain bietet durch ihre dezentrale Architektur die technischen Möglichkeiten, um die Wirtschaft und Gesellschaft von Grund auf zu verändern. Die Technologie ist eine Art "Trust Machine", die eine Transaktion bestätigt, ohne eine weitere Instanz dafür zu benötigen. Manch einer misst der Technologie jene Bedeutung für Transaktionen bei, die das Internet für Informationen heute hat. Es ist durchaus möglich, dass die Blockchain diese wichtige Rolle in einiger Zeit spielen könnte. Letztendlich kommt es aber auf den Menschen an, wie er die Technologie einsetzt. Theoretisch könnte die Blockchain viele Instanzen unseres Zusammenlebens, denen wir heute vertrauen, ersetzen. Ob die Mehrheit von uns das tatsächlich will, steht allerdings in den Sternen.

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Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As Head of Innovation, he is responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

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