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LEAD Innovation Blog

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Datum: 12-Mär-2019

Warum Sie ein MVP und einen Pretotypen vor dem Prototypen brauchen

 

Anstatt den Kunden Novitäten zu präsentieren und auf genügend Absatz zu hoffen, binden immer mehr Unternehmen die späteren Verwender in den Innovationsprozess ein. Um Ideen abzutesten zu können, sind Entwürfe notwendig, die bloß die Funktionsweise des Konzeptes verdeutlichen. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, was unter einem Minimum Viable Product (MVP) sowie einem Pretotype zu verstehen ist und warum Sie sich lange vor der Anfertigung eines Prototyps damit beschäftigen sollten.

Welcher Betrieb behauptet nicht, seinen Kunden in den Mittelpunkt all seines Tuns zu stellen? Die Realität lehrt, dass diesem Versprechen nicht alle Unternehmen folgen. Doch der Trend, die späteren Nutzer so früh wie möglich in den Innovationsprozess einzubinden, ist unaufhaltsam. Open Innovation und Co-Creation haben eben viele Vorteile, die jede Firma auch gerne nutzen würde.

 

Der Prototyp bildet die letzte Stufe vor der Serienproduktion

Damit jemand ein Urteil über ein Konzept fällen kann, muss er es und seinen Nutzen erst verstehen. Am einfachsten funktioniert das freilich mit einem Prototypen. Das ist ein (fast) fertiges Produkt oder eine Dienstleistung, die nur noch eine Hürde bis zum Markt nehmen muss: Der Betrieb muss es schaffen, diesen Prototypen zu wirtschaftlich sinnvollen Kosten in Serie zu produzieren, sodass bei einer realistisch erscheinenden Absatzmenge auch ein Ertrag übrig bleibt.

 

Viele versuchen, das Anfertigen von Prototypen so weit wie möglich zu vermeiden

Einen Prototypen zu bauen bedeutet allerdings einiges an Aufwand. Darum gibt es viele Bemühungen, dies zu umgehen. So nutzen etwa Autokonstrukteure Augmented Reality, um Prototypen virtuell darzustellen. Der Vorteil daran: An digitalen Objekten lassen sich Parameter einfach und ohne großen Aufwand ändern. Damit können Entwickler nach dem Motto "Build Measure Learn" vorgehen und Test-Schleifen sooft wiederholen, wie es eben notwendig ist.

Vorlage Service Design

 

MVP und Pretotype sind die Urahnen des Prototypen

Um das Anfertigen von Prototypen zu vermeiden ist allerdings kein Ausflug in die digitale Welt notwendig. Ein Minimum Minimum Viable Product (MVP) und ein Pretotype erlauben es ebenso, mit überschaubarem Aufwand nach der Methode "Build Measure Learn" vorzugehen. Diese zwei Fachbegriffe sind im Deutschen noch weniger gebräuchlich. Das Problem dabei: Sie werden häufig als Synonym für Prototypen verwendet. Wenn dann ein Mitglied eines Innovationsteams nach einem Prototypen verlangt und eigentlich ein MVP meint, sieht ein anderer schon gedanklich den großen Aufwand für das Anfertigen eines voll funktionsfähigen Prototypen vor Augen und könnte abblocken. Daher ist es wichtig, zwischen MVP, Pretotypen und Prototypen zu unterscheiden.

Eine lupenreine Definition der Begriffe ist nicht ganz einfach. Ein MVP einer App kann einem Prototypen sehr nahe kommen. Denn die Grundfunktionen lassen sich oft in relativ kurzer Zeit programmieren, wie die Teilnehmer von Hackathons beweisen. Der viel größere Aufwand bei Software ist es, die Applikation userfreundlich und stabil zu gestalten, in ein ansprechendes Design zu verpacken und sicher mit externen Schnittstellen zu vernetzen. Wenn es um Hardware geht, dann kann ein MVP oder ein Pretotype ein Stück Holz sein, mit dessen Hilfe der Nutzer sich ein fertiges Produkt vorstellen kann.

 

Wie ein Stück Holz ausreicht, um die Basis für eine digitale Durchbruchsinnovation zu entwickeln

Ein solches Modell hat der US-amerikanische IT-Unternehmer und Neurowissenschaftler Jeff Hawkins  Mitte der 90er-Jahre genutzt. Er wollte einen so genannten Personal Digital Assistant  entwickeln. Darunter verstand man damals einen kompakten tragfähigen Computer, in den der User Informationen über einen Stift und einer Bildschirmtastatur eingeben und auch wieder abrufen konnte.

Um zu erkunden, welche Funktionen der Nutzer solcher Geräte tatsächlich verwenden und welche Größe er akzeptieren würde, war Hawkins das Anfertigen eines oder mehrerer Prototypen viel zu aufwendig. Auf Basis seiner eigenen Annahmen schnitt er ein Stück Holz in die für ihn passende Größe und überzog es mit Papierhüllen. Letztere simulierten bestimmte Benutzerbildschirme und Funktionalitäten. Den Holz-PDA, der heute im Computer History Museum in Mountain View ausgestellt ist, trug Hawkins samt Stift dann mehrere Wochen bei sich. Dabei tat er so, als wäre es ein bereits funktionierendes Gerät. Wenn der Unternehmer nach einem Meeting eine Adresse eingeben, einen Termin vermerken oder eine To-Do-Liste ergänzen wollte, dann zückte er sein Holz-PDA.

So versetzte Hawkins sich selbst in die Rolle des Nutzers. Er testete damit, ob ein solches Gerät überhaupt einen praktischen Nutzen hat und für welche Funktionen es sich im Alltag eignen würde. Erst auf Basis dieser Erkenntnisse fertigte er dann einen "echten" Prototypen des Palm Pilot. Dieses Gerät, das 1996 auf den Markt kam, wurde zu einem echten Erfolg und entpuppte sich als wichtiger Wegbereiter zum Smartphone.

 

Mit MVPs und Pretotypen werden Konzepte marktfit

Ein Gerät, dessen Funktionen lediglich vorstellbar sind, reicht also völlig aus, um eine Idee von späteren Nutzern testen zu lassen. Wie das eben beschrieben Beispiel beweist, ist die Herstellung solche MVPs oder Pretotypes nur mit minimalem Aufwand verbunden. Nach den ersten Feedbackrunden ist es möglich, MVPs und Pretotypes anzupassen und erneut einem Test zu unterziehen. So lange, bis die Entwickler sich relativ sicher sein können, dass die Größe, die Haptik, das Design und die Funktionen des Gerätes von den Nutzern so gewollt und gewünscht sind. Dann ist eine Idee oder ein Konzept fit für den Markt. MVPs und Pretotypes versetzen ein Entwicklerteam in die sehr angenehme Lage, möglichst viele Fehler in sehr kurzer Zeit zu machen und dadurch schneller lernen zu können. So meinte etwa IBM-Gründer Thomas J. Watson sinngemäß: "Um erfolgreich zu sein, muss man seine Fehler verdoppeln."

 

Prototypen sind notwendig, um Serienreife zu testen

Erst wenn genug davon gemacht wurden, ist es an der Zeit, einen Prototypen anzufertigen. Dieser dient dazu, um einerseits die technische Umsetzbarkeit abzutesten. Andererseits werden Prototypen benötigt, um zu prüfen, ob eine Serienproduktion zu einem wirtschaftlich sinnvollen Aufwand umsetzbar ist.

 

Der Unterschied zwischen MVP und Pretotype ist relativ und unwichtig

Doch worin besteht nun der Unterschied zwischen MVP und Pretotype? Ein MVP ist eine Hard- oder Software, die einem Nutzer die wichtigsten Grundfunktionen vermitteln. Als allererste tangible Version eines Konzepts ist ein MVP oft ohne Funktionen und fokussiert darauf, die Lösung zu erklären. Beispiele dafür sind Illustrationen, Renderings oder 3D gedruckte Modelle. Der Pretotype ist etwas ausgereifter, denn in seine Entwicklung sind bereits Erkenntnisse zumindest einer "Build Measure Learn"-Schleife eingeflossen. Es wird versucht, durch minimalen Aufwand bereits Grundfunktionen einzubauen. Der Fokus liegt somit darauf, 

MVP und Pretotype haben zwei wichtige Gemeinsamkeiten:

  • Sie lassen sich ohne viel Aufwand schnell anfertigen.
  • Ihr Reifegrad hängt sehr stark vom Innovationsprojekt selbst ab. Bei Software weist ein MVP oder -Pretotype einen viel höheren Reifegrad auf, als bei Hardware.

 

Der Unterschied zwischen MVP und Pretotype hat nur sehr geringe Bedeutung. Die beiden Begriffe dienen vor allem dazu, bei einem Innovationsprojekt zumindest zwei Schleifen einzubauen, bei denen der Kunde sein Feedback über eine Idee einbringen konnte. Denn erst dann entspricht die Aussage auch der Wahrheit, den Kunden in Innovationsprojekte einzubeziehen.

 

Fazit: Warum Sie vor dem Prototypen einen Pretotypen und ein MVP benötigen

Unternehmen stellen ihre Kunden nur dann in den Mittelpunkt, wenn sie diese am Innovationsprozess teilhaben lassen. Nur dann können die Nutzer sicher sein, dass Novitäten entwickelt werden, die sie wirklich brauchen. Ein MVP und ein Pretotype sind zwei wichtige Werkzeuge, um Neues gemeinsam mit Kunden überhaupt zu entwickeln. Dank dieser Minimalentwürfe eines späteren Produkts ist es auch möglich, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Der Unterschied zwischen MVP und Pretotype ist deshalb wichtig, weil er sicherstellt, dass sich der spätere Nutzer zumindest zweimal in den Innovationsprozess einbringen konnte.

Vorlage Service Design

Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As Head of Innovation, he is responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

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