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LEAD Innovation Blog

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Datum: 10-Okt-2018

Wie sich der Möbelhandel auf das digitale Zeitalter einschwingt

 

War die Digitalisierung lange Zeit kein Thema für den stationären Möbelhandel, so hat sich das in den letzten Jahren rapide verändert. Treiber dieser Entwicklung ist das veränderte Verhalten des Kunden, der heute das Internet nicht nur als komfortable Informationsquelle nutzt, sondern auch zunehmend im Onlineshop seine Einkäufe tätigt. Eine umfassende Digitalstrategie, neue Geschäftsmodelle und zeitgemäße Marketingkanäle werden daher für den stationären Möbelhandel immer mehr zu einer Frage des Überlebens.

Online-Anbieter machen Druck

Derzeit entfallen in Österreich und Deutschland rund sieben Prozent des Gesamtumsatzes der Branche auf den Onlinehandel – Tendenz stark steigend. Laut Experten ist es daher nur eine Frage der Zeit, bis das Internetgeschäft dem stationären Möbelhaus den Rang abgelaufen hat.

Onlinehandel: Gesamtbedeutung bei Möbeln

So prognostiziert etwa das Handelsforschungsinstitut ECC im Thesenpapier „Digitalisierung im Möbelhandel: Umwälzende Veränderungen bis 2020“ einem Drittel der rund 30.000 deutschen Möbelgeschäfte bis 2020 die Schließung. Überleben würden laut Thesenpapier nur Möbelhändler mit einer umfassenden Digitalstrategie, deren Angebot sich konsequent an den Wünschen und Anforderungen der Konsumenten ausrichtet und für den Kunden das Beste aus dem stationären und digitalen Handel kombiniert. Denn das Bedürfnis nach Komfort (bequemes Auswählen, enorme Angebotspalette, kein Schleppen) ist größer als die Vorbehalte von Konsumenten hinsichtlich des Internet-Einkaufens von Möbeln.

Case Study Geschäftsmodellinnovation

 

Diese Entwicklung bestätigt auch die E-Commerce-Studie Österreich 2017“. Die österreichischen Distanzhandelsausgaben erreichen mit 7,6 Mrd. Euro einen absoluten Rekordwert. 530 Mio. Euro entfallen auf den Mobile-Commerce (Smartphone-Shopping), was einem Zuwachs von 25 Prozent entspricht. 21 Prozent der Österreicher kaufen bereits direkt via Smartphone ein und 42 Prozent nutzen es für Produktrecherchen im Internet. Zwischen 2012 und 2017 hat sich die Zahl der Smartphone-Shopper versechsfacht.

E Commerce Studie 

Quelle: E-Commerce Studie Österreich 2017, KMU-Forschung Austria & Handelsverband

 

Das Handy entwickelt sich immer mehr zum besten Freund des Händlers. Vor allem die jüngeren Konsumentengruppen sind dem Smartphone-Shopping gegenüber aufgeschlossen.

„Die steigenden Käuferzahlen sind hauptsächlich auf junge Konsumentengruppen zurückzuführen. Den größten Sprung beim Smartphone-Shopping hat im aktuellen Analysezeitraum die Alterskohorte 30-39 Jahre gemacht – von 24 Prozent in der Vorjahresperiode auf nunmehr 33 Prozent. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die nächstältere Konsumentenkohorte nachzieht“, so Studienleiter Dr. Ernst Gittenberger von der KMU Forschung Austria.

Eine der größten Herausforderungen des Möbelhandels liegt somit im „Mobile Shift“: Immer mehr Menschen suchen auf Smartphone oder Tablet nach passenden Möbelstücken oder Einrichtungs-Gegenständen. Entscheidungen werden schon getroffen, bevor das Möbelgeschäft aufgesucht wird, sofern nicht gleich die Bestellung im Internet erfolgt. Mobile, attraktiv gestaltete Websites, Multi-Channel Strategien und attraktive digitale Marketingkonzepte gewinnen zunehmend an Bedeutung.

 

Augmented Reality als Game Changer im Möbelhandel

Zukünftig wird es für Möbelhändler entscheidend sein, dem Konsumenten an jedem Touchpoint seiner Customer Journey einen Mehrwert zu bieten. Händler müssen dort sein, wo der Kunde ist, also auch in dessen Zuhause, wo er sich Informationen und Inspirationen holt. Mithilfe von Augmented-Reality (AR) wollen Möbelhändler diesem Anspruch nun gerecht werden.

Der Kunde lädt sich einfach eine App auf sein Smartphone oder Tablet und kann dann durch die Kamera die Umgebung betrachten, in der die neuen Möbelstücke platziert werden sollen. Auf dem Bildschirm fügt er dann virtuelle Objekte wie Tische, Stühle oder Regale ein und kann sofort sehen, wie das Möbelstück in den eigenen vier Wänden wirkt. Der Konsument kann somit bequem von zuhause aus des passende Möbelstück auswählen und der Möbelhändler erspart sich kostspielige Retouren. Laut Experten werden langfristig gesehen Augmented Reality Anwendungen dieser Art den Möbelkauf grundlegend verändern.

Als einer der ersten in der Branch begann IKEA bereits vor einigen Jahren mit Augmented Reality-Anwendungen zu experimentieren. Im September dieses Jahres hat das Unternehmen nun die neue App „Ikea Place“ gelauncht.  Mit einer Präzision von 98 Prozent sollen sich die Möbel dank der neuen Technik platzieren lassen. Die Nutzer können die virtuellen Möbel aber nicht nur zuhause abfotografieren und über soziale Netzwerke teilen, sondern auch direkt aus der App mit einem Klick kaufen. Die App werde daher auch bei künftigen Produktveröffentlichungen eine zentrale Rolle spielen, so Michael Valdsgaard, Leiter Digital Transformation bei IKEA Systems.

 

app ikea

 

Aber auch kleinere Unternehmen nutzen die AR-Technologie. So basiert zum Beispiel das Geschäftsmodell des polnischen Regal-Start-ups Tylko auf AR. Kunden können über eine App Regale individuell zusammenstellen und bestellen. Dafür braucht es zum Abmessen nicht einmal ein Maßband, sondern lediglich ein DIN-A4-Blatt, das als Vergleichsfläche auf den Boden gelegt wird.

 

Click & Collect gewinnt an Bedeutung

Immer mehr Österreicher kaufen Produkte online und holen die bestellten Waren dann direkt im stationären Geschäft ab. Die Click & Collect-Funktion wird daher mittlerweile auch auf vielen Händler-Webseiten als ergänzende Option angeboten, so etwa bei IKEA, Mömax, Butlers oder DEPOT. Wesentliche Vorteile für die Kunden bestehen im Entfall von Versandkosten sowie flexiblen Abholmöglichkeiten.

 

Showrooms – Inszenierung der Wohnwelten

Viele Kunden gehen immer noch gerne im Geschäft einkaufen, denn der Bildschirm kann das Bedürfnis nach dem haptischen Erleben der Möbel und eine persönliche Beratung nicht ersetzen. Der stationäre Handel muss Verkaufserlebnisse schaffen, um Online-Anbietern Paroli zu bieten und die Kundenbindung zu stärken.

Einer der Vorreiter bei der Inszenierung von Wohnwelten ist der deutsche Möbelhändler MACO Möbel. Das Unternehmen setzt auf eine außergewöhnlich gestaltete Möbelausstellung und fachkundige Beratung. Inspiration und Planung erfolgt auf großen Touchscreens und Beamer projizieren Wohnlandschaften oder Küchen lebensecht als 3D-Animationen. Kunden haben damit einen lebensgroßen, räumlichen Eindruck der geplanten Einrichtung und besitzen die Möglichkeit, interaktiv in die Planung einzugreifen. 

„Wir müssen uns der Möglichkeit, Atmosphäre zu verkaufen, bewusst sein und nutzen. Denn die meisten Kunden kaufen, nicht weil sie etwas brauchen, sondern weil sie etwas wollen“, so Matthias Utermark, Prokurist MACO.

maco möbel.png

MACO Möbel - Virtueller Rundgang durch das Möbelhaus

 

Das Konzept des Showrooms wird aber auch von Online-Anbietern aufgegriffen. Denn das Möbel Business stellt reine Online-Shops vor große Herausforderungen. Nicht nur die Möglichkeit des haptischen Erlebens der Möbel, sondern vor allem die schwierige Logistik bis hin zur Gestaltung der Retourenproblematik ist problematisch. Aus diesen Überlegungen heraus hat beispielsweise die ursprünglich reine Online-Möbelmarke „Fashion For Home“ inzwischen sieben Showrooms eröffnet.

 

Digitale Technologien am POS

Die Möbelbranche bietet ein ideales Experimentierfeld für eine verbesserte Kundenerfahrung mittels digitaler Medien. Grundsätzlich lassen sich nicht-interaktive Medien (z.B. digitale Plakate) und interaktive Medien (z.B. Digital Walls, Terminals) zur Information und Beratung der Kunden unterscheiden. Welche Mehrwerte Beacons, Einkaufs-Apps und Apple Watch für die Servicequalität eines Einrichtungshauses bieten können, zeigt etwa das Technologie-Start-up Store Analytics. Mit dem Store Analytics Assist hat der Kunde zu jeder Zeit die Möglichkeit, eine Beratung in der gewünschten Abteilung anzufordern.

 

Influencer Marketing als neue Form der Kooperation

Neben moderner Website, Social-Media-Aktivitäten, Imagefilmen und Testimonials entdeckt der Möbelhandel zunehmend Influencer für seine Marketingaktivitäten im Netz. Eine effektive Strategie, orientiert sich doch mittlerweile eine bedeutende Anzahl von Menschen bei ihren Kaufentscheidungen an Bloggern und Influencern. Vertiefende Informationen zu diesem Thema finden Sie im Retail Report Möbelhandel 2018.

 

Fazit: Wie sich der Möbelhandel auf das digitale Zeitalter einschwingt

Die digitale Transformation ist derzeit mit Abstand die größte Herausforderung für den stationären Möbelhandel, bietet jedoch auch viele Chancen. Letztlich zeigen die Kunden, wie sie sich das optimale Einkaufserlebnis wünschen: Durchgängig und jenseits der Kategorien online, offline, mobile. Für die Kunden von morgen gibt es keine Trennung mehr zwischen realer und digitaler Welt. Je eher ein stationäres Möbelhaus dahingehend modernisiert, desto besser wird es für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sein.

„Das Internet ist wie eine Welle: Entweder man lernt, auf ihr zu schwimmen, oder man geht unter.“ Bill Gates

Innovations-Check

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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