<img height="1" width="1" style="display:none;" alt="" src="https://dc.ads.linkedin.com/collect/?pid=1007900&amp;fmt=gif">
de | en

LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 13-Sep-2018

Geschäftsmodellinnovation: Hindernisse und Erfolgsfaktoren

 

Erfolgreiche Unternehmen haben sich seit jeher grundlegend geändert, um erfolgreich zu bleiben - starre Unternehmen sind gescheitert. Welche Barrieren Geschäftsmodellinnovation verhindern und welche Faktoren zum Erfolg führen, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag. 

Mentale Barrieren verhindern Geschäftsmodellinnovation

Innovative Produkte alleine sind heute kein Garant mehr für das Überleben eines Unternehmens. Deutlich zeigt dies der Niedergang ehemals sehr erfolgreicher Firmen wie Kodak, Brockhaus, AEG, Grundig, Agfa, Quelle oder Triumph. Nicht das Fehlen innovativer Produkte war die Ursache dieser Entwicklung, sondern die versäumte Anpassung des Geschäftsmodells an sich verändernde Rahmenbedingungen. 

Kodak beispielsweise erkannte das Potential der digitalen Fotografie bereits sehr früh und initiierte in den 90er Jahren eine Kooperation mit Microsoft, um dieses neue Geschäftsfeld zu erobern. Die Umstellung auf digitale Fotografie wurde jedoch sehr halbherzig betrieben. Als die ersten Digitalkameras 1999 auf den Markt gebracht wurden, ging Kodak davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren der Marktanteil für Digitalkameras fünf Prozent ausmachen würde. Im Jahr 2009 zeigte die Realität allerdings das genau umgekehrte Bild: Nur mehr fünf Prozent des Marktanteils verblieb für analoge Kameras. Als Kodak diesen Irrtum erkannte, war es allerdings bereits zu spät, das sinkende Schiff durch Umstellung auf ein neues Geschäftsmodell zu retten.

Case Study Geschäftsmodellinnovation

Untersucht man die Hintergründe des Scheiterns etablierter Unternehmen, zeigen sich häufig mentale Barrieren, die den Weg zu innovativen Ideen und Geschäftsmodellen blockieren. Das Denken außerhalb gewohnter Bahnen fällt nicht leicht. Zum einen sehen viele Manager nicht ein, weshalb sie die Komfortzone verlassen sollten, solange Profite gemacht werden. Zum anderen ist häufig das „Not invented here Syndrom“ zu beobachten, das externes Wissen rundum ablehnt. 

Laut einer Studie von Costas Markides (2000) sind vor allem nachfolgende Faktoren für das Scheitern von Durchbruchsinnovationen verantwortlich:

  • Unflexible Unternehmenskulturen und fehlende Bereitschaft ein „Erfolgsrezept“ zu verändern
  • Starre Prozesse, Strukturen und Unternehmensnormen
  • Nicht hinterfragte Überzeugungen und die „heiligen Kühe“ des Unternehmens
  • Unreflektiertes Festhalten an Prozessen, Gewohnheiten und Werten
  • Konservatismus und die Angst vor Gewinneinbußen
  • Eigeninteressen und politische Machtspiele
  • Selbstzufriedenheit und Selbstgefälligkeit
  • Übersteigertes Selbstvertrauen und Arroganz des Managements
  • Blindes Vertrauen in erfolgreiche Strategien der Vergangenheit
  • Passives, unkritisches Denken und Ablehnung von Ideen, die in Konflikt mit der gegenwärtigen Sichtweise stehen. 

 

Erfolgsfaktoren auf dem Weg zum neuen Geschäftsmodell 

Bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle geht es insbesondere darum, Denkmuster und daraus resultierende Barrieren durch eine systematische und strukturierte Herangehensweise zu überwinden. Dazu notwendig sind insbesondere ein klar definierter und schlanker Innovationsprozess, eine innovationsfördernde Unternehmenskultur sowie das Commitment des Top-Managements.

 

Geschäftsmodellinnovation muss auf mehreren Ebenen ansetzen 

Brockhaus hat den Trend zur Digitalisierung zwar vorhergesehen und eine CD und App herausgebracht. Die Kosten der digitalen Brockhaus-Version beliefen sich allerdings immer noch auf etwa 1.000 Euro, da weiterhin Redakteure beschäftigt werden mussten, um die Inhalte zu recherchieren. Anstatt das gesamte Geschäftsmodell zu drehen, veränderte Brockhaus lediglich das Produkt. Weitere Ebenen im Sinne des 4-Dimensionenkonzepts wie z.B. „Wie stelle ich den Content zur Verfügung“ oder „Wie verdiene ich Geld“ wurden nicht berücksichtigt. In weiterer Folge wurde Brockhaus von Wikipedia als meist genutzes Nachschlagewerk abgelöst. Geschäftsmodellinnovation erfordert daher immer eine Veränderung von mehreren Faktoren bzw. Dimensionen, ein neues Produkt alleine reicht nicht aus.

  

Interdisziplinäre, funktionsübergreifende Teams

Aufgeschlossene, innovativ denkende Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen sollten in den Innovationsprozess einbezogen werden. Outsiders wie z.B. LEAD User als Teil des Teams unterstützen dabei, Denkbarrieren zu überwinden und neue Impulse in das Unternehmen zu tragen.

 

Überwindung der dominierenden Unternehmenslogik

Denkweisen wie „Das war schon immer so“ können neue Geschäftsmodelle verhindern. Ein Beispiel ist das Unternehmen Würth, das MarkenSchrauben in sein Sortiment aufnehmen wollte und entsprechende Anfragen an Schraubenhersteller stellte. Keiner der Hersteller war bereit für Würth zu produzieren, da diese die Marge für sich behalten wollten. Würth entwickelte daraufhin eine eigene Schraubenmarke, die mittlerweile qualitativ über den Produkten der Premium-Hersteller steht und somit eine starke Konkurrenz darstellt. Eine Kooperation mit Würth wäre für die Premium-Hersteller aus heutiger Sicht sehr sinnvoll gewesen. Eine beliebte Methode in der Startphase der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells ist daher z.B. die Grabrede. Die Frage an die Teammitglieder „Warum ist das Unternehmen gestorben“ unterstützt dabei, die Vergangenheit zu überwinden und Raum für innovative Ideen zu schaffen.

 

Nutzung strukturierter Methoden

Geschäftsmodellinnovaiton an sich ist nichts Neues. Neu ist jedoch die Sichtweise, dass neue Geschäftsmodelle bewusst und strukturiert entwickelt werden können und sollen.

Systematische Methoden in der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells, wie z.B. Business Model Pattern Cards, Arbeiten mit Analogien, Lean Innovation und Prototype Testing sind unerlässlich für einen erfolgreichen Innovationsprozess. Mehr dazu in unserem Blogbeitrag „Geschäftsmodellinnovation: Welche Methode ist die Richtige?

  

Integration des Kunden

Discovery Driven Learning druch die frühe Einbeziehung von Kunden durch Kundengespräche, das Testen von Prototypen und das Arbeiten mit Customer Experience Design wird vor dem Hintergrund einer befürchteten Ressourcenknappheit hinsichtlich Mitarbeiter, Budget und Zeit ein immer wichtigeres Thema. Nach dem Motto „Ein Prototyp sagt mehr als 1000 Worte“ ist die Einbeziehung des Kunden bei der Entscheidung für oder gegen eine Idee als einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren eines neuen Geschäftsmodells zu sehen. Das Risiko wird minimiert, wertvolle Ressourcen können gespart und gewinnbringend an anderer Stelle eingesetzt werden.

 

Brancheninterner und branchenübergreifender Austausch

Unternehmen, die sich ständig im intensiven Ideenaustausch mit Unternehmen der gleichen Branche befinden, haben spürbar bessere Chancen auf erfolgreiche Innovationen. Auch mit Unternehmen anderer Branchen sowie mit Universitäten und Instituten lohnt sich ein regelmäßiger Austausch von Ideen. Darüber hinaus können diese Partner auch in der Umsetzung und Kontrolle von Innovationen den Erfolg steigern.

  

Innovationskultur im Unternehmen

Die Unternehmenskultur ist entscheidend für die Innovationsfähigkeit und -kraft eines Unternehmens. Zwar wird von den meisten Unternehmen Innovation als zentraler Erfolgsfaktor gesehen, wenn es jedoch um die Umsetzung geht, treten viele auf die Bremse.

Dies zeigt auch die Studie „Erfolgsfaktor Innovationskultur“, in der 200 Innovations- und Topmanager zur Innovationskultur jenseits der Hochglanzbroschüren befragt wurden. Die Befragung ergab unter anderem: Nur in jedem dritten Unternehmen ist Innovation ein Teil des täglichen Tuns. 70 Prozent belassen es bei Ankündigungen oder gehen Innovationen halbherzig nach. Und mehr als 80 Prozent der Unternehmen lähmen sich und ihre Mitarbeiter durch lange Entscheidungswege. Eine wirkliche Macherkultur hingegen - also ein Umfeld, das kreativen Köpfen zwar einen Rahmen vorgibt, sie aber ansonsten machen lässt - existiert nicht einmal in jedem sechsten Unternehmen. Und in drei von vier Unternehmen wird Innovation nur so lange gefördert, wie sie nichts kostet. Innovationsbudgets, mit denen Mitarbeiter überzeugende Ideen rasch umsetzen können, gibt es gerade mal in jedem vierten Unternehmen. 

Die Integration einer effizienten Innovationskultur, die vom Top-Management getragen ist, stellt daher einen wesentlichen Faktor für die erfolgreiche Umsetzung von Innovationsprojekten dar. Es bedarf einer Kultur der Offenheit, die auch die „heiligen Kühe“ des Unternehmens in Frage stellen darf und bei der Fehler erlaubt sind, um schneller zu lernen. Schwerfällige Innovationsprozesse und tradiertes Managementdenken eignen sich für stabile Zeiten, nicht aber für Zeiten des schnellen Wandels. Mehr zum Thema Innovationskultur erfahren Sie in unserem Blog „Positive Innovationskultur schaffen: wie geht das?

 

Fazit: Balance zwischen externem Wissen und interner Organisation

Geschäftsmodellinnovation ist kein Zufallsprodukt, sondern durch einen systematisch geführten Innovationsprozess zu erreichen. In Anbetracht der oftmals schwierig zu durchbrechenden Denkbarrieren muss ein erfolgreicher Ansatz zur Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle eine Balance schaffen zwischen der Integration von externem Wissen und der Schaffung von innovationsfördernden Rahmenbedingungen und Prozessen innerhalb des Unternehmens.

 

Man muss ein Unternehmen so organisieren, dass die Struktur eine möglichst hohe Zahl von Experimenten zur gleichen Zeit zulässt.“ Amazon-Gründer Jeff Bezos

 

New Call-to-action

Franz Emprechtinger

Born in Ried im Innkreis. As former Head of Innovation, he was responsible for the entire project management and specializes in the areas of fuzzy front end and business model innovation.

Sie möchten mit uns arbeiten?

Gerne beraten wir Sie über eine mögliche Zusammenarbeit, um auch Ihr Innovationsmanagement zukunftssicher zu gestalten.

jetzt kontaktieren