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LEAD Innovation Blog

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Datum: 21-Feb-2019
Thema: Automotive

Wie Augmented Reality für die Autobranche mehrfach Mehrwert generiert

 

Augmented Reality (AR) verbindet Realität mit digitalen Inhalten. Freilich kann die Technologie weit mehr, als Smartphone-User wie bei Pokémon Go auf virtuelle Monsterjagd schicken. In der Automobilindustrie sorgt AR in nahezu jedem Bereich für mehr Effizienz und neue Möglichkeiten. Welche das genau sind, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

Die durch Displays oder spezielle Brillen sichtbare "erweiterte Realität" ist keine völlig neue Technologie. Brachte doch das Salzburger Startup Wikitude bereits 2008 seine erste AR-App für das Handy auf den Markt. Einer breiteren Masse bekannt wurde Augmented Reality erst durch das Spiel Pokémon Go im Jahr 2016. Das Game brachte auch erwachsene Menschen dazu, mit starr auf das Smartphonedisplay gerichtetem Blick durch die Straßen zu torkeln, um virtuelle Monster zu jagen. Mancherorts kam aufgrund des massenhaften Andrangs von Spielern das öffentliche Leben zum Erliegen. So sah sich etwa der Düsseldorfer Oberbürgermeister im Sommer 2016 dazu gezwungen, die Giradet-Brücke für den Autoverkehr zu sperren.

 

Autokonstrukteure sind Vorreiter bei AR-Anwendung

Dies ist allerdings nur eines von ganz wenigen Beispielen, bei dem sich Augmented Reality oder Virtual Reality (VR) als Hürde für Autos erwiesen hat. Denn die Technologie ist vielmehr das genaue Gegenteil davon. Sie bietet gerade den Automobilkonstrukteuren in fast allen Bereichen vielversprechende Chancen, ihr Business effizienter und kostengünstiger zu machen. Diese nutzt der automotive Bereich auch bereits intensiv und gilt  zumindest in Deutschland als jene Branche, die mit der Digitalisierung ihrer Prozesse bereits am weitesten fortgeschritten ist. So verriet schon 2011 der Leiter Engineering IT bei der Daimler AG, Prof. Alfred Katzenbach, dem Virtual Reality Magazin:  "Wir verwenden also VR-Lösungen in der gesamten Prozesskette vom Design über die Konstruktion, die Simulation und die Darstellung der Berechnungsergebnisse, die Ergonomie, die Produktion bis hin zu Sales und Marketing."

 

Innovations-Check

 

In diesen 7 Bereichen setzt die Autoindustrie AR ein

Typischerweise lassen sich AR und die dazugehörige Hardware wie etwa Datenbrillen oder auch Tablets und Smartphones in folgenden Bereichen der Autoindustrie einsetzen:

 

1) Entwicklung von neuen Produkten

Die Fähigkeit, Realität mit digitalen Inhalten zu verbinden, macht gerade im Automobilbau das Entwerfen von neuen Modellen um vieles einfacher. Denn mit AR ist es nicht mehr notwendig, neue Modelle bzw. Varianten davon von Hand zu fertigen. Mit AR ist es möglich, verschiedene Designs, Formen und Farben darzustellen. Bei Mercedes können Ingenieure etwa verschiedene Motorvarianten in ein Chassis mittels AR virtuell einbauen. Diese Simulation zeigt, ob ein noch zu konstruierender Motor auch in den Motorraum eines bereits existierenden Autos passt. Dies spart Zeit und Entwicklungskosten.

 

2) Planen von Produktionsanlagen

Bei der Planung von Produktionskapazitäten lässt sich durch AR viel Zeit und Geld sparen. Denn mithilfe der erweiterten Realität können neue Maschinen aber auch Gebäude in bereits bestehende Werkshallen eingeblendet werden. Auch Materialflüsse und der Produktionsabläufe lassen sich so virtuell in vier Dimensionen simulieren und optimieren- und zwar remote. Dies bedeutet etwa, dass Experten nicht zu einem bestehenden Werk reisen müssen, um deren Erweiterung zu planen. Sie können dies mittels AR von ihrem Arbeitsplatz aus tun und andere Experten bei Bedarf hinzuziehen.

 

3) Exakter und besser produzieren

Beim Fertigen geht es darum, hunderte oder tausende einzelne Bauteile in einer präzise abgestimmten Reihenfolge richtig und so schnell wie möglich zusammenzusetzen. Für jedes neue Produkt ist eine neue Montageanleitung notwendig, die in der Regel als statisches Dokument oder PDF-Datei vorliegt. Die Montagearbeiter müssen also diese Dokumente bei der Produktion genau durcharbeiten. Mittels AR lassen sich die Anleitungen auf Displays oder auf Datenbrillen projizieren und der User kann diese freihändig und sprachbasiert steuern. AR fungiert damit sozusagen als "dritte" Hand. Oder aber das System ist so aufgebaut, dass es kontextbezogen dem User den nächsten Arbeitsschritt anzeigt. BMW nutzt AR etwa beim Bolzenschweißen für den Bau von Prototypen: Das Schweißgerät ist dabei mit Infrarot-LEDs ausgestattet und wird mit einem optischen Trackingsystem verfolgt. Die AR-Visualisierung führt den Mitarbeiter zum Zielpunkt und dieser kann das Schweißen so viel schneller erledigen.

 

4) Verbesserung und Sicherung der Qualität

Weil AR einzelne Produktionsschritte, Arbeitsabläufe oder Tutorials nicht nur multimedial sondern auch kontextbezogen darstellen kann, lassen sich neue Mitarbeiter schneller einschulen als mit der herkömmlichen, dokumentenbasierten Methode. In der Belegschaft vorhandenes Wissen lässt sich mittels Telepräsenz sehr leicht verteilen: So kann ein Mitarbeiter dem anderen bei der Behebung eines Problems helfen, ohne vor Ort zu sein. Mittels AR haben beide das Problem vor Augen. Der eine, weil er direkt vor dem Werkstück sitzt oder steht und der andere, weil er das gleiche Bild über die Datenbrille des Kollegen auf einem Screen angezeigt bekommt. Der Helfer kann nun konkrete Anleitungen und Zusatzinformationen in die Datenbrille des Kollegen vor Ort projizieren und ihn so virtuell an die Hand nehmen.

Weil sich mittels AR aber auch Fertigungsprozess bzw. Abweichungen tracken lassen, sind Fehler viel schneller sicht- und damit auch behebbar. Dies macht die Qualitätssicherung um vieles effektiver.

 

5) Einfachere Wartung und schnelleres After-Sale-Service

Wie schon zuvor beschrieben, macht AR einzelne Arbeitsschritte einfacher, weil es kontextbezogene Anleitungen bieten kann. Einfache Arbeiten, wie etwa einen Ölwechsel, könnte der PKW-Nutzer dann selbst durchführen und muss dafür nicht mehr in die Werkstatt fahren. Doch auch in der Werkstatt kann AR den Mechanikern eine wertvolle Hilfe sein: Der Mitarbeiter richtet die Kamera eines Tablets auf den Motor und defekte Teile werden in einer Farbe markiert. Gleichzeitig sind auch die Nummern der zu tauschenden Teile auf dem Bildschirm angezeigt. Sind diese dann verfügbar, hilft AR dem Mechaniker beim Einbau, indem das Display kontextbezogen Einbauhinweise anzeigt. Insgesamt macht AR also Service und Wartung einfacher und schneller.

 

6) Individualisierung des Cockpits

Im fertigen Produkt Auto kann AR für völlig neue Features sorgen. Freilich: Der Einsatz von Displays als Anzeigefläche ist begrenzt und der Einsatz von Smartphone und Datenbrille tabu. Schließlich soll der Fahrer noch freie Sicht auf das Verkehrsgeschehen vor ihm haben. Headup-Displays lösen diesen Problem bereits heute: Sie projizieren wichtige Informationen zur Fahrt direkt auf die Windschutzscheibe. Das Schweizer Startup Wayray wiederum zaubert ein holographisches Navi vor die Augen des Fahrers. Welche Informationen der Fahrer direkt vor sich sieht, kann er freilich zuvor selbst bestimmen. Mit der Weiterentwicklung von Smart Glass lassen sich die Möglichkeiten von AR im PKW-Cockpit freilich noch erheblich erweitern. Man darf gespannt sein, was sich die Autokonstrukteure zum Thema virtual Windscreen noch alles einfallen lassen werden.

 

7) AR bringt mehr Emotionen in die Autowerbung

Die erweiterte Realität bereichert nicht nur die Produktion von Automobilien, sie bereichert auch deren Vermarktung erheblich. Denn das "Erlebnis Auto" lässt sich mithilfe der erweiterten Realität viel direkter an den Kunden transportieren. Ein simpler QR- oder Bar-Code im gedruckten Prospekt lässt das dort beworbene Modell direkt auf dem Smartphone- oder Handydisplay erscheinen. Der Kunde kann sich dann durch alle möglichen Ausstattungsvarianten und Farben virtuelle durchwühlen. Eine einfache VR-Brille, die durchaus auch aus Pappkarton sein kann, versetzt den Interessenten dann in eine virtuelle Probefahrt mit dem gewünschten Modell. Bei dieser Spritztour informiert ein Sprecher sowie eingeblendete Informationen den User über die Features und Vorteile des speziellen Modells. Mercedes Benz etwa bediente sich zur Markteinführung der neuen A-Klasse einer 3D-Augmented-Reality-App und eines Virtual-Reality-Set mit Datenbrille, um den digitalen Vertrieb zu stärken.

 

Fazit: Wie Augmented Reality für die Autobranche mehrfach Mehrwert generiert

Strenggenommen macht Augmented Reality Menschen zu Cyborgs. Das klingt zwar ein wenig dick aufgetragen, entspricht aber den Tatsachen: Denn die Technologie erlaubt es, mehr als bloß die pure Realität im Blickfeld zu haben. Diese Erweiterung der menschlichen Fähigkeiten durch Unterstützung von Maschinen, die für die Darstellung von zusätzlichen Informationen sorgen, macht sich in vielerlei Bereichen bezahlt. Die Autoindustrie ist jene Branche, die sich als eine der ersten die vielfältigen neuen Möglichkeiten zunutze macht. Die höhere Effizienz, bessere und individuellere Produkte und neue Möglichkeiten bei der Kundenansprache sind Vorteile, von der die Branche bereits jetzt profitiert. Spannend bleibt, welche neuen Perspektiven AR der Autoindustrie noch eröffnet.

Innovations-Check

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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