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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 27-Nov-2018
Thema: Scrum

Agilität: Definition und Bedeutung für das Innovationsmanagement

 

Was versteht man in der Praxis eigentlich unter dem Begriff Agilität und wie wird Agilität im Innovationsmanagement eingesetzt? Diese Fragen beantworten wir Ihnen in diesem Beitrag.

 

Agilität: Herkunft und Entwicklung

Das Konzept der Agilität existiert bereits seit den 1950er-Jahren in der Systemtheorie von Organisationen. Das sogenannte AGIL-Schema wurde vom Soziologen Talcott Parsons entwickelt und basiert auf vier Funktionen, die jedes System erfüllen muss, um seine Existenz zu erhalten:

 

  • Adaptation (Anpassung): Fähigkeit, auf veränderte äußere Bedingungen zu reagieren.
  • Goal Attainment (Zielverfolgung):Fähigkeit, Ziele zu definieren und zu verfolgen.
  • Integration (Eingliederung): Fähigkeit, die verschiedenen Elemente eines Systems zu verknüpfen (Kohäsion) und den Zusammenhalt sicherzustellen (Inklusion).
  • Latency (Aufrechterhaltung): Fähigkeit, grundlegende Strukturen und Wertmuster aufrechtzuerhalten.

 

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In den 90er-Jahren fand das Konzept in adaptierter Form zunehmend Anwendung im Produktionsbereich und erfährt heute mit Industrie 4.0 einen weiteren Bedeutungszuwachs. Im Fokus des Agile Manufacturing stehen vor allem schnelle Produktentwicklung (Simultaneous Engineering), multi-funktionale Teams und die laufende Optimierung der Produktionsabläufe während des Prozesses.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts findet sich das Konzept mit Methoden wie z.B. Scrum auch in der Softwareentwicklung wieder. Das sogenannte „Manifest für agile Softwareentwicklung“ bietet eine Handlungsorientierung und legt Prinzipien fest, wie die agile Entwicklung von Software gestaltet werden sollte, um die damit postulierten Vorteile zu generieren.  

Die aktuellen Trends in der Businesswelt und die damit verbundenen Herausforderungen machen das Konzept der Agilität nun auch verstärkt für den organisationalen Bereich interessant. Unternehmen orientieren sich zunehmend am Prinzip der organisationalen Agilität. Im Fokus stehen dabei nicht mehr nur Produktion und Software, sondern auch die Transformation von Unternehmensbereichen oder sogar ganzen Unternehmen in Richtung Agilität.

 

Die drei zentralen Aspekte von Agilität

Der Begriff Agilität wird in der Literatur und im beruflichen Kontext häufig uneinheitlich gebraucht. Fokussiert man auf die aktuelle Praxis, kristallisieren sich drei wesentliche Aspekte heraus, die Agilität definieren:

1. Schnelle Anpassungsfähigkeit: Unternehmen reagieren rasch und dynamisch auf Veränderungen und sind in der Lage, Prozesse schnell anzupassen, um aufkommende Marktpotenziale ohne Verzögerungen auszuschöpfen. Sie agieren dabei nicht reaktiv, sondern proaktiv, antizipativ und initiativ, um notwendige Anpassungen durchzuführen. Der Austausch mit und das Lernen von Geschäftspartnern fördert die rasche Reaktion auf Marktveränderungen.

2. Kundenzentriertheit: Verstärkte Kollaboration mit dem Kunden ermöglicht es Unternehmen, schnell und antizipativ auf Kundenwünsche zu reagieren sowie Kundenreaktionen und -stimmen rasch in Marktwissen zu transformieren. Das agile Vorgehen ist dabei vor allem gekennzeichnet von kurzen Zyklen und Iterationen, das Vorwärtsgehen in kleinen Schritten und die Möglichkeit punktuell und schnell auf Kundenwünsche zu reagieren.

3. Agile Haltung: Ein „agiles Mindset“ in Unternehmen führt zu veränderten Verhaltens- und Arbeitsweisen der Organisationsmitglieder. Agile Führung beispielsweise beinhaltet ein mitarbeiterzentriertes Führungsverständnis, ist weniger hierarchisch, bedeutet jedoch nicht weniger Führung. Agile Personal- und Führungsinstrumente schaffen gemeinsam mit einer agilen Unternehmenskultur die Rahmenbedingungen für zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten, welches zunehmend in Netzwerken und auf digitalen Plattformen stattfindet. Unternehmen setzen außerdem auf agile Arbeitsmethoden wie Scrum und Design Thinking, um schneller zu innovativen Lösungen zu kommen.

Agilität kann somit als eine hohe Form der Anpassungsfähigkeit in Hinblick auf Marktveränderungen und Kundenbedürfnisse verstanden werden, die von einer flexiblen agilen Organisationsstruktur getragen wird.

 

Agilität und Innovationsmanagement

Agiles Innovationsmanagement bringt insbesondere dann Vorteile, wenn beispielsweise weniger planbare Phasen im Innovationsprozess wie etwa die Konzept- oder Prototypenentwicklung besondere Anpassungsfähigkeit verlangen und man schnell auf sich verändernde Kundenanforderungen und technologischen Wandel reagieren möchte.

Vor allem bei der Entwicklung von Geschäftsmodellinnovationen ist Agilität von großer Bedeutung, da hier die Komplexität und der Neuheitsgrad sehr hoch, die Planbarkeit hingegen gering ist. Agile Methoden eignen sich darüber hinaus für Durchbruchsinnovationen und zur Eroberung von neuen Märkten bzw. Branchen.

Für eine konsequente Ausrichtung des Innovationsmanagements an agilen Prinzipien sind insbesondere nachfolgende Aspekte von hoher Relevanz:

  • Offenheit:
    Agiles Arbeiten bedeutet, starre Prozesse durch flexible iterative Schleifen und überschaubare Teilaufgaben zu ergänzen bzw. zu ersetzen. Das ist allerdings nur dann möglich, wenn Mitarbeiter und Teams selbstverantwortlich arbeiten können, um auf Veränderungen schnell zu reagieren. Dazu ist es wiederum erforderlich, offen mit z.B. Mitarbeitern anderer Abteilungen zu kommunizieren und die einzelnen Aufgaben transparent zu machen – anstatt sich hinter Geheimhaltung zu verstecken. Unternehmen können Innovationen daher schneller und effizienter umsetzen, wenn sie intern oder sogar extern auf eine offene, partizipative Weise damit umgehen.
  • Prototypen:Bei Software Produkten können nach dem Release Produktverbesserungen einfach mittels Updates durchgeführt werden. Bei physischen Produkten ist das nach ihrem Launch in der Regel kaum möglich. Dennoch kann man sich dieses Prinzip auch für die Entwicklung von Innovationen in der Produktentwicklung zunutze machen, indem man Prototypen erstellt. Nach dem Prinzip „Do it. Adapt it. Perfect it.“ bzw. „Build Measure Learn“ können Nutzer noch unfertige Versionen ausprobieren. Anhand des Feedbacks werden dann Verbesserungen vorgenommen, die das Produkt perfekt auf die Bedürfnisse der Kunden zuschneiden. Prototypen müssen auch nicht immer funktionierende Produktmuster sein, oft hilft auch ein Video oder eine Skizze bereits, um die Grundfunktionen des neuen Produkts zu erklären.
  • Zusammenarbeit: Bei agiler Innovation werden die Grenzen zwischen Teams und Abteilungen bzw. Hersteller und Nutzer aufgelöst. Im Mittelpunkt steht nicht Konkurrenz, sondern das gemeinsame Erreichen eines Ziels, von dem alle Beteiligten profitieren. Dabei geht es nicht nur um Kundenfeedback, sondern um Vernetzung und Wissensaustausch zwischen Unternehmen, Mitarbeitern, Stakeholdern und Kunden – also dem gesamten Ökosystem. Open Innovation Ansätze, Entwicklungskooperationen oder Inkubatorenprogramme, die sich branchenübergreifend etabliert haben, sind Ausdruck dieses Prinzips.
  • Anpassungsfähigkeit: Ein Projekt durchzuplanen und es dann strikt nach diesem Plan umzusetzen, ist in vielen Fällen nicht mehr der beste Weg zum Erfolg. Voraussetzungen ändern sich zu schnell und damit einhergehende neue Herausforderungen sind unvermeidlich. Bei einem agilen Innovationsansatz hingegen sind Adaptionen kein Problem. Denn es geht nicht mehr nur darum, auf veränderte Anforderungen von außen zu reagieren, sondern auf jeder Stufe des Innovationsprozesses anpassungsfähig zu sein und somit aktiv zu agieren. Mit flexiblen Innovationsprozessen und einer Unternehmenskultur, die Anpassungsfähigkeit fördert, können Unternehmen neuen Herausforderungen erfolgreich begegnen.

Wie sich agile Prinzipien in der Praxis umsetzen lassen, zeigt beispielsweise die deutsche Postbank. Mit Hilfe der Innovationsplattform „Postbank Ideenlabor“ erfolgt eine Öffnung entlang des gesamten Innovationsprozesses , die eine direkte Zusammenarbeit mit Externen an verschiedenen Stellen im Entwicklungsprozess ermöglicht. In Kollaborationsprojekten mit Kunden identifiziert das Unternehmen beispielsweise Bedürfnisse und Wünsche, die dann als Prototypen getestet werden können.

Ein anderes Beispiel ist der Weltkonzern Bayer, der eine interne Plattform geschaffen hat, über die Mitarbeiter aller Sparten und Länder auf einfache Art und Weise in Kontakt treten können, wenn Unterstützung bei Innovationen oder Forschungsprojekten gebraucht wird. Dadurch wird nicht nur das Gemeinschaftsgefühl und die Motivation zur Zusammenarbeit gestärkt, sondern auch das Potential von Synergien im Unternehmen genutzt.

 

Fazit: Agilität als höchste Form der Anpassungsfähigkeit 

Agilität ist der Schlüssel für Innovation und eine schnelle Anpassungsfähigkeit – sie wirkt bei Innovationsprozessen wie ein Katalysator. Mit dem Einsatz von agilen Methoden im Innovationsmanagement lassen sich Veränderungen bereits sehr früh antizipieren und erfolgreiche Produkte schneller und in hoher Qualität auf den Markt bringen. Agilität stellt somit einen essentiellen Faktor für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit und damit für das Überleben eines Unternehmens dar.

Agiles Innovationsmanagement

Tanja ESCHBERGER

Born in Lower Austria. At LEAD Innovation she works as Innovation Manager and focuses on agile innovation management via SCRUM.

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