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LEAD Innovation Blog

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Datum: 18-Apr-2019

Das Fuzzy Front-End des Innovationsprozesses

 

Das Front-End ist ein wichtiger Bestandteil eines erfolgreichen Innovationsprozesses. Das Front-End umfasst die frühen und vor allem kreativen Phasen im Innovationsprozess und liefert die Innovationskonzepte und Business Pläne für den Produktentwicklungs- und Umsetzungsprozess. Die Qualität der Arbeit im Front-End ist entscheidend für den Innovationserfolg, weil hier die Innovationschancen identifiziert, analysiert und erarbeitet werden.

 

Definition und Aufgaben im „Front-End des Innovationsprozesses“

Das Front-End ist der vordere Teil des Innovationsprozesses und deckt alle Schritte von der Strategie, über die Ideenfindung bis zum Business Plan ab. Es füttert den Produktentwicklungsprozess mit Innovationskonzepten als Basis für die Innovationsprojekte. Im Vergleich zu den anderen Phasen des Innovationsprozesses ist das Front End sehr kreativ und oft unstrukturiert.

Paper Innovationsprozess

Die Aufgaben und Phasen im Front-End des Innovationsprozesses sind

 

1. Innovationsstrategie

Ganz zu Beginn des Innovationsprozesses steht die Unternehmensstrategie. Sie liefert die Orientierung, was eine Organisation mit Innovation erreichen und bezwecken will. Konkret wird der strategische Beitrag von Innovationen definiert. Des Weiteren grenzt sie die Markt- und Technologiefelder ein, in denen innoviert werden möchte. Auf dieser Grundlage legt man die Innovationsstrategie fest, die die Leitplanken für alle Aufgaben im Front-End des Innovationsprozesses sind.

 

2. Corporate Foresight

Innovation erfordert einen visionären Weitblick in die Zukunft. Die Zukunft kann man zwar nicht vorhersagen, aber man kann sich vorbereiten und sie mitgestalten. Die Aufgabe im Corporate Foresight ist es, Trends zu suchen, Projektionen in die Zukunft zu machen, deren Auswirkung zu analysieren und Handlungsmöglichkeiten und Ideen abzuleiten. In Kombination mit der Innovationsstrategie ergeben sich daraus Suchfelder, die Themenfelder umreißen, in denen ein Unternehmen innovieren möchte und sollte. Methoden, die in dieser Phase zu Anwendung kommen, sind zum Beispiel die Analyse von Megatrends, Trend Scouting oder Szenariotechnik.

 

3. Roadmapping & Suchfelder

Auf Basis der Unternehmens- und Innovationsstrategie und des Corporate Foresights werden Suchfelder entwickelt. Suchfelder sind thematische Felder, in deren Rahmen eine Organisation Innovationen entwickeln möchte. Sie sind zum Beispiel auf Basis von Trends, Märkten, Kundenbedürfnissen, Technologien und Produkten. Die Suchfelder werden in dieser Phase auf ihre Attraktivität hin geprüft und auf einer Zeitachse, je nach Branche, mit den nächsten drei bis fünf Jahren geplant. Daraus ergibt sich dann die Innovation Roadmap, sie ist der Kern des strategischen Innovationsmanagements.

 

4. Ideensuche

Die Innovationsroadmap gibt Orientierung, wo nach Ideen gesucht werden soll, was der Zweck der nächsten Phase ist. Dieser Schritt ist wohl der kreativste aller Phasen. An allen möglichen Quellen wird nach Ideen geschürft:

  • Technologiescouting und -Analysen
  • Open Innovation zur Einbindung von Experten, Universitäten, Kunden, Nutzer, Erfinder, Forschungsinstituten etc. in die Ideenentwicklung
  • Analyse von Märkten
  • Analyse von Kundenbedürfnissen
  • LEAD User
  • Patent- und Literaturanalysen
  • Wettbewerbsbeobachtung
  • Big Data Analysen
  • Sammlung von Mitarbeiterideen
  • Gezielte Entwicklung von Ideen mit Innovationsmethoden wie zum Beispiel Blue Ocean, die LEAD User Methode, etc.

Alle gesammelten Ideen werden grob definiert und fließen in einen Ideenspeicher ein, wo die weitere Bearbeitung erfolgt. Ziel in dieser Phase ist es, den Trichter möglichst weit auf zu machen und so viele Ideen wie möglich zu sammeln und zu entwickeln.

 

5. Ideenbewertung & Auswahl

Die Herausforderung liegt nun in der Ideenbewertungsphase. Das Ziel der Ideensuche war es, möglichst viele Ideen zu sammeln. Doch jede gesammelte Idee bindet auch Ressourcen in der Ideenbewertung. Daher geht es darum, mit Geschick und relativ wenig Ressourcen die besten Ideen herauszufiltern. Hier ist gute Methodik gefragt, dass erstens nicht zu viel Zeit verloren geht, dass zweitens schlechte Ideen möglichst schnell ausgefiltert werden, damit sie keine Ressourcen mehr binden und dass drittens gute Ideen nicht durch das Raster fallen und verloren gehen. Methodisch empfiehlt sich hier am Beginn eine Grobselektion. Die ausgefilterten Ideen werden qualitativ durch Expertenmeinungen bewertet und quantitativ mit Kriterien und Werten evaluiert, damit man eine Priorisierung erhält. Die hier identifizierten Top Ideen gehen dann in die Detailbewertung, wo über deren Freigabe und die nächsten Schritte entschieden wird. Somit ist das Ziel dieser Phase, die erfolgversprechendsten Ideen herauszuholen, die in die nächste Phase wandern.

 

6. Innovationskonzept

In der letzten Phase des Front-Ends werden von den ausgewählten Top Ideen Innovationskonzepte oder Business Pläne entwickelt. Diese Phase ist pro Idee sehr intensiv, denn es werden schon Märkte, Kundenbedürfnisse, Anforderungen, Machbarkeit, etc. analysiert. In dieser Phase werden sehr viele Informationen zur Idee gesammelt und analysiert. Damit kann sich diese entweder noch sehr stark in eine andere Richtung verändern oder sie kann auch nochmals gestoppt werden, wenn sich abzeichnet, dass die Potentiale oder die Machbarkeit nicht gegeben sind. Der Output dieser Phase sind sehr viele Erkenntnisse und Informationen zur Idee in Form eines Innovationskonzepts, oder auch als Business Plan oder Lastenheft. Diese Dokumente bilden die Grundlage für die Produktentwicklungsphase, in die die Idee dann übergeleitet wird und ein Innovationsprojekt gestartet wird.

Betrachtet man die 6 Schritte im Fuzzy Front-End wird sehr klar wie intensiv diese Phase im Innovationsprozess ist. Sie ist die Brücke von der Unternehmensstrategie zum Innovationsprojektportfolio und entscheidet als kreative Phase, wo ein Unternehmen den Innovationsfokus hin setzt.

 

„Fuzziness“ im Innovationsprozess

Im Vergleich zu einem Prozess oder einen Projekt, die sehr strukturiert ablaufen, ist das Front-End des Innovationsprozesses sehr schwammig. Es ist gekennzeichnet durch Unsicherheit und schwere Planbarkeit: Man weiß nicht genau, wonach man sucht. Man weiß auch nicht genau, was man findet.

Alle Aktivitäten werden davon beeinflusst, was man findet. Allerdings zu Beginn der Phasen weiß man aber nicht, was man finden wird. Beispielsweise ist es möglich, dass man in der Ideenfindung einen neuen Trend entdeckt, den man nicht am Radar hatte, weil man ihn entweder noch nicht gefunden hatte oder weil er tatsächlich neu ist. Dieser Trend kann alle Phasen der Idee beeinflussen, zum Beispiel neue Suchfelder hervorbringen.

Ein Szenario, wie oben beschrieben, ist aber nicht negativ sondern durchaus positiv. Es geht darum nicht zu übersehen und zu versäumen und vor allem, dass man die Fuzziness mit Struktur in Griff zu bekommen. Das Innovationssystem muss so aufgebaut sein, dass neue Suchfelder, Trends und Ideen jederzeit entdeckt werden können und dass sie im System sofort ihren Platz haben und bearbeitet werden. Diese Struktur kann man mit einem System mit den sechs Schritten des Front-End des Innovationsprozesses sicherstellen. Zusätzlich erfordert es von den Prozessen und vor allem auch Menschen die notwendige Offenheit, jederzeit neue Themen und Ideen auf das Radar aufzunehmen. Struktur und Flexibilität sind somit im Front-End des Innovationsprozesses kein Widerspruch. So wird auch sichergestellt, dass man sich den Innovationsraum nicht selbst einschränkt, sondern immer möglichst weit offen hält. 

 

Fazit – Das Front-End des Innovationsprozesses erfordert Struktur und Flexibilität.

Das Front-End, die frühe Phase des Innovationsprozesses, deckt alle Schritte von der Unternehmensstrategie bis zur Produktentwicklung ab: Innovationsstrategie, Corporate Foresight, Suchfelder, Roadmapping, Ideensuche, Ideenbewertung und Konzeptentwicklung.

Die Qualität der Arbeit im Front-End entscheidet über den Innovationsgrad und Innovationserfolg in den späteren Phasen, denn sie liefert die Grundlage für die Innovationsprojekte. Beispielsweise wird hier auch sichergestellt, dass keine Chancen versäumt werden.

Da man im Front-End nicht immer genau weiß, was man findet, bezeichnet man es auch als „fuzzy“ oder zu Deutsch „schwammig“. So erfordert das Front-End einerseits Struktur aber auch Offenheit und Flexibilität, damit man einerseits mit all den neuen Ideen effizient und effektiv umgehen kann und andererseits immer neue Themen entdeckt und aufgenommen werden können. 

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Tanja ESCHBERGER

Born in Lower Austria. At LEAD Innovation she works as Head of Innovation and focuses on agile innovation management via SCRUM.

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