Innovation Insights

Transformation mit Zero-Based Redesign: Neuaufbau statt Optimierung

Geschrieben von Tanja Eschberger-Friedl | Dec 7, 2025 11:01:00 PM

Viele Unternehmen kämpfen mit gewachsenen Strukturen, Doppelzuständigkeiten, steigender Komplexität und langsamen Entscheidungswegen. Optimierungsprogramme schaffen kurzfristige Erleichterung, verändern aber selten die strukturellen Ursachen.

Zero-Based Redesign (ZBR) setzt genau hier an: Es betrachtet die bestehende Organisation nicht als Ausgangspunkt, sondern als Option, die vollständig infrage gestellt wird. Im Kern bedeutet ZBR, jede Aufgabe, jedes Team, jede Rolle und jeden Prozess daraufhin zu überprüfen, ob er für die zukünftige Strategie wirklich notwendig ist - und wie er idealerweise gestaltet sein sollte.

Damit geht ZBR weit über Effizienzsteigerungen hinaus: Es ist ein Neuaufbau von Grund auf, der Struktur, Führungsverhalten, Zusammenarbeit, Fähigkeiten und Kultur gleichermaßen betrifft. Genau deshalb ist dieser Ansatz eng mit professioneller Organisationsentwicklung verknüpft.


Was ist Zero-Based Redesign?


Zero-Based Redesign ist ein Transformationsansatz, bei dem Organisationen, Prozesse und Strukturen nicht aus dem bestehenden Modell heraus optimiert, sondern komplett neu entworfen werden. Der Fokus liegt darauf, was ein Unternehmen künftig leisten muss – und wie diese Wertschöpfung in ihrer idealen Form organisiert wird.

Im Zentrum steht der Neuaufbau von Grund auf:

  • Aufgaben werden neu definiert, statt bestehende Tätigkeiten zu verfeinern.
  • Strukturen orientieren sich an zukünftigen Anforderungen, nicht an historischen Entscheidungen.
  • Arbeitsweisen, KPIs und Entscheidungslogiken werden bewusst neugestaltet.

Das Ergebnis ist ein modernes Geschäftsmodell, das auf Klarheit, Geschwindigkeit, Wertorientierung und Zukunftsfähigkeit ausgelegt ist.

Warum Unternehmen diesen Ansatz brauchen

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Viele Organisationen geraten an Grenzen, weil sie auf Strukturen aufbauen, die nicht mehr zu ihrer Strategie oder ihrem Umfeld passen. Typische Symptome sind:

  • historisch gewachsene Komplexität
  • Doppelrollen und parallel laufende Funktionen
  • ineffiziente Prozesse
  • erhöhte Kosten ohne entsprechenden Wertbeitrag
  • unklare Verantwortlichkeiten
  • fehlende Anpassungsfähigkeit
Zero-Based Redesign löst diese Muster auf, indem es nicht fragt „Wie können wir es besser machen?“, sondern „Welche Prozesse oder Strukturen brauchen wir wirklich?“.

Die fünf Schritte des Zero-Based Redesigns


Ein Zero-Based Redesign folgt einem klar strukturierten Prozess, der konsequent vom Zielbild ausgehend arbeitet und nicht vom bestehenden Zustand. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf und trägt dazu bei, ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. So entsteht eine Transformation, die sowohl strategisch fundiert als auch organisatorisch umsetzbar ist.

  1. Volle Transparenz über Aufgaben, Rollen und Ressourcen herstellen: Am Beginn steht ein ehrlicher Blick auf die Ist-Organisation: Welche Aufgaben werden heute erledigt, wie viel Zeit und Budget fließen wohin, welche Rollen überschneiden sich und wo entstehen Reibungsverluste? Diese Transparenz ist entscheidend, weil sie sichtbar macht, wie viel der aktuellen Struktur historisch gewachsen ist und nicht bewusst gestaltet wurde. Erst wenn klar ist, wo Aufwand entsteht und warum, kann ein Neuaufbau von Grund auf gelingen.
  2. Das unverzichtbare Minimum definieren: Im zweiten Schritt wird festgelegt, was eine Organisation (oder der definierte Teilbereich bzw. Prozess) unbedingt leisten muss, damit das Tagesgeschäft funktioniert und die strategischen Grundanforderungen erfüllt werden. Dieses „notwendige Minimum“ ist kein Sparprogramm – es bildet den Kern, auf dem das neue Modell aufbaut. Es schafft einen klaren Fokus: Was muss bleiben und was tun wir nur, weil wir es immer schon getan haben?
  3. Zukunftsbild und benötigte Fähigkeiten ableiten:  Nun wird die Organisation bzw. der Prozess konsequent an der Strategie ausgerichtet. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen in den kommenden Jahren? Welche Fähigkeiten, Rollen und Strukturen braucht es dafür? Welche Arbeitsweisen und Formen der Zusammenarbeit machen uns schneller, klarer und kundenorientierter? Hier entsteht das Zielbild einer Organisation oder von Prozessen, die auf die Zukunft ausgerichtet ist – nicht auf das Gestern.
  4. Idealbild entwerfen und Gestaltungsoptionen entwickeln: Auf Basis des Zukunftsbilds wird die Organisation neu gedacht – ohne Rücksicht auf bestehende Strukturen. Dabei werden unterschiedliche Varianten betrachtet: Wie könnte ein Bereich aussehen, wenn er vollkommen neu aufgebaut würde? Welche Prozesse lassen sich vereinfachen oder komplett anders gestalten? Wo können Technologie und Automatisierung entlasten? Diese Phase schafft ein realistisches, aber mutiges Organisationskonzept, das Klarheit, Verantwortlichkeit und Geschwindigkeit ermöglicht.
  5. Umsetzen, testen und nachhaltig verankern: Im letzten Schritt wird das neue Modell aufgesetzt und schrittweise in der Organisation verankert. Pilotbereiche helfen, erste Erfahrungen zu sammeln und Anpassungen vorzunehmen. Parallel dazu begleitet die Organisationsentwicklung die Veränderung von Kultur, Führung und Zusammenarbeit. Das neue Modell wird durch klare Rollen, neue Routinen, Schulungen und transparente Kommunikation gestützt, bis es im Alltag selbstverständlich wird – und der Neuaufbau von Grund auf seine Wirkung entfaltet.

Die Rolle der Organisationsentwicklung

Zero-Based Redesign ist kein Strukturprojekt, sondern ein umfassender Kultur- und Verhaltenswandel. Neue Rollen, moderne Arbeitsweisen und veränderte Verantwortungsketten funktionieren nur, wenn Menschen diese neuen Modelle verstehen, annehmen und leben.

Hier setzt die Organisationsentwicklung an:

  • Führungskräfte werden befähigt, neue Entscheidungslogiken und Arbeitsweisen vorzuleben.
  • Teams entwickeln die Fähigkeiten, die das neue Modell erfordert.
  • Kultur, Kommunikation und Mindset werden aktiv gestaltet.

Fazit: Warum Zero-Based Redesign

 

 

Zero-Based Redesign ermöglicht eine radikale, aber strukturierte Neugestaltung der Organisation – nicht basierend auf dem, was war, sondern auf dem, was kommt. Der Neuaufbau von Grund auf schafft Klarheit, Geschwindigkeit und Zukunftsfähigkeit.


In Kombination mit wirkungsvoller Organisationsentwicklung entsteht daraus echte Transformation.