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LEAD Innovation Blog

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Datum: 23-Mai-2019
Autor: Daniel ZAPFL
Thema: Logistik

Wie die letzte Meile effizienter zu meistern ist

 

Das letzte Stück des Transportweges ist am aufwändigsten: Empfänger sind nicht zuhause, Innenstädte immer schwerer zu beliefern und der Konsument erwartet sich ein immer besseres Service. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, an welchen Schrauben die Logistiker drehen, um die letzte Meile effizienter zu überwinden.

Der E-Commerce wächst weiterhin stark. In Österreich hat dieser Vertriebskanal im Vorjahr ein Plus von über 11 Prozent gegenüber 2017 verzeichnet. Diesen Boom bekommt natürlich auch die Logistikbranche, insbesondere die Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP), zu spüren: Im Jahr 2018 wuchs die Anzahl der zugestellten Pakete im B2C-Bereich um mehr als 16 Prozent auf 122,7 Millionen Stück, berichtet die Studie "Handel in Zahlen". Diese Paketlawine zu bewältigen ist herausfordernd.

 

Diese 4 Gründe machen das Überwinden der letzten Meile schwieriger und teurer

Wenn es darum geht, Güter und Waren von einem Lager zum anderen zu transportieren, setzen die Logistikunternehmen bereits heute sehr effiziente Prozesse ein. Schwierig und mit Problemen behaftet ist allerdings das letzte Wegstück beim Transport - die so genannte letzte Meile. Und: die Kosten für den Transport zwischen Auslieferungslager und Empfänger betragen gut und gerne die Hälfte der Gesamtkosten. Warum es immer schwieriger wird, die letzte Meile zu überwinden hat mehrere Gründe. 

1) Die Anzahl der Single-Haushalte wächst. Immer mehr Frauen sind berufstätig. Und die Mobilität insgesamt ist ebenso im Steigen begriffen. Diese Trends mindern die Wahrscheinlichkeit, während der Geschäftszeiten oder selbst abends, jemanden im Haushalt des Empfängers anzutreffen. Die Chance auf einen erfolgreichen ersten Zustellversuch sinken damit.

2) Viele europäische Städte wollen dem Verkehrsinfarkt und der Umweltbelastung durch Fahrverbote entgegenwirken. Betroffen davon sind meist dieselbetriebene Fahrzeuge, also genau jene Transportmittel, die KEP-Dienste so gerne nutzen. Um die Grundversorgung der Innenstädte nicht zu gefährden, gibt es für Zusteller vielerorts Ausnahmegenehmigungen. Allerdings sind diese nur als Übergangsregelung konzipiert. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit als Einkaufskriterium immer wichtiger. Auch wenn dies ein Problem der fehlenden Selbstreflexion sein mag:  Auch Online-Konsumenten ärgern sich über zu viel Zustellverkehr, aber auch darüber, an einem Tag drei verschiedene Lieferungen von drei verschiedenen KEP-Dienstleistern zu erhalten. Unter effektivem Einsatz von Ressourcen verstehen sie jedenfalls etwas anderes.

3) Sendungen an Privathaushalte sind kleinteilig und lassen sich kaum bündeln. Container mit Standardgrößen, so wie sie im internationalen Frachtgeschäft üblich sind, existieren auf der letzten Meile nicht. Eine Standardisierung ist auch kaum möglich. Dies erschwert es ungemein, Prozesse zu automatisieren.

4) Der Erwartungen des Konsumenten an die Zustellung sind hoch. Erfolgt diese zu spät oder erfolglos, ist das Online-Shopping-Einkaufserlebnis getrübt. Passt die Ware nicht, möchte sie der Empfänger möglichst einfach zurücksenden können. Für Versand und Retouren will der Konsument dabei nach Möglichkeit nichts bezahlen.

 

Innovations-Check

Um diese Probleme zu lindern oder gar zu lösen, unternehmen die KEP-Dienstleister viele Anstrengungen und probieren unterschiedliche Erfindungen am Markt aus:

 

1) Mit digitalen Services die Zustellrate erhöhen

Mobil nutzbare Online-Services wie Paketumleitungen, Abstellgenehmigungen oder Zustellung an eine Wunschfiliale sind bei bei vielen KEP-Dienstleister so wie der Österreichischen Post AG bereits Standard. Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass der Empfänger auch die Tür öffnen kann, bieten der Paket-Dienstleister DPD und Amazon ein Live-Tracking-Service an. Dies zeigt die aktuelle Position des Lieferwagens und informiert darüber, wie viel Stops dieser noch zu absolvieren hat, bevor er kommt. Damit kann der Empfänger in etwa abschätzen, wann es bei ihm an der Tür klingelt.

 

2) Pakete ohne persönliche Übergabe abliefern

Um die erfolgreiche Zustellung von der persönlichen Anwesenheit des Empfängers zu entkoppeln, bauen die KEP-Dienstleister teilweise mit Partnern wie Lebensmittelhändlern ein dichtes Netz an Abholstationen auf. Auf Wunsch installieren KEP-Dienstleister auch Empfangsboxen in Wohnanlagen, die sich mit einer im Briefkasten hinterlegten Benachrichtigung einfach öffnen lassen. Der mobile Paket-Briefkasten PakSafe bedient sich einer ausgeklügelten mechanischen Lösung, um eine sichere Zustellung zu garantieren: Erwartet ein Kunde eine Sendung, dann hängt er PakSafe einfach an seine Eingangstüre. Der Zusteller legt die Sendung in den Sack und verschließt ihn. Wenn der Empfänger nach Hause kommt, kann er PakSafe mit einem Schlüssel öffnen und die Sendung entnehmen. Der mobile Paket-Briefkasten ist dabei sicher an der Eingangstüre befestigt und kann nicht entwendet werden. Ähnlich funktioniert auch die Flexibox der österreichischen Post AG. Statt des Schlüssels kommen dabei aber RFID-Chips zum Einsatz.

Mit Amazon Key kann der Empfänger den Zusteller remote in sein Haus, seine Wohnung oder zumindest in die Garage lassen. Der Zusteller platziert die Sendung im Eingangsbereich. Der Empfänger kann ihn dabei über die Amazon Cloud Cam beobachten. Diese zeigt ihm auf einer Website ein aktuelles Livebild aus seinem Heim. Amazon will diese Lösung als Plattform etablieren, damit die Nutzer auch Reinigungskräfte, Handwerker oder Dogsitter sicher ins Haus lassen können, wenn sich gerade nicht zugegen sind. Amazon Key ist bisher nur in einigen Staaten und Städten der USA verfügbar. Um sich Pakete in die Wohnung und nicht vor die Eingangstüre liefern zu lassen, eignet sich aber prinzipiell jedes smarte Türschloss. So wie etwa Nuki - eine Erfindung aus Graz.

 

3) Autos als Paketboxen nützen

Den Großteil seines Lebenszyklus verbringt ein PKW in der Regel im abgestellten Modus und blockiert damit den im urbanen Gebiet  wertvollen Raum. Diese Fülle an sicher verschlossenem, kaum genützten Laderaum lässt Logistikern schon mehrere Jahre lang keine Ruhe. Die Zustellung in den Kofferraum ist ein Thema, mit dem sich bereits viele KEP-Dienstleister und Autohersteller auseinandersetzen --einige Lösungen sind bereits am Markt: Volvo offeriert dieses Service  seit 2016. Amazon liefert seit 2018 in den Kofferraum von Kundenautos aus. Noch im Jahr 2019 will VW gemeinsam mit DHL  diese Zustellmöglichkeit anbieten. Die Österreichische Post AG teste die Kofferraumzustellung auch im B2B-Bereich: Sie liefert Monteuren und Handwerkern das notwendige Werkzeug sowie Ersatzteile direkt in deren Firmenwägen. Das Prinzip dabei: Der Kunde bestellt die benötigten Teile bei seinem Zulieferer. Der ordert bei der Post eine „Kofferraumzustellung“. Am Tag der Auslieferung kann der Bote mittels App die genaue Position des Fahrzeuges orten und durch ein hochsicheres Identifikations- und Berechtigungssystem den Kofferraum entriegeln und die Sendung direkt in das Firmenfahrzeug einlegen. 

 

4) Roboter helfen oder ersetzen menschliche Zusteller

Um die letzte Meile effizienter zu absolvieren versuchen Logistiker Maschinen einzusetzen. So testete die Österreichische Post AG die autonome Paketzustellung in der Grazer Innenstadt. Ein E-Mobil navigierte dabei selbstständig und ohne Fahrer zur Zieladresse. Per SMS wir der Empfänger bei der Ankunft des autonomen E-Fahrzeugs informiert und kann sein Paket mit einem RFID-Chip selbstständig aus der Box des Fahrzeugs entnehmen. Für den Empfänger noch bequemer ist indes das Konzept, das der deutsche Autozulieferer Continental auf der CES 2019 vorgestellt hat: Ein fahrerloses E-Shuttle bringt die Pakete selbständig vor eine Wohnsiedlung. Dem Vehikel entsteigen Roboter-Hunde, die die Sendung dann direkt an die Wohnungstüre zustellen. Der Vorteile der Roboter-Vierbeiner: Sie können Stiegen überwinden und Türklingel betätigen. Wann das System auch tatsächlich einsatzfähig ist, kann aber selbst Continental heute noch nicht sagen.

Lieferroboter auf Rädern hingegen haben in Deutschland bereits Praxistests absolviert: So startete der deutsche Paketzusteller Hermes im Herbst 2016 einen Pilottest mit den Lieferrobotern, die das estnische Startup Starship Technologies entwickelt hat. Der größte Vorteil der Zustellroboter ist, dass sie rund um die Uhr einsetzbar sind: Will ein Konsument etwa seine eben erst erhaltene Ware am Sonntag um 3.30 Uhr nachts zurücksenden, so kann er einen Roboter ordern, der die Sendung bei ihm abholt.

 

5) Am Luftweg gehts am schnellsten

Während sich Lieferroboter auf Rädern oder auch auf vier Beinen relativ langsam fortbewegen - etwa weil ihre Wege durch Innenstädte führen - können autonome Luftfahrzeuge den freien Luftraum nutzen. Die Zustellung mit Drohnen scheint also viele Probleme zu lösen: Verkehrsbehinderungen werden vermieden und selbst Empfänger an schwer zugänglichen Orten sind leicht erreichbar. Seitdem Amazon-Chef Jeff Bezos im Jahr 2013 angekündigt hat, dass in vier bis fünf Jahren Amazon-Kunden ihre Pakete mit Lieferdrohnen erhalten werden, kursiert das Thema in den Medien. Heute wissen wir: Bezos hat sich zwar verkalkuliert - aber mit Drohnen haben sich seither auch viele KEP-Dienstleister befasst. DHL absolvierte den Jungfernflug seines Paketkopters bereits im Dezember 2013. Derzeit setzt das Unternehmen seine Drohnen testweise dort ein, wo andere Transportwege fehlen: So beliefert das unbemannte Flugobjekt im Rahmen des Pilotprojekts "Deliver Future" eine im ostafrikanischen Viktoriasee gelegene Insel mit Medikamenten. Um gerade entlegene Empfänger zu erreichen, setzte die Post im Rahmen des Projekts "Heidi" Drohnen ein, die von einem speziellen Elektromobil aus starten und die letzten paar hundert Meter - etwa auf einen höher gelegenen Bauernhof - auf dem Luftweg überwinden. Im kommerziellen Regelbetrieb stellen Drohnen mittlerweile bereits zu: Das Schwesterunternehmen von Google, Wing, startete im April 2019 in Australien damit. Doch bei aller Begeisterung für das Thema: Drohnen werden bei der Bewältigung der Paketflut kaum eine Hilfe sein. Denn dazu fehlt es ihnen an Transportkapazität und Reichweite. Und: Auch die Weite des Luftraumes ist begrenzt: Würde die Mehrzahl der Pakete über Drohnen ausgeliefert werden, dann wäre der Himmel über den Städten schwarz.

 

6) Retourenquote senken und unnötige Transporte vermeiden

Weniger Rücksendungen würden die Paketlawine bereits deutlich reduzieren und damit einhergehende Probleme lindern. Denn diese Transporte sind zwar notwendiges Übel - stiften für Konsument und dem E-Commerce-Anbieter aber keinen Nutzen. Einer Umfrage des deutschen Branchenverbandes Bitkom zufolge wird jeder achte Online-Verkauf rückabgewickelt. Einzelne Händler, wie etwa Zalando, leiden unter eine Retourenquote von 50 Prozent. Online-Kunden senden so viele Bekleidungsstücke oder Schuhe auch deshalb zurück, weil schlichtweg die Größe nicht passt. Dieses Problem vermeidet die österreichische Schuhhandelskette Humanic mit ihrem Avatar. Der Kunde geht dabei einmal in eine Filiale und lässt sich seinen Fuß vermessen. Diese Daten helfen ihm dann bei jedem weiteren Schuheinkauf: Wählt er im Online-Shop ein Modell aus, so zeigt ihm der Avatar die passende Größe an. Bei Kinderschuhen informiert das System, wie lange das Modell dem jungen Träger wahrscheinlich passt. Das oberösterreichische Startup Twinster hat einen 3D-Body-Scanner entwickelt, mit dem sich der User in wenigen Sekunden selbst vermessen kann. Dies hilft dem Konsumenten dabei, online auch die wirklich richtige Größe zu bestellen. Die 3D-Vermessung hilft aber nicht nur, Retouren zu verhindern, sondern nützt der gesamten Textilindustrie - etwa beim Entwerfen von neuer Mode. Und: Es gibt noch viele weitere Lösungen, um die Retourenquote im Textil-Onlinehandel zu reduzieren.

 

Fazit: Wie sich die letzte Meile effizienter überwinden lässt

Online-Shopping wird immer beliebter und dies treibt das Geschäft der KEP-Dienstleister. Die Paketflut verursacht aber zahlreiche Probleme und Konsumenten fordern Nachhaltigkeit immer stärker ein, ohne für den Transport oder die Retouren zahlen zu wollen. Die KEP-Dienstleister sind deshalb gezwungen, innovative Wege zu gehen und testen viele Erfindungen. Einige Konzepte davon werden über die Pilotphase freilich nicht hinauskommen. Andere wiederum werden wir alle in ein paar Jahren wie selbstverständlich nutzen.

Innovations-Check

Daniel ZAPFL

Born in Graz, Austria. After positions as project manager & head of innovation of the project management at LEAD Innovation, Daniel Zapfl has been responsible for the success of the innovation projects of our innovation partners since January 2018.

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