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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 27-Mai-2021

Was man von Jeff Bezos über Innovationsmanagement lernen kann

Die Geschichte des größten E-Commerce-Imperiums der Welt begann vor 27 Jahren in einer Garage in Seattle. Heute ist Amazon einer der wert­vollsten Konzerne der Börse und Gründer Jeff Bezos der reichste Mann der Welt. Der Erfolg von Amazon ist aber nicht einfach so vom Himmel gefallen. Jeff Bezos ist ein unkonventioneller Denker, der wie kein anderer die Kunst der Innovation beherrscht.  

Experimentierfreude, Erfindungsreichtum und Innovation miteinander verbinden

Jeff Bezos und sein Team experimentieren gerne. Und wenn man experimentierfreudig ist, muss man auch erfindungsfreudig sein – was einer der Grundpfeiler von Amazon ist. Experimentieren, kombiniert mit der Bereitschaft zum Erfinden, bildet die Innovation. Einige Dinge empfiehlt Bezos aber zu beachten, wenn man ein innovatives Unternehmen sein will.

1.Hören Sie niemals auf zu Experimentieren

Automobilhersteller haben Konzeptautos. Technologieunternehmen haben „Labore" wie Google Labs. Erfolgreiche Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern zu experimentieren. Denn nur so entstehen Innovationen, die das Unternehmen auf dem Markt wettbewerbsfähig machen. Bei Amazon ist das Experimentieren und die Bereitschaft zum Erfinden Teil der Unternehmenskultur. Es ist nicht zweitrangig oder etwas, das getan werden muss, weil alle anderen es tun.

 

Wenn Sie die Anzahl der Experimente pro Jahr verdoppeln, verdoppeln Sie Ihren Erfindungsreichtum.“

2.Seien Sie bei Experimenten hartnäckig und flexibel 

Bei Experimenten legt Jeff Bezos Augenmerk darauf, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Hartnäckigkeit und Flexibilität zu finden. Fehlt die Hartnäckigkeit, werden Experimente zu früh aufgegeben. Fehlt die Flexibilität, wird man mit dem Kopf durch die Wand gehen und keine alternative Lösung für das Problem erkennen. Das Festhalten an einem übergeordneten Ziel entspricht der Hartnäckigkeit, bei der Flexibilität wiederum geht es um die Taktik zur Erreichung dieses Ziels.

„Wir sind hartnäckig bei der Vision, aber wir sind flexibel bei Details.“

 

3.Messen Sie die Experimente

Wenn jemand eine Idee vorschlägt, ist Jeff Bezos erste Frage: „Können wir das messen?“ Falls die Ergebnisse des Experiments negativ ausfallen, bedeutet das aber nicht immer, dass Ideen fallengelassen werden. Manche Innovationen schaden vielleicht kurzfristig dem Umsatz, können aber langfristig von Vorteil sein. Jeff Bezos orientiert sich bei Entscheidungen dieser Art am Kunden:

„Manchmal messen wir Dinge und sehen, dass sie kurzfristig dem Umsatz schaden, und wir tun es trotzdem. Wenn es gut für die Kunden ist, ist es ein guter Indikator dafür, dass Sie diese experimentelle Praxis dauerhaft machen sollten.“

4.Seien Sie bereit zu erfinden

Die Liebe zum Brainstorming, zum Experimentieren und zum Tüfteln sind alles grundlegende Eigenschaften von Erfindern und erfolgreichen Unternehmern. Bei Amazon herrscht eine ausgeprägte Erfindungskultur - Jeff Bezos schätzt Einfallsreichtum und sucht daher auch ganz bewusst nach Mitarbeitern mit einer kundenorientierten Mentalität, die gerne erfinden und stetig nach Wegen suchen, um Produkte für den Kunden besser zu machen.

 

„Wenn man Leute anzieht, die die DNA von Pionieren und die DNA von Entdeckern haben, baut man ein Unternehmen von Gleichgesinnten auf, die etwas erfinden wollen.“

5.Seien Sie bereit missverstanden zu werden

Neuartige oder ungewöhnliche Erfindungen rufen immer auch Kritiker auf den Plan, die einen Vergleich mit der traditionellen Art und Weise anstellen und die Innovation missverstehen. Manche versuchen mit gut gemeinter Kritik zu helfen, andere kritisieren hingegen aus Eigennützigkeit. Man muss daher bereit sein, über einen längeren Zeitraum missverstanden und kritisiert zu werden, wenn man innovativ sein will.

„Me-too-Firmen haben im Laufe der Zeit nicht so gut abgeschnitten. Man muss also erfinden und bereit sein, missverstanden zu werden. Denn alle Disruptoren sind Erfinder. Und Me-too-Firmen sind keine Erfinder.“

 

 

 

Jeff Bezos Tricks für effiziente Meetings

Unzureichende Planung, zu viel Gerede oder mangelnde Vorbereitung verschwenden wertvolle Zeit und viel Geld. Jeff Bezos hat drei einfache Regeln entwickelt, um Meetings effizient und produktiv zu gestalten:

  • Zwei-Pizza-Teams-Regel:

    Je größer das Team, desto größer die Anzahl der Meinungen - und desto schwieriger wird es, Schlussfolgerungen zu ziehen und Entscheidungen zu treffen. Bei Amazon dürfen nur so viele Personen an einem Meeting teilnehmen, als von zwei Pizzen satt werden können. Somit ist nach maximal acht Teilnehmern Schluss.

  • Kein PowerPoint:

    Bei Amazon wird für Meetings anstelle von Powerpoints ein sechsseitiges ausformuliertes Memo vorbereitet (keine Stichworte). Die Verfasser der Memos haben auf diese Weise die Möglichkeit, ihre Ideen und Konzepte umfassend darzustellen und den Besprechungsteilnehmern verständlich zu machen. Der Prozess der Memo-Erstellung kann bis zu einer Woche und mehr dauern. Die Memos werden an Kollegen zur Verbesserung weitergeleitet und dann nochmals überarbeitet. Das wiederholt sich solange, bis das Ergebnis alle zufriedenstellt.

  • Mit Stille beginnen:

    Ein Meeting wird nur dann erfolgreich sein, wenn alle Teilnehmer gut vorbereitet sind. Die Realität zeigt aber, dass trotz bester Vorsätze Teilnehmer oftmals unvorbereitet erscheinen. Dieses Problem hat Bezos mit einer einfachen Regel gelöst: In der ersten halben Stunde des Meetings lesen alle Teilnehmer still das Memo. Und dann erst wird darüber diskutiert.

Der Vorteil dieser Methode liegt auf der Hand: Der Diskussionsleiter muss sich mit dem Thema intensiv auseinandersetzen und erarbeitet gemeinsam mit Kollegen eine fundierte Grundlage für das Meeting. Die Teilnehmer wiederum sind durch Lesen des Memos auf einem gemeinsamen Wissenstand und können wesentlich rascher und effizienter die Themen im Meeting bearbeiten.

Der Kunde ist der König

Amazon konzentriert sich bei der Entwicklung von Innovationen auf die Bedürfnisse und Probleme der Kunden und startet von dort aus - anstatt mit einer Produktidee zu beginnen und zu versuchen, den Kunden daran zu binden: „Wir sind nicht wettbewerbsbesessen, wir sind kundenbesessen. Wir beginnen mit dem Kunden und arbeiten rückwärts.“

Bezos ist der festen Überzeugung, dass das Beste für den Kunden letztendlich auch das Beste für das Unternehmen ist: „Wenn wir die Dinge so arrangieren können, dass unsere Interessen mit denen unserer Kunden übereinstimmen, dann wird das auf lange Sicht sehr gut für die Kunden funktionieren und es wird sehr gut für Amazon funktionieren.“

Hier sind ein paar Beispiele dafür, wie Amazon sich auf den Kunden konzentriert und ihn manchmal über Amazons eigene kurzfristige Rendite stellt.

1.Vermeidung von Doppelbestellungen

Amazon bemerkte, dass einige Kunden versehentlich Produkte bestellten, die sie zuvor bereits bei Amazon gekauft hatten. Also haben sie beschlossen, eine Warnung auf die Produktseiten zu setzen, auf denen der Kunde das Produkt bereits bestellt hat. Hier ist ein Beispiel:

Unbenannt

Amazon hat die Auswirkungen dieses Features gemessen und festgestellt, dass es die Verkäufe verringert. Dennoch blieb es bestehen, weil man sich davon eine größere Kundentreue verspricht. Natürlich ist es unmöglich zu sagen, ob es Jahre später zu größerer Loyalität führen wird. Jeff Bezos sieht das jedenfalls pragmatisch: „Denken wir nicht kompliziert. Wir wissen, dass es eine Funktion ist, die gut für die Kunden ist. Let's do it.“

2.Wettbewerber dürfen auf Amazon werben

Ein weiteres klassisches Beispiel für die Kundenorientierung Amazons ist Jeff Bezos Entscheidung, Wettbewerbern zu erlauben, ihre Produkte auf Amazon zu bewerben. Kunden haben auf diese Weise die Möglichkeit, auch außerhalb des Amazon Marketplace einzukaufen. Die Entscheidung war innerhalb des Unternehmens höchst umstritten. Bezos blieb dabei, dass es das Beste sei, Kunden mehr Auswahl zu geben. Diese Funktion gibt es auch heute noch bei Amazon.

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3.Kundenrezensionen

Ein weiteres Feature, das auf Amazons Produktseiten zu sehen ist, sind Kundenrezensionen. Jeff Bezos leistete mit der Einführung dieses Tools Pionierarbeit und war starken Anfeindungen ausgesetzt. Buchverleger warfen ihm vor, sein Geschäft nicht zu verstehen und forderten ihn auf, negative Kundenrezensionen zu entfernen.

Bezos befand aber, dass Bewertungen besser für den Kunden sind: „Wir haben noch nie etwas wirklich Wertvolles gemacht, das nicht zumindest ein bisschen umstritten war, als wir es umgesetzt haben. Aber wenn man ein Pionier sein will, muss man sich damit abfinden, missverstanden zu werden.“

Mittlerweile ist Amazon die erste Anlaufstelle für Menschen geworden, die nach Rezensionen und Produkten suchen. Die Kundenorientierung Bezos hat sich einmal mehr als nützlich für sein Geschäft erwiesen.

Regret Minimization Framework: Jetzt starten und späte Reue vermeiden

Als Bezos über den Aufbau von Amazon nachdachte, musste er sich entscheiden, ob er das Unternehmen gründen oder seinen guten Job an der Wall Street behalten sollte. Er entwickelte das „Regret Minimization Framework“, dessen Kern die langfristige Perspektive der Entscheidung ist. Es basiert auf der simplen Frage: „Werde ich es in X Jahren bereuen, dies nicht getan zu haben?“

Kurzfristige Folgen wie Einkommens, Prestige- oder Statusverlust, Hohn und Spott von Ex-Kollegen, die Chance zu scheitern – all diese Aspekte treten in den Hintergrund. Das ältere Ich zeigt, was wirklich zählt und was man wirklich bereuen könnte. Die Angst vor Reue war einer der Hauptgründe, warum sich Bezos für Amazon entschied: „Mein 80-jähriges Ich hätte es bereut, Amazon nicht zu gründen!“

Nutzung neuer Technologien, um Kunden glücklich zu machen

Selbst den rasanten technologischen Wandel versucht Bezos für den Kunden nutzbar zu machen. In einem Interview mit Fast Company vom August 2004 machte er diesbezüglich eine interessante Bemerkung, die nichts an Aktualität verloren hat:

„Wir haben diese Verrücktheit in unserem Business: Die Rohzutaten, die unser Geschäft ausmachen – Dinge wie CPU-Rechenleistung, Bandbreite und Festplattenplatz – werden alle 12 bis 18 Monate doppelt so billig. Festplattenplatz ist heute 30-mal billiger als noch vor fünf Jahren. Dreißig Mal billiger! Die eigentliche Frage lautet also: Was kann man mit 30-mal so viel Festplattenplatz, 20-mal so viel Rechenleistung und 30-mal so viel Bandbreite machen? Und wie macht man die Kunden damit glücklich?“

Es scheint, dass eine der Antworten auf diese Fragen die 2006 gegründete Cloud Computing-Plattform Amazon Web Services ist.

Fazit: Innovationskraft durch Experimente erhöhen

Jeff Bezos hat Jahrzehnte damit verbracht, sein Business und seine Techniken zu perfektionieren, um weiterhin jeden Tag Millionen von Dollar zu verdienen. Ein besonders interessanter Aspekt seiner Innovationsstrategie ist die Verbindung zwischen Innovationskraft und Anzahl der Experimente: Je mehr Experimente man als Unternehmen durchführt, desto schneller kann man Innovationen schaffen!

 

 

Tanja ESCHBERGER

Born in Lower Austria. At LEAD Innovation she works as Head of Innovation and focuses on agile innovation management via SCRUM.

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