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LEAD Innovation Blog

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Datum: 25-Jun-2018
Autor: Michael PUTZ

Wie Elon Musk dem längst erfundenen Solardachziegel Leben einhaucht

 

Nein, Elon Musk hat den Solardachziegel nicht erfunden, wie oftmals vermutet wird. Das Patent dazu datiert aus dem Jahre 1993, und stammt von einer Traditionsfirma aus Konstanz. Dachziegel, die Strom erzeugen, sind auch bei uns bereits seit mehreren Jahren zu haben. Dennoch wird Musk aller Voraussicht nach jener Mann sein, der für die massenhafte Verbreitung dieser smarten Kleinkraftwerke für alle Hausdächer dieser Welt sorgen wird. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wer die Solarschindel wirklich entwickelt hat und warum eine mitreißende Story rund um eine Erfindung oft wichtiger ist, als die Erfindung selbst.

Erfinder von Beruf

Das Elektroauto Tesla, der Hausakku Powerwall, das Raumfahrtunternehmen SpaceX und das für den Transport von Menschen ausgelegte Rohrpostsystem Hyperloop: Der Erfindungsgeist von Elon Musk scheint schier unbegrenzt. In den Köpfen der Öffentlichkeit hat sich die Gleichung „Musk = bahnbrechende Innovation“ schon längst eingebrannt. Als der gebürtige Südafrikaner dann Ende Oktober dieses Jahres den Solarziegel vorstellte, schien jedem klar: Der Musk hat schon wieder etwas erfunden.

Eine Innovation, die auf der Hand liegt

Im Vergleich zu einem Elektroauto, das sogar einen Porsche 911 bei der Beschleunigung stehen lässt, und seiner Mission zum Mars, erscheint die energiegewinnende Schindel nicht der ganz große Wurf zu sein. Warum ist es eigentlich niemanden vorher eingefallen, die hässlichen Solarpaneele nicht mit dem Dach direkt zu verschmelzen?

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Schweizer Solardachziegel floppte

Ist es auch. Erfunden haben den Solardachziegel die Herren Albert Joseph Antoine Laumans, Reinhard Lepsien und Heinz Müller. Die Rieter-Werke Händle KG, ein Traditionsbetrieb aus dem deutschen Konstanz, hat das Patent dazu schließlich angemeldet. Der Betrieb kam allerdings später in wirtschaftliche Turbulenzen. Und so ließ zunächst einmal ein Start-up aus der Schweiz namens Panotron mit der Montage eines gleichnamigen Solardachziegels im Jahr 2009 aufhorchen. Obwohl das Startup mit der Ziegelei Rapperswil einen potenten Partner im Hintergrund hatte, scheiterte Panotron zunächst an der Masse an Anfragen. Doch man gab nicht auf. Rapperswil bzw. deren Mutter, die Gasser Ceramic Group übernahm das Start-up komplett, investierte ins Marketing und führte Panotron als Tochterunternehmen weiter. Im Jahr 2015 vermeldet man bereits 100 mit Solarziegeln gedeckte Häuser und einen steigenden Bedarf in der Schweiz.

Niederländer kamen Musk zuvor

Auch andere Betriebe haben Solardachziegel schon länger im Angebot. Als Elon Musk seine innovative Sonnenschindel der Öffentlichkeit präsentierte, meldete sich einer dieser Anbieter doch öffentlich zu Wort. „Während Musk angekündigt hat, dass seine Solardachlösung ab dem nächsten Jahr durch SolarCity angeboten wird, ist ZEP bereits aktiv und beliefert Hauseigentümer, Vertriebshändler und Bauunternehmen in den Niederlanden, Deutschland, England und Skandinavien“, ließ das 2013 gegründete, und im niederländischen Urk beheimatete Unternehmen , per Presseaussendung wissen.

Der Stolz der Entwickler von ZEP mag zwar durch das weltweite Interesse an Musk ein wenig gekränkt worden sein. Insgesamt freut sich das niederländische Unternehmen aber über den Medienrummel: „Wir erleben eine Steigerung von Tausenden von Besuchern pro Tag auf unserer Website, und sie alle haben Interesse an unserer kombinierten Solardachziegellösung", meinte Joost de Graaf von ZEP, und ergänzte: „Wir verfolgen im Wesentlichen die gleiche idealistische Mission.“

Aus der Perspektive des Kunden

Spätestens hier stellt sich die Frage: Wie setzt ein Unternehmer aus dem fernen Silicon Valley die ganze Welt mit der Ankündigung einer Erfindung unter Spannung, die es in Europa bereits schon längst zu kaufen gibt? Die Antwort darauf ist einfach: Er denkt genau so wie seine Kunden oder Fans. Und die wollen im wesentlichen drei Dinge:

 

1) Die Welt retten,

Dank Musk kann das jeder, denn durch die Verwendung all seiner Produkte verringern die Nutzer ihren persönlichen CO2-Foodprint. Deshalb erzählt Musk immer die Geschichte vom Klimawechsel, bevor er konkret auf die jeweilige Innovation eingeht. Tesla steht eben für eine Mission: Die Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energiegewinnung. Und wer will da nicht gerne mitmachen? Donald Trump vielleicht.

2) sich möglichst wenig dabei anstrengen

Auch die Avantgarde empfindet so wie alle Menschen Veränderung als unbequem. Warum sollte man als Retter dieser Welt unbedingt in Elektroautos steigen, die den Sex-Appeal eines Golfwagerls haben? Genau darum baut Tesla Autos, die jenen der Konkurrenz in jeder Beziehung das Wasser reichen können, und ganz zufällig noch elektrisch angetrieben werden. Darum stellt auch SolarCity Solardachziegel her, die sich von altbekannten Schindeln kaum unterscheiden. Auch preislich nicht: Die energieerzeugenden Schindeln von Solar City kosten in etwa so viel wie ein konventionelles Dach plus der Elektroinstallationen, die man sich in einem von Solarstrom befeuerten Haus erspart. Und der Strom kommt mithilfe der Power Wall von Tesla auch weiterhin ganz bequem aus der Steckdose.

3) und so viel wie möglich belassen wie es ist.

In der Promotion von Solar City ist der altbekannte Traum vieler von uns zu sehen: Ein schönes Haus mit Vorgarten samt Garage und Auto. Neu ist lediglich, dass dieses Idyll seine Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnt. Ansonsten wird alles so belassen, wie wir es alle auch gerne haben wollen.

 

Eine Einladung, Geschichte zu schreiben

Das Paket aus umweltfreundlicher Mobilität und Energieversorgung ist eine Einladung von Tesla und Solar City an alle, bei der Energiewende mit zu machen. Es ist eine Einladung an alle, Geschichte zu schreiben, und die Welt zu retten. Die energieerzeugende Dachschindel ist eine wichtige Komponente dafür.

Die einen machen Schindeln, Musk kreiert Gesamtlösungen

Alle anderen Anbieter, die die Solarschindel bereits vor Solar City im Angebot hatten, haben nie eine solche Geschichte erzählt. Sicher haben sie die typischen Vorteile des Kleinkraftwerks am Hausdach wie Umweltverträglichkeit und Unabhängigkeit auch kommuniziert. Aber sie waren nicht fähig, diese Vorteile in den Kontext eines größeren Ganzen darzustellen. Wohl auch deshalb, weil sie bloß Dachschindeln herstellten, und keine Komplettlösungen, mit denen man einfach und bequem die Welt ein bisschen besser machen kann.

 

Fazit: Wie Elon Musk dem längst erfundenen Solardachziegel Leben einhauchte

Oft scheint es, dass den hellen Köpfen aus „good old europe“ nur noch wenig bahnbrechend Neues einfallen würde. Die wichtigen Innovationen, die dann auch von europäischen Usern dankbar aufgenommen worden, kommen nahezu geschlossen aus den USA, wenn nicht gar nur aus dem Silicon Valley. Doch auch wenn die Atmosphäre des Valleys die Ideen sprießen lässt und dafür auch potente Geldgeber schnell zur Stelle sind: Europas Erfindungsgeist kann dem jedes anderen Wirtschaftsraumes das Wasser reichen. Kein Wunder: Das allgemeine Bildungsniveau ist an kaum einen anderem Ort so hoch wie hier. Was uns Europäern ein wenig fehlt, ist die Bereitschaft, sich zu hundert Prozent in die Rolle des Users oder des Nutzers zu versetzen. Ihm schlüssige Geschichten rund um die Innovation zu erzählen. Den Zweck dieser Innovation in den Kontext eines größeren Ganzen zu stellen. Diesbezüglich können wir von Elon Musk also noch viel lernen.

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Michael PUTZ

Born in the Salzkammergut. After working for Shell and Porsche, he concentrated on innovation management as a study assistant at the Innovation Department of the Vienna University of Economics and Business Administration. In 2003 he founded LEAD Innovation and manages the company as Managing Partner. Lectures at MIT, in front of companies like Google or NASA.

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