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LEAD Innovation Blog

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Datum: 23-Nov-2018

Wie Nachhaltigkeit am Bau funktionieren kann

 

Der ökologische Fußabdruck der Baubranche ist riesig, benötigt sie doch besonders viele Rohstoffe. Einige davon sind heute nahezu erschöpft. Nachhaltigkeit beim Bau ist also ein Gebot der Stunde. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie sich Nachhaltigkeit am Bau realisieren lässt und warum die Branche weltweit bereits „am Sand“ ist. 

Die Bauwirtschaft verbraucht etwa 40 Prozent der globalen Ressourcen. Und die werden bisweilen schon äußerst knapp: So ist die Versorgung mit Sand heute alles andere als gesichert. Dank des Baubooms ist Sand neben Kies und Wasser der meist verbrauchte Rohstoff der Erde. Dabei ist Sand nicht nur für die Baubranche ein wichtiger Grundstoff. Auch andere Branchen sind darauf angewiesen.

 

Sand wird zur Schmugglerware

Der dramatische Engpass an Sand hat dazu geführt, dass dieser illegal abgebaut wird und der Rohstoff zur Schmugglerware wird. Der Raubbau an Meeresstränden führt dabei gleich zu zwei Problemen. Die Strände erodieren schneller. Außerdem ist der mit Salzwasser getränkte Sand stark korrosiv. Gebäude, die damit gebaut wurden, sind stark einsturzgefährdet.

Der Sand, der in den Wüsten dieser Erde ja eigentlich in unendlicher Menge vorhanden ist, eignet sich nicht für den Bau. Seine Oberfläche ist leider zu glatt. Dies hat dazu geführt, dass in Katar der Bausand knapp wird. In dem Wüstenstaat wird im Jahr 2022 die Fußballweltmeisterschaft stattfinden. Die dafür notwendigen Stadien, Straßen, Hotels und andere Gebäude müssen aber erst gebaut oder zumindest saniert werden. Und dafür braucht das Emirat eben Sand, der sich dafür eignet. Mittlerweile gibt es zwar Technologien, die den Wüstensand in Baumaterial verwandeln können. Bis sich Verfahren wie jenes von Polycare weltweit durchgesetzt haben, wird der Kampf und die Ressource Sand mit all seinen unangenehmen sozialen und ökologischen Nebenwirkungen weiter toben.

 

Nachhaltigkeit umfasst mehr als bloß umweltschonende Rohstoffe

Selbst wenn sich die Sandknappheit in absehbarer Zeit lösen lässt, ist damit nur ein Problem von vielen aus der Welt geschafft. Denn nachhaltig zu Bauen heißt nicht nur, Ressourcen zu schonen und umweltfreundlich zu bauen. Das würde nur den Prozess des Bauens und nicht das fertige Gebäude betreffen. Wenn der Bau beispielsweise mit einer Ölheizung beheizt wird oder an einem Standort steht, der nur mit dem Auto zu erreichen ist, ist es mit der Nachhaltigkeit schnell vorbei. Es sind also viele weitere Faktoren beim nachhaltigem Bau zu berücksichtigen:

  • Möglichst niedriger Energiebedarf des Gebäudes
  • Geringerer Einsatz von Betriebsmittel
  • Verwendung von wiederverwertbaren Baustoffen
  • Niedrige Transportkosten
  • Rückführen der Baumaterialien in den natürlich Kreislauf
  • Konzepte zur Nachnutzung von Gebäuden
  • Schonung des Naturraumes
  • Flächen sparendes Bauen

Trendsammlung Innovationsmanagement 

Nachhaltig Bauen erfordert das Denken in mehreren Dekaden

Es ist also notwendig, das Thema Bau aus einer viel breiteren Perspektive zu betrachten, die angefangen von der Rohstoffgewinnung bis zum Ende des Lebenszyklus, also dem Rückbau oder Abbruch des Gebäudes reicht. Der Zeithorizont ist dabei für uns alle, die immer stärker zu einer Kurzfristdenke neigen, ungewöhnlich lange: Die Nutzungszeit für ein Haus beträgt etwa 50 bis 100 Jahre. Politischen Lenkern in westlich orientierten Demokratien und Wirtschaftskapitäne, die börsenotierte Konzerne steuern, können mit einer solchen Periode so gut wie nichts anfangen. In solchen Dimensionen denken heutzutage nur noch Adelsfamilien, Weltreligionen oder Familienbetriebe.

 

Rhombergs Vision vom Ego zum Lego-Prinzip

Es ist daher fast schon logisch, dass ein umfassendes Konzept zur Nachhaltigkeit am Bau von einem solchen Familienbetrieb kommt. So hat der Geschäftsführer der Rhomberg-Gruppe, Hubert Rhomberg, ein Forschungsprojekt initiiert, das ein innovatives und zukunftsfähiges Bausystem entwickeln soll. Das entwickelte Konzept Bauen 4.0® beruht dabei auf drei Säulen: Holz als Baustoff, einem kybernetischen Tisch und dem Internet der Dinge.

Rhombergs Konzept sieht nicht nur den Einsatz eines nachwachsenden Baustoffs vor, sondern bringt alle Baubeteiligten räumlich und zeitlich gemeinsam an den (kybernetischen) Tisch. Dies soll verhindern, dass jeder in der Baubranche das Rad für sich immer neu erfinden muss. Dass sein „Wegweiser vom Ego- zum Lego-Prinzip“ funktioniert, hat der Unternehmer schon bewiesen. Das acht Stockwerke hohe Holzhochhaus LifeCycle Tower one errichteten fünf Bauarbeiter in acht Tagen mittels standardisierter und industriell vorgefertigter Komponenten.

 

Holz und Lehm werden interessanter

Rhomberg ist überzeugt, dass sich mit seinem Modulsystem bis zu 100 Meter hohe Holzhochhäuser bauen lassen. In Wien entsteht im neuen Stadtteil Aspern übrigens gerade das höchste Holzhochhaus der Welt, das immerhin 84 Meter in den Himmel ragt. Holz ist allerdings nicht der einzige Baustoff mit jahrtausender alten Tradition, der durch den Trend zur mehr Nachhaltigkeit am Bau wieder verstärkt eingesetzt wird. Auch Lehm, dem in unseren Breiten lange Jahre das Stigma als Baustoff für Arme anhaftete, wird wiederentdeckt.

Wie sich Nachhaltigkeit am Bau realisieren lässt, zeigen diese beiden Beispiele aus der Praxis:

 

Leerstehende Scheune wird zum Wohnhaus mit Sonnenkraftwerk

In der Montafoner Gemeinde Tschagguns dient eine etwa 100 Jahre alte Scheune, die unweit es Ortskerns gelegen lange Jahre leer stand, seit kurzem als Wohnhaus. Das beim Umbau angefallenen Bruchsteine der Mauer wurden wiederverwertet. Als neues Baumaterial verwendet man vor allem unbehandeltes, regionales Weißtannenholz aus dem Bregenzerwald. Die an der Südostseite der Dachfläche angebrachten Photovoltaik- und Solarthermie-Modulen erzeugen etwa 200 Prozent des Strombedarfs und einen Großteil der Warmwasser- und Heizbedarfs.

Da das Gebäude im Winter einen Monat lang im Schatten liegt, sorgt ein Stückholzspeicherofen mit Heizungseinspeisung für warme Räume. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung hält die Wärmeverluste gering. Die Fenster helfen durch eine Drei-Scheiben-Wärmeschutzverglasung zusätzlich beim Energiesparen. Nachhaltigkeit hat bei diesem Projekt also viele Aspekte: Das traditionelle Ortsbild wurde kaum verändert, der Bauschutt wurde so gut wie möglich recycelt und es entstand neuer Wohnraum ohne dabei bisher unbebaute Fläche zu versiegeln. Außerdem erzeugt der Bau mehr Strom, als die Bewohner brauchen, nutzt Sparpotenziale aus so gut es geht und setzt auf lokal verfügbare Energiequellen (Holz).

 

Stadthaus in Berlin dient als Kraftwerk und Tankstelle

Im Berliner Stadtteil Charlottenburg testen zwei Familien das so genannte "Effizienzhaus Plus“, das die deutsche Bundesregierung als Modellprojekt in Auftrag gegeben hatte, 15 bzw. 12 Monate lang. Der futuristische Bau mit 136 Meter Wohnfläche verfügte über eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und den Fassaden und konnte mithilfe von Hochleistungsbatterien die Energie sogar speichern. Das Haus produzierte mehr Energie, als die Bewohner benötigten und diente auch als Tankstelle für die zwei E-Autos und Pedelecs. Die Bewohner haben Ihre Erfahrungen in einem Blog dokumentiert. Seit Oktober 2017 steht das Objekt übrigens wieder interessierten Besuchern offen.

Das Fazit des Effizienzhaus Plus fiel allerdings durchwachsen aus: So produzierte die PV-Anlage aufgrund der schlechten Wetterlage weniger Energie als erwartet. Die Bewohner verbrauchten indes 75 % mehr als veranschlagt. Allerdings konnte die innovative Bleibe im letzten Messejahr dank verschiedener Verbesserungsmaßnahmen immerhin einen Stromüberschuss von 3.543 kWh einsparen.

Dennoch stellten einige deutsche Medien das Projekt zunächst als Misserfolg dar. Das mag etwas voreilig erscheinen - denn Nachhaltigkeit am Bau müssen wir eben alle auch (wieder) lernen. Das Effizienzhaus Plus zeigt jedenfalls, dass Wohnhäuser auch als Kraftwerke dienen können. Und die deutsche Regierung fördert Gebäude, die mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen.

 

Fazit: Wie Nachhaltigkeit am Bau funktionieren kann

Am Beispiel der Baubranche zeigt sich, wie der moderne Mensch gelernt hat, gegen die Natur zu arbeiten, anstatt mit ihr zu leben. Die Ressourcenvernichtung dieser Branche ist besonders hoch: Beim Abbau wichtiger Grundstoffe wie Sand wird die Umweltzerstörung in Kauf genommen, um wertvolle Flächen mit Straßen und Gebäuden zu versiegeln, die dann zu einem nicht unerheblichen Teil leer stehen. Nachhaltige Konzepte sind also gerade am Bau gefragt. Damit sie wirksam sind, müssen sie angefangen von der Beschaffung der Rohstoffe bis hin zum Abtragen des Gebäudes alle Aspekte umfassen. Dass dies mithilfe smarter Technologie aber auch traditioneller Baustoffe möglich ist, zeigen bereits einige ausgeklügelte Konzepte und eindrucksvolle Bauwerke - aus Holz, Lehm, Stroh oder vielen anderen Baustoffen. 

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Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. Since 2012 she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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