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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 13-Sep-2018
Autor: Michael PUTZ

Warum nur die richtige Moderation zur Innovation führt

 

Neues erzeugt immer Widerstände. Je höher der Neuigkeitsgrad einer Innovation ist, desto höher sind die innerbetrieblichen Hürden, diese auf den Markt zu bringen. Hindernisse tauchen bereits beim ersten Meeting des Innovationsteams auf und begleiten den Innovationsprozess bis zum Marktlaunch. Moderation hilft wesentlich dabei, mit Ihrer Innovation auf Kurs zu bleiben. Dieser Blogbeitrag beantwortet Ihre wichtigsten 12 Fragen zum Thema Moderation und Innovation.

 

1. Warum braucht Innovation eine Moderation?

Innovation hat immer sehr stark mit Emotion zu tun. Das werden Sie bereits beim ersten Zusammentreffen Ihres Innovationsteams bemerken. Jeder von uns findet seine eigenen Ideen tendenziell besser als die von anderen. Deshalb übernimmt jeder eine Art Elternschaft für sie. Ein objektiver Blick auf die Vor- und Nachteile der eigenen Geistesblitze ist kaum möglich. Deshalb ist jemand notwendig, der in der Gruppe Sachlichkeit herstellt. Professionelle Business-Moderation garantiert, dass die Ziele eines Meetings auch erreicht werden und dass das Team sich nicht verzettelt.

Vorlage Projektteam Zusammenstellung

 

2. Ist es wichtig, dass ein Moderator fundiertes Innovations-Know-how mitbringt?

Nein. Ganz im Gegenteil. Die Moderation für eine Innovation fällt sogar leichter, wenn der Moderator von der Materie keine Ahnung hat. Wenn Sie etwa neue Fenster für Bürogebäude entwickeln wollen, dann wird auch der Moderator eigene Ideen und Meinungen dazu haben, weil er auch Nutzer von Fenstern ist. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass der Moderator je in seinem Leben Fenster für Bürogebäude einkauft. Er ist nicht Zielgruppe für diese Innovation und seine Meinung deshalb völlig irrelevant. Wenn es um ein technisches Produkt geht, zu dem der Moderator überhaupt keine Beziehung hat, wird es ihm leichter fallen, sachlich zu bleiben. Denkbar ungeeignet als Moderatoren sind etwa Ingenieure aus Ihrem eigenen Betrieb, die bereits am Markt erfolgreiche Produkte selbst erfunden und entwickelt haben. Denn sie versuchen, ihre erfolgreiche Invention zu verteidigen, und keine andere Idee ist ihnen gut genug.

 

3. Können auch eigene Mitarbeiter die Moderation für eine Innovation übernehmen, oder soll man dafür unbedingt einen externen Dienstleister engagieren? 

Der Moderator kann durchaus aus dem eigenen Unternehmen kommen. Es gibt Unternehmen, die einen eigenen Mitarbeiter angestellt haben, der sich nur mit Business-Moderation beschäftigt. Die Person soll aber organisatorisch direkt an der Schnittstelle zwischen Markt und Technik angesiedelt sein. Der Moderator darf keinesfalls einem Vorgesetzten aus einem dieser Bereiche unterstellt sein. Denn ansonsten ist er parteiisch. Markt und Technik bzw. Innovation sind nämlich laut dem US-Management-Vordenker, Peter F. Drucker, die zwei Kernaufgaben eines jeden Unternehmens. Nur sie bringen neue Kunden. Alle anderen Abteilungen eines Betriebes würden laut Drucker nur Kosten verursachen.

 

4. Wenn ein Unternehmen einen eigenen Innovationsmanager hat, ist der dann auch automatisch Moderator für Innovation?

Nein, das hängt sehr stark davon ab, welche Aufgaben der Innovationsmanager hat und - wie oben schon erwähnt - wo er angesiedelt ist. Es gibt Innovationsmanager, denen die Moderation nicht liegt, denn die setzt ja auch eine ganze Reihe von Fähigkeiten voraus.

 

5. In welcher Phase des Innovationsprozesses soll der Moderator auf den Plan treten?

Die Moderation für eine Innovation beginnt schon bei der Auswahl der Mitglieder des Innovationsteams. Denn sowohl die Zusammenstellung als auch die Größe des Teams beeinflusst den Output sehr stark. Ein guter Moderator wird darauf achten, dass er mit einer möglichst heterogenen Gruppe an Personen zusammenarbeiten kann. Denn diese arbeiten besser zusammen. Welche Rollen diese Mitglieder unbedingt besetzen sollen und warum es wichtig ist, Opponenten oder auch Miesepeter im Innovationsteam zu haben, lesen Sie hier.

 

6. Sind Konflikte nicht Gift für einen Innovationsprozess?

Nein. Zumindest einen Opponenten gibt es in jeder Gruppe. Die Konflikte, die diese in der Fachsprache auch als Omega bezeichnete Rolle einbringt, sind extrem wichtig. Denn Omega bringt jene Bedenken auf den Punkt, die andere Teammitglieder möglicherweise auch haben, sie aber nicht aussprechen. Wenn ein Omega etwa zu bedenken gibt, dass eine angedachte Lösung für ein Problem zu teuer, und deshalb nicht realisierbar wäre, dann ist es dem Moderator möglich, das Team darüber zu diskutieren zu lassen. Es ist viel besser, wenn diese Bedenken, die ja auch tatsächliche Hürden sein könnten, ausdiskutiert werden. Schlimm wäre es, wenn sich eine vom Innovationsteam fertig entwickelte, patentfähige Invention tatsächlich als zu teuer herausstellen würde. Jeder Moderator ist deshalb froh, wenn ein Gruppenmitglied die Rolle des Omega übernimmt. Die Rolle kann übrigens während des Innovationsprozesses wechseln.

 

7. Woran ist ein guter Moderator für Innovation erkennbar?

Er muss es schaffen, die Teamteilnehmer aus ihrem Alltag schnell abzuholen, und eine konstruktive Harmonie herstellen. Gute Moderation darf auch gewillt sein, Konflikte zu erkennen und zu bearbeiten. Klarheit geht immer vor Harmonie. Der Moderator hat auch die Aufgabe, die Gruppe innerhalb der zeitlichen Vorgabe ans Ziel zu führen. Dazu zählt auch, der Gruppe das gesteckte Ziel gleich zu Beginn zu erläutern. Diese Auftragsklärung informiert die Teilnehmer darüber, wer zum Meeting eingeladen hat und was sich der Auftraggeber erwartet. Ein Innovationsteam umfasst bei der LEAD User-Methode, und allen anderen Arten von Open Innovation, auch externe Personen. Ein Ziel eines Innovationsprozesses kann sein, möglichst viele Ideen zu generieren. Oder dem Auftraggeber geht es darum, nur eine Idee für eine Lösung zu bekommen. Dies soll der Moderator wie gesagt ganz zu Beginn des Prozesses erläutern.

 

8. Warum ist eine professionelle Moderation von Innovation gerade bei Open Innovation Methoden, wie etwa der LEAD User-Methode so wichtig?

Weil hier Personen an den Meetings teilnehmen, die das freiwillig tun, keine Bezahlung erhalten und sich teilweise sogar Urlaub dafür nehmen. Hier soll der Moderator darauf achten, eine Atmosphäre der Freundlichkeit zu schaffen. Wichtig ist dabei auch, den Teilnehmern zu ermöglichen, das Treffen als Bühne zur Darstellung der eigenen Ideen zu verwenden. Ohne dabei das eigentliche Ziel des Innovationsprozesses aus den Augen zu verlieren. Konferenzen mit externen Personen zu leiten ist etwas völlig anderes, als durch ein Treffen zu führen, zu deren Teilnahme die Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten verpflichtet wurden.

 

9. Gibt es spezielle Moderationstechniken, die sich für den Innovationsprozess bewährt haben?

Es gibt viele Moderations- und Kreativitätstechniken. Eine gute Übersicht darüber bietet dieser Download. Die so genannte Nörgler-Runde hat sich in der Praxis bestens bewährt. Dabei können alle Teammitglieder gleich zu Beginn des Meetings ihre negativen Assoziationen, die sie zu den eigenen Produkten haben, los werden. Sie können sich so richtig „auskotzen“, indem sie das Negative niederschreiben (Brainwriting). Danach sagt der Moderator: „So das war es jetzt, ab sofort denken wir nur noch in Chancen. Wie würde eine perfekte Welt aussehen, welche Eigenschaften hätte die ‚eierlegende Wollmilchsau‘.“ Wichtig ist wie gesagt, dass das gleich zu Beginn stattfindet.

 

10. Gibt es noch weitere „Klassiker“ bei den Moderationsmethoden bzw. Kreativitätstechniken?

Natürlich. Jeder Gruppenteilnehmer hat ja ein Namensschild. Auf dieses Schild bekommt er einen roten Punkt, wenn er meint, dass etwas nicht funktioniert. Einen grünen Punkt bekommt er dann, wenn er eine gute Idee oder einen kreativen Ansatz einbringt. Diese Technik mag zwar kindisch anmuten, aber sie sorgt für Spaß und Lockerheit. Und: Sie funktioniert sowohl beim Müllmann als auch beim Konzernboss.

 

11. Welche Hilfsmittel, wie etwa Flipcharts oder Beamer, haben sich bei der Moderation für eine Innovation bewährt?

Es hat sich bewährt, nur mit Flipcharts, Post-Its, Papier und Stiften zu arbeiten. Wenn einer in der Gruppe vor dem auf einem Tisch aufgeklebten Backpapier steht und einen Stift in Händen hält, während die anderen Teilnehmer lebhaft diskutieren, dann hat der Moderator ein wichtiges Ziel erreicht. Power-Point-Slides oder Google-Recherchen killen hingen die Kreativität. Der Moderator sollte auch gleich zu Beginn der Session klären, dass Laptop, Tablet und Smartphone - etwa zum Beantworten von E-Mails - tabu sind. Denn ein Teamteilnehmer, der am Handy ein Mail beantwortet, ist geistig nicht bei der Gruppe, trägt nichts bei und stört die anderen.

 

12. Wie lange sollte eine Moderation die Innovation begleiten? 

Der Moderator ist eigentlich immer für das Unternehmen greifbar und besucht es auch regelmäßig während des Innovationsprozesses. Auch wenn das Innovationsteam bereits eine patentfähige Lösung entwickelt hat, kann der Moderator helfen, Widerstände zu überwinden. Wenn etwa die Verpackungsabteilung Ihres Unternehmens sagt: „Ok, gute Idee, aber das können wir nicht verpacken.“ Ein Moderator hilft dann dabei, dieses Problem sachlich auszudiskutieren und zu lösen. Gerade firmeninterne Diskussionen werden oft sehr emotional geführt. In funktional strukturierten Unternehmen passiert es oft, dass eine Abteilung mit dem Finger auf die andere zeigt, nur um selbst nicht sachlich arbeiten zu müssen. In einer solchen Situation hilft dann nur noch ein externer Moderator.

 

Fazit: Moderation Innovation

Innovationen stammen heute nur ganz selten aus der Feder eines einzelnen Tüftlers, sondern entstehen meist in Teams. Wo Menschen fokussiert, konzentriert und kreativ zusammenarbeiten, entstehen viele Emotionen. Ein Moderator sorgt dafür, dass Sie diese fruchtbringend für den eigenen Innovationsprozess nutzen können.

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Michael PUTZ

Born in the Salzkammergut. After working for Shell and Porsche, he concentrated on innovation management as a study assistant at the Innovation Department of the Vienna University of Economics and Business Administration. In 2003 he founded LEAD Innovation and manages the company as Managing Partner. Lectures at MIT, in front of companies like Google or NASA.

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