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LEAD Innovation Blog

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Datum: 22-Nov-2018

Legalisierung von Drogen - das sind die Auswirkungen einer LEAD User Innovation

 

LEAD User setzen sich als fortschrittliche Nutzer oder Anwender in einem Anwendungsfeld intensiv mit einem Problem auseinander, für das es auf dem bestehenden Markt noch keine passende Lösung gibt. Urban Farming ist ein treffendes Beispiel für eine LEAD User Innovation, die sich aus der Sehnsucht vieler Städter nach Natur und gesunden Lebensmitteln entwickelte. Was Urban Farming mit der Legalisierung von Hanf zu tun hat, dazu mehr in diesem Beitrag.

Cannabis statt Tomaten

Unzählige Aktivisten haben in den vergangenen Jahren durch ihre eigene Kreativität Gärten geschaffen, selbst in ihren noch so kleinen Apartments. Dort ziehen sie mithilfe von Smartphone-Apps und innovativen Pflanzensystemen verschiedenste Gemüsesorten und tüfteln laufend an effizienteren Lösungen. Die ausgeklügelte Technik der Urban Farmers lässt sich jedoch nicht nur für Salat, Kräuter und Tomaten bestens einsetzen, sie eignet sich auch für den privaten Anbau von Cannabis. Patienten, die sich vom Konsum medizinischen Cannabis Erleichterung erhoffen, nutzen diese Möglichkeit daher auch.

Da es in Österreich aber nach wie vor verboten ist, die Hanfpflanze oder Teile der Hanfpflanze zu verwenden, Essenzen oder Auszüge herzustellen sowie zu konsumieren bringt der Anbau und Konsum betroffene Menschen in eine äußerst schwierige Situation. Der Ruf nach Legalisierung von Medizinalhanf wird daher auch in Österreich immer lauter.

Trendsammlung Medizin

 

Gesetzeslage und hohe Kosten treiben Patienten in illegalen Anbau

Cannabis feiert derzeit eine medizinische Renaissance. Die klinische Wirksamkeit von Cannabis bei Erkrankungen wie Krebs, chronischem Schmerz, Spastik, Rheuma, Tourette-Syndrom, Epilepsie, Parkinson oder Alzheimer gilt als belegt. Doch nur wenige Ärzte in Österreich verschreiben die teuren Medikamente und die Krankenkassen übernehmen selten die hohen Kosten.

Dronabinol kostet für einen Tumorpatienten 500 bis 600 Euro im Monat, in 30 Prozent der Fälle zahlt die Krankenkasse. CBD kostet 800 bis 1000 Euro im Monat, wird aber nur in den seltensten Fällen von Kassen übernommen. Ärzte berichten von einem „Canossagang für Patienten“. Cannabisblüten, konsumiert als Extrakt, vaporisiert, als Tee oder geraucht, kommt wesentlich billiger. In Deutschland kosten diese - nach der Legalisierung von Medizinal-Cannabis im vergangenen Jahr - lediglich 70 Euro je Gramm in der Apotheke. Während also Patienten in Deutschland und mittlerweile auch in vielen anderen westlichen Ländern Cannabisblüten auf Rezept bekommen, wird in Österreich derzeit noch intensiv diskutiert.

Österreichische Patienten mit starken Schmerzen, die sich die hohen Kosten nicht leisten können und bei denen Medikamente nicht wirken, versorgen sich daher zunehmend selbst durch illegalen Eigenanbau.

 

Österreicher befürworten die Legalisierung von Medizinalhanf

Was in Deutschland möglich ist – dass Schwerstkranke medizinisches Cannabis auf Rezept bekommen – ist in Österreich noch Zukunftsmusik. Hierzulande darf Cannabis in Pflanzenform nicht für medizinische Zwecke verwendet werden, erlaubt sind lediglich synthetische Extrakte, also Präparate mit den Inhaltsstoffen Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD).

Otto Lesch von der Uniklinik für Psychiatrie im AKH kritisiert dies ebenso wie Kurt Blaas, Gründer der Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“, da natürliches Cannabis besser wirke. Die Pflanze enthalte mehr als 500 Inhaltsstoffe, also weit mehr als die verfügbaren Medikamente. Beide fordern – wie in Deutschland – Blüten für medizinische Zwecke freizugeben. Doch wie sehen eigentlich die Österreicher das Thema rund um medizinisches Cannabis?

Eine aktuelle Hayek-Studie gibt hierzu interessante Einblicke. Die repräsentative Befragung von 1.000 Österreichern ab 16 Jahren ergab, dass der Informationsstand bezüglich Medizinalhanf überraschend hoch ist: 77 Prozent gaben an, dass ihnen medizinisches Cannabis bekannt sei, bei Befragten mit Schmerzpatienten im persönlichen Umfeld sind es sogar 83 Prozent. 86 Prozent ist bekannt, dass medizinisches Cannabis schmerzstillend ist.

Sofern Ärzte und Apotheken die Kontrollhoheit haben, ist die Bereitschaft zudem sehr hoch, Medizinalhanf zuzulassen: 78 Prozent stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass medizinisches Cannabis nur unter ärztlicher Verschreibung und Anwendung erhältlich sein soll. Ebenfalls 78 Prozent der Befragten sind sehr oder eher dafür, dass medizinisches Cannabis nur auf Rezept in Apotheken erhältlich sein soll. Cannabis als Medizin wird somit mehrheitlich positiv gesehen, eine generelle Cannabis-Legalisierung, Eigenanbau zu medizinischen Zwecken und Kauf ohne Rezept in Hanfshops werden hingegen strikt abgelehnt.

Studie Hanf

 

Medizinalhanf als Wirtschaftsfaktor

In den USA ist medizinischer Hanf in 29 Bundesstaaten bereits legal. Vergangenes Jahr wurden dort im Medizinbereich 2,6 Milliarden Dollar umgesetzt. Zulieferfirmen für die technische Ausstattung profitieren gleichermaßen von der Legalisierung. So wird etwa das Marktpotential im Bereich der Beleuchtungstechnik auf 400 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 geschätzt. Manche US-Staaten nehmen mittlerweile durch die Besteuerung von Cannabis-Produkten mehr ein als mit der von Alkohol.

In Deutschland geht Georg Wurth, Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, von rund 800.000 Patienten aus. Umsatzzahlen in dreistelliger Millionenhöhe seien möglich. Viele Firmen versuchen derzeit bereits in den Bereich einzusteigen – die Geschäftsmodelle reichen vom reinen Anbau der Pflanze über Produktion und Vertrieb des notwendigen Zubehörs bis hin zur Beratung in medizinischen Fragen. Die DCI Cannabis Institut GmbH sammelte beispielsweise auf der Crowdinvesting-Plattform Transvendo 1 Million Euro Kapital für die Eröffnung eines Therapiezentrums, das Patienten mit Cannabis-basierter Medizin betreuen soll. Bis 2021 soll der Jahresumsatz der Firma auf 3,6 Millionen Euro steigen.

 

Fazit: Urban Farming als Wegbereiter der Legalisierung von Cannabis 

Die restriktive Handhabung des Cannabiskonsums für medizinische Zwecke und die hohen Kosten für synthetische Cannabis-Medikamente treiben viele Patienten in den illegalen Eigenanbau. Die positiven Wirkungen von Cannabis sind in Österreich weitläufig bekannt und forciert die Forderung nach einem angemessenen Umgang mit medizinischem Cannabis. Eine Legalisierung würde in Österreich – wie auch in anderen Ländern – eine Entkriminalisierung von Patienten bedeuten und darüber hinaus eine Fülle an wirtschaftlichen Möglichkeiten schaffen.

Trendsammlung Medizin

Angela HENGSBERGER

Born and raised in Vienna. For more than 6 years she has been in charge of Business Development at LEAD Innovation with the functions marketing, sales and communication.

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