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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Die Vorreiter-Rolle der Deutschen Post in der eMobility

 

Die Deutsche Post mischt in Deutschland mit ihrem „StreetScooter“ den Markt für Elektromobilitätslösungen im Logistikbereich auf. Da die Autobauer kein passendes Modell liefern konnten, entwickelte der Konzern seinen eigenen Elektrotransporter.

 

Streetscooter wurde aus der Not geboren

Ursprünglich suchte der Logistik-Konzern im Zuge seines „GoGreen Programms“ bei den Autoherstellern nach einem Kleintransporter, der die Schadstoffbelastung in den Innenstädten reduziert. Doch die Hersteller hatten kein entsprechendes Angebot. So wurde der Logistik-Konzern selbst zum Autobauer und übernahm 2014 das Aachener Startup Streetscooter, um gemeinsam ein alltagstaugliches elektrisches Zustellfahrzeug zu entwickeln. Der Antrieb stammt vom Automobilzulieferer Bosch.

Deutsche Post

© Deutsche Post

 

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich der StreetScooter zum Marktführer für elektrische Nutzfahrzeuge in Deutschland. Seit die Deutsche Post den Elektro-Transporter auch an Dritte vertreibt, wird die Nachfrage immer größer. Um diese bedienen zu können, eröffnete der Konzern im Mai 2018 ein zweites Produktionswerk in Düren. Zuvor wurden nur in Aachen die gelben E-Flitzer hergestellt.

Die Produktionskapazitäten beider Werke liegen nun bei bis zu 20.000 Elektrofahrzeugen pro Jahr. Etwa 5.000 Elektro-Transporter will die Post jährlich selbst in Betrieb nehmen – bis die deutsche Flotte komplett umgestellt ist. Mit der Zulassung im Dezember 2018 zur Großserien-Produktion können nun auch große Fahrzeugmengen bei Flottenbestellungen problemlos zugelassen werden, auch im Ausland.

 

Erfolg durch konsequente Kundenorientierung

Das Erfolgskonzept basiert auf der Anpassung des Fahrzeuges an die Kundenbedürfnisse – und das zu einem leistbaren Preis. Mit Box, Pritsche, Drei-Seiten-Kipper, Kühlkoffer oder integrierten Schubladen lässt sich der StreetScooter flexibel konfigurieren.

„Wir waren und sind überzeugt, dass der Elektromotor für die letzte Meile der überlegene Antrieb ist. Wir orientieren uns konsequent am Verwendungszweck und Bedarf des Kunden. Die Kernfrage ist: Welche konkrete Lösung hilft unseren Kunden, ihre Arbeitsabläufe einfacher und effizienter zu machen? Der StreetScooter ist ein Werkzeug, das die operativen Prozesse beim Kunden effizienter macht.“ – Professor Dr. Achim Kampker, CEO der StreetScooter GmbH

Den StreetScooter gibt es derzeit in drei Größen und unterschiedlichen Varianten: Als kompakten Allrounder WORK mit 4,70 Meter Außenlänge, als WORK L mit nützlichen 8 Kubikmeter Ladevolumen und als WORK XL mit 20 Kubikmeter Ladevolumen und einer Reichweite von 200 Kilometern. Die Preise beginnen bei 31.950 Euro für das Basismodell WORK.

 

8.000 StreetScooter sind bei der Deutschen Post im Einsatz

Im Oktober vergangenen Jahres gab die Post bekannt, 8.000 Streetscooter Transporter und 4.000 Streetscooter E-Bikes und E-Trikes im Einsatz zu haben. Zusätzlich sind knapp 8.000 weitere E-Bikes und E-Trikes anderer Hersteller eingeflottet. Insgesamt haben die Mitarbeiter der Post mit dem Elektro-Transporter bereits 40 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Die jährliche CO2-Ersparnis gibt die Post mit 26.000 Tonnen an – bei einem Ökostrom-Anteil von 100 Prozent. Die Kosteneinsparung für Wartung und Verschleiß liegt bei 60 bis 80 Prozent im Vergleich zu konventionellen Fahrzeugen.

Streetscooter Deutsche Post DHL

© Deutsche Post

 

Rege Nachfrage nach StreetScooter

Die Deutsche Post verkauft den StreetScooter mittlerweile erfolgreich auch an andere Firmen – von Handwerkern, Lieferanten und Gewerbebetrieben bis hin zu öffentlichen Unternehmen. Dabei profitiert der Konzern von der Dieselkrise, die zunehmend die Nachfrage nach dem Elektrotransporter steigen lässt.  

Immer mehr Handwerker, Bäcker und städtische Unternehmen setzen aus Angst vor Diesel-Fahrverboten auf den Elektro-Transporter der Post. Tausende StreetScooter rollen inzwischen durch deutsche Innenstädte. Mit 3.863 Neuzulassungen war der Stromer 2017 der meist verkaufte E-Lkw in Deutschland.

infografik statista

© Kraftfahrtbundesamt

 

So flitzen etwa seit 2017 StreetScooter mit Kühlaufbau für den Fischlieferanten Deutsche See emissionsfrei und flüsterleise zu den Kunden. Der Hildener Bäckermeister Roland Schüren beliefert seine 17 Filialen umweltschonend und auch die Elektrofirma J. Organista kommt mit dem Elektroauto der Post zum Kunden. In Bonn werden neun Elektro-Transporter WORK beim Grünflächenamt eingesetzt, das größere Modell WORK L fährt für das Tiefbauamt.

Im europäischen Ausland ist der StreetScooter in den Niederlanden und in Österreich für die DHL im Einsatz. Darüber hinaus fährt der Elektro-Transporter für den englischen Milchlieferanten Milk & More, der 200 Fahrzeuge erwarb und ein Drittel seiner Dieselflotte damit ersetzte. Laut Unternehmen konnten damit bereits 90 Prozent der operationalen Treibstoffkosten eingespart werden.

„Wir wollten diese einmalige Tradition wieder relevant für die heutigen Kundenbedürfnisse machen. Dafür brauchen wir ein lokales Produktportfolio, neue IT Systeme und zuverlässige, leise und umweltfreundliche Fahrzeuge. Mit dem StreetScooter haben wir das perfekte Fahrzeug für unsere Bedürfnisse gefunden.“ – Patrick Müller, CEO Milk & More

MilkMore_StreetScooter

© Milk & More

 

Energiedienstleister springen auf den Zug auf

Mit dem Ziel E-Fahrzeuge speziell an den eigenen Bedarf anzupassen, ging die innogy-Tochter Westnetz vergangenes Jahr eine Entwicklungspartnerschaft mit StreetScooter ein. Unter den deutschen Netzbetreibern wird Westnetz damit zum Vorreiter in Sachen Elektromobilität.

300 StreetScooter werden im Rahmen der Kooperation nach den speziellen Anforderungen des Netzbetreibers modifiziert und hergestellt. Anpassungen werden bei der Motorleistung sowie der Höchstgeschwindigkeit vorgenommen. Des Weiteren ist auch der Einsatz von Brennstoffzellen und Wasserstoff vorgesehen, um die Reichweite zu erhöhen und die Fahrzeuge auf die Anforderungen des Netzbetriebs im ländlichen Raum anzupassen. Eingesetzt werden die StreetScooter als Betriebsfahrzeuge für die Netztechniker von Westnetz.

 

westnetz

© Deutsche Post / Westnetz

 

Auch der Energiedienstleister EWR nutzt den StreetScooter bereits im eigenen Fuhrpark. Das Unternehmen hat sich darüber hinaus auf die Fahne geschrieben, den Ausbau der E-Mobilität in Rheinland-Pfalz voranzutreiben und in Kooperation mit StreetScooter bis zu 500 E-Nutzfahrzeuge an Unternehmen und Endkunden zu vermitteln – einschließlich Wallbox und dazu passendem Stromvertrag.

„Wir stehen in ständigem Kontakt zu Gewerbetreibenden und Kommunen. Deshalb wissen wir: Es besteht konkreter Bedarf an E-Nutzfahrzeugen. Wir sehen uns in der Verantwortung, hier aktiv voranzugehen und das Thema E-Mobilität in der Region in den Fokus zu rücken.“ – Stephan Wilhelm, Mitglied des Vorstandes der EWR AG

 

Innovative Car-Sharing Geschäftsmodelle entstehen  

Die Diesel-Fahrverbote dürften auch Bosch bei seinem Plan, Elektro-Transporter im Carsharing anzubieten, entgegen kommen. In Kooperation mit den Toom-Baumärkten können seit Dezember 2018 Kunden des Baumarktes einen StreetScooter per App buchen und ihre Einkäufe nach Hause bringen, ohne dass sie sich um Dieselfahrverbote kümmern müssen.

Bosch zieht das Pilotprojekt ähnlich wie Ikea und Hertz auf: Die Parkplätze der Baumärkte verfügen über Ladesäulen, an denen die E-Lieferwagen zur spontanen Miete bereitstehen. Dort müssen sie nach dem Transport auch wieder abgestellt werden. Der Kunde zahlt eine Stundenpauschale, in der die gefahrenen Kilometer und die Stromkosten enthalten sind. Sollte das Pilotprojekt erfolgreich sein, will Bosch den Carsharing-Service mit weiteren Partnern ausbauen.

Ein umfassenderes Geschäftsmodell hat das Start-Up UZE Mobility entwickelt. Das Unternehmen erwarb kürzlich 500 StreetScooter und geht mit Carsharing, Werbung und Big Data innovative Wege: Die Elektrotransporter sollen in Zukunft in ausgewählten Metropolen Privatnutzern per App z. B. für Umzüge, Großeinkäufe oder sperrige Einkäufe zur Verfügung stehen – und zwar kostenlos. Denn UZE Mobility will seine Fahrzeuge mit Werbung auf den Fahrzeugen finanzieren. Durch die generierten Einnahmen würden laut UZE Mobility die Mietpreise für die Fahrzeuge gegen Null gehen.

StreetScooter UZE-Mobility

© UZE Mobility

 

Geld verdient das Unternehmen durch den Verkauf von Fahrzeug- und Verkehrsdaten, die im täglichen Betrieb von den Elektro-Transportern aufgezeichnet werden. Die Sammlung und Auswertung erfolgen mithilfe von GPS-Sendern und der eigens entwickelten UZE Box.  Interessant sind die Informationen zum einen für Werbetreibende, die eine innovative und gezielte Werbeform nutzen können. Zum anderen haben auch Kommunen bereits ihr Interesse bekundet, um die Kosten für den Betrieb und die Wartung der Infrastruktur zu senken (z.B. Wie ist der Zustand der Straßen? Wo sind neue Schlaglöcher? Wo stockt der Verkehr regelmäßig?).

„Daten werden das Benzin der kostenlosen Elektromobilität sein. Dank der zahlreichen Fahrzeug-Daten können Unternehmen beispielsweise interessen- und straßengenaue Werbung auf Werbedisplays an den Elektromobilen schalten. Die Menschen werden gezielt auf der Straße mit regionalen Angeboten angesprochen. Außenwerbung wird für die Unternehmen messbarer und kalkulierbarer. Darüber hinaus entwickeln wir gerade weitere datenbasierte Geschäftsmodelle, um die abgasfreie Stadt in 2025 zu erreichen.“ – Sebastian Thelen, Digitalchef von UZE Mobility.

 

Fazit: Deutsche Post als Vorreiter und Inkubator

Trotz aller Unkenrufe hat es die Deutsche Post geschafft, einen E-Transporter zu entwickeln, der nicht nur dem eigenen Unternehmen, sondern auch Kunden aus anderen Branchen einen echten Mehrwert bringt. Weitere Projekte und Geschäftsideen sind bereits in Entwicklung. Aktuell arbeitet das Unternehmen an einer Version mit Brennstoffzelle und 2018 startete eine autonom fahrende Testflotte mit Technik von Nvidia und ZF. Außerdem wird unter dem Motto „Meine Landpost“ derzeit die umweltfreundliche Auslieferung von Lebensmitteln in ländlichen Regionen getestet. Man darf somit gespannt sein, welche Geschäftsmodelle seitens der Deutschen Post in Zukunft noch kommen werden. Mehr zum Thema eMobility lesen Sie in unserem Beitrag Die Zukunft der Elektromobilität.

Innovationen aus Elektrik & Elektronik

Gerhard BERTHOLD

Born in Vienna. At LEAD Innovation he works as Innovation Manager.

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