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LEAD Innovation Blog

Lesen Sie hier unsere neuesten Beiträge über Innovationsmanagement und Innovationen verschiedenster Branchen.

Datum: 11-Sep-2018

8 Dinge, die Corporate Venturing Beispiele aus der Praxis lehren

 

Weltweit investieren immer mehr Unternehmen in Startups. Etablierte Corporates wollen damit ihre eigenen Innovationsaktivitäten fördern und gleichzeitig verhindern, wichtige Technologien zu verpassen. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag über verschiedene Corporate Venturing Beispiele aus der Praxis, und welche Lehren Sie daraus für Ihren eigenen Betrieb ziehen können.

Corporate Venturing ist weltweit und über alle Branchen hinweg auf dem Vormarsch. Dies zeigt etwa die Analyse des globalen Venture Funding Marktes, die KPMG vierteljährlich durchführt. Demnach wurden im 2. Quartal 2018 knapp 70 Milliarden US-Dollar an Venture Capital investiert. Immerhin ein Fünftel dieser Summe stammt bereits von Corporates und nicht von professionellen Wagniskapitalgebern. Gute Gründe, um sich als Unternehmen abseits des eigenen Alltagsgeschäftes mit der Investition in Startups zu beschäftigen, gibt es einige.

 

Vaillant hat Partner für sprachgesteuerte Heizung gefunden

Die Sprachsteuerungstechnologie, die das Team von Cognigy entwickelt, war  ausschlaggebend für die Vaillant Group, dieses Startup zu unterstützen. Die Vaillant Group ist ein deutsches Familienunternehmen mit 140-jähriger Tradition, das sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik beschäftigt. Warum sich der international tätige Betrieb nun für Sprachsteuerung interessiert, erklärt der Direktor für Digitale Transformation, Rolf Tappe, in einem Interview: "Man muss nicht lang überlegen, um Schnittstellen und Einsatzmöglichkeiten zu finden, die für Anwendungen im Bereich der Heiztechnik hochinteressant sind. Als Erstes kommt einem dabei natürlich in den Sinn, die Regelung und Steuerung der Heizung über Sprachbefehle zu ermöglichen. Einfacher und intuitiver könnte man eine Bedienung wohl nicht machen."

Konkret unterstützt die Vaillant Group das vielversprechende Startup aus Düsseldorf mit einem Gründerstipendium und kooperiert dabei mit dem Inkubator und Accelerator Startplatz. Dort kann das Team von Cognigy Coworking-Spaces nutzen, eine eigene Startup-Academy besuchen und verschiedene Workshops und Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Die Vaillant Group selbst bietet den Gründern Industrie-Know-how, Ressourcen und strukturelle Unterstützung, wie Mentoren aus verschiedenen Fachabteilungen und aus dem Management. Auch bei der Vermittlung von Kontakten zu weiteren Marktteilnehmern, zu Branchenverbänden und zu Institutionen für fachliche Vernetzung hilft die Vaillant Group weiter.

Case Study LEAD Transfer Methode

In der Digitalstrategie der Vaillant Group spielen Kooperation und Corporate Venturing eine wichtige Rolle. Tappe erklärt: „Viele Startups sind innovativ im Denken und unkonventionell in ihren Methoden. Die Arbeitsweise ist meist flexibel und funktionsübergreifend." Kooperationen mit jungen Unternehmen würden der Vaillant Group nicht nur die Chance eröffnen, neue Geschäftsmodelle mitzuentwickeln, von denen man als Heiztechnikhersteller mittelfristig profitieren kann. „Sie liefern uns auch wichtige Impulse für Veränderungen mit Blick auf unsere eigenen Unternehmensstrukturen und Arbeitsmethoden", so der Direktor für Digitale Transformation.

 

Deutsche Telekom macht mit Startup Handyreparaturen einfacher

Die Deutsche Telekom kann in Sachen Kooperation mit Startups schon  eine gewisse Tradition vorweisen. Der Konzern betreibt bereits seit 6 Jahren den Inkubator Hubraum. Beim Investors Day 2018 in Wien riet Florian Steger, Investment Director von Hubraum, bei der Auswahl der geeigneten Startup-Partner das eigene Business nicht aus den Augen zu verlieren: „Es ist manchmal besser, sich auf das eigene Produkt zu konzentrieren und es zu verbessern, als zu versuchen das nächste Google zu werden", so der Manager. Dabei verwies er etwa auf das Startup Reparando, mit dem Hubraum zusammenarbeitet. Das Unternehmen will die Reparatur von beschädigten Handys für Kunden einfacher und unbürokratischer gestalten. Gemeinsam will man nun ein Geschäftsmodell entwickeln, das das Service der Deutschen Telekom ergänzt. Das Startups selbst profitiert unter anderem davon, dass sein Angebot in vielen Telekom-Shops zur Verfügung steht. Der Große Konzern hilft hier dem kleinen Startup, sein Geschäftsmodell zu skalieren.

 

Wie eine Versicherung mithilfe einer Tochter Neues probiert

Der österreichische Versicherungskonzern Uniqa Insurance Group AG will die Digitalisierung dafür nutzen, um die Nähe zum Kunden zu erhöhen. „Wir wollen kein Versicherer, sondern künftig ein Lebensbegleiter für unsere 10 Millionen Kunden in ganz Europa sein", gab Andreas Nemeth beim Investors Day 2018 zu Protokoll. Um dieses Ziel bis zum Jahr 2030 zu erreichen, hat das Unternehmen die Tochter Uniqa Ventures gegründet, die Nemeth als CEO leitet. Während das Mutterschiff mit seinen etwa 20.000 Mitarbeitern versucht, das Kerngeschäft so gut wie möglich zu erledigen, kann sich Uniqa Ventures mit innovativen Geschäftsmodellen, neuen Technologien und Zukunftstrends aus den Bereich FinTech, HealthTech, Smart Home und Mobility beschäftigen. Uniqa Ventures hat in 6 Startups investiert, wobei bei einem bereits ein erfolgreicher Exit gelang. Die Venture Capital Gesellschaft will ihre Aktivitäten aber noch weiter ausbauen. Erst kürzlich stockte die Uniqa Ventures ihr Investitionskapital um 25 Millionen Euro auf.

 

8 Punkte, die Sie beim Corporate Venturing beachten sollten

Diese und unzählige andere Corporate Venturing Beispiele zeigen 8 Aspekte auf, die es bei der Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und jungen Startups zu beachten gilt:

1) Die Erfahrung anderer hilft Ihnen bei Ihren eigenen Partnering-Aktivtitäten. Suche Sie deshalb nach Best-Practice-Beispielen und finden Sie heraus, nach welchen Methoden die Corporates die passenden Startups gefunden und auch mit ihnen erfolgreich zusammengearbeitet haben.

2) Ihre Corporate Venturing Strategie muss zu Ihrer Unternehmensstrategie und damit auch zu Ihrer Innovationsstrategie passen. Betrachten Sie eine Investition in ein Startup nicht bloß als eine möglicherweise lukrative Kapitalanlage. Dabei bleiben viele Ihrer eigenen Assets, wie Business-Kontakte, Marktzugang, Industrie- und Produktions-Know-how usw., mit denen Sie ein Startup unterstützen können, ungenützt.

3) Beim Partnering mit Startups sollten Sie Ihre Entscheidungen schnell treffen, um Ihre Chancen zu wahren. Damit verhindern Sie, dass einer Ihrer Konkurrenten Ihnen einen vielsprechenden Kooperationspartner vor der Nase wegschnappt.

4) Die Zusammenarbeit mit einem Startup sollte sich nicht nur für Ihr Unternehmen lohnen. Beide Partner müssen von der Kooperation profitieren, sonst hält diese nicht lange.

5) Corporate Venturing ist natürlich mit Risiken behaftet,  eine Partnerschaft bzw. die Technologie oder das Geschäftsmodell des Startups kann auch scheitern. Bereiten Sie Ihr eigenes Unternehmen auf einen solchen Fall auch vor. Dies können Sie etwa durch eine Innovationskultur des Scheiterns erreichen.

6) Für die Zusammenarbeit mit Startups muss es ein Commitment der obersten Managementebene geben. Selbst wenn Sie mit einem kleinen Budget ausgestattet sind, können solche Partnerprogramme nicht unter "ferner liefen" laufen. Denn in eine erfolgreiche Kooperation sind immer mehrere Abteilungen Ihres Unternehmens involviert. Außerdem ist Corporate Venturing ein sehr öffentlichkeitswirksamer Bereich.

7) Stehen Sie auch bei Schwierigkeiten zu Ihrer Entscheidung. Dass sich Geduld auszahlen kann, hat der österreichische Business Angel Hansi Hansmann mit seinem Engagement bei mySugr bewiesen. So hat er das Startup, das eine Diabetes App entwickelte, zweieinhalb Jahre alleine durchfinanziert. Letztendlich gelang ein lukrativer Exit und  das Unternehmen wurde Teil des Schweizer Pharmakonzerns Roche. Andererseits warnt auch Hansmann davor, sich selbst in die Idee eines Startups zu verlieben. Denn Liebe macht bekanntlich blind.

8) Sorgen Sie dafür, dass beide Partner voneinander so viel wie möglich lernen. Corporates profitieren nicht nur von der Technologie oder der Lösung, die Startups entwickelt haben. Sie können sich auch in Sachen Fehlerkultur, Spirit und Agilität von den Gründerteams etwas abschauen. Umgekehrt brauchen Startups Unterstützung in vielen Bereichen, wie etwa Vertrieb, Marketing, Marktzugang, Fertigung in industriellem Maßstab usw. Am besten eignet sich für diesen Austausch ein Informationssystem, auf dem das Know-how gut strukturiert gespeichert wird.

 

Fazit: 8 Dinge, die Corporate Venturing Beispiele aus der Praxis lehren

Corporate Venturing ist ein Trend, der alle Branchen erfasst hat. Dadurch können Sie sowohl Ihre eigene Innovationstätigkeit als auch -kultur substantiell bereichern. Allerdings ist es nicht gerade leicht, den richtigen Partner zu finden. Bei der Zusammenarbeit zwischen etablierten Corporates und jungen Startups kommt es notgedrungen zu einem Zusammenprall  verschiedener Kulturen. Die Herausforderung besteht darin, diesen für beide Seiten gewinnbringend zu managen. Machen Sie sich dabei die Erfahrungen, die bereits andere Unternehmen gemacht haben, zunutze.

LEAD Transfer

Julian Eberling

Born in Vienna. Since 2018 "Certified Service Design Thinker" he has been pursuing his passion as Innovation Manager at LEAD Innovation.

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