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LEAD Innovation Blog

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Datum: 22-Aug-2019
Thema: Logistik

Ausflaggung in der Logistik und ihre negativen Auswirkungen

Die Praxis der Ausflaggung im grenzüberschreitenden Güterverkehr hat seit Ende der 90er Jahre stark zugenommen. Wo dafür die Gründe zu finden sind und welche Auswirkungen damit verbunden sind, lesen Sie in diesem Beitrag.

Gründe für die steigende Ausflaggung

Unter Ausflaggung wird die Anmeldung von LKW bzw. Sattelschleppern in einem anderen EU-Mitgliedstaat zur Nutzung von Kostenvorteilen verstanden. Insbesondere seit der EU-Erweiterung im Jahr 2004 stand dem Ausflaggen in Billiglohnländer nichts mehr im Wege.

Innovations-Check

 

Vielfach ist die Ausflaggungstendenz dem Umstand geschuldet, dass österreichische Firmenstandorte im europäischen Wettbewerb nicht mehr konkurrenzfähig sind. Eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien hat im Rahmen einer Befragung von heimischen Transportunternehmern die wichtigsten davon identifiziert:

  • die Höhe der heimischen Lohnnebenkosten und der direkten Lohnkosten
  • die Höhe der Kfz-Steuer und Mineralölsteuer
  • Zugang zu Fahrpersonal bzw. Lenker
  • Abschreibungskosten
  • Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten
  • hoher bürokratischer Aufwand im Heimatmarkt
  • Restriktive Vorschriften und hohe Verwaltungsstrafen

 

Anteilsverluste im grenzüberscheitenden Güterverkehr

Über die letzten 10 bis 15 Jahre sind zwar innerösterreichische Transportleistungen, die von österreichischen LKWs durchgeführt werden, relativ stabil geblieben. Internationale Transportleistungen sind aber stark im Sinken, obwohl sich der internationale Handel mit Österreich intensiviert hat. Diese Entwicklung ist auch in Deutschland, Dänemark oder Schweden zu beobachten.

Die Transportleistung österreichischer LKW im grenzüberschreitenden Straßengütertransport betrug etwa im Jahr 2008 noch 38 Prozent, im Jahr 2016 waren es nur mehr 20 Prozent. Die meisten Anteilsverluste haben österreichische Unternehmen an Transportfirmen aus den neuen EU-Mitgliedsländern wie Bulgarien, Rumänien oder Ungarn verloren, die ihre grenzüberschreitenden Transportleistungen mehr als verdoppelt haben. Deren Anteile sind von rund 30 Prozent im Jahr 2008 auf rund 50 Prozent im Jahr 2016 gestiegen. Wie hoch der Anteil an ausgeflaggten österreichischen LKW in diesem Segment ist, blieb in der Unicredit-Studie offen.

grenzüberschreitender Transport 

Brancheninternen Schätzungen zufolge wurden 2014 rund 50 Prozent (2014) der LKW-Flotten, vor allem schwere LKW und Sattelzugfahrzeuge, in anderen EU-Staaten angemeldet. Ein Hinweis auf die Praxis des Ausflaggens ist auch der kontinuierlich sinkende Bestand schwerer LKW und Sattelzugfahrzeuge in Österreich von 2005 bis 2015.

Die in den Jahren 2016 und 2017 wieder steigenden Neuzulassungs- und Bestandzahlen waren teilweise nachfragegetrieben. 2018 sank die Anzahl an Neuregistrierungen wieder. Ob dies auch als Hinweis auf weniger ausgeflaggte LKW bewertet werden kann, ist derzeit nicht ausreichend dokumentiert und bleibt offen. Es sieht daher im Moment nicht danach aus, dass die Marktanteilsverluste am grenzüberschreitenden Gütertransport gestoppt werden konnten.

 

Entgang von Steuereinnahmen

Wie Studien zeigen, kostet Ausflaggen den österreichischen Staat jährlich 55.000 Euro pro Lkw. Österreich alleine wird diesbezüglich keine zufriedenstellende Lösung finden können, da es für einen fairen Wettbewerb einheitliche Regeln innerhalb der gesamten EU braucht. Mit der Senkung der Lohnnebenkosten in Österreich könnte man allerdings eines der meist vorgebrachten Hauptargumente für das Ausflaggen entkräften und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Billiglohnländern erhöhen. 

 

Sozialdumping durch Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit

Logistikverbände zeigen sich zunehmend besorgt über die Entwicklung der Branche in Europa. Dabei geht es vor allem um komplette Fuhrparks, die zwar in Osteuropa zugelassen sind, jedoch dauerhaft z.B. Deutschland oder Österreich stationiert und auch von dort aus disponiert werden. Steuern, Arbeits- und Sozialkosten für diese LKW befinden sich auf osteuropäischem Niedriglohn- und Sozialstandard, obwohl in Deutschland bzw. Österreich der Mindestlohn, Sozialabgaben und auch Steuern fällig wären.

Tatsächlich würde es sich hierbei um legalisierte Schwarzarbeit mit entsprechend schlechten Arbeitsbedingungen handeln, die getarnt als Dienstleistungsfreiheit die Märkte geradezu flute, meint der deutsche Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL). Die in der EU grundsätzlich erlaubte Dienstleistungsfreiheit und Niederlassungsfreiheit würde für Sozialdumping missbraucht. Eine Niederlassungspflicht für Unternehmen in dem Land, in dem sie dauerhaft und überwiegend Dienstleistungen anbieten, könnte diesbezüglich Abhilfe schaffen.

 

Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland

Der Personalaufwand pro Beschäftigten im Straßengütertransport ist in Österreich um fast 40 Prozent höher als im EU28-Schnitt. So liegt etwa der durchschnittliche Stundenlohn in Österreich bei 15 Euro, in Polen und Tschechien bei 5 Euro und in Rumänien und Bulgarien bei nur 3 Euro (Quelle: Eurostat). Die Ausflaggung führt daher auch zur Verlagerung von Arbeitsplätzen in den osteuropäischen Raum. Arbeitsplätze von inländischen LKW-Fahrern gehen zunehmend verloren.

ArbeitsmarktQuelle: Arbeitsmarkt für Kraftfahrer, AMS Österreich, 2016

 

Mangel an qualifizierten Fachkräften

Der Mangel an qualifizierten LKW-Fahrern hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. Das Ausflaggen spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, da es für Unternehmen bedeutend schwieriger ist, Mitarbeiter aus fremden Ländern und mit unterschiedlichen Sprachen aus- und weiterzubilden.

 

Fazit: Maßnahmen gegen Ausflaggen

Einzelne Firmen kehren zwar wieder nach Österreich zurück, doch könnte dieser Effekt wohl verstärkt werden, wenn bei Verstößen gegen Sozialdumping-Regeln auch die Auftraggeber – also die Industrie, aber auch die Speditionen – mit in die Verantwortung genommen werden könnten. Zusätzlich müssen dringend attraktivere Standortbedingungen, insbesondere durch Senkung der Lohnnebenkosten, geschaffen werden, um Transportunternehmen konkurrenzfähige Bedingungen in Österreich zu bieten. Ob der Gesetzgeber auf diese Herausforderung entsprechend reagieren wird, bleibt abzuwarten.

Innovations-Check

Julian Eberling

Born in Vienna. Since 2018 "Certified Service Design Thinker" he has been pursuing his passion as Innovation Manager at LEAD Innovation.

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