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LEAD Innovation Blog

Warum es Sinn macht, über Zusatzfunktionen für Verpackung nachzudenken

Zusatzfunktionen für Verpackungen

Verpackungen schützen und verkaufen, so lautet eine alte Weisheit. Doch in der oft bloß als Müll betrachteten Umhüllung von Produkten steckt viel mehr Potenzial. Diese 4 Beispiele zeigen, warum es sich auszahlt, sich über Zusatzfunktionen für die Verpackung Gedanken zu machen.

Verpackungen haben in einer Wohlstandsgesellschaft nicht den besten Ruf: sie sind so etwas wie der Hang-over, an dem wir alle nach einem stationär oder online ausgelebten Kaufrausch leiden. Pappkartons, Kunststoffhüllen, Styropor Würmer und Sackerln füllen unsere Mülleimer, die wir alle gebührenpflichtig entsorgen lassen müssen. PET-Flaschen und sonstiger Plastikmüll beansprucht immer mehr Meeresraum für sich.

 

Menge an Verpackung steigt weltweit

Der Ruf nach verpackungsfreien Supermärkten wird immer lauter. Eine solche Maßnahme wäre aber nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein, und bei weitem nicht im Stande, einen Megatrend aufzuhalten. Weltweit steigt der Wohlstand, und damit auch die Menge der Verpackungen, an.

 

Kreislaufsystem als Lösung

Wollen wir nicht alle in ein paar Jahren in unserem eigenen Verpackungsmüll ersticken, dann müssen wir verstärkt auf Kreislaufwirtschaft (Cradle to Cradle) setzen. Der Weg dahin ist ein langer. Darum sind Zwischenschritte notwendig, um die Verpackungsmüllflut so schnell wie möglich einzudämmen.

 

Zusatzfunktionen für Verpackung

Eine Möglichkeit, dies zu tun, ist, sich Zusatzfunktionen für die Verpackung zu überlegen. Im idealsten Fall wird die Verpackungen dann selbst ein Produkt oder zumindest ein wesentlicher Teil davon. Willkommener Nebeneffekt dieser Strategie ist es, dass das Produkt selbst dadurch „wertiger“ wird. Der Produzent kann dafür entweder einen höheren Preis erzielen. Oder sein Produkt hat einen zusätzliches Kaufargument gegenüber Konkurrenzprodukten.

 

1) Kleinere Portionen - größere Margen

Eine Strategie, die besonders höhere Margen als Ziel hat, verfolgen derzeit große US-Lebensmittelkonzerne wie Kraft, General Mills oder Campbell's Soup. Sie verpacken Fertiggerichte in kleineren Portionen und vertreiben sie über Discount-Ketten, wie etwa Dollar General. Die Zielgruppe von Fertigmahlzeiten a la Macaroni and Cheese sind US-Konsumenten, die jeden Dollar zweimal umdrehen müssen. Sie haben oft nicht die Möglichkeit, Lebensmittel länger zu lagern. Der Zusatznutzen der kleineren Verpackung besteht darin, dass sich der Nutzer genau eine Hauptmahlzeit schnell zubereiten kann. Für diesen Zusatznutzen ist selbst die äußerst preissensible Konsumentenschicht bereit, mehr zu bezahlen. Und zwar fast das Doppelte des normalen Preises, wie ein Bericht der Washington Post belegt. Diese Strategie, einer relativ armen Konsumentenschicht Nahrungsmittel um den doppelten Preis zu verkaufen, ist moralisch verwerflich, zeigt aber, welch hohen Stellenwert ein recht simpler Zusatznutzen für den Konsumenten haben kann. Ob die Methode, weniger Ware in kleinere, dafür aber mehrere Verpackungen zu füllen, die Müllberge vergrößert, ist allerdings nicht gewiss. Denn mundgerechte Portionen verhindern, dass Lebensmittel ablaufen, bevor sie verzehrt werden. So wird der Food Waste reduziert. Zur Erinnerung: Etwa die Hälfte aller auf der Welt produzierten Lebensmittel landet im Müll.

 

2) Längere Haltbarkeit - weniger Müll

Eine Verpackungsinnovation, die der Nahrungsmittelverschwendung entgegenwirken kann, hat Greiner Packaging International aus Oberösterreich entwickelt. Die inert barrier technology (IBT) verlängert die Haltbarkeit von in Kunststoffbechern verpackten Lebensmittel erheblich. Der Konsument profitiert zudem durch eine höhere Frische. Dank IBT ist es nämlich nicht mehr notwendig, das Lebensmittel ultrahoch zu erhitzen, oder durch Konservierungsstoffe haltbar zu machen. Eine Barriereschicht auf dem Kunststoffbecher sorgt für eine deutlich höhere Sauerstoffbarriere der Verpackung. Diese steigt bei Bechern aus Polypropylen um das 20-, und bei Bechern aus Polystyrol gar um das 30-fache. Der Zusatznutzen von solcherart beschichteten Verpackungen ist also gleich ein mehrfacher: der Inhalt schmeckt besser, hält länger frisch und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er auch gegessen wird, anstatt im Mistkübel zu landen.

 

3) Ganz bequem zum besseren Kaffee

Kaffeetrinker müssen sich generell zwischen schneller Zubereitung oder hoher Qualität entscheiden: mit Kaffeepulver und heißem Wasser steht zwar binnen Sekunden eine Tasse auf dem Tisch. Geschmacklich ist dieses Gebräu aber nicht jedermanns Sache. Andererseits braucht das Brauen eines wohlschmeckenden Espressos aus guatemaltekischen Biobohnen neben der erforderlichen Gerätschaft auch seine Zeit. Freilich: Nespresso und seine Nachahmer haben zwar mit den Kapselsystemen den Weg zum guten Kaffee außerhalb gastronomischer Betriebe  schon entscheidend vereinfacht. Der Preis dafür ist allerdings zweifachhoch: die Herstellung der Aluminiumkapseln erfordert einen hohen Aufwand an Ressourcen. Und trotz Recyclingprogrammen landen viele davon im Müll. Der Kilopreis für so verzehrten Kaffee liegt außerdem bei unglaublichen 84 Euro. Die dänische Firma Growerscup hat eine Lösung gefunden, die beiden Pole Schnelligkeit und Qualität zu verbinden, und dabei auch noch nachhaltig zu agieren. Dabei nutzen die findigen Dänen einfach die Verpackung als Kaffeemaschine. Um also in einer Minute zu einem Espresso aus guatemaltekischen Biobohnen zu kommen, ist nur ein entsprechendes Sackerl von Growerscup und heißes Wasser notwendig. Der einmal benutzte Beutel aus Papier und PE-Folie ist mehrfach nutzbar. Ist das Ende des Lebenszyklus erreicht, dann belastet der Beutel die Umwelt nicht mehr als ein benutztes Milchpackerl.

 

4) Verpackung integriert sich ins Produkt

Wie die Verpackung eines Produkts erst dann im Müll landet, wenn das Produkt selbst unbrauchbar geworden ist, zeigen Studenten der Hochschule Darmstadt mit ihrem Projekt: für eine Teekanne kreierten Sie eine Verpackung, die sich als Stövchen weiter nutzen lässt. Die puristische Lösung bekommt auch bei der Pflichtwertung Bestnoten. Denn sie schützt die Kanne ebenso, wie sie diese auch optimal präsentiert. Die Verpackung aus Wellpappe ist zudem mit einem Imprägnier-Spray vorbehandelt, sodass sie in ihrer Rolle als Stövchen nicht in Flammen aufgeht. Mit dem Projekt konnten die Studierenden übrigens den Deutschen Verpackungspreis 2016 gewinnen.

 

Fazit: Warum es Sinn macht, über Zusatzfunktionen der Verpackung nachzudenken

Viele setzen Verpackung mit dem Thema Müll gleich und vergessen dabei oft schon deren Grundfunktionen. Grundfunktionen, die übrigens nicht immer erfüllt werden, wie das bei den Milchpackungen der Vergangenheit der Fall war. Auch das Potenzial der Verpackung als Verführerin am POS ist noch immer höchst unterschätzt. Die vier Beispiele zeigen allerdings auf unterschiedliche Weise, welche Möglichkeiten in der Verpackung schlummern.  Ideen, die dem User einen echten Zusatznutzen bescheren, ist  eine davon. Die Hülle von Produkten intelligent zu gestalten und nutzbar zu machen, zahlt sich jedenfalls für den Produzenten aus. Das Gerät kann sich dadurch wesentlich von Konkurrenzprodukten unterschieden, und es lässt sich oft auch eine höhere Marge erzielen. Auch das zeigen einige der zuvor beschriebenen Lösungen. Übrigens: Die Digitalisierung eröffnet übrigens eine Flut an neuen  Chancen, um Zusatzfunktionen in eine Verpackung zu integrieren. Denn durch die Vernetzung ist es möglich, auch mit Packerl, Sackerl und Co. zu kommunizieren.

Trendsammlung Verpackungsindustrie

Topics: Innovationen in der Verpackungsindustrie