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LEAD Innovation Blog

Wie ein Wohnwürfel zeigt, was nachhaltige Fertighäuser können

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Convenience und Nachhaltigkeit sind zwei starke Trends, die auch vor Häuslbauern nicht Halt machen. Beide Bedürfnisse lassen sich mit nachhaltigen Fertighäusern befriedigen. Lesen Sie in diesem Blogbeitrag, wie und warum sich Baustoffe mit einer guten Ökobilanz sehr gut für den Hausbau mittels vorgefertigter Elemente eignen. Und wie ein niederösterreichisches Startup das Thema nachhaltige Fertighäuser neu interpretiert.

 

Mehr als jedes dritte (34,6 Prozent) neu errichtete Ein-oder Zweifamilienhaus in Österreich ist ein Fertighaus. Nach einer sinkenden Nachfrage in den letzten Jahren konnte die Fertighausbranche zuletzt wieder stark zulegen. Im Jahr 2016 wuchsen die Umsätze der Anbieter gegenüber dem Jahr davor um stolze sieben Prozent. Heuer ist mit einem Umsatzplus von 6,4 Prozent zu rechnen. Auch die Deutschen schätzen Convenience beim Bauen, wenn auch nicht so stark wie die Österreicher. Im großen Nachbarland beträgt der Anteil der Fertighäuser 17 Prozent. Spitzenreiter dort ist Baden-Württemberg mit einem Anteil von knapp 31 Prozent.

 

Bedarf an Convenience und Nachhaltigkeit wächst

 

Möglichst schnell und unbürokratisch zum eigenen Heim zu kommen, ist also in beiden Märkten stark gefragt. Der Wunsch, möglichst wenig Aufwand mit dem Errichten der eigenen vier Wände zu haben, wird dabei immer stärker: 2013 wurde nur jedes vierte Fertighaus schlüsselfertig übergeben. Derzeit liegt dieser Anteil schon bei fast einem Drittel. Nachhaltigkeit ist den Häuslbauern dabei ein sehr wichtiger Wert. Diesen Schluss lässt das Ergebnis des „DFH Trendbarometer Nachhaltigkeit“ zu. Mehr als drei Viertel der etwa 1000 befragten deutschen Bundesbürger wollen möglichst viele Nachhaltigkeitsfaktoren beim Hausbau umsetzen. 95 Prozent ist dabei aber wichtig, dass das nachhaltige Eigenheim auch bezahlbar bleibt.

 

Fertigteilhäuser bestehen in der Regel aus der nachwachsenden Ressource Holz

Diesem Wunsch zu entsprechen, ist gerade bei der Fertigteilbauweise nicht allzu schwer und folglich nicht besonders kostspielig. Denn Fertighausbauten werden in Deutschland zu 95 Prozent in Holzbauweise errichtet. In Österreich beträgt dieser Anteil 80 Prozent. Für 140 Quadratmeter Wohnfläche sind etwa 30 Kubikmeter Holz notwendig. Beim wichtigsten Baumaterial handelt es sich also schon einmal um einen natürlich nachwachsenden Rohstoff. Doch auch andere Zutaten eines Fertighauses kommen aus der Natur: Anstatt Gebäude mit dezimeterdicken Styropor-Platten einzukleiden, werden bei Fertighäusern oft alternative Dämmstoffe wie Schafwolle, Kork, Stroh, Flachs oder Altpapier (Zellulose) eingesetzt. Die Quellen dafür finden sich direkt vor der Haustüre. Und: Das Niedrigenergiehaus ist im Fertigteilhausbau schon seit einigen Jahren Standard.

 

Nachhaltigkeit am Bau betrifft nicht nur das Baumaterial

Nachhaltigkeit kann aber gerade beim Hausbau noch viele weitere Dimensionen haben. Etwa die Möglichkeit, ein Bauwerk an die sich verändernden Lebensbedingungen anzupassen um so Umzüge oder Neubauten zu vermeiden. Oder eine umweltschonende Entsorgung des Bauwerkes, wenn es seinen Lebenszyklus erreicht hat. Denn beides kostet Ressourcen, und Nachhaltigkeit beutet ja nichts anderes, als so wenig wie möglich davon zu verbrauchen.

 

Holzwürfel bilden die Basis für eine flexible Bleibe

 

Zelte und Wohnwägen, die Verwendung  von umweltverträglichen Materialien vorausgesetzt, erfüllen diese Bedingungen freilich. Aber es existieren auch jenseits dieser dann doch etwas minimalistischen und in unseren Breiten ungewöhnlichen Wohnlösungen bereits brauchbare Alternativen.

 

Das österreichische Startup Mc Cube aus Amstetten beispielsweise hat Fertigteilbauten entwickelt, die mit den Ansprüchen der Bewohner sowohl wachsen als auch schrumpfen können. Eine spezielle Modulbauweise macht dies möglich. Das flexible Bauwerk kann aber auch jederzeit seinen Standort wechseln.

 

Statt Keller oder Betonplatte fungieren Erdschrauben als Fundament

 

Die Basis für das Fertigteilhaus der etwas anderen Art bilden verschiedene Grundmodule. Die können direkt auf der grünen Wiese auf ein Fundament aus Erdschrauben gesetzt werden. Die massive Außenwand besteht aus verleimten Kreuzlagenholz und einer Dämmung aus Hanf. Das McCube erreicht Niedrigenergie-Standard, ließe sich aber auch als Passivhaus realisieren, wie der Gründer der Herstellerfirma Mc Cube, M C B GmbH, Oliver Pesendorfer versichert.

 

Mc Cube wächst und schrumpft je nach Bedarf

 

Sobald das Modul an den Strom- und Wasseranschluss angeschlossen ist, ist das neue Heim auch schon bewohnbar. Das Basismodul ist knapp 30 Quadratmeter groß und bietet alles, was ein Single oder ein Paar zum Leben braucht. Wenn dann Kinder kommen, können zum ersten Modul weitere dazugestellt werden. Ziehen die Kinder wieder aus, kann der Eigner das Haus wieder verkleinern und die nicht mehr benötigten Module wieder verkaufen. Ein solcher Second-Hand-Modul-Markt muss sich aber erst entwickeln, schließlich gibt es die M C B GmbH erst seit 2015.

 

Nachhaltigkeit hat viele Aspekte

 

Das McCube ist aus vielen verschiedenen Perspektiven aus betrachtet eine nachhaltigere Alternative zum traditionellen Hausbau.

 

  • Die verwendeten Baustoffe sind zu einem Großteil aus den nachwachsenden Materialien Holz und Hanf gemacht. Beides stammt laut Pesendorfer aus der Steiermark.
  • Die Würfel-Form der Wohnmodule weist ein optimales Verhältnis zwischen Oberfläche und Volumen auf. Damit verlieren die Räume weniger an Wärme und die Heizkosten fallen niedriger aus.
  • Ein schlüsselfertiges bzw. beziehbares Mc Cube steht innerhalb von wenigen Stunden. Zum Aufbau ist bloß einmal ein Kran notwendig. Die Umweltbelastung, die von einer mehrere Monate bestehenden Baustelle ausgeht, entfällt also. 
  • Weil das Gebäude genau dem tatsächlichen Bedarf entsprechend dimensioniert werden kann, müssen keine leere Flächen geheizt, gekühlt und geputzt werden.
  • Weil der Eigentümer den Standort des Mc Cube auch relativ leicht wechseln kann, kann er allzulange Pendlerwege vermeiden. 
  • Nichtbenötigte Module kann der Eigentümer verkaufen. Damit kann die Lebensdauer der einzelnen Elemente maximal ausgenützt werden. Und ist ein Modul dann wirklich nicht mehr zu gebrauchen, dient es als Brennholz oder kann zu einer OSB-Platte wiederverwertet werden.

 

Der Durchbruch gelang dem Startup durch die Teilnahme an der Puls4 Show 2Minuten2Millionen. Das nachfolgende Crowdfinancing-Projekt über die Plattform Conda überzeugte weitere Investoren. „2017 verlässt bereits alle 14 Tage ein neuer McCube fix und fertig die Produktion“, vermeldet Pesendorfer stolz. Ganz alleine ist er mit seinem Modulkonzept nicht am Markt. Die deutschen Unternehmen Smarthouse oder Woodee bewegt sich ebenfalls mit einem ähnlichen Konzept am Markt. Das Startup Wohnwagon bietet mit seinem Konzept eine noch ortsungebundenere, dafür aber etwas kleinere Behausung an, als McCube das tut. Auch die Betriebe Eunido und die Commod Haus Gmbh offerieren Ähnliches. Und die gesamte Tiny House Bewegung, die derzeit von den USA nach Europa schwappt, belebt das Thema nachhaltige, raumoptimierte Fertighäuser ohnehin.

 

Fazit: Wie ein Wohnwürfel zeigt, was in nachhaltigen Fertighäusern steckt

Nachhaltig zu leben, ist für immer mehr Menschen ein Ziel. Um dieses zu erreichen, ist die Mehrheit aber nicht bereit, hohe Kosten oder einen Verlust an Komfort hinzunehmen. Wirklich intelligente Lösungen machen das auch gar nicht nötig. Ganz im Gegenteil. Sie generieren auch noch Vorteile für ihre Nutzer. Nachhaltige Fertighäuser wie beispielsweise das beschriebene Mc Cube zeigen das deutlich.

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Topics: Innovationen Baustoffe und -elemente