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LEAD Innovation Blog

Industrie 4.0: Verpasst die Verpackungsindustrie den digitalen Anschluss?

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Die  Industrie 4.0 mit dem Leitgedanken der ganzheitlichen Digitalisierung und Vernetzung nimmt dank innovativer Technologien immer mehr an Fahrt auf. Auch in der Verpackungsindustrie bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, den digitalen Wandel voranzutreiben. Doch nicht nur die Verpackungen selbst werden digitaler, auch der Herstellungsprozess und die gesamte Wertschöpfungskette entwickeln sich rasant weiter.  

Industrie 4.0 der zwei Geschwindigkeiten

Die Zukunft liegt in smarten und intelligenten Verpackungen, vollautomatisierten Verpackungslinien und digitalen Wertschöpfungsketten. Daran wird wohl kein Weg vorbeiführen. Jene Unternehmen, die in einen entsprechenden Kompetenzaufbau investieren, können einen entscheidenden Wettbewerbsvorsprung generieren. 

Eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens IDC zeigt jedoch, dass Industrie 4.0 Initiativen oft in der Pilotphase hängen bleiben. Obwohl die Zahl der Pilotprojekte steigt, stagniert die Zahl der umgesetzten Initiativen. Die Detailauswertung der Befragungsergebnisse brachte zudem ans Licht, dass sich eine Industrie 4.0 der zwei Geschwindigkeiten zwischen den Fabrikausstattern und den Fabrikbetreibern abzeichnet. 

Generell sei bei Maschinen- und Anlagenbauern eine höhere Aufgeschlossenheit und ein stärkerer Umsetzungswille vorhanden als bei Produktionsunternehmen. Das spiegle sich in einer deutlich höheren Anzahl an 4.0-Initiativen, der Bildung von Industrie 4.0 Kompetenzteams und der Planung entsprechender Budgets wieder.

Auch besitzen nur etwa fünf Prozent der befragten Industrieunternehmen eine zentrale Datenplattform, die alle Bereiche entlang der Wertschöpfungskette vernetzt. Dennoch waren etwa zwei Drittel der Unternehmen der Auffassung, dass sich das Konzept der Industrie 4.0 in Fertigung und Engineering durchsetzen wird. Allerdings seien auf diesem Weg Hürden wie das Aufbrechen etablierter Strukturen und Verfahren, die Auswahl der richtigen Technologien sowie die Absicherung von Firmen- und Maschinendaten zu nehmen.

  

Verpackungshersteller derzeit noch zurückhaltend

Ein ähnliches Bild zeichnet eine kürzlich durchgeführte Umfrage zum Thema Industrie 4.0 in der Verpackungsindustrie, an der Verpackungshersteller aus Österreich, Deutschland und der Schweiz teilnahmen: Etwa 70 Prozent der Unternehmen verfügen derzeit noch nicht über die erforderlichen digitalen Kompetenzen und bei etwa 60 Prozent ist nicht bekannt, was Industrie 4.0 überhaupt konkret bedeutet, sprich welche Anwendungen möglich sind und welcher Nutzen sich daraus ableitet.

Etwa die Hälfte der Manager rechnet allerdings damit, dass die Innovationen der Industrie 4.0 in ihrem Unternehmen innerhalb von zwei Jahren realisiert werden. 57 Prozent der Befragten erwarten für 2018 eine Steuerung der Herstellung auf Echtzeitdaten-Basis. Zudem empfinden es rund 80 Prozent als besonders wichtig, dass die Planung und  Produktionssteuerung sowie der maschinelle Herstellungsprozess der Verpackungen selbst digitalisiert werden. 

Aktuell herrscht jedenfalls noch Uneinigkeit in Hinblick auf die Nutzung von Industrie 4.0 Technologien für die Optimierung der Lieferketten von Verpackungsunternehmen. Während die Verknüpfung von Maschinen über die gesamte Wertschöpfungskette bei Maschinenbauern bereits weit fortgeschritten ist, scheint sich das Thema bei Verpackungsherstellern erst langsam durchzusetzen.  

 

Datensicherheit als Hemmschuh einer übergreifenden Digitalisierung

Wie bereits angesprochen, könnte sich das Thema Datensicherheit als Hürde für die übergreifende Einführung von 4.0 Anwendungen erweisen. Untermauert wird diese Sichtweise durch eine Studie des Markanalyseunternehmen PAC, die sich mit dem für die Industrie 4.0 relevanten Thema „Internet der Dinge“ befasst hat.

73 Prozent der befragen IT- und Geschäftsentscheider aus der Fertigungs- und Transportbranche in Österreich, Deuschland und der Schweiz priorisieren Investitionen in Sicherheit vor den Ausgaben für Sensorik und Netze. Bedenken hinsichtlich der Angreifbarkeit von vernetzten Produktionsanlagen wurden hierfür – aus gutem Grund – angeführt. 

Denn je mehr Vernetzung, desto größer die Gefahr von Cyberattacken. IT-Sicherheit und Compliance müssen daher insbesondere bei der Umsetzung einer übergreifenden Digitalisierung eine Schlüsselrolle einnehmen.

  

Industrie 4.0 - Lösungen sind gereift 

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Industrie 4.0 sind ausgereiftere Technologien und Lösungen für die intelligente und vernetzte Fabrik. Hersteller haben in den zurückliegenden Monaten Industrie 4.0-Lösungen verstärkt zur Marktreife gebracht. Im Fokus standen insbesondere auch Cloud-Plattformen und Software-Lösungen.

  

Dassault Systèmes digitalisiert Wertschöpfungsprozesse

Dassault Systèmes zentrale Datenplattform 3DEXPERIENCE vernetzt die komplette Wertschöpfung „end-to-end“ – also ausgehend von den Bedürfnissen des Kunden über die Entwicklung und Produktion bis hin zur Positionierung im Handel und Nutzung im täglichen Gebrauch.

 

Sämtliche Abteilungen entlang der Wertschöpfungskette werden digital zusammengeführt. Die Plattform ermöglicht somit eine durchgängig integrierte, digital unterstützte Wertschöpfung. Dank der Plattform konnte der Verpackungshersteller WestRock den Zeitraum für die Entwicklung einer Verpackung von 18 auf 6 Monate verkürzen. Ein ähnliches Konzept haben kürzlich Siemens (TIA Portal) und die Gerhard Schubert GmbH (Grips.world) vorgestellt.

 

 

 

 

Beumer Group: APP zur mobilen Überwachung

Die Beumer Group hat mit der Overall Operation Monitoring App eine Anwendung entwickelt, mit der Mitarbeiter über mobile Endgeräte jederzeit den Überblick über alle relevanten Kennzahlen der Verpackungslinien erhalten. Die App stellt sämtliche Linien übersichtlich dar und liefert den Mitarbeitern wichtige Informationen über Verfügbarkeit, Leistungs-, und Qualitätsgrad der Linie bzw. der einzelnen Maschinen sowie Energie- und Druckluftverbrauch. Der Kunde kann sämtliche Daten schnell auswerten und diese als Soll-Ist-Vergleich oder als Diagramm darstellen lassen.

 

Wipak: Einzigartige Drucktechnologie für kleine Auflagen

Auf den ständig wachsenden Bedarf an höherer Flexibilität hat Wipak mit einer innovativen Drucktechnologie reagiert, die mit einem optimierten digitalen Orderprozess kombiniert wird und damit die direkte Vermarktung individualisierbarer Verpackungslösungen im industriellen Maßstab ermöglicht. Das Konzept eignet sich ideal für die wirtschaftliche und nachhaltige Produktion kleiner Druckauflagen.

 

„Noch während des Prozesses lassen sich Druckbilder personalisieren und variieren”, erklärt Enrico Riechert,  Business Development Wipak. „Für Hersteller, die mit breiter Produktpalette und regionalen Marken auf unterschiedlichen Märkten agieren, ist das ein enormer Vorteil. Sie können dank ProDirect jetzt auf Trends, Kundenwünsche und Wettbewerber schnell reagieren und auch kleine Losgrößen, zum Beispiel für Saison- oder Aktionsartikel, effizient und umweltschonend produzieren. Mit ProDirect bekommen unsere Kunden exakt die Menge, die sie auch benötigen. Das gibt große Planungssicherheit.”

 

 

 

 

Fazit: Wer sich nicht rechtzeitig rüstet, wird abgehängt

Die Digitalisierung hat alle Unternehmensbereiche erfasst – von Einkauf, Produktion, Logistik bis hin zu Vertrieb und Marketing. Die Märkte sind massiv im Umbruch. Flexibilität und Schnelligkeit bei hoher Qualität und Wirtschaftlichkeit sind gefragt.

 „Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen: Bis 2019 werden weltweit drei Viertel der Industrieunternehmen ihre Wertschöpfungskette digital transformiert haben und dadurch erhebliche Produktivitätsgewinne erzielen. Wer sich nicht rechtzeitig rüstet, wird abgehängt.“

 Andreas Barth, Managing Director EuroCentral von Dassault Systèmes

 

Trendsammlung Verpackungsindustrie

Topics: Innovationen in der Verpackungsindustrie